Bestand 165 Schachtanlage Rossenray, Kamp-Lintfort



Laufzeit : 1927 - 1977



Inhalt : Obwohl die Schachtanlage Rossenray erst 1962 als letztes neu in Betrieb gegangenes Bergwerk des Ruhrgebiets die Förderung aufgenommen hat, reicht die Geschichte ihrer Entstehung zurück in die Anfänge des letzten Jahrhunderts.

Zwischen 1900 und 1908 wurden an Paul Stein, seit 1903 Direktor der Gewerkschaft Auguste Victoria, Kommerzienrat August Stein und Ingenieur Julius Schäfer insgesamt 39 Steinkohlenfelder verliehen, darunter die Felder Rossenray 1-11 sowie Rheinbaben 1, 3 und 4. Die Kuxe der neu gegründeten Gewerkschaften verblieben zunächst im Kreis der Muter. 1909 bis 1910 erwarben die Rheinischen Stahlwerke zur Sicherung ihrer Kohleversorgung einen Teil der Grubenfelder und planten die Errichtung einer Doppelschachtanlage im Feld Rossenray 4. Nach Beginn der Teufarbeiten stellte sich jedoch heraus, dass durch die schwierige Gebirgsbeschaffenheit die günstigen Prognosen hinsichtlich der Kosten und der Teufdauer nicht eingehalten werden konnten, was 1911 zu einer Einstellung aller Arbeiten führte. Nach verschiedenen Felderteilungen und -konsolidationen gelangten die aus den Rheinberg-Feldern gebildeten Gewerkschaften 1917 zunächst in den Besitz der Prager Eisen-Industriegesellschaft in Wien, die zu Mannesmann gehörte, und 1920 schließlich zur Pariser L''Industrie des Aciéries et Forges de Firminy. Die Gewerkschaften der Rossenray-Felder verblieben zunächst bei den Rheinischen Stahlwerken und wurden 1927 an die Frankfurter Gasgesellschaft verkauft (später Main-Gaswerke AG), die ihrerseits die Hälfte der Kuxe an die Stadtwerke Köln veräußerte. Zuvor war ein Teil des Besitzes an das Steinkohlenbergwerk Friedrich Heinrich gegangen.

1937 übernahmen die Fried. Krupp AG und Konsorten (die Gewerkschaften Emscher-Lippe und Constantin der Große sowie die Norddeutsche Hütte AG) sämtliche Kuxe aller Gewerkschaften sowie die Aktien der Siedlungsgesellschaft Rossenray AG und vereinigten den Besitz wieder in einer Hand.1941 wurden die Einzelgewerkschaften aufgelöst und 1942 durch die 100-teilige Gewerkschaft Rossenray und die 1 000-teilige Gewerkschaft Rheinberg ersetzt, in denen nun alle Felder konsolidiert waren. Krupp hielt mit jeweils 70 % der Kuxe die Mehrheit. Die Gewerkschaft Rossenray nahm nun die Pläne zur Errichtung einer Doppelschachtanlage wieder auf und im Februar 1942 wurde der erste Spatenstich für Schacht 1 getan. Zwar konnten im Folgejahr die Arbeiten weitergeführt und mit der Herstellung der Gefrierbohrungen begonnen werden, doch verhinderten die Kriegsereignisse die Fertigstellung.

1953 wurde schließlich die Bergwerke Essen-Rossenray AG gegründet, die die Felder der gleichzeitig aufgelösten Gewerkschaften Rossenray und Rheinberg übernahm. Im Juni 1954 erfolgte der Beschluss, die Abteufarbeiten wieder aufzunehmen. Nach 7-jährigen Arbeiten ging Schacht 1 1962 in Betrieb, Schacht 2 folgte ein Jahr später.

War die Entscheidung zur Errichtung der Schachtanlage noch vor dem Hintergrund eines großen Kohlebedarfs gefallen, so musste der Umfang des Projekts angesichts der zunehmenden Kohlenkrise relativiert werden. Zum Jahresende 1959 wurde die Bergwerke Essen-Rossenray AG mit den Krupp''schen Zechen Hannover-Hannibal und Constantin der Große in die neu gegründete Bergwerke Bochum-Rossenray AG überführt, die gleichzeitig Betriebsabteilung der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG war. Eine weitere Einschränkung erfuhr das Unternehmen 1961, als der Vorstand beschloss, die Schachtanlage Rossenray nicht wie geplant als selbstständiges Bergwerk auszubauen. Da die Verhandlungen mit der Rheinpreußen AG zur gemeinsamen Führung der Bergwerke Pattberg und Rossenray 1962 scheiterten, erfolgte aber doch der Ausbau mit einer Kapazität von 2 000 Tagestonnen. Wegen der sich ständig verschlechternden Absatzsituation des Bergbaus konnte die 1965 in Aussicht gestellte Erweiterung auf 5 000 Tagestonnen nicht mehr verwirklicht werden, sämtliche Investitionen wurden zurückgestellt. Mit der Errichtung des Förderturms über Schacht 1 wurde das Bergwerk 1965/1967 endgültig fertiggestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren die technischen Anlagen für den tatsächlichen Bedarf bereits überdimensioniert.

1969 brachte die Fried. Krupp Hüttenwerke ihren Bergwerksbesitz in die neu gegründete Ruhrkohle AG ein. Zum Jahresbeginn 1970 gelangte Rossenray mit der Zeche Pattberg 1/2, die aus der Schachtanlage Rheinpreußen ausgegliedert worden war, in den Verbund Pattberg-Rossenray. Während Schacht 2 stillgelegt wurde, wurde Schacht 1 zum Förderschacht. Bereits 1971 folgte der Zusammenschluss von Pattberg/Rossenray und Rheinpreußen zum Verbundbergwerk Rheinland.

Der Bestand wurde 1993 auf dem Bergwerk Rheinland übernommen. Er umfasst mit wenigen älteren Ausnahmen den Zeitraum von 1926 bis 1971, der Schwerpunkt liegt auf den 1950er und 1960er Jahren. Die Akten dokumentieren sehr ausführlich Planung, Entstehung und Betrieb der Schachtanlage in allen technischen und wirtschaftlichen Fragen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem umfangreichen Material zu Belegschaftsfragen aus Unternehmenssicht. Chronik der Rossenray-Felder 1927-1970 (11)
Berechtsame/Kohlenvorräte/Flözarchiv 1941-1974 (25)
Planung der Schachtanlage, allgemein 1953-1970 (14)
Bergaufsicht 1941-1945, 1955-1977 (16)
Organisation der Gesellschaft/Werksdirektion 1942-1977 (13)
Finanzfragen 1938-1969 (9)
Der Bergbau und die Presse 1948-1967 (10)
Beobachtung anderer Schachtanlagen 1951-1971 (6)
Grubenbetrieb unter Tage
Abteufen der Schächte 1937-1967 (34)
Schachtausbau 1937-1966 (22)
Korrosionsschutz für den Ausbau und die Einbauten 1954-1964 (12)
Überwachung der Schächte 1943-1969 (15)
Schachtförderung 1928-1971 (14)
Ausrichtung 1955-1968 (9)
Flözbergbau/Abbaugestaltung 1943-1975 (19)
Ausbau in Streb und Strecke 1952-1975 (4)
Streckenförderung 1958-1977 (12)
Wetterführung/Wasserhaltung1943-1976 (10)
Grubensicherheit 1956-1977 (23)
Grubenbetrieb über Tage/Siedlungsbau
Tagesanlagen, allgemein 1942-1977 (16)
Energieversorgung 1941-1972 (12)
Wasserwirtschaft 1941-1972 (12)
Aufbereitung 1942-1972 (9)
Bergewirtschaft 1944-1971 (5)
Verkehrsfragen/Grubenanschlussbahn 1909-1969 (15)
Siedlungsbau 1927-1970 (9)
Belegschaft 1942-1977 (43)
Wissenschaftliche Arbeiten/Berichte (18)


Umfang : 20 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Bergbau-Archiv: Fried. Krupp Bergwerke AG (Bestand 20)

Literatur : Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 143.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 828 f.
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