Bestand 13 Bezirksgruppe Ruhr der Fachgruppe Steinkohlenbergbau, Essen



Laufzeit : 1899 - 1947



Inhalt : Am 27. Februar 1934 erließ die Reichsregierung das Gesetz zur Vorbereitung des organischen Aufbaus der Deutschen Wirtschaft. Das Gesetz bevollmächtigte den Reichswirtschaftsminister, Wirtschaftsverbände als alleinige Vertreter ihres Wirtschaftszweiges zu errichten bzw. aufzulösen oder zu vereinigen, Satzungen und Verträge zu ändern, das Führerprinzip einzuführen, die Leiter zu ernennen oder zu entlassen und Unternehmungen an die Verbände anzuschließen. Die autonome Selbstverwaltung war damit aufgehoben, ebenso das Prinzip der freiwilligen Mitgliedschaft der Unternehmen bei den Verbänden.

Nach dem Gesetz gliederte sich die gesamte gewerbliche Wirtschaft in zwölf Hauptgruppen, von denen sieben auf die Industrie entfielen. Nach organisatorischen Zwischenlösungen bestand die fachliche Spitzengliederung der gewerblichen Wirtschaft aus sechs Reichsgruppen: Industrie, Handwerk, Handel, Banken, Versicherungen und Energiewirtschaft. Die Reichsgruppe Industrie untergliederte sich in sieben Hauptgruppen, deren erste sich aus den Wirtschaftsgruppen Bergbau, Eisenschaffende Industrie, Nichteisenmetallindustrie und Gießereien zusammensetzte.

Der Wirtschaftsgruppe Bergbau unterstanden die Fachgruppen Steinkohlenbergbau, Braunkohlenbergbau, Eisenerzbergbau, Metallerzbergbau, Kalibergbau, Steinsalzbergbau und Salinen, Erdölbergbau und die Fachgruppe Verschiedene Bergbauarten.

Die Basis der fachlichen Organisationspyramide bildeten schließlich die einzelnen Bezirksgruppen der Fachgruppen, im Fall der Fachgruppe Steinkohlenbergbau die Bezirksgruppen Ruhr, Aachen, Oberschlesien, Niederschlesien, Sachsen und Niedersachsen. Als Dachorganisation der gesamten gewerblichen Wirtschaft fungierte die Reichswirtschaftskammer, der neben den Reichsgruppen und den Hauptgruppen der Reichsgruppe Industrie die Wirtschaftskammern, die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern angehörten.

Die Bezirksgruppe Ruhr der Fachgruppe Steinkohlenbergbau wurde - wie alle anderen Untergliederungen der Wirtschaftsgruppe Bergbau - am 22. Dezember 1934 gebildet. Sie hatte ihren Sitz in Essen. Mitglieder waren alle Bergbaugesellschaften und Alleinbesitzer von Bergwerken, außerdem die mit dem Ruhrbergbau in einem technischen oder organischen Zusammenhang stehenden Unternehmen. Die Mitglieder hatten die Arbeit der Bezirksgruppe durch Beiträge zu finanzieren, deren Höhe sich nach der Belegschaftsstärke und/oder der Förderung richtete. Sie hatte die Aufgabe, ihre Mitglieder auf bergbaulichem Gebiet zu beraten und zu betreuen. Insbesondere war sie zuständig für folgende Arbeitsgebiete: Rechtsfragen, Luftschutz, Verkehrsfragen, Statistik, volkswirtschaftliche und sozialwirtschaftliche Fragen. Die Betreuung der Mitglieder auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet blieb dagegen dem Bergbau-Verein überlassen.

Organe der Bezirksgruppe waren der Leiter, der Beirat und die Mitgliederversammlung. Der Leiter hatte den Status eines gesetzlichen Vertreters der Gruppe; seine Stellung war gänzlich durch das Führerprinzip geprägt. Er wurde vom Leiter der Wirtschaftsgruppe Bergbau im Einvernehmen mit dem Leiter der Wirtschaftskammer bestellt und abberufen.

Leiter der Bezirksgruppe Ruhr war bis April 1937 Bergassessor Dr.-Ing. E. h. Ernst Brandi (Stellvertreter: Bergassessor Ernst Buskühl und Bergassessor Walter Tengelmann), danach Bergassessor Ernst Buskühl (Stellvertreter: Bergassessor Walter Tengelmann und Bergassessor Dr.-Ing. Hermann Winkhaus). Die Geschäftsführung der Bezirksgruppe lag bis 1938 bei Bergassessor Dr.-Ing. E. h. Hans von und zu Loewenstein, anschließend bei Dr. Martin Sogemeier, dem langjährigen Geschäftsführer des Zweckverbands nordwestdeutscher Wirtschaftsvertretungen in Berlin.

Der Beirat der Bezirksgruppe wurde vom Leiter mit Zustimmung des Leiters der übergeordneten Gruppe berufen. Er hatte das Recht der Kassen- und Rechnungsprüfung und war vor wichtigen Maßnahmen anzuhören, so bei der Feststellung des Haushaltsplans, der Festsetzung der Beiträge, beim Erwerb von Grundvermögen, bei der Bestellung von Geschäftsführern sowie bei Erlass oder Abänderung der Satzung.

Die Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe setzte sich aus den Vertretern der zur Bezirksgruppe gehörenden Mitgliedsgesellschaften zusammen, wobei das Stimmrecht jeweils nur einem Vertreter jeder Gesellschaft zustand. Die Anzahl seiner Stimmen richtete sich nach der Belegschaftsstärke der betreffenden Gesellschaft. Die Mitgliederversammlung diente zur Unterrichtung und Aussprache der Mitglieder über Tätigkeit und finanzielle Lage der Gruppe; sie erteilte die Entlastung und beschloss in geheimer Abstimmung über das Vertrauensvotum für den Leiter. Die Teilnahme an den Mitgliederversammlungen und Sitzungen des Beirates war obligatorisch. Satzung und innere Organisation der Bezirksgruppe Ruhr blieben in dieser Form bis zum Kriegsende bestehen.

Die Maßnahmen nach 1935 zielten auf eine weitere Vereinfachung der Organisation der gewerblichen Wirtschaft ab mit dem Zweck, ihre Leistungsfähigkeit den steigenden Rüstungsanforderungen anzupassen. Mit der 4. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Vorbereitung des organischen Aufbaues der deutschen Wirtschaft vom 27. Oktober 1938 fielen die Hauptgruppen der Reichsgruppe Industrie fort. Aufgaben und Befugnisse der Leiter der Hauptgruppen gingen auf den Leiter der Reichsgruppe über.

Aufgrund der Anordnung des Reichswirtschaftsministers über eine Organisationsvereinfachung im Bereich der Reichsgruppe Industrie vom 24. April 1939 wurden die Fachgruppen Steinkohlenbergbau, Braunkohlenbergbau, Eisenerzbergbau und Verschiedene Bergbauarten aufgelöst. Ihre Bezirksgruppen unterstanden nunmehr unmittelbar der Wirtschaftsgruppe Bergbau. Die Bezirksgruppe Ruhr änderte daraufhin ihren Namen in Bezirksgruppe Steinkohlenbergbau Ruhr der Wirtschaftsgruppe Bergbau ab. Mit Kriegsende stellte sie ihre Tätigkeit ein.

Die Registratur der Bezirksgruppe Ruhr ist offenbar in weit geringerem Maße als die von Bergbau-Verein und Zechenverband von den Kriegsereignissen betroffen worden. Vereinzelt befinden sich in den Akten Vorakten, die noch den Bergbau-Verein direkt betreffen, u. a. über die Generalversammlungen (1929 bis 1930), Rechnungsausschuss- und Kassenkuratoriumswahlen (ab 1927), Geschäftsführung und Personalien (ab 1926), Arbeiterschutzfragen (ab 1925). Organisation der gewerblichen Wirtschaft 1922-1945 (138)
Ordnung der Arbeit 1933-1945 (44)
Tarifpolitik/Allgemeine Fragen 1921-1945 (83)
Arbeitszeit
Allgemeines 1919-1944 (28)
Mehrarbeit 1935-1945 (21)
Sonn- und Feiertagsarbeit 1926-1944 (19)
Feierschichten 1920-1945 (25)
Urlaubsregelung 1926-1944 (37)
Deputatkohle 1899-1919, 1933-1945 (25)
Arbeitsbedingungen für jugendliche Gefolgschaftsmitglieder 1930-1944 (27)
Lohn- und Gehaltsregelung

Allgemeine Fragen 1921-1946 (19)
Ausgestaltung des Lohntarifs 1929-1944 (19)
Tariflöhne unter Tage 1935-1944 (7)
Tariflöhne über Tage 1919-1944 (22)
Einkommensregelung für Angestellte 1928-1944 (20)
Sozialzulagen für Angestellte 1924-1945 (16)
Belegschaftspolitik 1927-1945 (52)
Deutsche Arbeitsfront/Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation/Kraft durch Freude 1933-1945 (48)
Wirtschafts- und Sozialpolitik

Allgemeines 1935-1945 (80)
Marktlage/Absatz 1934-1944 (31)
Marktlage/Wettbewerb 1933-1944 (24)
Kapital/Ertrag/Bilanz 1934-1941 (11)
Geld- und Kreditwesen 1935-1944 (18)
Lebensverhältnisse der Bergleute 1934-1945 (21)
Gesundheitsverhältnisse 1936-1944 (26)
Büchereien/Statistik/Veröffentlichungen 1929-1944 (21)
Steuerfragen 1929-1948 (27)
Verwaltung 1935-1944 (10)
Gesetzgebung 1935-1945 (20)
Wohnungsfragen 1929-1947 (15)
Sozialvorsorge

Allgemeines 1919-1941 (19)
Arbeiterschutz 1922-1941 (18)
Arbeitsvermittlung/Arbeitsfürsorge 1934-1943 (16)
Sozialversicherung 1924-1944 (21)
Angestelltenversicherung 1935-1943 (6)
Knappschaftliche Versicherung 1932-1943 (10)
Ruhrknappschaft 1929-1944 (51)
Soziale Fürsorge 1918-1947 (19)
Belegschaftsstatistik 1929-1945 (36)
Wirtschaftsstatistik 1924-1944 (31)
Lohn- und Gehaltssstatistik 1929-1945 (21)


Umfang : 30 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Zechenverband (Bestand 14), Fachgruppe/Wirtschaftsgruppe Bergbau (Bestand 15), Bergbau-Verein (Bestand 16)
Ergänzungsüberlieferung im Bundesarchiv Berlin: Wirtschaftsgruppe Bergbau (Bestand R 13 XX, Findbuch im Bergbau-Archiv vorhanden)

Literatur : Paul Osthold: Die Geschichte des Zechenverbandes 1908-1933, Berlin 1934.
Albert Pietzsch: Die Organisation der gewerblichen Wirtschaft, Berlin 1938.
Karl Guth: Die Reichsgruppe Industrie, Berlin 1941.
Heinrich K. Bock: Bergbauliche Verbände im öffentlichen Leben, in: Jahrbuch des deutschen Bergbaus, 1938, S. 15-31.
Friedrich Schunder: Tradition und Fortschritt. Hundert Jahre Gemeinschaftsarbeit im Ruhrbergbau, Stuttgart 1959.
Ingeborg Esenwein-Rothe: Die Wirtschaftsverbände von 1933-1945, Berlin 1965.
Werner Sörgel: Die Neuordnung des industriellen Organisationswesens 1933/1935, in: Hans Jochim Varain (Hrsg.): Interessenverbände in Deutschland, Köln 1973, S. 259-276.
Martin Sogemeier, in: Fritz Pudor: Lebensbilder aus dem Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet, Jgg. 1962-1967, Baden-Baden 1977, S. 145-149.
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