Bestand 208 Rheinische Braunkohlenwerke AG, Köln



Laufzeit : 1920 - 1998



Inhalt : Zu den Vorgängerunternehmen der Rheinischen Braunkohlenwerke AG (Rheinbraun) gehörte die im Jahr 1898 gegründete Gewerkschaft Fortuna im nördlichen Bereich des rheinischen Braunkohlenreviers. Die Ursprünge der Braunkohlenförderung und ihrer betrieblichen Organisation lagen hingegen im Süden des Reviers. Anfang der 1880er Jahre hatte hier auf der Roddergrube westlich von Brühl die erste Brikettfabrik ihre Produktion aufgenommen. Die Entwicklung zu größeren leistungsfähigen Betrieben, insbesondere zur Behauptung gegenüber dem Energieträger Steinkohle, vollzog sich in einem Konzentrationsprozess von Norden nach Süden und lässt sich dabei vor allem mit dem südlichen Ausgreifen der neu gegründeten Gewerkschaft Fortuna verbinden. 1908 fand dieser Prozess im Zusammenschluss der inzwischen zur Aktiengesellschaft umgewandelten Gewerkschaft Fortuna mit Braunkohlenunternehmen des Südreviers, der Gewerkschaft Brühl-Kölner Braunkohlenbergwerk Donatus und der Gruhl''schen Braunkohlen- und Brikettwerk GmbH, einen vorläufigen Abschluss.

Diese neu gegründete Aktiengesellschaft, zugleich größtes Braunkohlenunternehmen des Reviers, firmierte unter der Bezeichnung Rheinische AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation. Im gleichen Jahr erfolgte im Südrevier die Fusion zwischen der Roddergrube und der Grube Brühl zur Braunkohlen- und Brikettwerke Roddergrube AG. Nach einer Phase der Konsolidierung begann die Rheinische AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation im Jahr 1910 mit dem Bau des ersten Braunkohlen-Großkraftwerks in Fortuna den Einstieg in die Energiewirtschaft. Als Tochtergesellschaft des Unternehmens wurde im gleichen Jahr das Rheinische Elektrizitätswerk im Braunkohlenrevier AG gegründet.

Die beiden folgenden Jahrzehnte waren vor allem durch Bestrebungen der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks AG (RWE) gekennzeichnet, im rheinischen Braunkohlenrevier Fuß zu fassen, um neben der Steinkohle auch die Braunkohle als Rohstoffbasis der Stromerzeugung nutzbar zu machen: Sukzessive wurden die Aktien der großen Braunkohleunternehmen, u. a. auch der Rheinischen AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, übernommen. 1933 verfügte die RWE schließlich über die absolute Mehrheit am Grundkapital des Unternehmens.

Der infolge der Autarkiebestrebungen des Dritten Reiches in den 30er Jahren gestiegene Bedarf an Braunkohle und die sich abzeichnende Erschöpfung der Kohlenvorräte mehrerer Gruben führten zu Bestrebungen, auch die tieferen Kohlevorkommen des Erfttals zu erschließen. Zur Realisierung dieses Vorhabens gründeten mehrere Unternehmen des Braunkohlenbergbaus 1939 die Rheinische Braunkohlentiefbaugesellschaft mbH.

Die Notwendigkeit, den Abbau in größeren Teufen voranzutreiben, bestand auch nach Kriegsende fort, wobei jedoch Versuche, die Braunkohle im Untertagebau zu gewinnen, 1954 endgültig eingestellt wurden. Zur Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit des Braunkohlenbergbaus musste die Fördermenge erhöht werden, was angesichts der geologischen Verhältnisse des Reviers nur durch große geschlossene Tagebaue unter verstärktem Technikeinsatz möglich schien. Den großen Neuaufschlüssen wie Fortuna und Frimmersdorf gingen umfangreiche Planungen voraus, mit denen einer Vielzahl von Herausforderungen, den erheblichen Eingriffen in die Umwelt und vor allem den notwendigen Umsiedelungen, Rechnung zu tragen war. Vor diesem Hintergrund waren weitere Betriebskonzentrationen unumgänglich, sodass bis Ende der 50er Jahre im Wesentlichen vier Unternehmen die bergbauliche Tätigkeit im rheinischen Revier dominierten: Ende 1959 kam es zur Fusion der drei RWE-Beteiligungsgesellschaften Rheinische AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, Roddergrube und Braunkohlen-Industrie-AG Zukunft sowie der Braunkohlenbergwerke Neurath AG zur Rheinbraun.

Nach Stilllegung zahlreicher Brikettfabriken in den 60er Jahren und weiteren Rationalisierungsmaßnahmen in der Folgezeit wurden zu Beginn der 80er Jahre mehr als 80 % der geförderten Braunkohle zur Verstromung im Mutterkonzern von Rheinbraun, der RWE, eingesetzt. Gründergesellschaften der Union Rheinische Braunkohlen-Kraftstoff AG (1)
Satzungen 1908-1975 (3)
Geschäftsberichte 1920-1990 (66)
Neueinteilungsplan im rheinischen Braunkohlenrevier nach Kontrollratsgesetz Nr. 75 1949 (1)
Sozial- und Personalberichte 1966-1990 (9)
Betriebsvereinbarung 1987 (1)
Unternehmensdokumentationen 1929-1972 (3)
Presseausschnitte 1946-1978 (1)
Fotos

Umfang : 1,6 m

Verweis : Die Rheinbraun Aktiengesellschaft unterhält auf Schloss Paffendorf in Bergheim (Erft) ein Zentralarchiv. Dort befindet sich die zentrale Überlieferung.

Literatur : Arno Kleinebeckel: Unternehmen Braunkohle. Geschichte eines Rohstoffs, eines Reviers,
einer Industrie, hrsg. von der Rheinischen Braunkohlenwerke AG, Köln 1986.
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