Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen



Laufzeit : 1897-2000



Inhalt : Dieser Aktenbestand beinhaltet die Archivalien der Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen GmbH (1925 - 1930), der Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (1930 - 1990) und der VEW AG (1990 - 2000) sowie deren Tochtergesellschaft VEW Energie AG (1995 - 2000)

Er enthält auch Akten, die bei den Vorgängergesellschaften der VEW, nämlich bei dem Städtischen Elektrizitätswerk Dortmund (ab 1897), der Elektricitätswerk Westfalen AG, Bochum (ab 1906), der Westfälisches Verbands-Elektrizitätswerk AG, Dortmund (ab 1908) entstanden sind und von dem neu gegründeten Unternehmen fortgeführt wurden. In sich geschlossene Bestände der VEW-Vorgängergesellschaften liegen nicht vor.

Zum 1. Januar 1925 nahm die Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen GmbH mit Sitz in Dortmund ihre Geschäftstätigkeit, die Versorgung Westfalens mit Elektrizität und Gas, auf. Die VEW war zunächst eine Dachgesellschaft, die von ihren drei Gesellschaftern - dem Städtischen Elektrizitätswerk Dortmund, der Westfälischen Verbands-Elektrizitätswerk AG und der Elektricitätswerk Westfalen AG - die Werksanlagen pachtete und betrieb. 1929 waren die Eigentümer der drei Gesellschafter - hier handelte es sich ausschließlich um westfälische Städte und Gemeinden - durch Einbringen ihrer Anlagen in die VEW GmbH unmittelbare Eigentümer der VEW geworden, so dass die Gründergesellschaften der VEW in den Folgejahren aufgelöst werden konnten.

Die Keimzelle des Unternehmens bildete das 1897 gegründete Städtische Elektrizitätswerk Dortmund. Das Kraftwerk dieses Unternehmens nahm im Dezember 1897 die Stromversorgung in der Stadt auf. Es war das erste Kraftwerk im Ruhrgebiet, das der öffentlichen Stromversorgung diente. Es versorgte zunächst Industrie-, Gewerbe- und Haushaltskunden in der Stadt Dortmund, dehnte wenig später sein Versorgungsgebiet auf den Landkreis Dortmund und bis zum Ersten Weltkrieg auch auf den Landkreis Unna und die Städte Lünen, Castrop-Rauxel bisin den Raum Hamm aus.

1905 errichtete die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG (RWE) im Süden Dortmund in der Gemeinde Kruckel seine "Centrale II", ein Kraftwerk, mit dem der ost- und südwestfälische Raum in Konkurrenz zum Dortmunder Elektrizitätswerk und der in Hagen ansässigen Kommunales Elektrizitätswerk Mark AG mit Strom versorgt werden sollte. Nach harten politischen Auseinandersetzungen sah sich das RWE 1908 veranlasst, seine Anlagen in Kruckel in die neu gegründete Westfälische Verbands-Elektrizitätswerk AG (WVE) einzubringen. Hauptaktionäre dieser Gesellschaft waren neben der Stadt Dortmund westfälische Kommunen. Dem RWE verblieb lediglich eine Beteiligung von 10%, die es 1924 an die kommunalen Eigentümer des Dortmunder Werkes abgab. Das WVE versorgte von seinem Kraftwerk Kruckel aus vor allem den südostwestfälischen Raum.

1906 hatten Städte des mittleren Ruhrgebiets, darunter Bochum, Witten, Herne, Recklinghausen sowie unter Beteiligung der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, Berliner Banken und der AEG die Elektricitätswerk Westfalen AG gegründet. Das Elektricitätswerk Westfalen nahm zunächst den Überschussstrom der umliegenden Zechenkraftwerke auf und verteilte diesen an seine Kunden weiter. Erst 1912 errichtete das Elektricitätswerk Westfalen gemeinsam mit der Stadt Barmen das Gemeinschaftswerk Hattingen, 1914 baute das Unternehmen schließlich das Gersteinwerk in Werne an der Lippe, das kriegsbedingt erst 1917 in Betrieb gehen konnte. Notwendig wurde der Kraftwerksbau wegen der Unwägbarkeit der Zechenstromlieferungen und einem erheblichen Anstieg der Stromnachfrage. Noch vor dem Ersten Weltkrieg hatte das Elektricitätswerk Westfalen sein Versorgungsgebiet bis weit in das Münsterland und bis in den ostwestfälischen Raum ausgedehnt.

Die VEW konnte nach Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit ihr Versorgungsgebiet erheblich ausdehnen. 1925 schloss sich der Landkreis Lingen an das Stromversorgungsnetz der VEW an. 1928sich die drei an Hessen grenzenden westfälischen Landkreise Büren, Brilon und Wittgenstein an das VEW-Netz an. Ebenfalls 1928 trat der Kreis Meschede die Geschäftsanteile seiner drei Elektrizitätswerk Bestwig, Meschede und Finnentrop, der kreis Arnsberg sein Kreiselektrizitätswerk an die VEW ab. Auch hier übernahm die VEW die Stromversorgung. Durch den Anschluss der sauerländischen Landkreise an die VEW-Versorgung kamen zahlreiche kleine Wasserkraftwerke in den Besitz des Unternehmens.

Im Zuge der Gründung der Ruhrgas AG forcierte die VEW ab 1927 in ihrem Versorgungsgebiet den Ausbau der Ferngasversorgung. Ihre Gasabteilung brachte sie in die neu gegründete Tochtergesellschaft Vereinigte Gaswerke AG (VGW) ein, die aber wenige Jahre später wieder in die VEW integriert wurde.

Zur besseren regionalen Verwaltung der Versorgungsaktivitäten richtete die VEW neben der Hauptverwaltung in Dortmund Betriebs- bzw. Bezirksdirektionen in Dortmund, Münster, Arnsberg und Bochum ein.

Um die Rohstoffgrundlage für die Elektrizitätserzeugung langfristig zu sichern, erwarb die VEW 1925 die Zeche Gottessegen in Dortmund, 1926 das Bergwerk Alte Haase in Sprockhövel und 1927 die Zeche Caroline in Holzwickede.

Da der Ausbau des Hochspannungsnetzes und der Kraftwerke enorme Summen verschlangen, geriet das unternehmen in der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Bedrängnis. Die Umwandlung der Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft löste die Krise nur ansatzweise. Anteilseigner der VEW blieben ausschließlich westfälische Kommunen. Dieser Charakter als öffentliches unternehmen erleichterte 1933 die "Nazifizierung" der VEW. Weniger die Versorgungsanlagen, dafür umso mehr die Verwaltungsanlagen in Dortmund, Bochum und Münster erlitten in den Kriegsjahren schwerste Schäden. Damit einher ging ein weitgehender Verlust an Akten.

Im Zuge des "Wirtschaftswunders" konnte die rapide steigende Stromnachfrage zu Beginn der 1950er Jahre zunächst durchAbkommen mit dem Ruhrbergbau, der auf seinen Anlagen Strom für die allgemeine Landesversorgung erzeugte und an die VEW abgab, befriedigt werden. Nach erheblichen Erweiterungen des Gemeinschaftswerkes Hattingen und des Gersteinwerkes errichtete die VEW 1962 in Hamm-Uentrop das konventionelle Kraftwerk Westfalen. Mit starker finanzieller Unterstützung des Bundes errichtete die VEW gemeinsam mit der AEG im Emsland das Kernkraftwerk Lingen, das 1968 in Betrieb ging. 1977 musste diese Demonstrationsanlage wegen Schäden an den Wärmetauschern stillgelegt werden. Wenige Jahre zuvor, 1973, war in Lingen ein Erdgaskraftwerk in Betrieb gegangen. 1988 speiste schließlich das gemeinsam mit der Elektromark AG, Hagen (heute: Mark E) betriebene Kernkraftwerk Emsland in Lingen erstmals Strom ins öffentliche Netz. Ein erfolgreiches Geschäftsfeld entwickelte die VEW mit dem Aufbau eines Ferngasnetzes seit Mitte der 1950er Jahre. Mit der Umstellung auf Erdgas ab Mitte der 1960er Jahre und dem Vordringen dieser Energie auf dem Heizenergiemarkt intensivierte die VEW hier ihre Tätigkeit.

1966 ging die VEW an die Börse. Durch die Partnerschaft mit privatem Kapital verlor das unternehmen seinen rein öffentlichen Charakter, allerdings behielten die Kommunen die Kapitalmehrheit. In den 1980er Jahren setzte mit dem Ausgreifen in umwelt- und Entsorgungsaktivitäten eine Diversifizierung des Unternehmens ein, die sich Anfang der 1990er Jahre beschleunigte. Ein neu eingerichtetes Geschäftsfeld Entsorgung wurde in der übernommenen Iserlohner Edelhoff-Gruppe gebündelt, die ebenfalls Anfang der 1990er Jahre erworbene Harpener (später: Harpen) AG führte das Geschäftsfeld energienahe Dienstleistungen. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Öffnung Osteuropas wurde das Unternehmen nun auch weit über das bisherige westfälische Stammgebiet hinaus tätig. In der früheren DDR beteiligte sich die VEW am Aufbau einer modernen Gas- und Stromversorgung. Dies mündete in Beteiligungen anverschiedenen Versorgungsgesellschaften, vor allem im Erwerb einer Mehrheit an der Mitteldeutschen Energieversorgung AG (MEAG), Halle. Zudem beteiligte sich die VEW in Ungarn an Versorgungsunternehmen.

Aufgrund dieses Wandels in der Geschäftstätigkeit und der räumlichen Ausdehnung gab sich das Unternehmen 1995 eine neue Struktur. Die seit 1925 bestehende Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen GmbH bzw. AG firmierte um in VEW AG. Sie war nun eine konzernleitende Holding mit vier operativ tätigen Führungsgesellschaften, nämlich der neu gegründeten VEW Energie AG, der MEAG, der Edelhoff-Gruppe und der Harpen AG. 1998 kam als fünfte Führungsgesellschaft die Westfälische Gasversorgung AG & Co KG (WGV) hinzu, ein Gemeinschaftsunternehmen der VEW und der Westfälischen Ferngas AG (WFG). Die WGV ging 2000 in die WFG auf, die - nach dem Mehrheitserwerb durch die VEW AG - nun deren fünfte Führungsgesellschaft wurde.

Die Liberalisierung der Energiemärkte 1998 sorgte für einen dramatischen Verlauf des Wettbewerbs. Da die VEW mit der RWE AG zahlreiche Berührungspunkte wie z.B. eine starke kommunale Aktionärsgruppe, vergleichbare Unternehmensstrukturen, ähnliche Unternehmenskulturen, regionale Nachbarschaft und eine seit langen Jahren auf zahlreichen Gebieten praktizierte Zusammenarbeit besaß, beauftragten im Oktober 1999 die Aufsichträte beider Gesellschaften die jeweiligen Konzernvorstände, eine Fusion von VEW und RWE zu prüfen. Diese wurde zum 1. Oktober 2000 vollzogen. Das neue Unternehmen firmiert seitdem unter dem Namen des größeren Partners RWE. Der Archivbestand VEW Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen beinhaltet Akten, Zeichnungen und Plane, Fotografien, Filme, Werbeprospekte und Werbematerialien sowie Sammlungsgut aus den Unternehmen Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen GmbH (ab 1925), Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (ab 1930), VEW AG (ab 1995) und VEW Energie AG (Ab 1.7.1995). Aufgrund der Kriegszerstörungen der Verwaltungsgebäude in Dortmund, Bochum und Münster gibt es keine in sich geschlossenen Überlieferungen der Vorläufergesellschaften der VEW bis 1925. Schlecht ist auch der Überlieferungszustand bis 1945. Die vorhandenen Archivalien stammen aus den Bereichen Hauptversammlung, Aufsichtsrat, Vorstand, Presse und Information, Werbung und Marketing.

Umfang : Ca. 500 lfd. Meter teilweise verzeichneter Archivalien

Literatur : - Das Städtische Elektrizitätswerk in Dortmund. Bearbeitet von C. Döpke. Dortmund 1900. 60 S.
- Walther Lipken: Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen GmbH Dortmund - Bochum - Münster und ihre Entwicklungsgeschichte. Dortmund 1926. 155 S.
- Walther Lipken: Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen Aktiengesellschaft Dortmund. Bochum. Münster. Arnsberg. Mit 9 Plänen und 198 Diagrammen. Dortmund 1930.
- 25 Jahre VEW 1925 - 1950. Dortmund 1950.
VEW AG (Hrsg.): Mehr als Energie. Die Unternehmensgeschichte der VEW 1925 - 2000. Mit Beiträgen von Peter Döring, Karl-Peter Ellerbrock, Theo Horstmann und Meinhard Schwarz. Essen 2000. 399 S.
- Theo Horstmann: Die Vorläufergesellschaften der VEW. In: Mehr als Energie, S. 11 - 77.
- Peter Döring: Bewegte Jahre: Die VEW von 1925 bis 1948. In: Mehr als Energie, S. 79 - 195.
- Meinhard Schwarz: Zwischen Wiederaufbau und Wiedervereinigung. Die VEW 1948 bis 1989. In: Mehr als Energie, S. 197 - 291.
- Karl-Peter Ellerbrock, Peter Döring: Auf dem Weg in neue Dimensionen: Die Konzernentwicklung von 1989 bis 2000, In: Mehr als Energie, S. 294 - 375.
- Theo Horstmann, Peter Döring (Hg.): Zehn Jahrzehnte Kraftwerk Dortmund 1897 - 1997. Eine Geschichte in Fotodokumenten. Dortmund 1997. 87 S.
- Theo Horstmann (Hg.): Elektrifizierung in Westfalen. Fotodokumente aus dem Archiv der VEW. 2. Auflage Essen 2000. 231 S.
- Theo Horstmann: Die "Zweite Industrielle Revolution" in Westfalen - Zur Elektrifizierungsgeschichte einer Region. In. Elektrifizierung in Westfalen, S. 36 - 47.
-Peter Döring: Stationen der Technikentwicklung von Elektrizitätserzeugung und -verteilung in Westfalen 1897 - 1950. In: Elektrifizierung in Westfalen, S. 48 - 57.
- Renate Kastorff-Viehmann: Die Architektur von Bauten für die Elektrizitätsversorgung. In: Elektrifizierung in Westfalen, S. 58 - 71.
- Manfred Fischer: Stahlkonstruktionen und Stahlbauten für elektrotechnische Anlagen. In: Elektrifizierung in Westfalen, S. 72 - 78.
- Wolfhard Weber: Elektrizitätserzeugung und -verteilung in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts. In: Elektrifizierung in Westfalen, S. 30 - 35.
- Walter Fritzsch, Jutta Heutger-Berost: Stromversorgung im Sauerland 1891 - 1935. Ein Beitrag zur Wirtschafts- und Technikgeschichte. Arnsberg 1991. 224 S.
- Peter Döring (Hrsg.): 100 Jahre Strom für Recklinghausen 1905 - 2005. Essen 2005. 143 S.
- Gemeinschaftswerk Hattingen 1910 - 1960. Hattingen 1960.
- Gerd Heymann: Auf Kohle gebaut. Die Geschichte der Kohle ist die Geschichte der VEW. Dortmund 1992. 121 S.
- Gerd Heymann: Vom Irrlicht zum Industriemotor. Die leuchtende Gas-Geschichte der VEW. Dortmund 1996. 164 S.
- Gerd Heymann: Kollegen, Kohle und Kommunen. Eine Erfolgsgeschichte von Mitarbeitern und Mitbestimmung. Münster 2000.
- Kraftwerke Lingen. Lingen 1998. 131 S.
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