Bestand 175 Sophia-Jacoba GmbH, Hückelhoven (Rheinland)



Laufzeit : 1891 - 1996



Inhalt : Die Gründung des Bergwerks Sophia-Jacoba geht auf Friedrich Honigmann zurück, dessen Bohrungen in der Region Hückelhoven seit 1884 bis 1899 zur Verleihung von 29 Grubenfeldern führten. 1908 begann das Abteufen des ersten und 1912 des zweiten Schachtes. 1914 nahm das Bergwerk Hückelhoven 2 die Kohleförderung auf.

Nach dem Tod Friedrich Honigmanns im Dezember 1913 übernahm sein Sohn Eduard die Grubenleitung, fiel jedoch schon 1916 an der Westfront. Die Erbengemeinschaft verkaufte daraufhin am 23. Mai 1917 jeweils 60 % der Kuxe der 29 Einzelgewerkschaften an die Nederlandsche Maatschappij tot Ontginning van Steenkolenvelden N.V. (NEMOS). Diese war erst wenige Monate zuvor unter Beteiligung von Frederik Fentener van Vlissingen, dem Direktor und Mitinhaber der Steenkolen-Handelsgesellschaft N.V. (SHV), gegründet worden. Im Herbst 1917 erfolgte die Konsolidation der 29 Einzelgewerkschaften zur Gewerkschaft Sophie-Jacoba. Schließlich erwarb die NEMOS 1920 die übrigen Kuxe. Am 19. Oktober 1920 beschloss die Gewerkenversammlung die Konsolidation des Bergwerkseigentums Sophie-Jacoba mit den übrigen 39 Grubenfeldern der NEMOS zur Gewerkschaft Sophia-Jacoba.

Den Vertrieb übernahm die am 24. März 1920 von NEMOS und SHV gegründete Hückelhovener Kohlenhandelsgesellschaft mbH (HKG). Im September 1926 trat die SHV ihre Anteile an der HKG an die Beleggingsmaatschappij Unitas N.V. (UNITAS) ab, die fortan den Verkauf in den Niederlanden abwickelte. Für den deutschen Markt blieb die HKG zuständig. 1951 trat die UNITAS ihr Vertriebsrecht an die SHV ab, die vier Jahre später von der NEMOS das Alleinvertriebsrecht erhielt, vorerst allerdings nicht ausübte. 1968 gingen die Aufgaben der HKG an die am 20. Juli neu gegründete Sophia-Jacoba Handelsgesellschaft mbH (SJH) über.

Mit dem Besitzerwechsel war 1917 eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau der Schachtanlage geschaffen worden. Anfang 1922 nahm Schacht 1 den Betrieb alsHauptförder- und ausziehender Wetterschacht auf. Von 1927 bis 1930 wurde in Hückelhoven Schacht 3 abgeteuft. 1932 entschloss sich die Grubenleitung für die Errichtung eines neuen Wetterschachtes (Schacht 4) in Ratheim. Für die Unternehmensentwicklung erlangten nicht zuletzt die Kohleaufbereitungs- und -veredelungsanlagen Bedeutung. Im November 1922 war die Brikettfabrik fertig und 1924 eine neue Wäsche, die die Probleme mit der oft mangelhaften Produktqualität zwar vermindern, aber nicht grundlegend beheben konnte. Die herkömmlichen Aufbereitungsmethoden erwiesen sich für Sophia-Jacoba als ungeeignet. Von 1929 bis 1933 entstand deshalb eine neue Wäsche nach dem von Gerhard Jan de Vooys entscheidend weiterentwickelten Schwerflüssigkeitsverfahren, das in der Folgezeit von Ruhrzechen übernommen wurde.

Seit September 1944 hielt nur noch eine Notbelegschaft den Zechenbetrieb aufrecht, der Ende Januar 1945 vorübergehend ganz eingestellt werden musste, sodass die Grube teilweise überflutet wurde. Die Wiederaufnahme der Förderung erfolgte Ende Oktober 1946. Im Juni begann in Hoverberg der Bau eines fünften Schachtes und in Ratheim wurde Schacht 4 tiefer geteuft. 1956 präsentierte die Grubenleitung unter Helmut Kranefuss, der am 1. Januar als Nachfolger des verstorbenen Hans Joachim Rauhut an die Spitze des Grubenvorstands getreten war, einen "Neuen Plan" für die Aufstockung der Förderkapazitäten. Im Mittelpunkt stand der Ausbau der Anlage in Ratheim zu einer modernen Zentralschachtanlage. 1959 nahm der umgebaute und mit einem neuen Förderturm versehene Schacht 4 die Produktenförderung auf und im Sommer 1964 wurde der neue Schacht 6, nach den Initialen von Kranefuss kurz "HK" genannt, seiner Bestimmung übergeben. Die von Fritz Schupp prägnant gestalteten Fördertürme der Doppelschachtanlage 4/HK waren ein Wahrzeichen von Sophia-Jacoba. Die Inbetriebnahme der neuen Rundwäsche am 6. Juli 1983 markierte den Abschluss der dritten und letzten Stufe des "Neuen Plans".

Die NEMOS hatte im September 1939 den Einfluss auf die Grubenleitung durch eine Verfügung der Reichsregierung verloren und war nach Kriegsende wieder in ihre alten Rechte eingesetzt worden. Am 14. Mai 1952 konstituierte sich der im Mitbestimmungsgesetz vorgesehene Aufsichtsrat. 1966 ordnete die NEMOS ihren Kuxenbesitz neu und übertrug je 190 Anteile auf vier neu gegründete Tochtergesellschaften, die Beheersmaatschappijs Arsbeck, Birgelen, Ratheim und Wassenberg. 239 Kuxe verblieben bei der NEMOS, einer bei den Erben Fentener van Vlissingens. 1973 veräußerte die NEMOS ihre 999 Anteile an die niederländische Robeco.

1988 beschloss der Aufsichtsrat erstmals eine wesentliche Reduzierung von Förderung und Belegschaft. Im Frühjahr des folgenden Jahres nahm die Robeco Verkaufsgespräche mit der Ruhrkohle AG (RAG) auf. Im September 1989 wurde die Gewerkschaft Sophia-Jacoba zu einer GmbH umgewandelt und ging mit der Handelsgesellschaft SJH mit Wirkung zum 1. Januar 1990 auf die RAG über.

Nachhaltige Proteste des Betriebsrats sowie der Belegschaft und ihrer Angehörigen begleiteten diese Veränderungen seit September 1988. Die Hoffnungen, durch eine Subventionierung des im Frühjahr 1991 geplanten Abbaus unter dem ehemaligen Flugplatz in Wildenrath der Stilllegung zu entgehen, erfüllten sich nicht. Die Bundesregierung lehnte staatliche Zuschüsse ab und am 11. November 1991 beschloss die Bonner Kohlenrunde die Schließung der Zeche. Am 27. März 1997 stellte die Zeche Sophia-Jacoba als letztes Bergwerk im Aachener Revier die Förderung ein.

Die Altregistratur der Sophia-Jacoba GmbH wurde Mitte der 1990er Jahre in mehreren Schritten ins Bergbau-Archiv übernommen. Hervorzuheben sind die dichte und für die Zeit nach 1945 nahezu lückenlose Überlieferung zur Tätigkeit der Leitungsgremien, eine vollständige Serie der von 1953 bis 1996 erschienenen Werkzeitung und die umfangreiche Fotosammlung. Berechtsame/Besitzverhältnisse 1891-1989
Gewerkenversammlungen 1917-1989
Grubenvorstand/Direktion 1917-1951
Vorstand/Aufsichtsrat 1952-1996
Jahres- und Geschäftsberichte/Berichte an die Nederlandsche Maatschappij tot Ontginning van Steenkolenvelden N.V. 1920-1996
Finanzangelegenheiten 1896-1988
Absatzfragen/Handelsgesellschaften 1919-1989
Bergbehördliche Genehmigung von Betriebsanlagen 1914-1964
Seilfahrts- und Revisionsbücher 1906-1928
Betriebsberichte/Betriebspläne 1920-1994
Grubensicherheit/Grubenrettungswesen 1948-1983
Statistiken 1920-1957
Belegschaftsangelegenheiten/Betriebliche Sozialpolitik 1923-1995
Werkswohnungen/Wohnungsbaugesellschaften 1926-1995
Beteiligungen/Mitwirkung in Verbänden 1929-1992
Materialsammlung der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit 1978-1997
Reden der Vorstandsvorsitzenden 1978-1996
Werkzeitung 1953-1996
Gutachten/Diplomarbeiten
Fotosammlung
Karten/Pläne/Risse

Umfang : 52 m (unverzeichnet)

Literatur : Friedrich Schunder: Geschichte des Aachener Steinkohlenbergbaus, Essen 1968.
Michael Farrenkopf/Stefan Przigoda: Schwarzes Silber. Die Geschichte des Steinkohlenbergwerkes Sophia-Jacoba, Hückelhoven 1997.
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