Bestand 145 Schachtanlage Radbod, Hamm-Bockum-Hövel



Laufzeit : 1905 - 1991



Inhalt : Zwischen 1900 und 1905 kam es in dem bis dahin noch bergfreien Gebiet um Bockum und Hövel zu ersten Probebohrungen. Nach mehreren Anträgen auf Mutung wurden Ende des Jahres 1904 die Felder Bockum 1 und Hövel 1 verliehen, 1905 konsolidiert und zur Gewerkschaft Trier II vereinigt. Kurz danach entstand in Dorsten, neben der schon seit 1900 bestehenden Gewerkschaft Trier I, ebenfalls durch Konsolidation die Gewerkschaft Trier II.

Bereits 1904 war in Hamm (Westfalen) die Bergwerksgesellschaft Trier mbH gegründet worden, in die die drei Gewerkschaften nun ihren Besitz einbrachten und somit deren Gesellschafter wurden. Sie verpachteten ihre Felder für 200 Jahre, wofür ihnen später die Überschüsse zustehen sollten, während die Aufgaben der Gesellschaft ausschließlich bei Verwaltung und Administration lagen. Zweck dieses für den Ruhrbergbau einzigartigen Vertrages war es, die Bestimmungen des Preußischen Berggesetzes hinsichtlich der Zahl der Anteile einer Zeche zu umgehen und statt 1 000 nun 3 000 Kuxe für die geplante Zeche zu bekommen, was die Kapitalbeschaffung stark erleichterte.

Zum Geschäftsführer der Bergwerksgesellschaft wurde Bergassessor a. D. Heinrich Janssen gewählt, der auch die Leitung der Zeche Radbod bis zu seinem Tod 1919 innehatte und auf den der ungewöhnliche Name zurückgeht: Radbod war ein friesischer Fürst im ausgehenden 7. Jahrhundert und Janssen gab der Zeche den Namen als Hommage an Ostfriesland, wo er geboren war. Da das Grubenfeld Trier III, auf dem man 1905 begonnen hatte die Schächte 1 und 2 abzuteufen, nur zwei Normalfeldern entsprach, entschloss man sich, noch drei weitere Felder zu muten - Bockum 3, 10 und 13 -, die im Laufe des Jahres 1906 verliehen und mit Trier konsolidiert wurden. 1907 wurde die erste Kohle gefördert.

Nach erfolgreichem Auftakt - 1908 betrug die Jahresproduktion fast 200 000 t - kam es am 12. November 1908 zu einem der größten Grubenunglücke in der Geschichte des deutschen Bergbaus. Bei einer Schlagwetterexplosion mit anschließendem Grubenbrand starben 348 Bergleute. Um das sich ausbreitende Feuer zu bekämpfen, musste die gesamte Grube unter Wasser gesetzt werden. Nach Sümpfung und Erneuerung der Grubenbaue konnte die Förderung erst im Oktober 1909 wieder aufgenommen werden. Radbod wurde die erste Zeche des Ruhrgebietes mit elektrischen Handlampen.

Die Jahre bis 1921 bedeuteten für die Gesellschaft Trier eine wirtschaftlich schwere Zeit. Um die enormen Schulden, die durch das Unglück von 1908 angehäuft worden waren, abtragen zu können, war sie gezwungen, einen Teil ihrer Berechtsame in Dorsten an die Essener Steinkohlenbergwerke AG zu verkaufen. Bis 1921 wurde außerdem jeder Kux mit einer Zubuße von 9 500 Mark belegt, was viele Gewerken zum Verkauf ihrer Anteile zwang. Aufgrund der schlechten Finanzlage nahm man schließlich 1919 das Angebot des Köln-Neuessener Bergwerksvereins unter Leitung von Bergrat a. D. Fritz Winkhaus an, das die wirtschaftliche Vereinigung beider Gesellschaften beinhaltete. Die Kuxe der Gewerken von Trier I, II und III wurden daraufhin in Aktien des Köln-Neuessener Bergwerksvereins umgetauscht und die Vereinigung zum 1. Januar 1920 vollzogen. Fritz Winkhaus wurde zum technischen und kaufmännischen Leiter der Zeche Radbod ernannt. Am 1. Juli 1920 ging die so vereinigte Bergwerksgesellschaft eine Interessengemeinschaft mit dem Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dortmund ein, worauf Winkhaus auch Leiter der zu Hoesch gehörenden Zechen wurde. Es entstand eine wirtschaftliche Einheit der drei Unternehmen, wobei die rechtliche Selbstständigkeit unangetastet blieb.

Durch die Weltwirtschaftskrise kam es im Ruhrgebiet zu Zechenschließungen und Massenentlassungen, was in der Folgezeit zu vermehrten Konzentrationsbestrebungen im Bergbau führte, die auch Radbod betrafen. Ende des Jahres 1930 entstand die Hoesch-Köln-Neuessen AG für Bergbau und Hüttenbetrieb durch den Zusammenschluss des Eisen- und Stahlwerks Hoesch, des Köln-Neuessener Bergwerksvereins und der Trier GmbH. Fritz Winkhaus wurde Vorsitzender des Vorstands. Neben Radbod gehörten Kaiserstuhl 1 und 2, Fürst Leopold, Fritz Heinrich, Emil-Emscher und Baldur zur neuen Gesellschaft, die mit über 8 Mio. t Beteiligung beim Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat den viertgrößten Zechenbesitz des Ruhrgebiets hatte.

Durch das Gesetz Nr. 27 der Alliierten Hohen Kommission wurde aus dem 1938 in Hoesch AG umbenannten Konzern die Altenessener Bergwerks-AG mit den Bergwerken Fritz Heinrich, Emil-Emscher und Radbod ausgegliedert und neu gegründet. Die übrigen Schachtanlagen verblieben bei der Hoesch AG. 1956 wurde die Altenessener Bergwerks-AG mit ihren Zechen wieder in den Hoesch-Konzern integriert, sodass formal der Zustand von 1930 wieder hergestellt wurde. 1969 wurde die Zeche Radbod von Hoesch in die Ruhrkohle AG (RAG) eingebracht. 1971 wurde Radbod mit der Nachbarzeche Werne zu einer gemeinsamen Werksdirektion vereinigt, die aber schon 1973 wieder aufgelöst wurde. 1976 wurde die Kokerei Radbod stillgelegt.

Zum Jahreswechsel 1981/1982 war die Stilllegung der Anlage vorgesehen, nachdem zuvor nur Schacht 3 1960 aufgegeben worden war. Dass diese Pläne nicht durchgeführt wurden, lag an der günstigen Situation auf dem Energiemarkt zu Beginn der 1980er Jahre. Wegen des schwindenden Kohlevorrats in den alten Grubenfeldern wurde 1986 das nördlich gelegene Feld Donner erschlossen und man begann mit den Abteufarbeiten auf den Schächten 6 und 7. 1989 kam es zu einem Betriebsführungsvertrag zwischen der RAG und dem Eschweiler Bergwerks-Verein, sodass die Zechen Radbod und Westfalen (bisher Eschweiler Bergwerks-Verein) in Personalunion geleitet wurden. Am 31. Januar 1990 wurde Radbod stillgelegt. Zechenbücher 1905-1933 (3)
Sozialberichte/Statistiken 1982-1991 (3)
Betriebspläne 1953-1990 (11)
Allgemeiner Schriftwechsel 1954-1964 (1)
Wissenschaftliche Arbeiten (11)
Fotos
Pläne

Umfang : 0,6 m

Literatur : Unser Pütt, Radbod - ein Bergwerk und seine Menschen, hrsg. von der Stadt Hamm, Volkshochschule, o. O. o. J.
Zeche Radbod in Bockum-Hövel. Festschrift, herausgegeben aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens, 13. März 1955.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtungen seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 362 f.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 796 f.
Evelyn Kroker/Michael Farrenkopf: Grubenunglücke im deutschsprachigen Raum. Katalog der Bergwerke, Opfer, Ursachen und Quellen, 2. Aufl., Bochum 1999, S. 287 (= Schriften des Bergbau-Archivs. 8).
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