Bestand 115 Schachtanlage Zollverein, Essen-Katernberg



Laufzeit : 1909 - 1988



Inhalt : Unter maßgeblicher Beteiligung von Franz Haniel erfolgten 1847 die Konsolidation von 14 Einzelfeldern unter dem Namen Zollverein und die Gründung der Gewerkschaft gleichen Namens. Nach kurzer Zeit konnte Franz Haniel in den Besitz sämtlicher Kuxe der Gewerkschaft alten Rechts gelangen und auch nach der 1868 erfolgten Umwandlung in eine 1 000-teilige Gewerkschaft verblieb die Zeche weiterhin bis zum Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts im Besitz der Familie Haniel.

Zum Nachweis der Abbauwürdigkeit der konsolidierten Felder wurde noch im Jahr der Konsolidation (1847) in (Essen-) Katernberg mit dem Abteufen von Schacht 1 begonnen. Daneben wurde ab 1850 Schacht 2 als Wasserhaltungsschacht niedergebracht.

Zur Ausbeutung des nordöstlichen Teils des Grubenfeldes wurde 1880 in (Essen-) Stoppenberg mit dem Abteufen von Schacht 3 begonnen, der bereits zwei Jahre später die Förderung aufnahm und anschließend mit Schacht 7 (1897-1899) und Schacht 10 (1911-1914) die Schachtanlage Zollverein 3/7/10 bildete. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden zur weiteren Erschließung des ausgedehnten Grubenfeldes weitere Schächte abgeteuft, sodass schließlich vier selbstständige Schachtanlagen (1/2/8, 3/7/10, 4/5 und 6/9) im Feld Zollverein in Förderung standen. Zwischen 1888 und 1901 war Zollverein mit bis zu 1,6 Mio. t Jahresförderung die größte Zeche im Ruhrgebiet.

Die Gewerkschaft Zollverein schloss 1920 unter dem Eindruck einer scheinbar drohenden Sozialisierung eine Betriebs- und Interessengemeinschaft mit der Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb ab, die zunächst nur die Betriebs- und Geschäftsführung der Zeche übernahm. Unter ihrer Leitung wurde mit dem Abteufen von Schacht 11 (neben 4/5) und der Modernisierung der Schachtanlage 4/5 ein erster Schritt zur dringend notwendigen Erneuerung der zahlreichen Tagesanlagen der Zeche getan.

Im Vorfeld der Gründung der Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) 1926 tauschten die Gewerken ihre Kuxe in Phoenix-Aktien um, sodass Zollverein in den neuen Konzern eingebracht werden konnte und der Gruppe Gelsenkirchen zugeordnet wurde. Bereits ein Jahr später fasste man unter maßgeblicher Federführung des Leiters der Gruppe Gelsenkirchen, Friedrich Wilhelm Buxloh, den Beschluss, anstatt der notwendigen Erneuerung von drei selbstständigen Schachtanlagen südlich der Anlage 1/2/8 einen Zentralförderschacht abzuteufen, durch den die gesamte Förderung des Feldes Zollverein zu Tage gehoben werden sollte. Mit einer Kapazität von 12 000 t verwertbarer Förderung pro Tag übertraf schließlich die Leistungsfähigkeit des Schachtes Zollverein 12 nicht nur die Tagesförderung der bisherigen vier selbstständigen Förderanlagen bei weitem, sondern stellte im Ruhrbergbau eine bisher unerreichte Größenordnung dar.

Zwischen 1927 und 1932 wurde nach den Entwürfen der Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer die Zentralschachtanlage Zollverein 12 in Stahlskelettbauweise mit vorgehängter Fassade und einheitlicher, aufeinander bezogener, Gestaltung der einzelnen Tagesanlagen errichtet, deren Doppelbockfördergerüst bald das Wahrzeichen des Ruhrbergbaus wurde. Als Meilenstein der Industriearchitektur hat Zollverein 12 heute den Rang eines Weltkulturerbes, die Aufnahme in die UNESCO-Liste steht unmittelbar bevor.

Mit der Konzentration der Förderung auf den Zentralschacht 12 und der erstmaligen Einrichtung einer gemeinsamen Hauptfördersohle (12. Sohle) ging eine deutliche Steigerung der Förderung einher, sodass Zollverein wieder mehrfach im Laufe der 30er Jahre und noch einmal 1945 den Rang der größten Zeche im Ruhrgebiet einnahm.

Seit der Umorganisation der VSt 1934 gehörte Zollverein zur neu gegründeten Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) und wurde nach deren Entflechtung 1953 der Rheinelbe Bergbau AG zugeordnet. Mit der Verlegung der Förderung auf die 13. Sohle und der damit verbundenen Umstellung auf Gefäßförderung in Schacht 12 erfolgte Mitteder 50er Jahre die Erneuerung der Fördereinrichtungen der Anlage 1/2/8, sodass trotz steigender Bergeanteile die im Schacht 12 gehobene verwertbare Förderung stabil auf dem Niveau von 12 000 t pro Tag gehalten werden konnte.

Das Bergwerk Zollverein wurde 1969 in die Ruhrkohle AG (RAG) eingebracht.

Nachdem sich Ende der 70er Jahre die Erschöpfung der Kohlenvorräte abzeichnete, erfolgten 1983 die Zusammenlegung mit dem Bergwerk Nordstern in Gelsenkirchen zum Verbundbergwerk Nordstern-Zollverein, dessen Förderung zentral im Schacht Zollverein 12 gehoben wurde. Zur Verwirklichung der bei der Kohlenrunde 1983 beschlossenen Rücknahme der Kohleförderung der RAG erfolgte mit dem Anschluss des Baufeldes Nordstern an das Bergwerk Consolidation schließlich am 23. Dezember 1986 die endgültige Stilllegung des Bergwerks Zollverein.

Der 1987 übernommene Bestand umfasst in der Hauptsache Betriebsführungsakten ab 1960, während ältere Archivalien kaum enthalten sind. Führung des Bergwerksbetriebs 1964-1983 (12)
Zechenbuch/Bergaufsicht 1954-1987 (57)
Berechtsame/Pachtverträge 1909-1977 (23)
Führung des Grubenbetriebs
Allgemeines 1954-1985 (28)
Ausrichtung 1954-1982 (15)
Versuche/Funktionen 1961-1982 (7)
Abbauführung 1967-1987 (18)
Schächte 1964-1983 (8)
Belegschaftsfragen 1926-1982 (12)
Markscheiderei 1944-1978 (14)
Stilllegung 1985-1988 (5)
Fotos
Karten/Pläne/Risse

Umfang : 11 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Rheinelbe Bergbau AG (Bestand 41), Gelsenkirchener Bergwerks-AG (Bestand 55)

Literatur : Vereinigte Stahlwerke AG Bergbau Gruppe Dortmund (Hrsg.): Zeche Zollverein 12, o. O. o. J.
Die Steinkohlenbergwerke der Vereinigte Stahlwerke AG. Die Schachtanlage Zollverein in Essen-Katernberg, 2 Bde., Essen 1934.
Rheinelbe Bergbau AG (Hrsg.): Zeche Zollverein, Essen-Katernberg, o. O. [1953].
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 253 f.
Rheinelbe Bergbau AG (Hrsg.): Zeche Zollverein, o. O. [1968].
Wilhelm Busch: F. Schupp, M. Kremmer - Bergbauarchitektur 1919-1974, Köln 1980 (= Arbeitshefte des Landeskonservators Rheinland. 13).
Walter Buschmann: Zechen und Kokereien im rheinischen Steinkohlenbergbau, Aachener Revier und westliches Ruhrgebiet, Köln 1998 (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen. 1)
Joachim Großmann: Wanderungen durch Zollverein. Das Bergwerk und seine industrielle Landschaft, hrsg. von der Geschichtswerkstatt "Zeche Zollverein e.V." und der Denkmalbehörde der Stadt Essen, Essen 1999.
Michael Ganzelewski/Rainer Slotta: Die Denkmal-Landschaft "Zeche Zollverein". Eine Steinkohlenzeche als Weltkulturerbe?!, Bochum 2000.
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