Bestand 86 Hydrogrube Hansa, Dortmund-Huckarde



Laufzeit : 1926 - 1981



Inhalt : Die Geschichte der Zeche Hansa ist seit dem 19. Jahrhundert durch häufig wechselnde Besitzer und die Zugehörigkeit zu verschiedenen Gesellschaften des Ruhrbergbaus charakterisiert. Nach ersten Schürfversuchen um 1840 gehörte Hansa seit 1855 zur Dortmunder Bergbau- und Hütten-AG. Nachdem diese Gesellschaft Anfang der 60er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, gelangte die Zeche 1866 in den Besitz der Preußischen Bergwerks- und Hütten-AG von William Thomas Mulvany. Ähnliche Gründe führten 1877 zu einem erneuten Besitzerwechsel: Hansa wurde vom Westfälischen Grubenverein, einer Gründung von Friedrich Grillo, übernommen. Nach Grillos Tod kaufte die Berliner Disconto-Gesellschaft die Aktien dieses Vereins und bot sie 1892 der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) zum Kauf an. Auf Beschluss der Aktionärsversammlung gelangte die Zeche Hansa im selben Jahr in den Besitz der GBAG. Im Zuge der fortschreitenden Kartellierung und Konzentration der Ruhrindustrie gründete die GBAG mit anderen Gesellschaften die Vereinigte Stahlwerke AG (VSt). Bis zur Neugestaltung des Bergbaus nach 1945 gehörte die Zeche Hansa der Gruppe Dortmund in der Abteilung Bergbau der VSt an.

Die Rückführung der Zeche Hansa in eine eigenständige Gesellschaft, die Hansa Bergbau AG, im Jahr 1953 bildete einen Teil der alliierten Bestrebungen, die Ruhrindustrie mit Hilfe der Gesetze 75 und 27 zu entflechten und in kleineren Betrieben neu zu organisieren. Die tatsächlichen Besitzverhältnisse erfuhren durch diese Maßnahmen allerdings nur geringfügige Änderungen: Die Hansa Bergbau AG wurde zu 50 % von der Dortmunder Bergbau AG, einer 100 %igen Tochter der GBAG, gehalten.

Bereits im Jahr 1949 begann der gemeinschaftliche Betrieb unter Tage mit der benachbarten Zeche Westhausen, einer Anlage, die seit 1897 zur GBAG gehörte. Westhausen stellte im Jahr 1956 die eigenständige Förderung ein. Zusätzlich übernahm Hansa 1964 unter Tage die Förderung der Dortmunder Zeche Gustav (Adolf von Hansemann). Als am 27. November 1968 die Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) beschlossen und am 28. Juli 1969 der Grundvertrag über die Bildung einer Gesamtgesellschaft des Ruhrbergbaus unterzeichnet wurde, ging auch die Hansa Bergbau AG in dieser neuen Gesellschaft auf.

Die Gründung der Hydrogrube Hansa fiel zeitlich mit dem Stilllegungsbeschluss für die Steinkohlenzeche Hansa gemäß Aufsichtsratsbeschluss vom 8. November 1973 für das Jahr 1975 zusammen. Begründet wurde diese Maßnahme mit dem Mangel an abbauwürdiger Kohle in der flachen Lagerung. Verschiedene Gründe führten dann zu dem revidierten Entschluss, von der vollständigen Stilllegung abzusehen und die Anlage als Forschungsprojekt für den Hydrobergbau weiterzuführen. Dazu trug die in den 70er Jahren veränderte Energiesituation bei, die den Abbau von Kohlenvorräten in geneigter und steiler Lagerung mit Hilfe von Wasser sinnvoll erscheinen ließ. Dies bestätigte sich auch im Rahmen kleinerer Versuche auf den Ruhrgebietszechen Pörtingssiepen, Carl Funke und Gneisenau.

Die Lagerstätten der Zeche Hansa und vor allem der ehemaligen Zeche Westhausen schienen sich in besonderem Maße für ein derartiges Projekt zu eignen: Die abbauwürdigen Kohlenvorräte in geneigter und steiler Lagerung zwischen 25º und 70º Einfallen wurden insgesamt auf 70 Mio. t geschätzt. Vor allem die Vorräte der mittleren und unteren Fettkohle der Flöze Blücher bis Sonnenschein galten als gut verkokbar. Optimistische Schätzungen erwarteten nach einer Anlaufphase eine tägliche Förderung von etwa 4 000 t.

Neben den geologisch günstigen Voraussetzungen beeinflussten vor allem wirtschaftliche Überlegungen die Hinwendung zu diesem Forschungsprojekt: Die Fremdversorgung der Kokerei und des Kraftwerks Hansa, die beide weitergeführt werden sollten, hätte erhebliche finanzielle Aufwendungen erfordert. Zum anderen fürchteten die Verantwortlichen einschneidende finanzielle Nachteile durch zu erwartende Buchverluste durch Restwertabschreibungen der modernen Tagesanlagen. Darüber hinaus schienen das bessere Ausbringen der Kohle sowie der "preiswerte" Einwegeausbau eine langfristige Senkung der Betriebskosten zu garantieren. Zusätzlich hätte die vollständige Stilllegung der Zeche Hansa die Finanzierung teurer Sozialpläne für die Belegschaft erzwungen, die durch den Hydrobetrieb mindestens teilweise umgangen werden konnte: Das Forschungsprojekt sicherte immerhin 1 200 von vorher etwa 2 600 Arbeitsplätzen.

Nach der Entscheidung für das Forschungsprojekt "Hydrobergbau" erstreckte sich die Planungsphase, in der die Umstellung vom konventionellen Abbau auf den Hydrobetrieb vollzogen wurde, über zwei Jahre vom März 1975 bis zum Oktober 1977. Die technische Ausstattung der Grube und notwendige bergmännische Vorleistungen verschlangen bis 1977 bereits 113 Mio. DM. Finanziell beteiligten sich neben der RAG das Bundesministerium für Wirtschaft mit etwa 10 Mio. DM und das Bundesministerium für Forschung und Technologie, das dieses Projekt bis 1981 mit etwa 116 Mio. DM zu unterstützen beabsichtigte.

Für die technische Ausstattung war eine Arbeitsgemeinschaft verschiedener Firmen verantwortlich: Die Firma Siemag Transplan, Netphen, übernahm Planung und Ausstattung des Verfahrensablaufs unter Tage. Tesco Melypterv, ein ungarisches Unternehmen, übte eine beratende Tätigkeit für die hydraulische Förderung aus und die Dortmunder Bergbau AG koordinierte die Planung der Bergtechnik und der Tagesanlagen.

Der Abbau erfolgte nach dem Prinzip des Teilsohlenbruchbaus. Die Kohle wurde mit Hilfe von Wasserwerfern (Wasserkanonen) gelöst, die hydromechanisch gewonnene Kohle gelangte von den Abbauörtern in offenen Trüberinnen zu zentralen Aufgabestationen, die sich jeweils an den Fußpunkten der Gesteinsberge befanden. An den Aufgabestationen wurde das Fördergut zerkleinert und mit Hilfe von Pumpen als Feststoff-Wassergemisch zu den Rohkohlebecken am Schacht weitergeleitet. Von dort aus drückte Hochdruckwasser den Inhalt der Rohrkammern durch eine Förderleitung in die Wäsche, bis die Kohle letztendlich in die neu konzipierte Aufbereitungsanlage gelangte.

Insgesamt zeigte sich jedoch nach der relativ kurzen Versuchsphase von etwa zwei Jahren, dass das Forschungsprojekt die ehrgeizigen Erwartungen nicht befriedigen konnte. Statt der anvisierten 4 000 t täglich erreichte die Förderleistung lediglich zwischen 1 500 t und 1 800 t täglich. Die quantitative Überschätzung der abbauwürdigen Kohlenvorräte und kontinuierliche technische Probleme bei der hydromechanischen Kohlegewinnung ließen eine Weiterführung dieses Projektes unwirtschaftlich erscheinen. Gleichzeitig verursachte die im Hydrobergbau notwendige Sonderbewetterung große Schwierigkeiten. Bei einer hieraus resultierenden Schlagwetterexplosion fanden am 22. März 1979 sieben Bergleute den Tod. Die angesprochenen Faktoren veranlassten das für die Finanzierung zuständige Bundesministerium für Forschung und Technologie zur vorzeitigen Einstellung der Fördermittel. Die Stilllegung der Hydrogrube Hansa erfolgte am 28. November 1980. Die Leitung aller Abschlussarbeiten bis zur Entlassung des Tagesgeländes aus der Bergaufsicht übernahm die Leitung der Schachtanlage Minister Stein-Hardenberg.

Der Bestand wurde nach der Stilllegung der Hydrogrube Hansa 1981 vom Bergbau-Archiv übernommen. Er besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Zum Steinkohlenbergwerk Hansa-Westhausen überwiegen Diplomarbeiten, geologische Meldearbeiten, Assessorarbeiten und Dissertationen aus dem Zeitraum 1950 bis 1960, die verschiedenen Themenkreisen zugeordnet sind. Den eigentlichen Schwerpunkt des Bestandes bildet hingegen die Dokumentation des Forschungsprojektes Hydrogrube Hansa: schriftlich fixierte Arbeiten zu Detailfragen, Korrespondenzen mit Bergbehörden und Geldgebern, Pressenotizen, Berichte über vergleichbare Anlagen. Eine Fotodokumentation und eine Sammlungvon Karten, Plänen und Rissen vervollständigen die Unterlagen zum Hydrobetrieb. Steinkohlenbergwerk Hansa-Westhausen
Geschichte der Anlage 1926-1971 (12)
Grubenbild/Zechenbuch/Planungen 1933-1978 (9)
Belegschaft/Betriebsrat 1957-1978 (3)
Diplom- und Assessorarbeiten/Dissertationen (70)
Hydrogrube Hansa
Planung/Vorbereitung 1965-1979 (22)
Vorstand Bergbau AG Westfalen 1973-1981 (18)
Forschungs- und Entwicklungsprogramm Optimierung Hydrobergbau 1966-1981 (137)
Bergbehörde 1975-1980 (31)
Planungsphasen des Hydrobetriebes 1974-1980 (53)
Statistik/Erfassung von Betriebsdaten 1977-1980 (28)
Presse/Öffentlichkeitsarbeit 1967-1980 (2)
Berichte/Vorträge

Hydrobetrieb auf der Zeche Hansa 1974-1981 (33)
Hydrobergbau im Ausland 1959-1980 (8)
Fotodokumentation des Forschungs- und Entwicklungsprogramms
Karten/Pläne/Risse


Umfang : 18,6 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Dortmunder Bergbau AG (Bestand 47), Schachtanlagen Adolf von Hansemann/Hansa(Bestand 108), Ludwig Gerstein (Bestand 162)

Literatur : Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 202.
Jahrbuch für Bergbau, Energie, Mineralöl und Chemie, 1968, S. 63.
Tilo Cramm (Bearb.): Hansa/Westhausen. Dortmunder Bergwerke 1854-1980, Essen 1997 (= Schriften des Westfälischen Industriemuseums. 17).
Horst Meister: Hansa und Westhausen. Daten zur Geschichte des Steinkohlenabbaus in Dortmund-Huckarde und Dortmund-Bodelschwingh, Dortmund-Huckarde 1997.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 441-444.
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