Filmbestand



Laufzeit : 1937 - 1980



Inhalt : Erschließungszustand: elektronisch

Das Archiv der RWE Westfalen-Weser-Ems AG besitzt einen kleinen Filmbestand. Es handelt sich dabei um knapp 300 Filmrollen sowie 50 Videofilme, die ab Ende der 1980er Jahre die 8 mm- und 16 mm-Filme ersetzen. Das inhaltliche Spektrum des Filmbestandes ist weit gefasst: Neben Repräsentations- und Imagefilmen umfasst der Bestand Werbefilme als auch die im Film festgehaltene Dokumentation zentraler Unternehmensereignisse. Dies waren vor allem Kraftwerksbauten, gelten sie doch als Synonym der Stromversorgung schlechthin.

1952 beauftragten die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen die Dortmunder Filmemacherin Elisabeth Wilms mit der Dokumentation der Erweiterung des Gersteinwerkes in Werne an der Lippe. In gut drei Jahren filmte sie dann Szenen für den 1955 präsentierten "Dokumentarfilm von der Erweiterung des Kraftwerks Gersteinwerk 1952/1955", wie der offizielle Titel lautet. Zwei ähnliche "Wilms-Filme" schlossen sich 1959 ("GWH - Gemeinschaftswerk Hattingen. Erweiterung 1957/59) und 1963 ("Bau Kraftwerk Westfalen 1960-1963") an. Die gleiche Thematik behandeln zwei weitere Filme, nun allerdings für die in den Vordergrund tretende Kernkrafttechnologie: Im Auftrag der AEG entstand 1968 der Film "Am Netz: Atomstrom", ein Film über das VEW-Kernkraftwerk Lingen. 1974 wurde der im Auftrag des RWE produzierte Film "Strom für Millionen" vorgestellt. Gut fünf Jahre hatten Kameramänner in Biblis den Bau des bis dahin größten Kernkraftwerkes der Erde begleitet. Die Hoffnungen, die in die Kernenergie gesetzt wurden, aber vor allem auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung über sie führten zu zahlreichen weiteren Filmproduktionen mit der Kernenergie-Thematik, so dass sich hier zwangsläufig ein Bestandsschwerpunkt herauskristallisierte.

Um die Werbefilme im Archiv der RWE Westfalen-Weser-Ems AG zu charakterisieren, muss zunächst einmal vorausgeschickt werden, dass sie durch die Eigenart der Produkte und der Struktur der Energieversorgungsunternehmen geprägt sind. Bis zur Liberalisierung des Strom- und des Gasmarktes ab 1998 gab es in von einander räumlich abgegrenzten Gebieten keine Konkurrenz der Versorgungsunternehmen untereinander. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatten sich daher in der Elektrizitätswirtschaft Institutionen gebildet, die eine Gemeinschafts- oder Branchenwerbung organisierten. So entstanden seit den 1920er Jahren bis zur Marktliberalisierung vor einigen Jahren vor allem Branchen-Werbefilme, wohingegen die direkte Beauftragung durch ein Versorgungsunternehmen eher die Ausnahme blieb. Bei dem 1951 produzierten Film "Das Glücksschwein" handelt es sich um den ersten vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk in Auftrag gegebenen Werbefilm. Der Werbefilm "Der Hexenschuss" wurde hingegen von der "Hauptberatungsstelle für Elektrizitätsanwendung e.V." (HEA), einer Gemeinschaftseinrichtung der Elektrizitätsversorgungsunternehmen, Unternehmen der elektrotechnischen Industrie, des Elektrohandwerks und des Elektro-Fachhandels in Auftrag gegeben. Konzentrierte sich der erste Film auf die Propagierung der Elektrizitätsanwendung in der Landwirtschaft, so legte der "Hexenschuss" sein Augenmerk auf die Haushalts-Elektrifizierung. Beiden Filmen liegt eine Spielhandlung zugrunde, die im "Glücksschwein" aber immer wieder durch dokumentarische Einschübe unterbrochen wird. Dies mindert zwar die ästhetische Gestaltung, hebt andererseits aber seinen Quellenwert enorm.

Das Archiv der RWE Westfalen-Weser-Ems AG verfügt über zwei weitere Arten der Werbefilme: Einmal handelt es sich um eine Reihe erster Werbespots, produziert in den 1970er Jahren im Auftrag der "Informationszentrale der Elektrizitätswirtschaft" (IZE), einer Gemeinschaftseinrichtung der Elektrizitätsversorger. Zum anderen handelt es sich um zahlreiche Produktinformationsfilme. Die Darlegung der Nutzung moderner Elektrogeräte "vom Vollwaschautomaten bis hin zur Mikrowelle" warb indirekt für die Elektrizitätsanwendung. Auch diese Filme wurden überwiegend von den Gemeinschaftsinstitutionen der Branche, HEA und IZE, in Auftrag gegeben. Sie unterstützten die Beratungstätigkeit in den Kundenservice-Einrichtungen der Versorgungsunternehmen. Die Marktliberalisierung beendete die Gemeinschaftswerbung, an die Stelle der Werbefilme der Elektrizitätswirtschaft traten nun Kino- bzw. Fernsehspots einzelner Versorgungsunternehmen. Von ihnen sind allerdings erst einige wenige ins Archiv der RWE Westfalen-Weser-Ems AG gelangt.

Repräsentations- und Imagefilme, die das Unternehmen porträtieren, liegen ebenfalls im Archiv der RWE Westfalen-Weser-Ems AG vor. Hervorzuheben ist hier der vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk in Auftrag gegebene, 1950 produzierte Film "Elektrizität aus Braunkohle": Der Film rückt das gesamte Spektrum der Unternehmenstätigkeit des RWE in das Zentrum des nach der Währungsreform aufwärts strebenden Wirtschaftslebens der jungen Bundesrepublik. Die Eigenart dieses Filmes besteht darin, dass der Name des Unternehmens, das der Film vorstellt, nicht erwähnt wird. Die Differenziertheit der Szenen aus der Braunkohlegewinnung, der Stromerzeugungsanlagen und -fortleitungseinrichtungen legt aber sowohl dem zeitgenössischen als auch dem heutigen Betrachter den folgerichtigen Schluss nahe. Von den modernen Unternehmensporträts und Imagefilmen befinden sich einige Auftragsarbeiten der VEW im Archiv. Sie sind mit ihrer Botschaft, das Unternehmen positiv hervorzuheben, viel direkter, wurden stets aktuell gehalten und dazu ca. alle zwei Jahre "runderneuert". Im Unterschied zu den früheren Filmen wurden die neuen Unternehmensporträts ab ca. 1990 nicht mehr als 16mm-Filme, sondern im modernen Videoformat produziert. Die EDV-gestützte Erfassung der Filme mit ihren technischen Daten ist weitgehend erfolgt. Die inhaltliche Erfassung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Umfang : ca. 300 Filmrollen

Literatur : Manfred Rasch, Hans Ulrich Berendes, Peter Döring u.a.: Industriefilm 1948 - 1959. Filme aus Wirtschaftsarchiven im Ruhrgebiet. Essen 2003. 494 S.
Manfred Rasch u.a.: Industriefilm - Medium und Quelle. Beispiele aus der Eisen- und Stahlindustrie. Essen 1997.
Peter Döring: Der Filmbestand im Archiv der RWE Net AG. In: Rasch u.a., Industriefilm 1948 - 1959, S. 52 f.
Hans-Georg Thomas: Historisches Archiv der RWE AG. In. Rasch u.a., Industriefilm 1948 - 1952, S. 71 f.
IndustrieFilm Ruhr ¿05. Boom an der Ruhr - Filmdokumente der 50er-Jahre. Historische Filme aus Wirtschaftsarchiven des Ruhrgebiets. Essen 2005. 86 S.
IndustrieFilm Ruhr ¿03. Von Rhein und Ruhr in die Welt. Historische Filme aus Wirtschaftsarchiven des Ruhrgebiets. Essen 2003. 80 S.
IndustrieFilm Ruhr ¿01: Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Essen 2001.
IndustrieFilm Ruhr ¿99: Ort der Arbeit. Arbeit vor Ort. Essen 1999. 48 S.
Adolf Winkelmann Filmproduktion: Das Wilms-Archiv. Die Dokumentation zum filmischen Schaffen der Elisabeth Wilms. 1940 bis 1980. 40 Jahre Dortmunder Stadtgeschichte. Dortmund 1992.