Thyssengas GmbH



Laufzeit : 1898 - 2004



Inhalt : Erschließungszustand: elektronisch

Bei dem Bestand handelt es sich um Akten der ehemaligen Thyssengas GmbH, die 2004 in die RWE Energy AG und deren Tochtergesellschaften integriert wurde.

Die Thyssengas GmbH wurde Anfang 1921 durch eine Ausgliederung der Abteilung Gas- und Wasserwerke der "August-Thyssen-Hütte, Gewerkschaft" gegründet. Gesellschafter waren zu diesem Zeitpunkt zu gleichen Teilen die Thyssen & Co. AG, Mülheim und die AG für Hüttenbetrieb, Duisburg-Meiderich. Die Aufgaben der neuen Gesellschaft bestanden in der Ferngasversorgung und in der Wasserversorgung von Kommunen und Industriebetrieben.

1905 nahmen die Thyssensche Werke das in ihren Kokereien anfallende Gas für die Versorgung von Gemeinden auf. Zuerst wurden Walsum und Hamborn und ebenfalls noch 1905 auch Duisburg mit Gas versorgt. Zwei Jahre später wurde die Belieferung von Mülheim und Oberhausen aufgenommen. 1910 errichtete Thyssen die bis dahin in Deutschland größte Ferngasleitung über 52 km von Duisburg-Hamborn nach Wuppertal-Barmen. Das Versorgungsgebiet dehnte sich noch vor dem Ersten Weltkrieg am Niederrhein bis nach Bocholt und südlich bis zum Bergischen Land aus. In der Weimarer Zeit werden zahlreiche rheinische Kommunen als Kunden gewonnen, so 1929 Köln und 1930 Düsseldorf. In diesem Jahr erfolgt auch die erste Belieferung von Aachen, nachdem Thyssengas in Alsdorf bei Aachen das Ferngaswerk II errichtet hatte und das Gas vom Eschweiler Bergwerks-Verein übernahm. Anfang der 1960er Jahre werden die Kapazitätsgrenzen der Kokereigaserzeugung spürbar. 1965 schließt Thyssengas einen Importvertrag über große Mengen Erdgas aus den 1959 entdeckten, bis dahin weltgrößten bekannten Erdgasvorkommen in Groningen/Niederlande. Nach dem Bau einer Importleitung gemeinsam mit der Ruhrgas AG von Emmerich nach Köln erfolgt noch 1966 die erste Umstellung von Kokerei- auf Erdgas. Die Kokereigaserzeugung stellt Thyssengas 1971 ein. Vier Jahre später schließt Thyssengas den ersten Vertrag zum Erdgasbezug aus der norwegischen Nordsee. Für den Ausgleich von Spitzenbedarf errichtet Thyssengas 1984 in Xanten und 1990 in Epe Kavernenspeicher.

Die Gasabgabe steigt von 1921 bis 2003 von ca. 2 Mrd. kWh auf rund 80 Mrd. kWh. Wesentlichen Anteil daran haben die Aufnahme der Erdgasversorgung und die damit verbundene Gewinnung eines bedeutsamen Anteils am Heizenergiemarkt.

Die Thyssengas GmbH unterlag zahlreichen und tief greifenden gesellschaftsrechtlichen Veränderungen. Schon zwei Jahre nach der Gründung übernahmen 1923 die Söhne von August Thyssen, Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza und Fritz Thyssen sowie drei Enkelkinder die Geschäftsanteile. Nach dem Tod von August Thyssen 1926 übernimmt Heinrich Thyssen-Bornemisza die Mehrheit, vier Jahre später die gesamten Geschäftsanteile der inzwischen (1927) in Thyssensche Gas- und Wasserwerk GmbH umbenannten Firma. 1947 beerbt ihn sein Sohn Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza. 1965 wird Thyssengas Aktiengesellschaft, die Mineralölkonzerne Exxon und Shell übernehmen 50% der Aktienanteile an dem Unternehmen. Schon sechs Jahre später, 1971, erfolgt erneut die Umwandlung des Unternehmens in eine GmbH. 1981 endet die Thyssen-Ära bei der Thyssengas GmbH, als die Thyssen-Bornemisza-Gruppe ihre restlichen 50%-Anteile an die VIAG verkauft, die diese 1994 an das Bayernwerk weiterreichte, bevor sie im Zuge eines Ringtausches 1997 von der RWE Energie AG übernommen werden. 2000 erwirbt die RWE Power AG (als Nachfolgeunternehmen der RWE Energie AG) den 25%-Anteil der Exxon und drei Jahre später die RWE Gas AG den 25%-Anteil der Shell Petroleum N.V. Damit befanden sich 100% der Thyssengas-Anteile im Besitz der RWE.

Im Rahmen der Neustrukturierung des RWE-Konzerns im Jahre 2004 wurden die Geschäfte der Thyssengas GmbH von der RWE Energy AG und deren Tochtergesellschaften übernommen. Die Thyssengas GmbH bleibt als nicht operative Eigentumsgesellschaft für wesentliche Gasinfrastrukturen erhalten. Gaslieferungsverträge mit Kommunen und Unternehmen, 1898 - 1998, (2140);
Protokolle Aufsichtsratssitzungen, 1965 - 2000, (122); Protokolle Beratungsgremium, 1965 - 1992, (162); Geschäftsberichte, Bilanzen, 1924 - 2003, (204); Geschäftsbeziehung Thyssengas / Ruhrgas, 1927 - 1994, (56); Technische Beratung Energie für wirtschaftliche Energieanwendung GmbH - T.B.E.-, 1978 - 2005, (113); Energie Marketing Service GmbH - E.M.S. -, 1978 - 2005, (113); Siedlung Niederrhein GmbH, 1974 - 1990, (24); Nordrheinische Erdgastransport Gesellschaft mbH - NETG -, 1966 - 1992, (44); Deutsche Flüssigerdgas Terminal Gesellschaft mbH - DFTG -, 1979 - 1992, (28); Presseberichte, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, 1951 - 2004, (233); Diverse Publikationen, 1953 - 2003, (73); Schriftverkehr mitVerband der deutschen Gas- und Wasserwerke (VGW); Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW); Verband der deutschen Gas- und Wasserwerke e.V. (VGW), 1954 - 2000, 113 Einzelakten; Schfriftverkehr mit Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGV), 1974 - 2002, (227); Betriebsrat 1919 - 1979, (20).

Umfang : 3559 Akteneinheiten

Literatur : Pawlowski-Grütz, Thomas: 1921. Aus den Gründertagen von Thyssengas. Duisburg 1991.
Kottmann, Wolfgang; Waldeck, Jörg: 75 Jahre Thyssengas: Erfolg durch Partnerschaft.
In: gwf - Gas/Erdgas 137 (1996), Heft 3, S. 145-148.
Thyssengas - Kleine Chronik. Essen 2004.
Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken