Bestand 73 Schachtanlage Königsborn, Unna-Bönen



Laufzeit : 1889 - 1977



Inhalt : Die Zeche Königsborn geht auf die staatliche Saline Königsborn bei Unna zurück, die vor allem durch den Einsatz der ersten Dampfmaschine in Westdeutschland zur Salzsoleförderung 1799 bekannt wurde. Im Jahr 1873 erwarb ein privates Konsortium unter Leitung von Friedrich Grillo Saline und Bad Königsborn sowie die Steinkohlenberechtsame des bis dahin wegen Mutung auf Steinkohle gesperrten Solefeldes vom preußischen Staat. Die neu gegründete Gewerkschaft Königsborn begann dann 1874 mit dem Abteufen des Schachtes Königsborn 1.

1895 wurde die Gewerkschaft Königsborn in die Königsborn AG für Bergbau, Salinen- und Solbad-Betrieb umgewandelt. Mit dem Abteufen des Schachtes Königsborn 3 1899 und Königsborn 4 im Jahr 1901 verfügte die Gesellschaft über zwei Betriebsanlagen: die getrennten Schachtanlagen 1 und 2, die unter Tage eine Grubenabteilung bildeten und die neue Doppelschachtanlage 3/4. Der Schacht Königsborn 1 wurde 1904 als Förderschacht stillgelegt, auf Königsborn 2 und 3/4 wurden im gleichen Jahr Kokereien in Betrieb genommen.

Am 9. Dezember 1920 kam es auf Beschluss der Gesellschaft zu einem Betriebs- und Interessenvertrag mit der Lothringer Hütten- und Bergwerksverein AG in Rauxel, der die Verschmelzung der beiden Gesellschaften einleitete. Im gleichen Jahr schloss auch die 1856 gegründete Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein AG bei Osnabrück, die 1899 die Grubenfelder der Zeche Werne erworben und 1902/1903 die Schächte Werne 1 und Werne 2 in Betrieb genommen hatte, einen Betriebs- und Interessengemeinschaftsvertrag mit der Lothringer Hütten- und Bergwerksverein AG ab. Ziel des Vertrages war es, die Geschäfts- und Betriebsführung beider Gesellschaften nach einheitlichen Gesichtspunkten zu gestalten.

Am 9. Februar 1923 kam es zu einer Fusion aller Gesellschaften, die einen Interessengemeinschaftsvertrag mit der Lothringer Hütten- und Bergwerksverein AG geschlossen hatten. Das gesamte Vermögen gingauf die nun in Klöckner-Werke AG umbenannte Gesellschaft über. Als Verwaltung für den Steinkohlenbergwerksbesitz wurde die Bergbauverwaltung Rauxel der Klöckner-Werke AG gegründet, die die Zechen Victor, Ickern, General, Königsborn und Werne umfasste.

Auf dem Schacht Königsborn 3/4 wurde 1924 eine Kokerei mit Nebenproduktengewinnungsanlagen errichtet. Wesentlich verstärkt wurde der Verbundbetrieb zwischen den Klöckner-Zechen 1929 durch die Inbetriebnahme einer 60 000 Volt-Hochspannungsleitung zwischen den Zechen Victor, Ickern, Königsborn und Werne. Nach dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise 1930 wurden die Förderung auf Schacht Werne 3 und die Kokerei des Schachtes stillgelegt, gleichzeitig jedoch der neue Schacht Königsborn 5 abgeteuft.

Im Rahmen der Entflechtung der deutschen Montanindustrie, in die auch die Klöckner-Werke AG einbezogen war, wurden 1951 die Zechen Königsborn und Werne vollständig aus dem Vermögen der ehemaligen Klöckner-Werke ausgegliedert und in die 1951 gegründete selbstständige Bergwerksgesellschaft Bergwerke Königsborn-Werne AG eingebracht. Die neue Gesellschaft verfügte über die Zechen Königsborn 1/2/5, die Zeche Königsborn 3/4 und die Zeche Werne. Der Schacht Königsborn 5 wurde 1953 zum Förderschacht ausgebaut und 1954 in Betrieb genommen.

Ein erneuter wirtschaftlicher und organisatorischer Verbund zwischen den Zechen Königsborn und Werne und der Klöckner-Werke AG kam 1952 mit der Übernahme der Aktienmehrheit der Bergwerke Königsborn-Werne AG durch die Klöckner-Werke AG zustande. Aufgrund dessen wurde der Firmenname 1955 in Klöckner-Bergbau Königsborn-Werne AG geändert.

1964 wurde die Förderung im Schacht 5 der Zeche Königsborn eingestellt, am 30. Juni 1966 erfolgte die Stilllegung des Schachtes Königsborn 2/5 und des Wetterschachtes Königsborn 1. Im Rahmen der Stilllegung der Zeche Werne am 31. Januar 1975 wurde schon 1974 Schacht 3 der Zeche Werne von Königsborn übernommen. Am 15. Mai 1981 wurde die Zeche Königsborn 3/4 stillgelegt.

Der Bestand enthält Akten der Betriebsanlagen Königsborn 1/2/5, Königsborn 3/4, Werne 1/2 und Werne 3 über den Zeitraum von 1890 bis 1972. Die übergreifende Aktenbildung ist in der gemeinsamen Bergbauverwaltung der Klöckner-Werke AG für die Zechen Königsborn und Werne begründet. Einen guten Einblick in die Betriebsentwicklung dokumentieren die monatlichen Betriebsberichte der Anlagen, die für den Zeitraum 1921/1922 bis 1968 erhalten sind und zwar im Einzelnen für die Zeche Königsborn 3/4 von 1921 bis 1964, für die Zeche Königsborn 2/5 von 1921 bis 1968, für die Zeche Werne 3 von 1921 bis 1930 und für die Zeche Werne 1/2 von 1921 bis 1968.

Neben den Betriebsberichten enthält der Bestand Unterlagen zu allgemeinen Belegschafts- und Verwaltungsfragen sowie die Akten der Flözarchive der Zechen Königsborn und Werne. Die Akten wurden 1979 von der Bergbau AG Westfalen übernommen. Betriebsberichte 1921-1968 (143)
Grundstücke/Bauvorhaben 1889-1941 (24)
Verwaltung 1933-1977 (18)
Belegschaftsfragen 1904-1974 (116)
Flözarchiv 1950-1967 (17)
Bergtechnik/Tagesbetrieb 1914-1965 (13)
Melde-, Diplom- und Assessorarbeiten (76)

Umfang : 18,3 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Klöckner-Bergbau Victor-Ickern (Bestand 25), Schachtanlage Werne (Bestand 57)

Literatur : Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 374-382.
Josef Zygmunt: Frühe Jahre der Gemeinde Heeren-Werve 1871-1945. Beschreibung am Beispiel der Zeche Königsborn II/V, Kamen 1985.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 571 ff., S. 962 f.
Michael Fessner: Steinkohle und Salz. Der lange Weg zum industriellen Ruhrrevier, Bochum 1998 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum. 83).
Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken