Bestand 123 Ilse Bergbau GmbH, Bonn



Laufzeit : 1871 - 1999



Inhalt : Besondere Benutzungsbedingungen
1871 gründete das Berliner Chemieunternehmen Kunheim & Co. nördlich von Senftenberg die Grube Ilse, die eine Zweigfabrik der Berliner Firma im nahen Bückgen mit Braunkohlen belieferte. Mit Gründung der Ilse Bergbau-Actiengesellschaft 1888 erfolgte die Ausgliederung aus dem Stammunternehmen. In der Folgezeit expandierte die Ilse Bergbau AG zur bedeutendsten Braunkohlengesellschaft im Niederlausitzer Revier mit ausgedehntem Grubenbesitz, mehreren Bergwerken, Brikettfabriken, Kraftwerken und Ziegeleibetrieben.

1927 übernahm der tschechische Industrielle jüdischen Glaubens Ignaz Petschek die Mehrheit des Stammkapitals und damit die beherrschende Stellung bei der Ilse. Im gleichen Jahr stockte die Vereinigte Industrieunternehmungen AG (VIAG) ihren 1923 erworbenen Anteil von 18 % der Stammaktien auf 27 % auf. Im Unterschied zu den anderen Gesellschaften des Petschek-Konzerns entging die Ilse Bergbau AG bei der so genannten "Arisierung" ihrer Zerschlagung. Nachdem Oberbergwerksdirektor Bergassessor a. D. Dr. Karl Leising 1939 zum Treuhänder für die Petschek-Anteile eingesetzt worden war, wurden diese im selben Jahr zum größten Teil an die VIAG veräußert, sodass die unternehmerische Einheit vorerst bewahrt blieb.

Nach Kriegsende büßte das Unternehmen durch teilweise Stilllegungen und Demontagen der sowjetischen Besatzungsmacht etwa die Hälfte seiner Anlagen ein. Die Verwaltungsstelle West der Ilse verlegte ihren Sitz kurz nach Kriegsende von Halle nach Witzenhausen (Hessen) im amerikanischen Sektor. Die Leitung übernahm das Ilse-Vorstandsmitglied Dr. Konrad Piatschek. 1947 wurden die Ilse-Werke in der sowjetischen Besatzungszone enteignet und später zu volkseigenen Betrieben der Kohlenindustrie in Senftenberg umgewandelt.

Nur ein kleiner Teil des Unternehmensvermögens konnte gerettet werden und befand sich nach 1945 mehrheitlich wieder in den Händen derin die USA emigrierten Familie Petschek. Mit dem verbliebenen Kapital erwarb die Ilse Bergbau AG das Braunkohlenbergwerk am Meißner (Hessen), das Ende 1946 in Betrieb ging. Da liquide Mittel zum Ausbau der Grube fehlten, wurde sie 1949 an die Bergwerk Frielendorf AG, 1958 an deren Rechtsnachfolgerin, die Braunkohlen- und Brikett-AG (BUBIAG), und 1971 wiederum an deren Rechtsnachfolgerin Elikraft verpachtet. Nach vorübergehender Stilllegung des Bergwerks 1974 kam es 1976 zum Abschluss eines Pachtvertrages mit der Preußischen Elektrizitäts-AG, die eine neue Braunkohlenbasis für ihr Kraftwerk im hessischen Borken suchte.

1950 erwarb die Ilse Bergbau AG 13 Maximalfelder im rheinischen Braunkohlenrevier nahe Jüchen als neue bergbauliche Betriebsgrundlage. Allerdings wurden 1956 zunächst die südlichen und 1957 dann die mittleren Jüchenfelder an die Vereinigten Aluminium Werke verkauft. Den Erlös investierte die Ilse in Anteile der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks AG (RWE) und wurde damit zu einem der größten Stammaktionäre des Stromkonzerns.

Nach langjährigen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Familie Petschek und den Minderheitsaktionären über eine unternehmerische Betätigung der Ilse Bergbau AG gaben die Petscheks ihr Aktienpaket 1963 an die VIAG ab, deren Anteil damit auf 82 % wuchs und 1966 und 1970 auf schließlich 99,9 % aufgestockt wurde. Unter dem Dach der VIAG begann 1964 aus steuerlichen Gründen die Umschichtung des Unternehmensvermögens. Die RWE-Aktien wurden in den folgenden Jahren schrittweise verkauft und der Erlös über die 1964 gegründete Beteiligungsgesellschaft Ilse Energie- und Industrieanlagen GmbH mit Sitz in Düsseldorf, eine 100 %ige Tochter der Ilse Bergbau AG, in den steuerlich begünstigten Kraftwerksbau investiert. Als sich die Bayernwerk AG 1966 mit 50 % an der GmbH beteiligte, erfolgten die Umbenennung in Ilse Bayernwerk Energieanlagen GmbH und der Umzug nach München.

Die Ilse Bergbau AG selbst hatte ihren Sitz schon 1948 formal nach Bremen verlegt, residierte mit ihrer Verwaltung allerdings seit 1950 in Köln. Seit 1967 war das Unternehmen in Bonn ansässig. Nach der Umwandlung in eine GmbH 1972 wurde im März 1973 ein Ergebnisabführungsvertrag mit der VIAG abgeschlossen. Im Juli 1994 kam es schließlich zur Verschmelzung mit der Muttergesellschaft unter Liquidation der Ilse Bergbau GmbH und dem Übergang des Unternehmensvermögens auf die VIAG.

Die Überlieferung der Ilse Bergbau GmbH wurde seit 1987 schrittweise in das Bergbau-Archiv übernommen. Abgebende Stellen waren neben der Ilse Bergbau GmbH und ihren Rechtsnachfolgern VIAG und E.ON auch die PreussenElektra AG. Einen Teil des Bestandes verwahrt das Bergbau-Archiv als Depositum. Die Materialien dokumentieren hauptsächlich die Erschließung der Braunkohlenvorkommen im Niederlausitzer Revier durch die Ilse Bergbau AG von etwa 1900 bis 1945, die Bemühungen um Rückerstattung bzw. Entschädigung für die demontierten und enteigneten Betriebe in der ehemaligen DDR, die Verwaltung, Verpachtung und Nutzung des Bergwerksbesitzes am Hohen Meißner und im Rheinischen Braunkohlenrevier sowie die Unternehmensentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. Gründung der Ilse Bergbau AG/General-, Haupt-, Gesellschafterversammlungen 1888, 1911-1994
Aufsichtsrat 1938-1990
Vorstandsangelegenheiten 1958-1971
Geschäftsberichte 1888-1993
Besitzverhältnisse/Rechtsform des Unternehmens/Rechtsangelegenheiten 1937-1999
Finanzangelegenheiten/Prüf- und Revisionsberichte 1943-1989
Allgemeiner Schriftwechsel 1950-1980
Bergwerks- und Grundbesitz im Niederlausitzer Revier
Bohrkarten und -tabellen 1905-1944
Grundbesitz und -verwaltung 1922-1943
Beweissicherungsverfahren betreffend Demontagen und Enteignung 1937-1972
Rückübertragungs- und Entschädigungsansprüche 1993-1999
Braunkohlenbergwerk Meissner 1949-1994
Bergwerksbesitz im Rheinichen Braunkohlenrevier/Jüchenfelder 1950-1987
Beteiligungen

Ilse Bayernwerk Energieanlagen GmbH 1964-1992
Niederlausitzer-Brikett-Handelsgesellschaft 1955-1971
Mark Union Kohlenhandelsgesellschaft 1950-1967
Braunkohle-Benzin-AG 1961-1990
Grundstücksgesellschaft Bunsenstraße 2 mbH 1950-1972
Verschiedene Beteiligungsvorhaben 1952-1969
Vereinigte Industrieunternehmungen AG (VIAG)b>
Finanzangelegenheiten 1941-1945
Geschäfts- und Jahresberichte 1966-1977
Deutscher Braunkohlen-Industrie-Verein 1970-1980
Unternehmensgeschichte/Veröffentlichungen 1913-1999
Fotos
Karten/Pläne/Risse


Umfang : 60 m (unverzeichnet)

Literatur : Festschrift zur Feier des 25-jährigen Bestehens der Ilse Bergbau-Actiengesellschaft, 1888-1913, [Berlin] [1913].
Fünfzig Jahre Ilse Bergbau-Actiengesellschaft, 1888-1938, [Berlin] [1938].
Wilhelm Treue: Die Ilse, Bergbau-Actiengesellschaft 1888-1951 (1970) in der Niederlausitz, in Hessen und in Bayern, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 39, 1990, S. 221-246.