Bestand 7 Barbara Erzbergbau GmbH, Düsseldorf



Laufzeit : 1827 - 1970



Inhalt : Die Barbara Erzbergbau AG mit Sitz in Siegen wurde am 18. März 1953 im Zuge der Neuordnung des deutschen Eisenerzbergbaus als Nachfolgegesellschaft der Rohstoffbetriebe der Vereinigte Stahlwerke GmbH (VSt) gegründet, der Rechtsnachfolgerin der Vereinigte Stahlwerke AG, Abteilung Rohstoffbetriebe, welche den gesamten Besitz an auf Erze verliehenen Grubenfeldern, Erzgruben und anderen Rohstoffbetrieben der Gründerwerke der VSt verwaltet und betrieben hatte.

Bei der Gründung der VSt im Jahr 1926 brachten die Gründerwerke einen umfangreichen Besitz an bergrechtlichen Gewerkschaften ein. Im Zuge der Ordnung der Stahlwerke wurden die Gewerkschaften, so weit sie als Bergwerk betrieben wurden, Bergverwaltungen zugeteilt. Die Verwaltung der nicht betriebenen Gewerkschaften erfolgte von der Zentralmarkscheiderei bzw. der Abteilung Rohstoffbetriebe der VSt.

In dieser Verwaltung erwuchs der vorliegende Teil des Bestandes, der von der Hauptverwaltung der Barbara übernommen wurde. Insgesamt sind von der VSt über 5 000 Berechtsame verwaltet worden, von denen sich etwa 500 Erzvorkommen im Siegerland befanden. Zahlreiche Bergwerke oder Gewerkschaften sind offensichtlich im Laufe der wechselnden Konjunkturen Spekulationsobjekte geworden.

Auf Grund des neuen Vermögenssteuergesetzes (5. Juli 1934, § 6, Abs. 1) - die Reichsregierung wünschte die Beseitigung der anonymen Gesellschaften - war zu erwarten, dass die Finanzbehörde alle Gewerkschaften nach dem Mindestsatz von 50 000 Reichsmark Kapital mit 250 Reichsmark/Jahr Vermögenssteuer veranlagen würde. Um diese Belastung zu vermeiden, wurde in den folgenden Jahren für die nicht betriebenen Gewerkschaften die Auflösung oder Umwandlung, in einzelnen Fällen das Konkursverfahren, durchgeführt. Soweit sich die Gewerkschaften nicht vollständig im Besitz der VSt befanden, war es bei diesen Verfahren notwendig, die Mitgewerken bzw. deren Erben zu ermitteln, um mit diesen über dieÜberlassung der Kuxe oder etwaige Zubußen zu verhandeln. Daraus entstand ein teilweise recht umfangreicher Schriftwechsel. Bei einzelnen Gewerkschaften hatte sich im Laufe der Jahre durch Besitzwechsel von Kuxen eine komplizierte Verflechtung und Verzahnung ergeben.

Bei den Umwandlungsverfahren für Gewerkschaften alten Rechts in solche neuen Rechts ist jeweils ein geologisches Gutachten über den Wert des Bergwerks beigefügt. Aus diesem Gutachten gewinnt man schnell einen Überblick über Lage, Geschichte und Wert des Bergwerks. Daraus ist auch ersichtlich, dass zu den einzelnen Bergwerken weitere umfangreiche Akten bestanden haben müssen, aus denen der Werdegang der Berechtsame zusammengestellt wurde, die jedoch nicht erhalten sind.

Nach 1953 unterstand der Barbara Erzbergbau auch die Bergverwaltung Süddeutschland, die 1965 ihren Sitz von Freiburg-St. Georgen nach Ringsheim (Kreis Lahr) verlegte. Die Bergverwaltung Süddeutschland betrieb die Eisenerzgrube Kahlenberg (Doggererz) in Ringsheim (31. März 1969 stillgelegt) und die Flußspatgrube Teufelsgrund im Untermünstertal (30. September 1958 stillgelegt). Die ihr ebenfalls unterstehende Eisenerzgrube Schönberg in Freiburg-St. Georgen war seit Kriegsende außer Betrieb.

Die Gruben Kahlenberg und Schönberg hatten 1938 die Erzförderung aufgenommen. In Kahlenberg wurde sowohl im Tagebau als auch im Stollenbetrieb abgebaut. Der Stollen Herbolzheim war eine Betriebsabteilung der Grube Kahlenberg, er wurde am 29. Februar 1964 stillgelegt. So bestand die Bergverwaltung im letzten Jahrzehnt vor ihrer Auflösung (1969) ausschließlich aus der Grube Kahlenberg, von wo aus sie den stillliegenden Bergwerksbesitz mitverwaltete.

Der aus der Bergverwaltung Süddeutschland stammende Bestand an Akten zeichnet sich aus durch eine relative Geschlossenheit der Überlieferung. Sowohl der Umfang der Investitionstätigkeit einschließlich durchgeführter Prospektionen wie der jahrzehntelange Betriebsablauf im Verwaltungs- und im technischen Bereich sind dokumentiert. Das Produktionsprogramm, die schwierige ökonomische Lage durch eisenarme Erze und hohe Transportkosten zu den Hütten im Ruhrgebiet und - in begrenztem Umfang - die Belegschaftsentwicklung werden für einen regional begrenzten, strukturschwachen Wirtschaftsraum, der traditionell vom Metallerzbergbau geprägt war, deutlich. Fotos, Karten und Pläne dokumentieren die baulichen Anlagen. Erwähnenswert sind zahlreiche statistische Unterlagen.

Die Barbara Erzbergbau AG selbst wurde 1963 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt und ist am 3. Dezember 1974 erloschen, nachdem sie ihren Namen in Barbara Rohstoffbetriebe GmbH geändert und ihren Sitz von Düsseldorf nach Wülfrath verlegt hatte. Der Aktenbestand wurde 1972 an das Bergbau-Archiv abgegeben. Rohstoffbetriebe der Vereinigte Stahlwerke GmbH
Umschreibung/Löschung/Liquidation/Verkauf von bergrechtlichen Gewerkschaften 1924-1964 (13)
Zentralmarkscheiderei/Lagerstättenarchiv Inland (Länder Thüringen und Sachsen) 1906-1947 (10)
Bergrechtliche Gewerkschaften alten und neuen Rechts (Unterlagen über mehr als 508 Gewerkschaften in alphabetischer Reihenfolge) 1859-1964 (515)
Barbara Erzbergbau Hauptverwaltung 1953-1963 (10)
Barbara Erzbergbau Bergverwaltung Süddeutschland
Allgemeine Verwaltung 1937-1970 (24)
Grube Kahlenberg 1953-1969 (118)
Grube Schönberg 1937-1943 (151)
Grube Teufelsgrund 1955-1966 (6)
Gewerkschaft Finstergrund 1945 (4)
Verleihungsurkunden von 57 Eisenerzgruben in der Oberpfalz mt Karten/Plänen 1911-1916 (48)
Betriebsberichte verschiedener Erzgruben im Siegerland und im Westerwald 1904-1965 (42)

Umfang : 7,6 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Bergbau-Archiv: Erzbergbau Porta-Damme GmbH (Bestand 6)
Ergänzungsüberlieferung im ThyssenKrupp Konzernarchiv, Duisburg: Exploration und Bergbau GmbH (Bestand Exp)

Literatur : Jahrbuch für den Ruhrkohlenbezirk, 1938, S. 260 f.
Alfred Pretor: Die Neuordnung im Eisenerzbergbau, in: Jahrbuch des deutschen Bergbaus, 1953, S. 43-47.
Erich Böhne: Der deutsche Eisenerzbergbau, in: Jahrbuch des deutschen Bergbaus, 1960, S. 15-39.
Alfred Pretor/Ilse Rinn: Bergbau in der Bundesrepublik Deutschland, Essen 1964.
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