Bestand 88 Bergwerksgesellschaft Dahlbusch, Gelsenkirchen-Rotthausen



Laufzeit : 1838, 1853 - 1978



Inhalt : Die Bergwerksgesellschaft Dahlbusch hatte mehrere Vorgängergesellschaften, die auf die Mutungsfelder der Besitzer Wilhelm Eigen aus (Essen-) Werden, Georg Friedrich Wülbern und Franz Homey aus Essen zurückgehen und zwischen 1845 und 1847 erworben wurden.

Die Schürf- und Mutungsrechte von Homey und Eigen gingen schon bald in das Eigentum von Ludwig Teinturier aus Brüssel und Bergamtsassessor Heinrich Thies aus Essen über. Zu jener Zeit herrschte reges Interesse ausländischer Finanziers an dem neu aufgeschlossenen Kohlegebiet der Emscher Mulde. Die Gesellschaften Dahlbusch, Rheinelbe und Hibernia entstanden mit ausländischem Kapital. Thies vermittelte Schürf- und Mutungsrechte über Teinturier an belgische und englische Geldgeber.

Mit diesem Kapital wurde 1847 die Englisch-Belgische Gesellschaft der Rheinischen Bergwerke gegründet, die sich aufgrund knapper Geldmittel jedoch schon 1848 zur Einstellung des Abteufens des Mutungsschachtes König Leopold genötigt sah. Der belgische Bergingenieur Joseph Chaudron und einige belgische Aktionäre führten die Gesellschaft jedoch weiter. Chaudron war von 1873 bis zu seinem Tod im Jahr 1905 Aufsichtsratsvorsitzender der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch und machte sich um die technische Entwicklung der Gesellschaft beim Abteufen der Schächte 1, 2 und 4 durch das erstmalig im Ruhrrevier eingeführte Kind-Chaudron-Schachtbohrverfahren verdient.

Bis 1852 wurde die Gründung einer neuen Gesellschaft, der Belgisch-Rheinischen Gesellschaft der Kohlenbergwerke an der Ruhr, vorbereitet, die durch deutsche und belgische Aktionäre aus den Geldnöten der Ursprungsgesellschaft führen sollte.

Das Grubenfeld Dahlbusch hatte 1859 eine Ausdehnung von 3,7 Mio. m2. 1867 wurde ein Wetterschaft niedergebracht und 1868 Schacht 2 für den nördlichen Feldesteil in der Nähe der Köln-Mindener Eisenbahn abgeteuft, der im Jahr 1870 die Förderung aufnahm.

Aus Kapitalnot und der Notwendigkeit dringender Erweiterungen der Tagesanlagen wurde die Belgisch-Rheinische Gesellschaft der Kohlenbergwerke an der Ruhr 1873 liquidiert und auf der Basis neuer Geldgeber als Aktiengesellschaft Bergwerksgesellschaft Dahlbusch neu gegründet. Den Vorsitz übernahm Joseph Chaudron.

1874 wurde mit der Errichtung einer Doppelschachtanlage im südlichen Feldteil mit den Schächten 3 und 4 begonnen. Betrug die Gesamtförderung von Dahlbusch im Jahr 1872 noch 183 000 t, so stieg sie bis 1890 auf 877 000 t an. Schacht 5, der für die Fettkohleförderung abgeteuft wurde, entstand zwischen 1890 und 1895. In diesem Zeitraum beteiligte sich die Bergwerksgesellschaft Dahlbusch auch an der Gründung des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats. Im Jahr des Förderbeginns von Schacht 5, 1895, wurde Schacht 6 abgeteuft, der 1899 in Betrieb ging.

Im Jahr 1900 errichtete die Bergwerksgesellschaft Dahlbusch ihre erste Kokerei auf der Schachtanlage 5 mit 60 Öfen in zwei Batterien und einer Nebenproduktengewinnungsanlage, die bis 1919 in Betrieb blieb. Etwas später wurde auch auf der Anlage 3/6 eine Kokerei mit Nebenproduktengewinnungsanlage gebaut. 1903 lag die Förderung erstmals bei über 1 Mio. t Kohle.

1905 trat die Bergwerksgesellschaft Dahlbusch der Gesellschaft für Teerverwertung mbH und der Deutschen Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung bei und nach Angliederung einer Benzolgewinnungsanlage im Jahr 1908 auch der Deutschen Benzol-Vereinigung.

1912 wurde der Wetterschacht Berger abgeteuft, der 1914 als Zentralwetterschacht in Betrieb genommen wurde. Im gleichen Jahr wurde mit Bohrungen für Schacht 8 begonnen. Er sollte die Schachtanlage 2/5 erweitern und blieb bis zur Einstellung der Förderung von Dahlbusch der Hauptförderschacht. 1916 verließ die erste Kohle Schacht 8.

Zur Erweiterung der finanziellen Basis fungierte die Bergwerksgesellschaft Dahlbusch als Mitbegründer der Deutschen Libbey-Owens Gesellschaft für maschinelle Glasherstellung AG mitSitz in Gelsenkirchen. 1926 und 1928 beteiligte sich Dahlbusch an der Aktiengesellschaft für Kohleverwertung, später Ruhrgas AG, in Essen und der Ruhrchemie AG in Oberhausen-Holten.

Die Schächte 1, 3 und 4 wurden 1927, 1929 und 1932 verfüllt. Im Jahr 1928 ging die gesamte Förderung auf Schacht 8 über. Schacht 6 diente als Seilfahrts-, Material- und Wetterschacht. Zentraler Wetterschacht blieb Schacht Berger, der auch für die Materialförderung ausgebaut wurde. Hinzu kam noch der Schacht Hibernia 1 im Pachtfeld Hibernia. 1936 wurden die Gewerkschaften Wilhelmine Katharina und König Wilhelm vom Essener Bergwerks-Verein König Wilhelm zur Feldvergrößerung übernommen. Im Jahr 1940 betrugen die Gesamtberechtsame 23,75 Mio. m2. 1942 beteiligte sich die Bergwerksgesellschaft Dahlbusch an der Pacht des Grubenfeldes der ehemaligen Zeche Hibernia.

Eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion im Flöz Hugo 1950 - sie forderte über 70 Tote - zwang zur vorübergehenden Aufgabe des Westfeldes und ein ausgedehnter Grubenbrand im Feld Hibernia 1955 unterbrach ebenfalls die Förderung. Ende der 50er Jahre erfolgte eine Rationalisierungsphase, in der die Energieerzeugung und -verteilung auf Schacht 8 zusammengefasst wurde.

Der Name Dahlbusch ging durch die Rettung der drei in 850 Meter Tiefe verschütteten Bergleute am 7. Mai 1955 in die Geschichte ein. Zu ihrer Bergung wurde auf der Schachtanlage die so genannte "Dahlbusch-Bombe" entwickelt, die sich besonders bei der Rettung der eingeschlossenen Bergleute des Grubenunglücks von Lengede bewährte und sich heute im Deutschen Bergbau-Museum Bochum befindet. Am 31. März 1966 wurden die Schachtanlage Dahlbusch stillgelegt, die Schächte verfüllt und die Tagesanlagen weitgehend abgerissen.

Die Akten wurden 1981 aus den Magazinräumen des Schachtes 8 in das Bergbau-Archiv überführt. Der Bestand vermittelt eine detaillierte Übersicht über die Geschäftsführung anhand zahlreicher Aufsichtsratsprotokolle und Geschäftsberichte. Das Personal- und Sozialwesen ist besonders umfangreich dokumentiert, ebenso die Bereiche Wohnungswesen und Bergschäden. Bei der Sichtung der Unterlagen vor Ort wurde eine relativ geschlossene Aktengruppe Unfallanzeigen vorgefunden, die in dieser Dichte in anderen Beständen des Bergbau-Archivs nicht vorhanden ist. Geschäftsführung
Aufsichtsrat 1873-1966 (13)
Generalversammlungen 1891-1940, 1952-1967 (18)
Geschäftsberichte 1940-1976 (25)
Verwaltung 1908-1971 (9)
Finanz- und Rechnungswesen

Geschäftsbücher 1861-1965 (172)
Schriftwechsel 1940-1971 (7)
Steuern/Versicherungen 1902-1972 (36)
Personal- und Sozialwesen

Allgemeine Belegschaftsangelegenheiten 1921-1974 (18)
Allgemeine Tarifangelegenheiten 1921-1972 (10)
Löhne/Gehälter 1928-1972 (284)
Schichtenzettel 1934, 1940-1966 (256)
Werksfürsorge 1925-1972 (33)
Ausbildungs- und Jugendangelegenheiten 1926-1969 (11)
Krankenwesen 1934-1970 (28)
Unfallanzeigen 1921-1970 (306)
Belegschaftsstatistik 1938, 1958-1968 (108)
Personalien 1898-1978 (214)
Grundstücksangelegenheiten 1853-1964 (118)
Bauangelegenheiten 1898-1971 (94)
Liegenschaften/Wohnungwirtschaft 1838, 1879-1966 (107)
Grubenbetrieb 1892-1894, 1903-1966 (139)
Tagesbetrieb

Allgemeines 1879-1925, 1942-1970 (24)
Schacht 1 1897-1923, 1952-1965 (15)
Schacht 2/5/8 1881, 1890-1964 (99)
Schacht 3/6 1889-1969 (32)
Schacht Berger 1912-1914 (2)
Kokerei/Benzolfabrik 1904-1905, 1922-1965 (13)
Markscheiderei 1859, 1885-1974 (41)
Eisenbahn/Straßenbahn 1879, 1894-1974 (15)
Wasserwirtschaft 1^872-1879, 1891-1973 (44)
Bergschäden

Allgemeines 1882-1974 (33)
Einzelfälle auf den Grubenfeldern von Dahlbusch 1897-1959, 1971 (156)
Einzelfälle auf den Grubenfeldern anderer Zechen 1880-1949 (30)
Bergschädenprozesse 1891-1913 (24)
Bergschädenregulierung mit anderen Zechen 1902-1972 (41)
Bergschäden an Eisenbahn- und Straßenbahnstrecken 1885, 1902-1961 (18)
Tochtergesellschaften
Wilhelmine Katharina/König Wilhelm 1925-1964 (6)
Gelsenkirchener Zementwarenfabrik Ostermann & Co. 1909-1968 (10)
Beteiligungen 1942-1973 (22)
Verbände/Organisationen 1946-1967 (15)
Gutachten über andere Zechen 1882-1920 (11)
Veröffentlichungen (25)


Umfang : 62 m

Literatur : Dahlbusch - Die Geschichte einer Ruhrzeche (zum 100-jährigen Bestehen der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch), Gelsenkirchen 1952.
Wilhelm Kesten: Die Geschichte der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch, Essen 1952.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 116-123.
Evelyn Kroker: Wilhelm Kesten, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 11, Berlin 1977, S. 551 f.
Wilhelm Treue: Geschichte der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch, Frankfurt (Main) 1988.
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