Bestand 108 Schachtanlagen Adolf von Hansemann/Hansa, Dortmund



Laufzeit : 1876 - 1968



Inhalt : Die Entstehung der in Dortmund-Mengede gelegenen Schachtanlage Adolf von Hansemann, benannt nach dem Inhaber der Berliner Disconto-Gesellschaft Adolph von Hansemann, geht bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. 1857 wurde für die Errichtung der Schachtanlage eine rein französische Kommanditgesellschaft mit Sitz in Paris gegründet. 1873 verkaufte diese ihr Bergwerkseigentum an die Disconto-Gesellschaft in Berlin, ohne mit dem Abteufen eines Schachtes begonnen zu haben.

Die Disconto-Gesellschaft gründete die Mengeder Bergwerks-AG und begann noch 1873 den ersten Schacht (später Schacht 2) abzuteufen. 1888 wurde ein zweiter Schacht (später Schacht 1) abgeteuft, der 1896 die Förderung aufnahm. Schon 1894 hatte man begonnen, Schacht 3 abzuteufen, der 1898 bis zur 2. Sohle niedergebracht worden war.

An die Stelle der Mengeder Bergwerks-AG trat 1896 die Gewerkschaft Mengeder Steinkohlengruben, unter der 1899 die Tagesanlagen fertiggestellt und eine umfangreiche Förderung aufgenommen wurden. Noch im Jahr 1899 ging die Schachtanlage Adolf von Hansemann an die 1872 gegründete Union AG für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie (Union AG) in Dortmund, die die Gewerkschaft Mengeder Steinkohlengruben auflöste.

Am 1. Juli 1910 wurde die Union AG mit der 1901 gegründeten Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG (Deutsch-Lux) vereinigt. Die Zeche Adolf von Hansemann ging in den Besitz der Deutsch-Lux über. Diese begann 1911 den 1894 gestundeten und ersoffenen ersten Schacht zu sümpfen und weiter abzuteufen und erreichte 1912 die erste und zweite Sohle. Durch die Weiterentwicklung der Betriebseinrichtungen über und unter Tage konnte die Förderung bis 1914 auf rund 762 000 t erhöht werden.

1926 brachte die Deutsch-Lux u. a. die Schachtanlage Adolf von Hansemann in die neu gegründete Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) ein, die der Gruppe Dortmund der Abteilung Bergbau zugewiesen wurde. Bei der Gründung derGelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) 1933 verblieb sie in dieser Gruppe. Die neue GBAG setzte die von der Abteilung Bergbau der VSt begonnene Erneuerung und Weiterentwicklung der Betriebsanlagen planmäßig fort. In der Gruppe Dortmund wurde am 1. August 1934 mit dem Bau der Großschachtanlage Gustav Knepper im Feld Adolf von Hansemann begonnen. Die neue Schachtanlage übernahm im Februar 1938 die Förderung aus dem Feld, gleichzeitig wurde die alte Schachtanlage Adolf von Hansemann 1/2/3 stillgelegt.

1953 ging die Schachtanlage Adolf von Hansemann mit der Schachtanlage Gustav Knepper in den Besitz der Hansa Bergbau AG über. 1963 wurden die Tagesanlagen von Adolf von Hansemann 1-3 stillgelegt und zwei Jahre später ein Verbund mit der Schachtanlage Hansa hergestellt, der bis zur völligen Stilllegung von Adolf von Hansemann am 30. Juni 1967 bestehen blieb.

Schachtanlage Hansa
Die Schachtanlage Hansa ist von der am 17. November 1855 gegründeten Dortmunder Bergbau- und Hütten-AG angelegt worden. Nach ersten Schürfversuchen im Jahr 1840 begann man 1856/1857 mit dem Abteufen der Schächte Hansa 1 und Hansa 2. Die Arbeiten wurden aber wegen des Konkurses der Dortmunder Bergbau- und Hütten-AG 1859 eingestellt. 1862 ging die Zeche Hansa mit der Konkursmasse durch Zwangsversteigerung auf Gustav Arndt über, der sie 1866 an die Preußische Bergwerks- und Hütten-AG verkaufte. Unter der neuen Gesellschaft nahm Schacht 1 1869 die Förderung auf. Nach dem Zusammenbruch der Preußischen Bergwerks- und Hütten-AG übernahm der Westfälische Grubenverein 1877 die Zeche Hansa und setzte das Abteufen des Schachtes fort. 1889 erwarb die GBAG das Feld, als der Schacht bis zur siebten Sohle abgeteuft war. 1926 ging auch die Zeche Hansa in den Besitz der VSt über und wurde der Gruppe Dortmund zugeordnet, bei der sie auch nach der Ausgliederung der Bergwerksbetriebe aus der VSt und der Neugründung der GBAG 1933 verblieb.

Am 3. Februar 1945 wurden die Tagesanlagendurch Bombenangriffe fast völlig zerstört und die Förderung musste eingestellt werden.

Im Rahmen der Neuordnung der Montanindustrie durch die Alliierten ging die Schachtanlage Hansa 1953 in den Besitz der Hansa Bergbau AG, die zu 50 % im Besitz der Dortmunder Bergbau AG war, über. Hansa übernahm am 1. April 1956 den Betrieb der Schachtanlage Westhausen; 1965 wurde ein Verbund mit der Schachtanlage Adolf von Hansemann hergestellt, der bis zu Stilllegung von Adolf von Hansemann 1967 bestehen blieb. In dieser Zeit wurde die Zeche Hansa als Hansa-Gustav bezeichnet. 1975 begann die Hansa Bergbau AG mit dem Umbau der Zeche Hansa zur Hydrogrube. Die konventionelle Kohlegewinnung wurde am 1. Oktober 1977 eingestellt. Geschichte der Schachtanlagen/Gesamtplanungen 1930-1967 (16)
Organisations- und Führungsfragen 1959-1968 (20)
Zechenbuch der Schachtanlage Adolf von Hansemann 1912-1967 (18)
Schriftwechsel mit der Bergbehörde 1949-1966 (5)
Planungsbesprechungen im Betrieb 1930-1964 (6)
Besonderheiten des Grubenbetriebs 1934-1967 (13)
Stilllegung der Schachtanlage Adolf von Hansemann 1957-1968 (9)
Personal- und Sozialwesen 1949-1967 (21)
Reise- und Befahrungsberichte 1827-1967 (15)
Markscheiderei 1876-1966 (22)
Wissenschaftliche Arbeiten (22)
Veröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Hansa
Unveröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Hansa
Veröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Westhausen
Nicht veröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Westhausen
Fotosammlung
Karten/Pläne/Risse

Umfang : 8,6 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Dortmunder Bergbau AG (Bestand 47), Gelsenkirchener Bergwerks-AG (Bestand 55), Hydrogrube Hansa (Bestand 86)

Literatur : Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 239 f.
Arthur Mämpel: Bergbau in Dortmund. Von Pingen und Stollen bis zu den Anfängen des Tiefbaus, Bd. 1, Dortmund 1963.
Ders.: Bergbau in Dortmund. Die sechziger und siebziger Jahre bis zum Ende der Hochkonjunktur um 1876, Bd. 2, Dortmund 1965.
Ders.: Bergbau in Dortmund. Zwischen Krisen und Konjunkturen 1874-1882, Bd. 3, Dortmund 1969.
Tilo Cramm/Thomas Mertens (Bearb.): Die Zeche Adolf von Hansemann. Die Geschichte des Bergwerks in Dortmund-Mengede, Essen 1995 (= Schriften des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. 15).
Ute Max: Zechenarchitektur des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Zeche Hansa in Dortmund-Huckarde in den Jahren 1894-1914, Bochum 1996.
Horst Meister: Hansa und Westhausen. Daten zur Geschichte des Steinkohlenabbaus in Dortmund-Huckarde und Dortmund-Bodelschwing, Dortmund 1997.
Tilo Cramm: Hansa/Westhausen. Dortmunder Bergwerke 1854-1980, Essen 1997 (= Schriften des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. 17).
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 48 ff.
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