Bestand 129 Schachtanlage Nordstern, Gelsenkirchen-Horst



Laufzeit : 1953 - 1988



Inhalt : Die Geschichte des Steinkohlenbergwerks Nordstern geht bis in das Jahr 1855 zurück, als der Kaufmann Theodor Wagner jun. und der Gastwirt Wilhelm Bockamp bei Probebohrungen in der Horster Mark auf Kohle stießen und die Mutungen Blücher 1-5 auf die Funde einlegten. Da ihnen aber die finanziellen Mittel fehlten, das Unternehmen allein durchzuführen, gründeten sie mit mehreren interessierten Investoren die Bohrgesellschaft Carnap. Trotz der erfolgreichen Bohrungen war die Bergbehörde jedoch nicht bereit, die Bauwürdigkeit der Felder anzuerkennen und zu verleihen und verlangte neue Nachweise durch das Abteufen eines Schachtes, was die Mittel der Bohrgesellschaft überstiegen hätte. Aus diesem Grund beschloss man die Bildung einer Aktiengesellschaft mit dem Namen Essen-Arenberger Bergbau-Gesellschaft, die in Kraft treten sollte, sobald der neue Schacht abgeteuft, das Steinkohlengebirge erreicht oder die Felder verliehen worden waren.

1857 wurde mit dem Abteufen des Schachtes begonnen, der nach vielen Rückschlägen 1859 erst eine Teufe von 90 m erreicht hatte. Trotz dieser Rückschläge gelang es der Gesellschaft, im selben Jahr die Verleihung der Felder, auch ohne Erfüllung der Auflagen des Bergamts, zu erlangen. Damit war die Bedingung für die Bildung der Aktiengesellschaft erfüllt, die die Felder von Wagner und Bockamp erwarb und unter dem Namen Essen-Arenberg konsolidierte. Ein weiterer Rückschlag traf die junge Gesellschaft 1860, als bei Versuchen, den Schacht weiter abzuteufen, dieser durch übermäßige Wassereinbrüche absoff und fünf Jahr lang stilllag.

1865 erwarb Friedrich Grillo sämtliche Aktien der Gesellschaft mit der Absicht, die Grube wieder in Betrieb zu nehmen. Am 28. Mai erfolgte die Umwandlung der Aktiengesellschaft in eine 128-teilige Gewerkschaft, an deren Spitze neben Grillo auch Gustav Stinnes und Ernst Honigmann standen. Nachdem am 1. Oktober 1865 das Allgemeine Preußische Berggesetz in Kraft getretenwar, wurde auf der Gewerkenversammlung am 25. Oktober zum zweiten Mal in einem Jahr eine Umwandlung der Unternehmensform beschlossen. Aus der Gewerkschaft alten Rechts mit ihren 128 teilbaren Kuxen wurde nunmehr die moderne 1 000-teilige Gewerkschaft mit unteilbaren Kuxen. Gleichzeitig wurde der alte Name der Schachtanlage Blücher 1 - sie wurde auch als Zeche Essen-Arenberg bezeichnet - in Nordstern umgeändert, da sie zu dieser Zeit die am nördlichsten gelegene Zeche und gleichzeitig die erste jenseits der Emscher war.

Nachdem der Schacht leer gepumpt worden war, nahm man 1866 die Abteufarbeiten wieder auf und erreichte noch im selben Jahr das Steinkohlengebirge in rund 200 m Teufe. 1867 erfolgte die Errichtung der Tagesanlagen, darunter ein Malakoffturm, und 1868 wurde die Förderung aufgenommen.

1869 verkauften Grillo, Stinnes und der Bankier Ludwig von Born die Gewerkschaft an die französische Gesellschaft Société anonyme des Charbonnages du Nord in Paris. Gründe für die Veräußerung des jungen Unternehmens waren vor allem finanzielle Erwägungen. Dass dies der richtige Weg gewesen war, zeigte sich nur vier Jahre später. Trotz steigender Förderung und hoher Kohlepreise während der Kriegsjahre 1870/1871 machte die Gesellschaft weiterhin keinen Gewinn. Nach dem Konkurs 1873 bildete Grillo mit der immer noch bestehenden Gewerkschaft Essen-Arenberg und einigen Aktionären der Société anonyme des Charbonnages du Nord die Aktiengesellschaft Steinkohlenbergwerk Nordstern. Diese trug den französischen Untertitel Société anonyme des Charbonnages de Nordstern, hatte ihren Sitz in Essen und ein Kapital von 3 Mio. Mark.

Da der Gewerkschaft Essen-Arenberg aus dem Verkauf der Zeche an die Franzosen ein noch nicht bezahlter Restbetrag zustand, wurde die Grube 1878 zwangsversteigert, um die auf ihr lastenden Sicherheitshypotheken zu löschen. Nordstern wurde für 500 000 Mark von der Essen-Arenberger Gewerkschaft übernommen. Diese Maßnahme war nötig, um die Grube von Schulden und Lasten zu befreien und nicht, wie häufig geschrieben, aus Zahlungsunfähigkeit (Oberste-Brink). Bis 1889 änderte sich der Zustand der Grube kaum. Die Förderung stagnierte bei ca. 150 000 t pro Jahr und es wurden weder unter noch über Tage Investitionen vorgenommen, die u. a. die sehr schlechten Wetterverhältnisse hätten verbessern können.

Eine Änderung trat jedoch ein, als noch im selben Jahr die in französischem Besitz befindlichen Kuxe zurück nach Deutschland verkauft wurden und man den Ausbau der Zeche vorantrieb. 1890 wurde mit dem Abteufen von Schacht 2 begonnen, der 1894 die Förderung aufnahm und aus Nordstern eine Doppelschachtanlage machte.

In die 1890er Jahre fielen auch weitere wichtige Ereignisse, aus denen die spätere Größe der Zeche resultierte. 1896 wurde das Steinkohlenbergwerk Helene-Nachtigall in Witten aufgekauft, um es sofort stillzulegen und die Beteiligungsziffer beim Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat (RWKS) von 190 000 t zu übernehmen. Ein Jahr später folgte dann die Fusion mit der Holland Bergbau-AG in (Bochum-) Wattenscheid, die andere Kohlesorten als Nordstern förderte und so das Angebot der Aktiengesellschaft Steinkohlenbergwerk Nordstern verbreiterte. Als dritte Angliederung im ausgehenden 19. Jahrhundert ist dann noch der Kauf der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Zeche Graf Moltke in Gladbeck zu nennen, der das Grundkapital der Gesellschaft auf fast 17 Mio. Mark und die Syndikatsbeteiligung auf über 2 Mio. t steigen ließ.

Zu der in den 1890er Jahren erfolgten Erneuerung der Tagesanlagen und dem Tieferteufen der Schächte 1 und 2 kam schließlich 1899 noch die weitere Erschließung des Grubenfeldes durch das Abteufen von Schacht 3, der schon 1900 das Steinkohlengebirge erreichte und im Herbst 1901 in Betrieb ging. Zur weiteren Vergrößerung ihres Felderbesitzes erwarb die Aktiengesellschaft Steinkohlenbergwerk Nordstern 1903 sämtliche Kuxe der vier Gewerkschaften Rheinberg, Budberg 4, Eversael und Vierbaum 2 auf der linken Rheinseite und erhöhte gleichzeitig das Aktienkapital auf 20 Mio. Mark.

Das Jahr 1907 brachte einen der bedeutendsten Einschnitte in der Geschichte der Gesellschaft Nordstern. Um die Förderbeschränkungen des RWKS zu umgehen und sich langfristig einen guten Absatz zu sichern, waren die Aktionäre bereit, das Übernahmeangebot der Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb zu akzeptieren. Zum 1. Januar 1908 wurden die Zechen der Gesellschaft Nordstern durch Aktientausch verkauft. Die neuen Besitzer begannen sofort mit dem weiteren Ausbau des Schachtes 3 und teuften 1910, mit dem Ziel, eine zweite Doppelschachtanlage nach dem Vorbild von Nordstern 1/2 zu errichten, Schacht 4 ab, der ab 1911 zunächst als Wetterschacht genutzt wurde und erst 1921 bis 1923 ein eigenes Fördergerüst bekam. Um den Transport der Kohle zu erleichtern, war Nordstern 1914 durch den Bau eines Hafens an den Rhein-Herne-Kanal angeschlossen worden. 1915 wurde die neu erstellte Kokerei in Betrieb genommen und, etwas verspätet, 1918 eine Benzolfabrik und weitere Nebenproduktengewinnungsanlagen. 1925 wurde der Weiterbetrieb von Nordstern 1/2 und 3/4 unrentabel, beide Anlagen mussten stillgelegt werden.

Am 1. April 1926 gelangten die beiden Zechen, zusammen mit dem übrigen Phoenix-Besitz, zu der Vereinigte Stahlwerke AG (VSt), die Mitte 1926 Nordstern 1/2 wieder in Betrieb nahm und erweiterte. 1927 wurde östlich der alten Kokerei die neue Zentralkokerei Nordstern errichtet, die auch Kohle von Graf Moltke und Zollverein verarbeitete und die alte Kokerei vollständig ersetzte. 1926 wurde die Schachtanlage Nordstern 3/4 wieder in Betrieb genommen, aber schon 1938 erneut stillgelegt, da die Betriebskosten zu hoch waren. Die Förderung stieg von 1935 bis 1940 von 600 000 auf 1 Mio. t und wurde 1941 durch die abermalige Förderaufnahme von Nordstern 3/4 noch vergrößert. Nach der kriegsbedingten Stilllegung beider Anlagen 1944/1945 kam Nordstern 1/2 schon Ende 1945 wieder in Betrieb, während die Anlage 3/4 bis 1948 nicht fördern konnte.

Durch die im Jahr 1953 erfolgte Neuordnung der Montanindustrie wurde die Zeche Nordstern der Rheinelbe Bergbau AG, Gelsenkirchen, einer 100 %igen Tochtergesellschaft der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, zugesprochen. In den 1960er und 1970er Jahren übernahm Nordstern Teilfelder anderer Schachtanlagen, wie Wilhelmine Victoria und Graf Bismarck, und konnte so den Felderbesitz ausbauen. Mit Consolidation und Hugo war man über Durchschläge und gemeinsame Wetterschächte verbunden. 1983 entstand dann der Verbund Nordstern/Zollverein, der aber nur bis 1987 Bestand hatte. Es folgten die Rückbenennung in Nordstern und 1993 die Stilllegung. Vorstand/Werksdirektion 1966-1988 (37)
Grubenbetrieb 1967-1987 (10)
Markscheiderei 1972-1987 (6)
Tagesbetrieb 1960, 1973-1987 (5)
Belegschaft 1953-1988 (28)
Fotos
Karten/Pläne/Risse

Umfang : 8 m

Literatur : Die Steinkohlenbergwerke der Vereinigte Stahlwerke AG. Die Schachtanlage Nordstern in Gelsenkirchen-Horst, Essen 1933.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 250, S. 253.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 736 ff.
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