Bestand 154 Schachtanlage Flora, Bochum-Weitmar



Laufzeit : 1926 - 1964



Inhalt : Kohleabbau fand auf der Zeche Flora in (Bochum-) Weitmar bereits zwischen 1832 und 1890 statt, dann wurde die Förderung eingestellt, die Schächte wurden aufgegeben und die Tagesanlagen abgerissen.

1922 wurde die Zeche wieder bei der Bergbehörde angemeldet und Anfang 1925 zunächst unter dem Namen Emil 1 in Betrieb genommen. Nach mehreren Besitzerwechseln und Konkursen pachtete 1934 die Gewerkschaft Hausbach, Bochum, die Zeche Flora. 1937 förderte man 69 946 t Steinkohle, die Zahl der Beschäftigten betrug 161.

Nach dem Krieg verlagerte sich der Schwerpunkt der Förderung vom Gebiet westlich der Hattinger Straße in Bochum zur östlichen Seite. 1948 waren zwei Förderschächte und ein Wetterschacht vorhanden und die Verwaltung von der Nevelstraße zum Betriebsgelände in der Straße Am Kuhlenkamp verlegt worden.

Um 1955 übernahm die Gewerkschaft Hausbach die 1952 in Betrieb genommenen Kleinzechen Glocke in Bochum-Oberdahlhausen und Im Rauendahl (vormals Buddenhorn) in Bochum-Sundern. Die Vorbesitzerin der Kleinzeche Glocke, die Gewerkschaft Centrum, Bochum, blieb für die Gewerkschaft Hausbach als Zechenhandelsgesellschaft für den Kohlenbetrieb bestehen.

Die Schwestergesellschaft Wippsterz erwarb den Stollenbetrieb Johannisberg (vormals Johannesberg, Betriebsbeginn ebenfalls 1952) in Essen-Freisenbruch und nahm am 6. Januar 1955 die Kleinzeche Hermanns ges. Schiffahrt in Welper (Ruhr) in Betrieb. Der Name geht auf die Konsolidation von Gesegnete Schiffahrt und Glücklicher Hermann im Jahre 1829 zurück.

Die maximalen Förderungen dieser Kleinzechen betrugen:

Zeche Glocke 1955, 8 929 t, 27 Beschäftigte
Zeche Im Rauendahl 1954, 7 708 t, 29 Beschäftigte
Zeche Johannisberg 1965 , 15 729 t, 44 Beschäftigte
Zeche Hermanns ges. Schiffahrt 1966, 37 872 t, 121 Beschäftigte

Der Stollenbetrieb der Zeche Im Rauendahl musste zum 31. August 1957 aufgegeben werden, weil man feststellte, dass im Feld bereits zuvor Kohleabbau durch ein anderes Bergwerk stattgefunden hatte. 1958 kam die Förderung der Schachtanlage Glocke zum Erliegen, die Stilllegung erfolgte 1960.

Die Kleinzechen Hermanns ges. Schiffahrt und Johannisberg wurden am 1. Januar 1965 Eigentum der Gewerkschaft Friedrichshöhe. Die Gewerkschaften Hausbach, Centrum & Co. (KG nach 1955), Wippsterz und Friedrichshöhe waren miteinander eng verbunden. Sie besaßen den gleichen Verwaltungssitz und führten die Geschäfte mindestens zu einem Teil gemeinsam. Der Inhaber der Gewerkschaft Hausbach ging mit der Stilllegung von Flora am 31. März 1967 in Konkurs.

Aktenbestände von Kleinzechen sind in der Regel kaum überliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Gründung von Kleinzechen ein typisches Phänomen im Ruhrbergbau, doch ist trotz ihrer großen Zahl wenig schriftliches Material erhalten geblieben.
Die Unterlagen des Bestandes der Zeche Flora befanden sich auf dem Dachboden des Maschinenhauses auf dem ehemaligen Zechengelände, in dem sich eine Auto- und Motorradwerkstatt befand. Dem Hinweis dieser Firma ist es zu verdanken, dass das Bergbau-Archiv 1992 die Gelegenheit erhielt, die Akten zu übernehmen. Die Risse der Kleinzeche Hermanns ges. Schiffahrt aus dem Zeitraum 1956 bis 1966 wurden aus anderen Aktenabgaben in diesen Bestand integriert. Geschäfts- und Betriebsführung
Zeche Flora 1926-1959 (44)
Zeche Glocke 1954-1958 (1)
Zeche Im Rauendahl 1955-1958 (8)
Personal- und Sozialwesen
Lohnlisten 1934-1959 (70)
Markenkontrollen 1941-1962 (16)
Schichtenzettel: Zeche Flora 1945-1964 (48), Zeche Glocke 1955-1957, 1963 (2), Zeche Im Rauendahl 1955-1957 (2), Zeche Johannisberg 1954-1960 (5), Zeche Hermanns ges. Schiffahrt 1956-1960 (5)
Lohnbuchhaltung 1934-1959 (20)
Arbeitsrecht 1949-1956 (3)
Krankenwesen 1951-1959 (2)
Unfallwesen 1937-1938, 1947-1958 (5)
Karten/Pläne/Risse
Zeche Flora
Zeche Glocke
Zeche Im Rauendahl
Zeche Hermanns ges. Schiffahrt

Umfang : 1,3 m

Literatur : Fritz Kellner: Die Geschichte der Stollen an der Ruhr, Bochum 1934.
Die Steinkohlenbergwerke der Vereinigte Stahlwerke AG. Die Schachtanlage Prinz Regent in Bochum-Wiemelhausen, 3 Bde., Essen 1939.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 487.
Evelyn Kroker: Der Kleinbergbau im Ruhrgebiet nach 1945, in: Klaus Tenfelde (Hrsg.): Sozialgeschichte des Bergbaus im 19. und 20. Jahrhundert, München 1992, S. 445-458.
Dies.: Zur Entwicklung des Ruhrkohlenbergbaus zwischen 1945 und 1980, in: Der Anschnitt 44, 1992, S. 189-197.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 294 f.
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