Bestand 137 Königliche Berginspektion am Deister, Barsinghausen (Niedersachsen)



Laufzeit : 1871 - 1882, 1907 - 1936



Inhalt : Der Wealdenbergbau in Niedersachsen gehört zu den ältesten Kohlebergbaugebieten Deutschlands - am Deister reicht er bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Trotz dieser langen Tradition war seine Bedeutung außerhalb des Raumes Hannover eher gering, denn in Bezug auf Qualität und Menge der geförderten Kohle hielt er keinerlei Vergleich mit den Revieren im Saar- oder Ruhrbergbau stand. Regional gesehen erwies sich der Wealdenbergbau dagegen als nicht unwesentlich für die Industrialisierung Hannovers und seiner Umgebung, denn die Nähe der Abnehmer machte die Kohle trotz ihrer Nachteile attraktiv: Sie wurde vor allem in Salinen, Ziegeleien und Schmieden verwendet.

Die größten Probleme des Bergbaus am Deister bestanden in den ungünstigen geologischen Verhältnissen in den Wealden: Das Wealden ist eine Kreideformation, die sich vom Süden Englands über Norddeutschland bis nach Polen erstreckt; es besteht hauptsächlich aus Sandstein, der aber auch Kohleflöze und verschiedene Tone enthält. Die Flöze wiesen nur eine Mächtigkeit zwischen 30 und 90 cm auf, von denen selten mehr als 50 % aus reiner Kohle bestanden, sodass die als Abraum anfallende Bergemenge besonders groß war. Tektonische Sprünge verschieben die Schichten um bis zu 30 cm, wobei die Anzahl der Flöze erheblich geringer ist als an der Ruhr, sodass viel Aufwand auf das Wiederfinden abbauwürdiger Formationen gelegt werden musste. Durch die kapitalintensive, aber ertragsarme Bewirtschaftung der Gruben lagen auch die technischen Investitionen niedrig, was die Arbeitsbedingungen sehr erschwerte. Erst in den 1930er Jahren wurden in den neueren Gruben statt Hacken Presslufthämmer benutzt und die Grubenpferde durch Lokomotiven ersetzt.

Durch die über den Abbaugebieten liegenden Sandsteinmassive, die extrem wasserhaltig sind, waren die Gruben sehr feucht und es kam immer wieder zu Wassereinbrüchen, die den Betrieb stilllegten. Die nie bewältigten Wasserhaltungs- und Bewetterungsprobleme sowie die qualitativ immer schlechter werdende Kohle waren dann schließlich auch die Gründe dafür, Ende der 1950er und zu Beginn der 1960er Jahre die letzten Zechen zu schließen.

Nach dem Versiegen mehrerer Brunnen - wahrscheinlich durch den Bergbau hervorgerufen - wurden 1879 Verträge zwischen der Bantorfer Bergwerksgesellschaft (später Königliche Berginspektion am Deister) und verschiedenen betroffenen Gemeinden zwecks Wasserlieferung durch Leitungen abgeschlossen.

Die im Bergbau-Archiv befindlichen Akten beinhalten keine Informationen über die eigentliche bergbauliche Tätigkeit, sondern behandeln ausschließlich Fragen des Wasserentzugs durch den Bergbau. Neben einem Gutachten enthält der Bestand den Schriftwechsel der Berginspektion mit den Gemeinden, Vertragsverlängerungen, Wasserquotierung und Ausbau des bestehenden Leitungsnetzes. Die Akten wurden dem Bergbau-Archiv 1989 vom Leiter des Kulturamts Bad Oeynhausen übergeben.

Umfang : 0,6 m

Literatur : Ernst Richert: Über den Steinkohlenbergbau im norddeutschen Wealden, in: Glückauf 31, 1895, S. 1251-1257.
Horst Falke: Der Wealdensteinkohlenbergbau in Niedersachsen, Oldenburg 1944.
Ders.: Am Deister und an den Bückebergen, geschichtlicher Überblick über die Kohlevorkommen in Niedersachsen, in: Bergbau-Rundschau 11, 1959, S. 612 ff.
Michael Mende: Industriearchäologische Spurensicherung zwischen Leine und Weser, ein fast vergessener Schwerpunkt frühindustrieller Aktivität, in: Der Anschnitt 39, 1987, S. 24-35.
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