Bestand 94 Schachtanlagen Kaiserstuhl-Ost und Kaiserstuhl-West, Dortmund-Eving



Laufzeit : 1919 - 1970



Inhalt : Die beiden Schachtanlagen Kaiserstuhl 1 (West) und Kaiserstuhl 2 (Ost) in Dortmund-Eving bildeten den Kern des Bergwerkseigentums des ehemaligen Eisen- und Stahlwerkes Hoesch, das sie 1899 von der Gewerkschaft Ver. Westphalia erworben hatte. Kaiserstuhl 1 nahm 1877, Kaiserstuhl 2 1894 die Förderung auf. Beide Anlagen verfügten 1899 über zwei fördernde Schächte. 1918 gliederte sich Hoesch die in Dorsten gelegene Zeche Fürst Leopold ein. Die Förderung auf den Kaiserstuhl-Anlagen nahm in den 30er und zu Beginn der 40er Jahre einen stetigen Aufschwung, bis im Herbst 1944 schwere Luftangriffe die Anlagen so schwer beschädigten, dass die Förderung eingestellt werden musste.

Im Zuge der Entflechtung wurden 1952 die Zechen Kaiserstuhl 1 und Kaiserstuhl 2 sowie Fürst Leopold-Baldur aus der Hoesch AG ausgegliedert und in der Hoesch Bergwerks AG neu zusammengefasst. Ihr Grundkapital war bereits im Juli 1952 auf die Hoesch Werke AG übertragen worden.

1953 wurden die Schachtanlagen Kaiserstuhl-West (früher 1) und Kaiserstuhl-Ost (früher 2) auf der 7. Sohle miteinander verbunden und 1955 auf Kaiserstuhl-Ost ein neuer Förderturm mit Gefäßförderung errichtet. Damit wurde auf der Anlage Kaiserstuhl-Ost die gesamte Förderung beider Zechen zu Tage gefördert und dort auch aufbereitet. Im Zuge der Kohlenkrise von 1957 erfolgte 1959/1960 eine Teilstilllegung von Kaiserstuhl. 1964 wurden die Kaiserstuhl-Anlagen nach den Bestimmungen des Rationalisierungsgesetzes vorsorglich zur Stilllegung angemeldet und zum 30. Juni 1966 die Förderung eingestellt. Trotz über dem Durchschnitt der übrigen Ruhrzechen liegender Schichtleistungen war Kaiserstuhl die erste stillgelegte Hoesch-Zeche in den 60er Jahren, da hier die geringsten Kohlenvorräte anstanden und die Bergschädensicherung besonders kostenintensiv war (Abbau unter dem Gelände der Westfalenhütte/Eisenbahnanlagen). Von der Stilllegung nicht berührt waren die Kokerei und die Hilfsbetriebe.

Die Hoesch AG brachte 1969 ihren Bergbaubesitz in die Ruhrkohle AG (RAG) ein und erwarb eine Beteiligung von 6,4 % an deren Grundkapital.

Durch Vermittlung der Geschäftsführung der Bundesknappschaft wurden die Schichtenzettel und Lohnlisten der Zechen Kaiserstuhl-West und Kaiserstuhl-Ost dem Bergbau-Archiv von der Hoesch AG angeboten, da sie dort nicht mehr benötigt wurden und vernichtet werden sollten. Mit geringfügigen Lücken waren sie von 1942 bis 1969 vollständig erhalten, in der Regel monatsweise gebunden, übersichtlich geordnet und magaziniert. Das Bergbau-Archiv wählte daraus zur dauernden Aufbewahrung die Schichtenzettel und Lohnlisten für die Jahre 1942 bis 1944 - soweit vorhanden - vollständig und für die Jahre 1945 bis 1969 jeweils die Monate Januar und Juli aus. Die Schichtenzettel wurden nach Steigerrevieren bzw. -abteilungen geführt und innerhalb der Abteilungen nach Arbeitsverrichtungen, die im Einzelnen pro Beschäftigten (mit Markennummer) aufgeschlüsselt waren. Die so in den Schichtenzetteln notierten verfahrenen Schichten waren die Grundlage für die Lohnberechnung. In den Lohnlisten wurden die Beschäftigten nach Markennummern (mit Namen und Geburtsdatum) geführt. Erst Schichtenzettel und Lohnliste zusammen ergeben ein einigermaßen geschlossenes Bild vom Arbeitseinsatz und der Lohnentwicklung eines einzelnen Beschäftigten. Die Unterlagen wurden deshalb so geordnet, dass pro Monat die Schichtenzettel und die Lohnlisten für den jeweiligen Betrieb zusammengefasst wurden.

In den Bestand wurden außerdem zwei Personalkarteien mit rund 19 000 Karteikarten über Beschäftigte aufgenommen, die eine Laufzeit von ca. 1919 bis 1954 haben. Mit den Kaiserstuhl-Akten verfügt das Bergbau-Archiv über einen sozialstatistisch dichten Bestand eines Bergwerks des Ruhrbergbaus. Schichtenzettel/Lohnlisten 1942-1970 (370)
Personalkartei 1919-1954 (19 000)

Umfang : 39,6 m

Literatur : Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 346-357.
Horst Mönnich: Aufbruch ins Revier. Aufbruch nach Europa. Hoesch 1871-1971, München 1971, S. 146, S. 383 ff.
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