Bestand 160 Eschweiler Bergwerks-Verein AG, Kohlscheid (Rheinland)



Laufzeit : 1795 - 1995



Inhalt : Ein "Kohlberg zu Eschweiler" wird erstmals 1394 in einer Urkunde des Herzogs von Jülich erwähnt. Im späten 18. Jahrhundert wurde der Landwirt Johann Peter Wültgens mit mehreren Flözen auf dem Eschweiler Kohlberg belehnt. 1814 übernahm Wültgens Tochter Christine Englerth nach dem Tod ihres Ehemanns die Leitung des Bergwerksunternehmens. 1834 schloss sie einen Vertrag über die Gründung einer Aktiengesellschaft, des Eschweiler Bergwerks-Vereins (EBV). Der Vertrag wurde nach dem Tod von Christine Englerth am 4. Mai 1838 wirksam: Der EBV war damit die erste preußische Aktiengesellschaft.

Hinter der 1836 gegründeten Vereinigungs-Gesellschaft für Steinkohlenbau im Wurm-Revier standen Aachener Fabrikanten, Kaufleute und Bankiers. Sie kaufte in der Folgezeit verschiedene Gruben auf. Auch der EBV bemühte sich um den Ankauf von Grubenbesitz im Wurm-Revier. Gemeinsam mit anderen Bergwerksbesitzern gründete er 1842 den Pannesheider Bergwerks-Verein, der die Gruben Neu-Laurweg und Sichelscheid betrieb. Nach einem Kooperationsvertrag übernahm 1858 die Vereinigungs-Gesellschaft den Pannesheider Bergwerks-Verein. Damit war der EBV als Hauptaktionär des Pannesheider Bergwerks-Vereins auch Anteilseigner an der Vereinigungs-Gesellschaft, die im Wurm-Revier eine ebenso beherrschende Stelle einnahm wie der EBV im Inde-Revier.

In den folgenden Jahrzehnten befand sich der EBV in einer kontinuierlichen Aufschwungphase: 1863 erwarb er die Grube Anna in Alsdorf, 1872 die Concordia-Hütte in Eschweiler, 1880 nahm die Schachtanlage Eschweiler-Reserve die Förderung auf. Zwischen 1903 und 1906 erhielt die Grube Anna eine Kokerei mit Nebengewinnungsanlagen. Mit der Fusion der Vereinigungs-Gesellschaft mit dem EBV wurde dieser zu einer der größten deutschen Bergwerksgesellschaften. 1913 kam es zum Abschluss eines Interessengemeinschaftsvertrages zwischen dem EBV und dem Luxemburger Stahlkonzern Arbed. Im selben Jahr verlegte der EBV seineHauptverwaltung von Eschweiler-Pumpe nach Kohlscheid. 1926 übernahm Arbed 91 % des Aktienkapitals des EBV.

Eine schwere Schlagwetterexplosion ereignete sich 1930 auf der Grube Anna 2 in Alsdorf, bei der über 270 Bergleute den Tod fanden. In Siersdorf erfolgte 1938 der erste Spatenstich für die Schachtanlage Emil Mayrisch. Große Wasserzuläufe infolge von Kriegseinwirkungen führten 1944 zur Aufgabe der Grube Eschweiler Reserve. Die Grube Emil Mayrisch nahm 1952 die Kohleförderung auf. 1953 wurden die Gruben Gouley in Würselen und Laurweg in Kohlscheid zu einem Verbundbergwerk zusammengelegt. Das Verbundbergwerk Anna entstand 1956 durch den Zusammenschluss der beiden Gruben Anna 1 und Anna 2. Im gleichen Jahr erwarb der EBV die Mehrheit an der Bergbau-AG Lothringen in Bochum.

Mit Beginn der ersten Kohlenkrise im deutschen Steinkohlenbergbau gab es auch beim EBV die ersten Feierschichten. 1962 wurde die Grube Maria-Hauptschacht in Mariadorf stillgelegt, 1965 die Gewerkschaft Carl-Alexander in Baesweiler übernommen. 1966 übernahm der EBV die Schachtanlage Erin in Castrop-Rauxel. Ein Jahr später wurde die Bergbau-AG Lothringen mit dem EBV verschmolzen, bevor 1967 das Verbundbergwerk Lothringen-Graf Schwerin und die Kokerei Lothringen stillgelegt wurden. Während 1969 in Würselen die Hausbrandzeche Gouley stillgelegt wurde, übernahm der EBV die Zeche und Kokerei Westfalen in Ahlen. 1970 erreichte der EBV mit 8,6 Mio. t Steinkohle die höchste Förderung seiner Geschichte, insgesamt 23 800 Bergleute waren beschäftigt.

Zu Beginn der 70er Jahre erfolgte der Verbund der Zechen Anna und Adolf bei gleichzeitiger Stilllegung der Förderung auf Adolf. 1975 wurde die Grube Carl-Alexander in Baesweiler stillgelegt. Ende der 70er Jahre begannen beim EBV Umstrukturierungsmaßnahmen unter anderem mit dem Ziel, die Gruben Anna und Emil Mayrisch zusammenzulegen und für die Zeche Westfalen ein neues Baufeld aufzuschließen. 1983 wurden die Gruben Anna - nach erfolgtem Durchschlag mit Emil Mayrisch - und Erin stillgelegt. Die Hüttenbetriebe des EBV gingen 1984 an die Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte AG in Sulzbach-Rosenberg über.

Die "Kohlenrunde" in Bonn beschloss 1987 die sozialverträgliche Stilllegung der restlichen EBV-Bergbaubetriebe im Aachener Revier für das Jahr 1992. 1989 übertrug die Arbed ihre EBV-Aktien auf die Ruhrkohle AG (RAG), die die Betriebsführung auf der Schachtanlage Westfalen übernahm und die Kokerei stilllegte. 1992 stellte die Kokerei Anna ihre Produktion ein und Ende des Jahres ging mit der Einstellung der Kohlengewinnung auf Emil Mayrisch der aktive Steinkohlenbergbau im Aachener Revier zu Ende. Vorgeschichte und Gründung des EBV
Kupfermühle am Ichenberg/Hasselter Mühle/Neumühle/Eschweiler Kohlberg 1601-1875 (14)
Eisenwerke Englerth & Cünzer 1830-1860, 1898, 1910 (10)
Vereinigungs-Gesellschaft für Steinkohlenbergbau im Wurm-Revier 1836-1907 (14)
Pannesheider Bergwerks-Verein 1840-1926 (8)
Gründung des EBV 1834-1838 (4)
Führung/Verwaltung/Organisation
Generalversammlungen 1838-1989 (15)
Allgemeine Verwaltung 1838-1992 (35)
Rechtswesen 1937-1956, 1975-1977 (7)
Unternehmensplanung/Betriebswirtschaft 1947-1991 (28)
Finanzen 1849-1993 (92)
Öffentlichkeitsarbeit 1925-1993 (256)
Betriebsanlagen 1930-1987 (7)
Schachtanlagen: Zeche Anna 1850-1879, 1906, 1953-1983 (17), Kokerei Anna 1895-1961 (3), Brikettfabrik Anna 1965 (1), Zeche Emil Mayrisch 1938-1991 (54), Zeche Maria 1928, 1948 (3), Zeche Carl-Alexander 1964 (1), Zeche Adolf 1929-1973 (3), Zeche Gouley-Laurweg 1902-1979 (16), Zeche Carl Friedrich 1913-1927 (2), Zeche Eschweiler Reserve 1914-1918 (1), Zeche Kämpchen 1879-1912 (2), Zeche Voccart 1900-1932 (1), Zeche Nordstern 1897 (1), Kraftwerk Siersdorf 1963 (1)
ARBED/Sonstige Beteiligungen 1913, 1935-1939, 1965-1986 (30)
Verbände/Organisationen 1831-1862, 1956-1981 (12)
Unternehmens- und Zeitgeschichte

EBV-Geschichte 1847, 1866-1995 (73)
Geschichte des Aachener Reviers und des Wurm-Reviers 1877-1906, 1936-1991 (59)
Grubenunglücke 1930-1984 (46)
Bergmännische Kultur 1957-1964 (10)
Studien- und Forschungsarbeiten, übergreifend 1924-1986 (161)
Zeche Anna 1937-1981 (135)
Zeche Emil Mayrisch 1940-1989 (91)
Zeche Maria 1924, 1954 (3)
Zeche Carl-Alexander 1951-1966 (13)
Zeche Adolf 1949-1965 (23)
Zeche Gouley-Laurweg 1826-1966 (185
Fotosammlung

Zechen/Kokereien
Energie- und Kraftwirtschaft
Hüttenbetriebe
EBV-Tochtergesellschaften
Grubenbetrieb unter Tage
Arbeitssicherheit/Grubenrettung
Ausbildung/Weiterbildung
Sozialwesen
Personenaufnahmen
Öffentlichkeitsarbeit
Freizeit/Bergmännische Kultur
Offizielle Feiern
Karten/Pläne/Risse

Umfang : 66 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Schachtanlage Erin (Bestand 63), Schachtanlage Westfalen (Bestand 157)
Ergänzungsüberlieferung im Stadtarchiv Bochum: Bergbau-AG Lothringen (Bestand Flo 34, Findbuch im Bergbau-Archiv vorhanden)

Literatur : Hans-Jakob Schaetzke: Vor Ort. Geschichte und Geschichten eines Bergbauunternehmens im Aachener Revier, Herzogenrath 1992.
Walter Buschmann: Zechen und Kokereien im rheinischen Steinkohlenbergbau, Aachener Revier und westliches Ruhrgebiet, Berlin 1998 (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen. 1).
Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken