Sur Surenburg




Beschreibung :
Einleitung

A. Das Archiv

Das Freiherrlich Heeremansche Archiv im Schloss Surenburg setzt sich, entsprechend der im 19. Jh. durchgeführten Gliederung der Renteiverwaltung der gesamten niederländischen und westfälischen Besitzungen der Familie, aus drei Gruppen von Akten zusammen, zu denen als vierte Gruppe die durch den jetzigen Besitzer in den 20er Jahren des 20. Jh. erworbenen Akten der Kölner Nebenlinie und ihres früheren Besitzes Kemperfeld-Herstelle getreten sind.

1) Die Rentei des für sich verwalteten Gutes Surenburg Kr. Tecklenburg fasste die bei ihr entstandenen Akten mit denen der Vorbesitzer (von Langen, von Münster) zusammen; ihr angegliedert sind, nach Familiengliedern geordnet , die Heeremanschen Familienpapiere (Eheverträge, Testamente, Nachlass- und Vormundschaftsangelegenheiten, Personalpapiere, persönlicher Schriftwechsel u. ä.), zu denen einige Papiere angeheirateter Familien kommen sowie verschiedene "Kommissionskarten" aus Nebentätigkeiten der Fideikommissbesitzer, teils in Gestalt von Akten der Organisationen selbst:

Landsturmakten des Kantons Bevergern 1814 (Matthias Alexander)

Akten des Kreisverbandes der Zentrumspartei (Max; jetzt Bestand Nachlass Max)

Des Kriegervereins zu Riesenbeck (1929-1933, Max; jetzt Bestand Nachlass Max)

Der Ortsgruppe Riesenbeck des "Stahlhelms (1933/1934, Max; jetzt Bestand Nachlass Max)

Des "Adligen Damenklubs" zu Münster (1934-1936, Max; jetzt Bestand Nachlass Max),


teils in Gestalt von Handakten, erwachsen aus bloßer Mitgliedschaft: Kreiskommission für Ersatzaushebung zu Tecklenburg 1817-1822 (Matthias Alexander) und 1856-1871 (Maximilian-Friedrich), Distriktskommission des Kreises Tecklenburg zur Feststellung der bäuerlichen Rechtsverhältnisse 1831-1853 (Matthias Alexander), Waisenrat beim Amtsgericht Ibbenbüren 1882-1892 (Maximilian-Friedrich), Gemeinde Riesenbeck 1889 (Maximilian-Friedrich) und 1930-1933 (Max).

Dazu gesellen sich als außerhalb der Gutsverwaltung stehende Akten die der vier in Eigenverwaltung stehenden Stiftungen, der beiden von der Hauptverwaltung in Münster verwalteten Familienstiftungen (Familienstiftung für unverheiratete Töchter und Aloysiusstiftung), der vom Fideikommissherrn verwalteten Antoniusstiftungund der dem Gute Nevinghof verbundenen Armenstiftung der Familie Warendorp, deren Verwaltung seit 1885 bei dem Heeremanschen Rentmeister in Münster liegt.

2) Die 1856 eingerichtete Rentei Münster verwaltet die im Land- und Stadtkreis Münster gelegenen Besitzungen und vertritt zugleich als Hauptverwaltung die Heeremanschen Gesamtbelange. Der von ihr betreute Besitz ist in sechs Renteibezirke aufgeteilt, ohne dass sich daraus eine scharfe registraturmäßige Scheidung ergeben hätte; vielmehr werden die nicht Grund und Gebäude betreffenden Angelegenheiten der Güter zumeist in gemeinsamen Aktenbänden zusammengefasst. Da sich auch die aus der Zeit vor der Heeremanschen Besitzergreifung oder aus der Zeit vor der Einrichtung der Gesamtrentei stammenden Akten der Güter nicht von den späteren überall scheiden lassen, musste die Rentei Münster als registraturmäßige Einheit behandelt werden; nur innerhalb der - in Anlehnung an das Schema aus dem ausgehenden 19. Jh. - gebildeten Sachgruppen, die nach den jetzigen Renteibezirken unterteilt sind, treten die alten Gutsarchive noch in Erscheinung. Es handelt sich um die Archive der den Familien Travelmann, dann (seit Mitte des 17. Jh.) Herding gehörigen Güter Maser und Hiltrup (im 19. Jh. Haus Herding genannt), Gemeinde Hiltrup, mit Familienpapieren dieser beiden Familien, des den Familien Warendorp und Travelmann, dann (seit Anfang 17. Jh.) Kückelsheim zu Rorup gehörigen Gutes Nevinghof Gemeinde Mauritz sowie des den Familien Travelmann und Bock, dann (seit dem 17. Jh.) Kerckerinck zu Stapel gehörigen Gutes Grevinghof Gem. Albersloh. Von dem zeitweise auch der Familie von Kückelsheim zu Rorup und Nevinghof gehörigen Gute Wienburg haben sich leider keine Akten aus der Zeit vor der Erwerbung durch Matthias Alexander Heereman (1826) erhalten, ebensowenig Vorakten des Hauses Soest Gem. Hiltrup, das zum Gute Grevinghof gehört hatte und erst unter der Heeremanschen Verwaltung davon gelöst und mit dem benachbarten Hause Maser zu einem Renteibezirk zusammengefasst wurde. Von den kleinen, selbstständigen Besitzungen und den Schulzenhöfen Delsing, Gem. Telgte, und Mieling, Gem. Amelsbüren, sind einige ältere Akten betr. Pachtung und Obligationen erhalten. Ebenso finden sich einige Akten der Familie Travelmann über ihre Besitzungen, die später nicht an die Familien Herding und Heereman gelangt sind, insbesondere über den Familienbesitz Bellering, Ksp. Laer Kr. Steinfurt; sie sind - mangels Anschlussmöglichkeit an die Gutsakten - zu den Familienpapieren gelegt worden.

Im Wesentlichen handelt sich also bei den Vorakten der Rentei Münster um Archivalien der Travelmann und ihrer Erben, der Herding, zweier bedeutender münsterischer Erbmännerfamilien.

3) Der alte Heeremansche Familienbesitz in den Niederlanden ist jetzt bis auf fünf Bauerngüter veräußert. Bei den Vorakten handelt es sich

1. um die Gutsakten der im 18. Jh. ererbten und erworbenen Rittergüter Dever mit der Amtsherrlichkeit Lisse, Vronestein, Rumpt mit der Amtsherrlichkeit Rumpt und

Oudegein mit der Amtsherrlichkeit Gein;

2. um Familienpapiere verschiedener Amsterdamer Patriziergeschlechter, zu denen die Heereman in verwandtschaftlichen Beziehungen (s. die beigefügte Ahnentafel

Anl. 2) standen, insbesondere van Swieten, de Wael van Vronestein und Scherpenseel, oder die sie durch Übernahme der Güter (Matenesse, Schagen in Lisse)

oder durch Heirat mit Anna van Swieten (so u. a. Boulens, Occo und Buyck) erwarben. Diese Vorakten befinden sich seit Anfang der 30er Jahre des 20. Jh. als

Leihgabe des Frhrn. Heereman im Reichsarchiv im Haag.

Weiterhin umfasst der niederländische Bestand die Familienpapiere Heereman aus ihrer niederländischen Zeit seit Mitte des 16. Jh., von denen sich der größte Teil der Rentenbücher und Nachlassinventare noch im Surenburger Archiv befindet, während die Dokumente, insbesondere Eheberedungen und Testamente, an das Reichsarchiv im Haag gegangen sind.

Von den Gutsakten aus der Heeremanschen Zeit (18./ 19. Jh.) ist ebenfalls ein Teil nach dem Haag gegangen, der größte Teil ist jedoch zurückgeblieben. Bei diesen handelt es sich im wesentlichen um Akten des 19. Jh., die Verhandlungen über die großen Verkäufe um 1850, von den niederländischen Verwamdten vorgelegte Rechnungen, die französischen und niederländischen Mobilkapitalien, sowie Verwaltungsangelegenheitenaus der Zei, seit die niederländische Gutsverwaltung durch den Oberrentmeister in Münster besorgt wird (seit 1883), betreffen und fast ausnahmslos herkunftsmäßig nach Münster gehören; sie sind daher als Akten der münsterischen Verwaltung über die niederländischen Güter zusammengefasst worden.

4) In der Kölner Nebenlinie der Familie Heereman, die von Friedrich Wilhelms jüngeren Bruder Franz Ernst abstammt, hat, nach der Veräußerung des niederländischen Erbes und der Besitzungen in und um Köln durch die Erben des älteren Sohnes Theodor, die Witwe des jüngeren Sohnes Engelbert das ehemals Falckenbergische Gut Kemperfeld und die benachbarte preußische Domäne Burg Herstelle 1820/23 erworben. Die Verwaltungsakten dieses Heeremanschen Besitzes, bis zu der Zeit da er zu einem Fideikommiss zusammengefasst wurde (1878), sind nach seiner Veräußerung in den 20er Jahren des 20 Jh. (1928) zusammen mit einigen Akten betr. den Besitz in und um Köln und die Auseinandersetzungen über den niederländischen Besitz in das Archiv der westfälischen Linie übernommen worden.

An fremden Provenienzen sind zu erwähnen:

1. Akten des Stifts Asbeck ( S. II 11-13 = S 29-32), im wesentlichen Rechnungssachen aus der Zeit der Administration durch Antoinette von Merode 1806-1810, die

vermutlich über Karl Heinrichs Gattin, die Schwester der Administratorin, in das Heeremansche Archiv gelangt sind.

2. Einige Rechnungsregister und Protokolle über Rechnungsablegungen der Kirchenspiele Riesenbeck und Hopsten und Kirchenrechnungen der Pfarre Hopsten (S. XIV 4-7)

aus der zweiten Hälfte des 18. Jh., die vermutlich durch die Beteiligung des Gutsherrn von Surenburg an den Kirchspielskonventionen in das Archiv gelangt sind (= S 761-

S 764)

3. Einige Bruchstücke unklarer Herkunft ( M. XVIII 5-12 = S 749-S756), darunter der Protest der Benediktinerinnen von Überwasser gegen die vom Bischof zu Münster

angeordnete Sequestration.

Die erste Ordnung der damals auf Haus Surenburg befindlichen Archivalien, nämlich der von Friedrich Wilhelm mitgebrachten niederländischen Akten und Rentenbücher, sowie der Vorakten des Gutes Surenburg und des 1781 erworbenen Gutes Nevinghof hat Ende des 18. Jh. (1789) Nikolaus Kindlinger ( s. a. Gerhard Pfeiffer, Nikolaus Kindlinger, in: Westfäl. Lebensbilder, Bd. 5, S. 66 ff. - S. u. S. 71)) vorgenommen. Während das niederländische Verzeichnis an das Reichsarchiv in Haag gelangt ist, befinden sich die beiden Verzeichnisse für Surenburg und Nevinghof noch im Surenburger Archiv. Er gliederte den Bestand - ohne die Urkunden von den Akten zu trennen - folgendermaßen:

Surenburg: I. "Das Gut Surenburg und die Hovesaatpertinenzien" (insbesondere Grundstückserwerbungen, untergeteilt nach einzelnen Besitzteilen)

II. "Gerechtsame" (Jagd, Fischerei, Markengerechtigkeit, Schafhude, Landtagsfähigkeit)

III. "Bauernerbe" (alphabetische Folge der Erbe)

IV. "Miscellanea" (Rechnungssachen, Prozesse, Grundverkäufe u. a.)

Nevinghof: I. "Familiensachen" der Familie Warendorp

II. "Gut Nevinghof" (Grundstückskäufe)

III. "einige Gerechtsame" (insbes. Jagdsachen)

IV. "neuere Briefschaften" (Kaufbrief über Nevinghof von 1781).

Niederländische Archivalien:

I. "Familie Heereman"

II. "Familie van Swieten, Montfort, Louf, Stickel und Boelen"

III. "Familien van Scherpenseel, Werdenbruch und Hemert"

IV. "Familie de Wael"

V. "Familien Camons, Matenesse und Schagen"

VI. "Familie van Amstel"

VII. "Gut und Herrschaft Lisse" (Lehnbriefe)

VIII. "Haus, Gut und Gerechtsame Vronestein" (Lehnbriefe)

XI. "Gut und Herrschaft Rumpt" (Lehnbriefe)

Während er von dem Surenburger und dem Nevinghofer Bestand sowohl Akten (Rechtsstreitigkeiten, Rechnungssachen, Pachtsachen usw.) wie Urkunden erfasst hat, enthält das niederländische Verzeichnis nur das urkundliche Material (Familiendokumente und Lehnurkunden der Güter); daher ist auch der damals bereits veräußerte Rittersitz Oudegein im Verzeichnis nicht vertreten, weil vermutlich die Urkunden als Rechtsunterlagen an die neuen Besitzer weitergewandert waren, während sich einige Gutsakten erhalten haben.

Eine Neuordnung des gesamten Archivs wurde dann um 1890 vorgenommen. Die Renteigliederung gab das Vorbild für eine Einteilung in Rentei Surenburg, Rentei Münster und holländische Sachen, wobei innerhalb jeder Rentei wieder drei Registraturen: Vorbesitzer (ungefähr den von Kindlinger erfassten Archivalien entsprechend, einschließlich der niederländischen Akten), reponierte und neuere Registratur unterschieden wurden. Die Kindlingersche Gliederung wurde durch eine neue, mehr ins einzelne gehende, aber wenig glückliche Einteilung überdeckt, sodass beide Einteilungen z. T. nebeneinander herlaufen. Auch die Scheidung der Bestände der einzelnen Güter, wie sie Kindlinger für die niederländischen Archivalien versucht hatte, ist vollständig aufgegeben, wohl nach dem Vorgange der Aktenführung in der Rentei Münster. Auch die Ausführung ist sehr ungleichartig: unter die Vorakten sind die Betreffe Kindlingers wörtlich übernommen, während die nicht von ihm erfassten Akten z. T. mit Bezeichnung wie "Paket unleserlicher wohl unwichtiger Akten" abgetan sind; unter den jüngeren Akten sind die betr. Grundstücke, Marken und Mobilkapitalien z. großen Teil mit ausführlichen Rotuli wörtlich ins Verzeichnis übernommen worden, während die übrigen Akten z. T. sehr summarisch behandelt sind. Gegenüber den antiquarischen Interessen Kindlingers herrschen in dieser Ordnungsarbeit also reine Verwaltungsgesichtspunkte vor. Die jetzige Neuordnung geht:

1. Von der durch die Renteiverhältnisse bedingten Dreiteilung aus. Bei der Scheidung zwischen den Renteien Surenburg und Münster musste das Sachprinzip den Herkunfts-

gesichtspunkt ergänzen, da einerseits der Verwaltungsschwerpunkt sich immer mehr auf die Rentei Münster verlagert hat und dort vielfach Angelegenheiten der Guts-

verwaltung Surenburg erledigt wurden, andererseits die Rentei Surenburg gelegentlich als Sekretariat des Fideikommissherrn auch in allgemeinen und münsterischen

Angelegenheiten in Tätigkeit trat und dieser selbst teilweise auch eigene Akten anlegte; diese Zufälligkeiten, die teils in doppelter Aktenführung über die gleiche

Angelegenheit, teils in Vermischung beider Provenienzen in einem Aktenbande z. B. beim Schriftwechsel zwischen der Rentei in Münster und dem Fideikommissherrn in

Surenburg in Erscheinung treten, sprechen gegen eine überspitzte Durchführung des Provenienzprinzips.

2. Die Aufspaltung eines Gutsarchivs in Akten aus der Zeit der Vorbesitzer und solche aus der Zeit des derzeitigen Besitzers ist unzweckmäßig, weil der Besitzerwechsel

für die Gutsverwaltung und deren Aktenführung keinen entscheidenden Einschnitt bedeuten muss, der unter dem z. Z. der Aktenordnung letzten so wenig wie die unter

den früheren Besitzern vorgekommenen. Daher konnte die Rentei Surenburg unbedenklich als Einheit behandelt werden.

3. Bei der Rentei Münster dagegen hätte eine Sonderung der Akten der Vorbesitzer eine Wiederherstellung der alten Gutsarchive des Kreises Münster, die vom historischen

Standpunkt aus erwünscht wäre, ermöglicht, wenn nicht durch die wechselnden Besitzverhältnisse bereits damals eine wechselnde Verflechtung dieser Güter eingetreten

wäre und auch eine klare zeitliche Scheidung zwischen den Aktenbänden fehlte. So wurde der Ausweg gewählt, innerhalb der großen Sachgruppen eine Unterteilung

nach Renteibezirken - aber ohne zeitliche Einschnitte - durchzuführen, wobei die beiden Renteibezirke Maser-Soest und Herding-Mieling ungefähr den Herdingschen Güter-

komplex umgreifen, während die Renteibezirke Nevinghof-Wienburg und Grevinghof annähernd die Gutsarchive Nevinghof und Grevinghof darstellen; der unteilbare Rest

erscheint unter f) Allgemeines und Verschiedenes. Eine vollständige Auflösung der Rentei Münster anstelle dieser bloßen Auflockerung hätte zu einem höchst

unglücklichen Registraturgebilde "Unaufteilbarer Rest" geführt, einer Notlösung, die man nur unter dem Zwange räumlicher Trennung durchzuführen pflegt.

4. Unter diesem Zwange ist hinsichtlich der niederländischen Archivalien als Lösung vorgesehen, dass die die niederländischen Familien und die niederländischen Güter

betreffende Archivalien im Haag verbleiben, während die Dokumente und Amtsbücher der Familie Heereman - die Amtsbücher jedoch nur, soweit sie in Ergänzung der

Dokumente den Gesamtbesitz und dessen Vererbung betreffen - sowie die im 19. Jahrhundert in der Rentei Münster entstandenen Akten, die in erster Linie für die Familie

und für die hiesige Verwaltung von Belang sind, im Surenburger Archiv aufbewahrt werden sollen ( Die Familie Heereman hat in der politischen Geschichte Amsterdams

keine bedeutende Rolle gespielt).

5. Bei den Familienpapieren, die nach den einzelnen Familienmitgliedern geordnet sind, ist eine Teilung in die holländische und die westfälische Zeit vorgenommen worden,

wobei die westfälischen Familienpapiere sämtlich an Surenburg als Familiensitz angeschlossen worden sind.

6. Die Pergamenturkunden sind -aus den Akten gelöst - herkunftsmäßig geschieden und sachlich geordnet; ihre Lagerung wird in einer Übersicht von Kopfregesten fest-

gehalten, während die Regesten im Stile der Urkundenbücher rein chronologische Folge zeigen und auch Urkundenkopien enthalten.

Die Bedeutung des Archivs im Schlosse Surenburg liegt - über das heimatgeschichtliche Interesse hinaus - in dem reichen Material, das es zur Geschichte des Amsterdamer Patriziats während seiner Blütezeit im 16. und 17. Jahrhundert und zur jüngeren Geschichte des münsterischen Patriziats, der sog. Erbmännerfamilien, vom 15. bis 17. Jh. enthält; das Material über Amsterdam ist im Reichsarchiv im Haag schon z. T. ausgewertet worden, das über Münster harrt noch der Durcharbeitung.

B. Die Familie Heereman und ihre niederländischen Besitzungen

In Amsterdam hatte seit dem ausgehenden 14. Jh. eine engumgrenzte Schicht von Patriziern, deren älteste die Familien Boelens und Baerdesen waren, die Leitung der städtischen Geschäfte ausschließlich auf sich zu vereinigen gewusst und als Rechtsgrundlage ihrer Macht bis zum Zusammenbruch der niederländischen Republik im Jahre 1795 vom Grafen von Holland in der Charte vom 16. Januar 1400 das alleinige Recht zur Wahl der Raden (Bürgermeister) erhalten; mit dem Privileg Marias von Burgund vom März 1477, das der Vroedschap, dem Gemeinderate, das Kooptationsrecht aus den in ihm vertretenen Familien zugestand, kam dann die Entwicklung zu einer städtischen Geburtsaristokratie der sog. Regentenfamilie, in die man kaum anders als durch Einheirat hineingelangen konnte, zum Abschluss. Zwischen diesen Familiengruppen haben sich in der Folgezeit die Kämpfe um die Macht als rein persönliche, wirtschaftliche oder politische Auseinandersetzungen in enger Verknüpfung mit den inner- und außenpolitischen Konstellationen der Republik abgespielt. Nur wenige Jahre, von 1578 bis 1581, gewann die zweite führende Schicht zu Amsterdam, das Großbürgertum, politische Bedeutung, als die "sincere ende catholycke" Partei, die unter Führung des Familienkreises des Hendrick Dircksz stand und zu der vor allem auch die Familien Buyck, Bam und Occo gehörten, einer politisch und konfessionell ausgleichenden Richtung, den sog. Doleanten (nach ihrer Beschwerdeschrift der Doleantie von 1564), zu denen u. a. die Familie Boulens und Cat gehörten, das Feld überlassen musste. Damals 1578 erhielten die drei Schützenkompanien, die Schutterijen, die, wie es damals hieß, "het corpus ende rijckdom der stede", d. h. also das unterhalb der Regentenaristokratie stehende Großbürgertum, repräsentierne, das Recht der Wahl des Rates und der beratenden Mitwirkung bei dessen Beschlüssen. Doch schon 1581 gab der Beschluss der Staaten von Holland, den städtischen Magistraten die Befragung der Schutterijen und der Gilden zu verbieten, der Amsterdamer Regentenaristokratie wieder die ausschließende Macht in die Hand, und ein Beschluss der Generalstaaten von 1583, der die Zulassung von Katholiken zu Regierungsämtern in der neuen Republik verbot und in den folgenden Jahren allmählich auch in Amsterdam durchgeführt wurde, verringerte die Zahl der zur Mach zugelassenen Regentenfamilien. Diese beiden Gegebenheiten fand die Familie Heereman, die dem Großbürgertum entstammte und ihrer katholischen Konfession treu blieb, vor, als sie ihren Aufstieg zum Wohlstand begann und Familienbeziehungen zu katholischen Regentenfamilien aufnahm (Mangels der entscheidenden literarischen Unterlagen und vor allem infolge Unzulänglichkeiten der ältesten Familiendokumente, die mit dem übrigen Depositum im Reichsarchiv im Haag von Fräulein Dr. Elisabeth Prins bewacht werden, kann die vorliegende Darstellung nicht die wünschenswerte Ausführlichkeit und Genauigkeit aufweisen). Sie hat darum niemals zu politischer Macht in Amsterdam gelangen, dafür aber im Schatten der Machtkämpfe ungestört ihren Kapital- und Grundbesitz erweitern und festigen können. Der älteste männliche Ahn des Geschlechts ist der 1530 auftauchende Amsterdamer Schütze Gijsbert (sein Vaters-name ist nicht bekannt), der sich eben durch seine Zugehörigkeit zur schutterij als Angehöriger des Großbürgertums erweist; seine Gattin Maria Heeremansdr. war die Tochter eines sonst unbekannten Heereman, den wir nur aus dem im Surenburger Archiv enthaltenen Testament seines Sohnes Pieter Heeremans, Priesters und Bürgers (poorter) zu Amsterdam, kennen, und der Maria Yemen, deren zweiter Vorname friesischer Herkunft ist. Seinen Sohn nannte Giijsbert, einer verbreiteten Gepflogenheiten folgend, nach dem mütterlichen Großvater: Heereman. Dass es sich hier um einen Vornamen, um eine Nebenform zu niederländisch Harmens handelt, zeigt nich nur die patronymische Verwendung, sondern auch anderweitiges Vorkommen des Namens als eindeutigen Vornamens. Erst Heeremans dritter Sohn Nicolaes, der Begründer des Reichtums des Hauses, wird auch zum Schöpfer des Familiennamens, wie besonders anschaulich seine eigenhändigen Familienaufzeichnungen in seinem Rentenbuche von 1612 zeigen: während er selbst sich stets noch patronymisch Nicolaes Heeremansz. oder Heeremans nennt, führt er seine seit 1596 geborenen Kinder unter dem Familiennamen Heereman, nicht mehr unter dem Patronym Nicolaesz. oder Nicolaesdr. an; diese Familiennamenbildung von Patronym her ist im damaligen niederländischen Bereiche seltener als etwa im friesischen oder anderen deutschen Bereichen.

Während Gijsbert noch im unbekannten Bürgertum seine Gattin gesucht hatte, heiratet Heereman Gijsbertsz. bereits in die Regentenfamilie Bam hinein: Jacoba Jacobsdr. Bam war die Schwester des mehrmaligen Bürgermeisters Cornelis Jacobsz. Brouwer gnt. Bam, der auch in den Sturz der katholischen Partei 1578 verwickelt wurde, und die Schwägerin des Bürgermeisters Sybrant Pompeiusz. Occo aus der bedeutenden katholischen Bürgermeister- und Humanistenfamilie Occo. Berühmt wurde Jacoba i. J. 1566, als man die damals ausgebrochene Epidemie unter den Waisenkindern zu Amsterdam auf Hexerei zurückführte und als vornehmste Hexe Jacobge Jacobsdr. Bam nannte. Domselaer, der in seiner Beschrijvinge van Amsterdam Mitte des 17. Jh., also nachdem Nicolaes den Reichtum des Hauses begründet hatte, diese Episode berichtet, nennt ihre Nachkommen, also die Familie Heereman "roomschgezind en schatrijk" und schlägt damit das Leitmotiv an, das die weitere Geschichte der Familie begleitet.

Während Nicolaes als kinderreicher Hausvater und fleißiger Kaufmann die bürgerliche Familientradition fortsetzt und sein wachsendes Kapital in Poldergrundstücken, Bauernhöfen und Häusern in Amsterdam und Utrecht anlegt, wagt sein Sohn Vastard (lat. Silvester), in Nachahmung der in der ersten Hälfte des 17. Jh. eindringenden Mode in den Regentenkreisen, sich "Herrlichkeiten" und ritterliche Landgüter zu kaufen ["Herrlichkeit" (heerlijkheid) ist ein Stück obrigkeitliche Befugnis, die man nicht als Amtmann und also nicht als Untergebener ausübt, sondern als ein erbliches Recht, wenn auch gewöhnlich als Lehen (de Blécourt, Heerlijkheden en heerlijke rechten in: Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis T. I. u. II), und diese Befugnisse sind gesetzgeberisch verwaltungsmäßiger und richterlicher Art. Man unterschied (hooge) heerlijkheden, denen hohe Gerichtsbarkeit, und ambachts heerlijkheden, denen nur niedere Gerichtsbarkeit zustand; doch wurde dieser terminologische Unterschied häufig in der Zeit nicht beachtet. Ridderhofstad oder havezathe bedeutet lediglich das adlige Gut als Wirtschaftskomplex. Die Verbindung der obrigkeitlichen Befugnisse der Herrlichkeit mit einem in der Herrlichkeit liegenden adligen Gute war sehr häufig, stellte aber keine Notwendigkeit dar. Von den Heeremanschen Besitzungen z. B. waren die "hohe und Halsherrlichkeit" Zuydtwyck und die "hohe und freie Herrlichkeit" Hagesteinhohe, Lisse, het Gein und die "dagelijke heerlijkheid" Rumpt zur Amtsherrlichkeit. Während mit dem Besitz der hohen Herrlichkeiten Zuydtwyck und Hagestein keine Ritterhofstätten verbunden waren - in der ersteren besaßen die Heereman nur Ackerländereien, in der anderen außer Ländereien auch ein herrschaftliches Schloss oder Haus, das sie zweitweise bewohnten -, lagen in den drei niederen Herrlichkeiten die Heeremanschen "adeligen Häuser und Ritterhofstätten" Dever, Oudegein und Rumpt; das "adlige Haus und Ritterhofstatt" Vronestein hingegen war nicht mit dem Besitze einer Herrlichkeit verbunden] und deren Namen dem Familiennamen beizufügen, den Sprung in den Adel: er erwirbt 1656 die von den Staaten von Holland lehnrührige kleine Herrlichkeit Zuydtwyck von der Familie van Halewijn und nennt sich nun Heereman van Zuydtwyck[Die damalige Schreibung des Ortsnamens schwankt zwischen Zuydtwyck und Zuydwyck; vorherrschend ist, entsprechend den Prinzipien der barocken Orthografie, die höchst mögliche Zahl von Buchstaben, die die lautliche Form eben noch zu tragen vermag, zusammenzupressen, die Schreibform Zuydtwyck, die sich im Familiennamen auch über die spätere Vereinfachung des Ortsnamens hinweg erhalten hat. - Das Recht, dem Familiennamen den einer Herrlichkeit beizufügen, hat das Bürgerliche Gesetzbuch von 1838 beseitigt. Dieser Brauch führte im 17. und 18. Jh. dazu, dass sich z. B. Friedrich Wilhelm "Heereman van Oudegein" (so erscheint er noch in den Listen der Stadt Münster), sein Bruder Dirk Johan "Heereman van Dever" und der dritte Bruder Frans "Heereman van Zuydtwyck" nannten, während die Schwestern den väterlichen Namen "Heereman van Zuydtwyck" beibehielten].

Doch er behält weiterhin - auch dies ein Charakteristikum der damaligen Regentenfamilien - seine ausgesprochen bürgerliche Lebenshaltung in Beruf und städtischer Wohnweise bei; erst mit seinem Enkel Friedrich Jacob und noch ausgeprägter mit seinem Urenkel Friedrich Wilhelm, der zum westfälischen Grundbesitzer wird, und mit dessen Geschwistern vollzieht sich der Übergang zum Rentner, der von Kapital- und Grundrente lebt, ein Vorgang, der sein Vorbild in den Regentenkreisen findet und dort zu dem allmählichen Abstiege im 18. Jh. geführt hat. Durch seine Heirat mit Anna van Swieten, der Witwe von Joost Allartsz. Boelens, tritt Silvester in verwandtschaftliche Beziehungen zu den katholisch gebliebenen Mitgliedern der holländischen Ritterschaft, zu denen die Familie van Swieten gehörte und die - im Gegensatz zu den katholischen Regenten in Amsterdam - ihre politische Stellung in der Ritterschaft noch bis in die zweite Hälfte des 17. Jh. wahren konnten, wie auch zu der ältesten Amsterdamer Regentenfamilie, den Boelens, deren Familienstücke, insbesondere zahlreiche Familienbilder der Boelens und ihrer Verwandten Occo und Buyck, Anna in die Ehe mitbringt.

Wie sein jüngerer Bruder Johannes, der als Adjutant des kaiserlichen Generals Merode nachgewiesen ist, scheint auch Silvester in den Diensten Kaiser Ferdinands II. (1619-1637) gestanden zu haben, der die Politik verfolgte, die katholisch verbliebenen niederländischen Geschlechter durch Verleihung des kaiserlichen Adels an sich zu ziehen; so hatte er z. B. 1630 das Geschlecht Ramp, das 1595 das Lehngut Rolland bei Haarlem erworben und danach den Namen Ramp van Rolland angenommen hatte, mit dem kaiserlichen Adel ausgezeichnet. Nach denselben Grundsätzen verlieh nun einer der Nachfolger, Kaiser Leopold I. (1658-1705), im Anschluss an seine Krönung dem dort anwesenden Sohne Silvesters, Dirk, der zu Lebzeiten seines Vaters als Licentiat der Rechte den Advokatenberuf in Amsterdam ausgeübt zu haben scheint, am 27. Juli 1658 zu Frankfurt a. M. den rittermäßigen Reichsadel und das heutige Familienwappen [Die entscheidenden Stellen des Diploms, dessen Original sich im Reichsarchiv im Haag befindet, lauten (nach der beglaubigten Kopie in S II 94): 1) Acceptam a majoribus tuis nobilitatem benigne approbamus....atque vos omnes et singulos ad statum, gradum, ordinem, coetu, consortium et dignitatem nostrorum et sacri Romani imperii nobilium assumimus. 2) Antiqua etiam familiae tuae armorum insignia clementer approbavimus ac laudavimus et ex speciali quadam gratia auximus et locupletavimus. 3) Te....omnesque tuos liberos et posteros eorumque descendentes masculos in infinitum sacri Romani imperii milites sive equites auratos haereditarios fecismus, creavimus, nominavimus et constituimus ordinisque equestris fastibus et insignibus cinguli quippe torquium, anulorum, calcarum aliarumque de more requisitorum ornamentis insignimus.].Dass in diesem Diplom sowohl die Adels- wie die Wappenverleihung nur als Erneuerung der alten Privilegien erscheint, entspricht der Gepflogenheit der Adelsverleihungen, beweist aber nichts für deren Vorhandensein, von dem sich keine archivalische Spur findet; die angebliche dänische Adelsverleihung vom 15. Oktober 1521 und die angebliche kaiserliche vom 15. Dezember 1534 widersprechen vielmehr der anfangs geschilderten Entwicklung des Familiennamens am Ende des 16. Jh., da sie als Verleihungen ja wohl das Vorhandensein oder mindestens die gleichzeitige Beilegung eines Familiennamens voraussetzen. Zwei Jahre nach dieser Adelsverleihung, nach der er sich gelegentlich als jonkheer, also mit der Bezeichnung des untitulierten Adels, nennt, heiratet Dirk eine Tochter des in gleicher Weise etwas früher aufgestiegenen Geschlechts Ramp van Rolland.

Von seinen sieben Söhnen erreichten nur drei das Mannesalter, während die vier Söhne, denen er nacheinander den Namen seines verehrten Großvaters Nicolaes gab, alle im frühesten Kindesalter starben, und nur einer hatte Nachkommenschaft: Friedrich Jacob, mit dem das Geschlecht einen weiteren Aufstieg nimmt und der neben Nicolaes die zweite bedeutende Gestalt der Familie ist. Seine beiden jüngeren Brüder starben bereits 1712: Dirk hinterließ ihm die Herrschaft Hagestein, die er angeblich - wann und wie lässt sich nicht sicher ermitteln - geerbt hatte; Silvester starb kurz vor seiner Vermählung und hinterließ die Amtsherrlichkeit Kortenhoef (bei Naarden im damaligen Nebenquartier Utrecht), die einst dem Marienstift zu Utrecht gehört hatte und die er 1701 von der Familie Nederhorst erworben hatte, seiner älteren unverheirateten Schwester Catharina (geb. 1674), die sie 1717 dem Spital St. Peter zu Amsterdam schenkte. Friedrich Jacobs Schwester Maria Volquina, die hochbetagt im gleichen Jahre wie Friedrich Jacob starb, spielte in der folgenden Generation als reiche Erbtante eine große Rolle. Erst die späte Familiensage hat aus ihr und ihren früher verstorbenen, ebenfalls unverheirateten Schwestern Hausdrachen gemacht, die Friedrich Jacobs erste Frau Agatha Maria van der Goes so früh ins Grab gebracht haben sollen. Von ihr hatte Friedrich Jacob nur einen Sohn Silvester Andreas, dessen von der Mutter geerbten Besitz Friedrich Jacob verwaltete. 1722 trat dieser sehr zum Kummer seines Vaters, der ihn sehr hoch geschätzt zu haben scheint, in den geistlichen Stand (Diakonatsweihe 7. Juni 1722) und nach seinem Tode beanspruchten seine Verwandten von Mutterseite sein mütterliches Erbe, während die Herrschaft Hagestein, die ihm der Vater im Testament von 1733 zugesprochen hatte, an seine Stiefgeschwister fiel.

In zweiter Ehe heiratete Friedrich Jacob Elisabeth Catharina aus dem reichen altadligen Geschlecht van Scherpenseel zu Rumpt, die ihm im Laufe der Ehe bedeutende Teile aus dem Erbe der Geschlechter Scherpenseel zu Rumpt und de Wael van Vronestein einbrachte, insbesondere das ritterliche Gut Dever mit der Amtsherrlichkeit Lisse (1713) , vielleicht auch die Herrlichkeit Hagestein (die Friedrich Jacob 1712 von seinem Bruder Dirk erbte) und nach ihrem Tode (1725) die Herrlichkeit und den Rittersitz Rumpt und den Rittersitz Vronestein (durch den Tod Johans van Scherpenseel 1741). Schon vorher (1704) hatte er sich den Rittersitz Oudegein mit der Herrlichkeit Gein gekauft und 1725 erwarb er von seinem neuen Wohnsitz Roermondaus das in der Nähe (im Gericht Swalmen und Asselt) gelegene Gut Spick (später auch Zuydtwyck-Spich genannt). Damit vollzieht sich in ihm der Übergang vom Großkaufmann, dem der Erwerb von Boden, meist in Gestalt einzelner Parzellen oder kleiner Bauernhöfe, in erster Linie Kapitalanlage bedeutete, zum feudalen Großgrundbesitzer.

Während er bisher zumeist in Utrech, wo die Familie seit Silvester Haubesitz hatte und wo er und auch die meisten seiner Geschwister geboren waren oder auf seinem Rittersitze Oudegein gewohnt hatte, entschloß er sich 1725 nach dem Tode seiner zweiten Frau (gestorben 1720) zu einem für die Familiengeschichte bedeutsamen Schritt: er verließ die republikanischen Niederlande und zog nach Roermond, der Hauptstadt des 1716 österreichisch gebliebenen Teiles von Obergeldern, wo er sich 1724 in der Neerstraat ein Haus, De steene trappen genannt, gekauft hatte. Die Beweggründe für diesen immerhin ungewöhnlichen Schritt - denn sein gesamter Grundbesitz lag in Holland und Utrecht - sind nicht klar erkennbar. Bijlsma (Roomschgezinde hollandsche geslachten) vermutet, er habe in der Nähe der ehemals Salmschen Herrschaft Wachtendonk, deren Einkünfte ihm 1683 Fürst Leopold von Dietrichstein für 25.000 Rtlr. verpfändet hatte, ziehen wollen; aber da diese im preußischen Obergeldern lag, kann das kaum der maßgebliche Grund gewesen sein. Wichtiger dürfte vielmehr der konfessionelle Gesichtspunkt gewesen sein, der ihn gerade in das katholische kaiserliche Gelderland führte und der übrigens auch bei der späteren Übersiedlung der beiden Söhne nach Münster und Köln maßgeblich gewesen sein mag ( Bezeichned hierfür ist die Klage Friedrich Jacobs in seinem Pachtbuche (N II 10, Bd. 1), als er die hohe Herrlichkeit Hagestein aufführt: diese habe früher die gleichen Rechte gehabt, wie die von Cuylenborgh und Viaenen, "vermitz onse religie deselve niet en connen maintineeren..., dit alles to memorie voor mynen naercomelingen"). Denn ihr treues Festhalten an der katholischen Kirche hatten sie im protestantischen Holland öfter unter Beweis stellen können, so z. B. dadurch, dass sie den Jesuiten Häuser kauften uns auf ihren Namen eintragen ließen, um so den Patres Hausbesitz zu ermöglichen: Dirk kauft 1675 den Jesuiten ein Haus auf der Leeuwestraat zu Rotterdam, Friedrich Jacob 1703 in der Nieuwenstraat zu Utrecht oder auch in der Dotierung des Minoritenklosters St. Brigitta zu Poperingen, dessen Guardian sein Sohn Franziskus war, durch Nicolaus. Damit bewahrheitet sich auch in der doppelten Begründung des epochalen Familienereignisses von 1725 jene Charakterisierung des 17. Jh.: Roomschgezind en schatrijk.

Von Friedrich Jacobs zehn Kindern, unter die er seinen beträchtlichen Kapital- und Grundbesitz mit Bevorzugung des zweiten Sohnes, des 1780 unvermählt verstorbenen Dirk Johan, verteilt hatte - Dirk erhielt aus dem Nachlass des Barons Johan van Scherpenseel 1746 durch Vereinbarung unter den Geschwistern, denen er 9050 Gulden Abfindung zahlte, nicht nur die Lehngüter, sondern auch den gesamten Allodialbesitz -, heirateten nur zwei und gründeten damit die beiden noch heute bestehenden Linien: Friedrich Wilhelm die münsterische und der jüngste Sohn Franz Hyazinth Ernst die kölnische Linie.

Die nun folgende Übersicht über den niederländischen Grundbesitz der Familie Heereman fußt im wesentlichen auf den Angaben der Pachthebebücher, der Nachlassinventare und der Erbteilungsrezesse und muss sich daher auf die ältere Zeit mit zeitlichen Querschnitten begnügen, wobei sich insbesondere das Fehlen von Büchern aus der Zeit Silvesters, das nur durch Benutzung der irrtümlich an das Reichsarchiv im Haag zusammen mit den Güterakten gelangten Familiendokumente überbrückt werden kann, hemmend auswirkt. Der Übersichtlichkeit halber soll die Besitzgeschichte der drei Gruppen des Immobilbesitzes, der städtischen Häuser, der kleinen Höfe und der großen adligen Güter, gesondert verfolgt werden, während die vierte Gruppe, die einzelnen Landparzellen, unberücksichtigt bleiben muss.

Leider können wir das Anwachsen des Grundbesitzes unter Nicolaus nicht verfolgen, da nur sein zweites Rentenbuch aus dem Jahre 1612 erhalten ist und die älteren Familienpapiere, die gewiß noch manchen Aufschluss über die älteste Besitzgeschichte und damit über die wirtschaftliche Bedeutung der Familie geben können, nicht zur Verfügung gestellt worden sind. Wertvoll wäre vor allem zu ermitteln, welchen Beitz Nicolaes von seinen Eltern ererbt (Testament seiner Mutter Maria Heeremansdr. von 1568 und Erbteilung von 1558 Kindl. Rep. I 3), welchen er durch seine Heirat mit Volkje Vastartsdr. Kat erworben (Eheberedung von 1595 Kindl. Rep. I 8) und welchen seine Frau von ihrer Tante Matthea Kat geerbt hat (Testament von 1598 Kindl. Rep. II 71a). Ersichtlich ist jedenfalls, dass Nicolaes noch keine größeren Güter besessen hat, sondern außer Häusern in Amsterdam nur kleinere Höfe und einzelne Grundstücke in der näheren Umgebung von Amsterdam, die er wohl nur als Kapitalanlage betrachtet und seinen mobilen Kapitalanlagen gleichgestellt haben mag, die sich nach Ausweis des Rentenbuchs aus Hypotheken aus Häusern, Erbpachten und Zehnten aus Grundstücken, Leibrenten, Obligationen, Schiffsparten u. ä. zusammensetzen.

An Häusern besaß Nicolaes zu Amsterdam:

1. Das große Haus von Jens in der Kalverstraat, das er gemeinsam mit Jacob Coppit am 01.05.1617 angekauft und später bewohnt hat; es ging nach hinten bis zum Rokin

durch.

2. Das kleine Haus von Jens in der Kalverstraat, nördlich des großen, das er ebenfalls mit Coppit am 01.05.1617 gekauft hat.

3. Das kleine Haus in der Kalverstraat, südlich des großen.

4. Das Haus de Wittepoort auf dem Rokin.

5. Das Haus ¿t Vergulden Vosken in der Gebbefatsoenod. Utrechtsche Steygensteeg hinter der (alten) Börse.

Dazu waren bis zur Zeit Dirks (+ 1678) folgende weitere Häuser gekommen:

Zu Amsterdam:

6. Das Haus Het Meerblat auf der Westseite des Cingel, das Dirk selbst bewohnte.

7. Das Haus in der Langen Straat, nördlich des eben genannten Hauses auf dem Cingel (verkauft 1746).

8. Das Haus de Reus in der Warmoesstraat, gegenüber der Papenbrugh steeg (verkauft 1746 aus dem Nachlass von Maria Volquina)

9. Das Haus de Kat in der Warmoesstraat, das Stammhaus der Familie de Kat (erworben zwischen 1675 und 1678 und verkauft 1746 aus dem Nachlass von Maria

Volquina).

10. Das Haus Blockziel auf dem Achterburgwal (erworben zwischen 1675 und 1678 und verkauft 1746 aus dem Nachlass von Maria Volquina).

11./12. Zwei Häuschen in der Laurierstraat , die früher zum Wallon. Waisenhaus gehörten (gekauft 04.03.1677)

13. 5/6.-Anteil an dem Hause Bischop van Breme auf dem Voorburg-wal.

14. Der halbe Anteil am Hause auf der Westseite der Warmoesstraat gegenüber St. Jans Straat (verkauft 1746 aus dem Nachlass von Maria Volquina).

Zu Utrecht:

15. Das Haus am Marienkirchhof, bewohnt von Maria Boelens geb. Heereman und später um 1745 von Silvester Andreas.

16. Das Haus auf der Nieuwen Gracht gegenüber der Jerusalemssteeg (verkauft 1724 durch Friedrich Jacob an Francois Hymoni).

Dazu kamen unter Friedrich Jacob (+ 1745):

Zu Amsterdam:

17. Das Haus in der Huidestraat.

In Utrecht:

18. Das Haus an der Südseite der Nieuwen Gracht gegenüber dem Papsthause (erworben 1713 vom Advokaten Bulaeus und verkauft 1724 an Jacob de Geer).

19. Das Haus gnt. Mandaethuis am Peterskirchhof, das nach Osten bis zur Nieuwen Gracht durchging (verkauft am 28-12.1723 an Himony).

In Roermond:

20. Das Haus de steene Trappen in der Neerstraat zu Roermond (erworben 11.04.1723 durch Friedrich Jacob von Francois Pollart; versteigert 1818).

21./22. Zwei kleinere Häuser in der Olyestraat (erworben zusammen mit de Steene Trappen, versteigert 1818).

An Höfen (woningen) besaß Nicolaes (+ 1650):

1./2. Im Amsterveen die Höfe Peirdesteyn (im Bovenkerkerpolder) und Peirdesteynsend (verkauft 13.09.1849 an Boeckel und Malie).

3. Im Buitenvelderschen Polder den Hof Boonenburch (verkauft 13.09.1849 an Boeckel und Malie).

4. In Ourderkerk den Hof gnt. de Fuick (verkauft 13.09.1849 an Boeckel und Malie).

5./6. In Sloten die Höfe binnen de mylpael und boven de mylpael (verkauft 13.09.1849 an Boeckel und Malie und 20.04.1852 an Boeckel).

7. In Nichtevecht und Kortenhof einen Hof.

Außerdem noch Land bei Alkmaar (Loddersdel in Koedijk, ererbt von Pompeius Buyck), in Weesp, in Spaarnwoude bei Haarlem und bei Charlois bei Dordrecht.

Darüber hinaus besaß Dirk (+ 1678) an Höfen:

8. In Amsterveen einen Hof im Mittelpolder an der Ecke des Loopvelts (verkauft 13.09.1849 an Boeckel und Malie).

9.-12. Im Buitenvelderschen Polder die Höfe Bontebotter, Groot und Klein Leeuwenburg und einen Hof am Veenweg (verkauft 1849).

13./14. In Ouderkerk einen Hof im Bullewijk (gekauft 16.01.1680 für Dirks Kinder von Simon Cornelis. van Nes und verkauft am 13.09.1849 an Boeckel und Malie), sowie den Hof

am Waerthuis im Rondenhoepschen Polder (verkauft am 20.04.1852 an Malie).

15. Einen Hof zu Alpher-Hoorn (gem. Alphen in Südholland).

16./17. Den Hof Kwintsheul und einen weiteren Hof zu Waatering (Delftland).

18. Einen Hof zu Haringhuizen (als Eheaussteuer seiner Gattin Anna geb. Ramp von Dirk erworben).

19./20. Zwei Höfe zu Wilnis.

21. Einen Hof zu Vaesen op de Veluwe.

22./23. Vor Woerden einen Hof in Rapijuen (von der Kölner Linie veräußert) und einen Hof im Bullewijk (noch im Besitz der münster. Linie).

24. Einen Hof zu Bodegraven (unter der Bezeichnung Altydrat noch im Besitz der münster. Linie)

25. Einen Hof in Nieuw Beyerlant (1675 von Andries Ramp geerbt und unter der neuen Bezeichnung "Hof Zuydtwyck" noch im Besitz der münster. Linie).

Außerdem die noch jetzt im Familienbesitz befindliche Erbpacht der Edamer Schleuse, ein Grundstück am Cingel zu Amsterdam und zahlreiche Ländereien in Achtenhoven zu Leksmond (seit 1659 als Lehen der Grafschaft Holland, in Eigenwirtschaft Dirks, verkauft am 13.09.1849 an Boeckel und Malie), vor Alkmaar (Huiswaarderpolder, Philistinepolder), vor Utrecht usw. Darüber hinaus besaßen Friedrich Jacob und Maria Volquina 1745 noch folgende Höfe:

26. In Sloten Hof am Sloterweg (von Maria Volquina an Friedrich Wilhelm vererbt und 13.09.1849 an Boeckel und Malie verkauft).

27. Einen Hof am unteren Ende von Jutphaes (von Adriaen de Wael van Vronesteyn an Friedrich Jacob legiert; wohl zu Gut Vronesteyn gehörig).

28./29. Zwei Höfe zu Abcoude am Heerenweg, einen im Waard-Assackerpolder (13.09.1849 an Boeckel und Malie verkauft) und einen Zweiten im kleinen Winkelpolder

(verkauft am 20.04.1852 an Malie).

30. Einen Hof zu Nieuwerbrugge (gekauft 1703 durch Friedrich Jacob und Gerhard Spycker zu Nieuwerbrügge).

31. Einen Hof in de Ketel bei Overschie (Delftland).

32. Einen Hof in der Herrlichkeit Koortwyck an der Woensdagsche Weetering (gekauft 08.01.1722 durch Friedrich Jacob von den Erben der Agathe Byl).

33. Den Hof Warsenhoek op den Yssel im Gericht Geyn (verkauft 1706 durch Friedrich Jacob, lehnrührig vom Haus Ysselstein und mit einer Erbpacht zugunsten des Marien-

stifts zu Utrecht belastet).

34. Den halben Anteil am Hofe gnt. de bonte Koe zu Schooten vor Haarlem (erworben durch Friedrich Jacob von Herrn von Courtenpoet; die andere Hälfte den Erben der

Wilhelmine Ramp verehelichte von Pollenborg gehörig).

35. Den halben Anteil am Hof zu Benschop im Lande Ysselstein (1711 durch Friedrich Jacob von Adriaen de Wael geeerbt). Außerdem u. a. Land zu Blockland bei Montfoort,

das vom Hause von Ruwiel lehnrührig war und seit dem 16. Jh. in zwei Teilen an die Familie de Wael und van Winssen zu Lehen gegeben wurde. (1711 von Adrian de

Wael an die Geschwister Scherpenseel Erasmus Bernard und Elisabeth Katharina verehelichte Heereman und von diesen 1723 und 1742 an Dirk Johan Heereman ver-

erbt) und zu Boskop (gekauft am 13.07. 1700 durch Friedrich Jacob von van Dyck).

Friedrichs Kinder erwarben dazu noch folgende Höfe:

36. Einen Hof zu Blockland bei Montfoort (ererbt ais de Waelschem Allodbesitz über Johan von Scherpenseel, verbunden mit dem 1711 von Adrian de Wael ererbten Lehn-

besitz zu Blockland und noch jetzt im Besitze der münster. Linie)

37. Einen Hof zu Rijnacker vor Delft (als Heiratsgut der Maria van der Goes eingebracht und von ihr an ihren Sohn Silvester Andreas und nach dessen Tode an Friedrich

Wilhelm gelangt.

38. Einen zweiten Hof zu Rijnacker vor Delft, den Silvester Andreas 1713 aus dem Nachlass der Christina Genoveva van der Goes, der Gattin des Tiberius Pipinus von

Emingha, ererbt hatte.

39. Den halben Anteil am Hof in Oudcromstryen in Overmaas, den Silvester Andreas ebenfalls geerbt hatte (die andere Hälfte gehört der Witwe Bischop geb. de Groet).

40. Den dritten Teil des Hofes Philippsburg zu Groet Cromstryen, der von Philipp van Cromstryen stammte und als Erbe der Familie van der Groes an Silvester Andreas ge-

fallen war; zu ihm gehörte noch Land aus dem Allodialbesitz von Cornelis van der Goes und dern dritte Teil der Amtsherrlichkeit Cromstryen. Diese letzten drei Höfe, die

Silvester Andreas aus dem mütterlichen Erbe besaß, wurden für ihn von Friedrich Jacob verwaltet und fielen nach seinem Tode wieder an die Familie van der Goes

zurück.

An Gütern erwarb die Familie zunächst nur durch Silvester 1656 die kleine Hohe Herrlichkeit Zuydtwyck an der Gouwe Gem. Boscop (zwischen Leiden und Gouda) in Südholland, die von der Grafschaft Holland lehnrührig war. Zu ihr gehörten zwei Hofstätten und als Gerechtsame u. a. die Fischerei in der halben Gouwe, und die Ernennung der Beamten der Herrlichkeit. Diese hatte bis 1633 der Familie van Nes gehört und war dann an Benjamin van Halewijn gelangt, von dessen Sohn Gualterus sie Silvester kaufte (1656). Nach Dirks Tode wurde 1679 Friedrich Jacob als ältester Sohn Lehnsträger und vererbte sie testamentarisch an seinen jüngsten Sohn Franz Ernst, dem Begründer der kölnischen Linie. Im Zusammenhange mit dem großen Güterverkauf von 1818 wurde sie wohl auch versteigert, jedenfalls erscheint sie auf der Versteigerungsliste [Nach v. d. Aa, Bd. 13, S. 520: war Zuidwijk noch 1851 im Besitze der von Heereman zu Münster]. 1846 wurde sie mit der Gemeinde Boscop zu einer Gemeinde verschmolzen.

Als nächstes Gut erwarb Friedrich Jacob am 23.12.1704 den Rittersitz Oudegein mit der Amtsherrlichkeit het Gein (gem. Jutphaes im Niederquartier der Provinz Utrecht) von Johan Adolph van Alendorp Herrn zu Oudegein mit einem zugehörigen, innerhalb der Schlossgräfte gelegenen Hofe und einem 1731 abgebrochenen Häuschen an der Schloss-

alle, sowie mit der Fischereigerechtigkeit in der Yssel. Als ehemaliges Schloss des Bischofs von Utrecht war Oudegein Lehen der Staaten von Utrecht; an der Grenze zwischen Utrecht und Holland gelegen, war es heftig umkämpft und wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut; in der ersten Hälfte des 14. Jh. stand es unter holländischer Herrschaft. Nachdem es 1482 durch die von Ysselstein eingeäschert worden war, erwarb es 1633 Adriaen Ploos van Amstel, der 1629 auch die Amtsherrlichkeit Gein von den Staaten von Utrecht erhalten und dem Prinzen Friedrich Heinrich von Oranje zu Lehen aufgetragen hatte, bis sie nach seinem Tode wieder an die Staaten von Utrecht zurückfiel; er baute das Schloss Oudegein als viereckige Wasserburg neu auf. Friedrich Jacob vererbte den Rittersitz mit der Herrlichkeit und dem Hof beim Schloss testamentarisch an seinen Sohn Friedrich Wilhelm, der es 1764, als er bereits in Westfalen Fuß gefasst hatte, verkaufte [Den Namen Heereman van Oudegein behielt er bis zu seinem Tode bei (s. Eugen Müller, Adelshöfe der Stadt Münster, S. 137). Auf seinem Jugendbildnis ist im Hintergrunde das Schloss zu sehen (Bild 28 der Surenburger Sammlung)]. Mitte 19. Jh. gehörten Rittersitz und Amtsherrlichkeit dem J. J. de Geer van Oudegein.

Die Erwerbung der Güter Dever (1713), Rumpt (1741) und Vronestein (1741) erfolgte aus der Erbschaft der Familie von Scherpenseel, die Friedrich Jacob und seinen Kindern durch seine zweite Heirat zukam (s. a. Stammtafel Anl. 3)

Den Rittersitz Dever (Huis - te - Dever oder Huis - te - Lisse) mit der Amtsherrlichkeit Lisse erhielt Friedrich Jacob am 28.06.1713 von den Geschwistern Scherpenseel Erasmus Bernard (+ 1716), Mechthild und Johan für 50.000 Gulden übertragen; der Rittersitz war teilweise von den Staaten von Holland, teilweise von der Abtei Egmond lehnrührig, die Herrlichkeit von der Grafschaft Holland. Dazu gehörte u. a. die Gerechtsame der Ernennung des Schulzen und der übrigen Beamten von Lisse, sowie des Schulmeisters, Küsters, Kirchenmeisters usw. und die Bestätigung des protestantischen Predigers.

Die älteste Besitzerfamilie, nach der das Schloss seinen Namen führt, ist die Familie Dever (auch d¿ Ever), die seit 1269 nachweisbar und Anfang des 15. Jh. ausgestorben ist, worauf 1418 als Erbe weiblicher Linie Gijsbrecht van Haeften belehnt wurde. Nach seinem Tode (1447) erbte es eine Tochter Claire, die Gattin des Jans van Duvenvoirde, und nach deren Tode kam es 1507 an ihren Enkelsohn Jan Adriaensz. Matenesse, dem 1522 sein Sohn Nicolaes und 1565 sein Enkel Jan Nicolaesz. folgten, der 1595 auch mit der Amtsherrlichkeit Lisse belehnt wurde. 1628 folgte das Geschlecht van Schagen, in dem Johan van Schagen Erbe seiner Mutter Maria geb. van Matenesse wurde. Durch seine Nichte Isabella Catharina van Camons - Johan van Schagen war mit Wilhelmina van Camons verheiratet - kam Dever an deren Sohn Gerard de Wael van Vronestein, der 1674 damit belehnt wurde. Ihm folgte sein Bruder Wilhelm de Wael und schließlich 1700 der dritte Bruder Adriaen. Nach dessen Tode 1710 folgte Erasmus Bernard van Scherpenseel, der Sohn von Adriaens Schwester Wilhelmina de Wael, die Johan van Scherpenseel geheiratet hatte. Er überließ zusammen mit seinen Geschwistern Mechthild und Johan 1713 das Gut an seinen Schwager Friedrich Jacob Heereman, worauf 1714 dessen Gattin Elisabeth Catharina belehnt wurde. Seit 1718 war das Schloss an den Amsterdamer Bürgermeister Wilhelm Six vermietet. Durch Testament von 1733 überließ es Friedrich Jacob seinem Sohne Dirk Johan, der 1733 damit belehnt wurde. Nach dessen kinderlosem Tode kam es 1780 an Friedrich Wilhelm und ist seither in der münsterischen Linie verblieben. Das Schlossgebäude selbst ist nach dem Einsturz vom August 1848 völlig verfallen und als Steinbruch ausgebeutet worde, sodass nur noch der halbrunde Eckturm als Wahrzeichen steht; auch die Gräfte ist zugeschüttet. Die zu dem Schloss gehörige Hofstätte ist ebenfalls noch heute im Familienbesitz.

Die Amtsherrlichkeit Lisse wurde seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. als Lehen aufgegeben und gelangte so 1592 an Jan Nicolaesz. Matenesse, der 1565 mit Dever belehnt worden war. Nach seinem kinderlosen Tode 1624 erhob sich vor dem Hof zu Holland ein Rechtsstreit um die Lehnsfolge zwischen seiner Base Maria van Matenesse vereh. van Schagen und seiner Tante mütterlicherseits Johanna Pieck, Äbtissin von St. Servatius zu Utrecht, der erst 1692 zugunsten des Erben der Maria van Schagen geb. van Matenesse, des Wilhelm de Wael van Vronestein, entschieden wurde; während des Prozesses bleiben die Lehns- und Besitzverhältnisse unklar, zumeist laufen zwei Belehnungen nebeneinander her[ Friedrich Jacob spricht in seinem Pachtbuch (N II, 10, Bd. 1) irrtümlich von einer Prozedur von über 75 Jahren]. Seit 1692 teilte die Amtsherrlichkeit das Schicksal des Gutes Dever.

Der Rittersitz und die Herrlichkeit Rumpt (in der Tieler Waard nördlich des Flusses Waal Gem. Deil Prov. Gelderland), die 1741 aus der Erbschaft des Johan van Scherpenseel an Friedrich Jacobs Kinder gelangten, waren Lehen der Herzöge von Geldern und Grafen von Zutphen (nach Zutphenschem Lehnrecht) bzw. des Hauses Henkelom. Das Haus Rumpt war 1341 durch Ricond van Heeswijk, Propst zu St. Peter in Utrecht, dem Herzog von Geldern zu Lehen aufgetragen worden; die Herrlichkeit soll im 15. Jh. den Herren van Asperen gehört haben. 1495 erscheint als Lehnsträger Johan van Weerdenborch als Erbe seines Halbbruders Dirk; er vererbt den Lehnbesitz 1538 an seine Schwester Theodorica, die Gattin des Eustaes van Hemert, die in zweiter Ehe einen Scherpenseel heiratete. Ihrem Sohne aus dieser zweiten Ehe, Thomas van Scherpenseel, überlässt sie bei der Auseinandersetzung zwischen ihr und ihren beiden Söhnen Otto von Hemert und Thomas van Scherpenseel 1550 den Besitz von Rumpt mit dem Hause Gellicum. Thomas nimmt den Namen Scherpenseel tot Rumpt an und erneuert aus dem Erlös des 1553 wieder verkauften Hauses Gellicum das Schloss Rumpt von Grund auf (s. W. a. Beelaerts van Blokland, Het in 1553 gebouwde Huis te Rumpt in: Bijdragen en Mededeelingen der Vereeniging Gelre Tl. 35). Bis zum Aussterben des Geschlechtes mit Johan van Scherpenseel blieben Ritterhofstatt und Herrlichkeit Rumpt - der alte Stammsitz Haus und Herrlichkeit Scherpenseel (Gem. Scherpenseel Prov. Gelderland) war Anfang des 17. Jh. von Wilhelm van Scherpenseel an seinen Schwager Hendrich van Westerholt übergegangen - Sitz der Familie, um nach kurzer gemeinsamer Verwaltung durch die Kinder Friedrich Jacobs (1741-1746) an Johan van Scherpenseels Schwestersohn Dirk Jan Heereman als Lehnsträger überzugehen, nachdem es Friedrich Jacob Heereman bereits von 1716-1721 für die jüngeren Geschwister seiner Gattin verwaltet hatte. Nach Dirk Johans Tode (1780) gelangte der Besitz an Karl Heinrich und wurde von dessen Sohn Matthias Alexander 1847 für 25.000 Gulden an Boeckel verkauft.

Der Rittersitz Vronestein (in Jutphaes südl. von Utrecht), der zusammen mit Rumpt 1741 aus der Erbschaft Johans van Scherpenseel an Friedrich Jacobs Kinder gelangte, war ein Lehen des Bischofs von Utrecht. 1405 geht der Sitz von der Familie van Vronestein auf Hillebrandt van Jutphaes über, von dem es 1412 Lodewijk de Wael erhält. Sein Geschlecht, das später den Namen de Wael van Vronestein annimmt, sitzt dort bis 1692, als nach Gerard de Waels Tode dessen Testamentserbe und Neffe Erasmus Bernard van Scherpenseel trotz Einspruchs des jüngeren Bruders Wilhelm de Wael die Belehnung erhält. Nach dessen Tode erbt es zunächst 1717 seine Schwester Mechthild und 1727 der letzte Scherpenseel: Johan. In der Erbauseinandersetzung der Kinder Friedrich Jacobs von 1746 erhielt es Dirk Johan - da Johan van Scherpenseel kein Testament hinterließ, war dieser als ältester Lehnserbe; auch das Allodialerbe überließen ihm die Geschwister gegen Entschädigung - als Lehnsträger, von dem es Karl Heinrich erbte. Dessen Sohn verkaufte es schließlich am 13.09.1849 für 90.000 Gulden an Boeckel und Malie.

Die hohe Herrlichkeit Hagestein mit Schloss (Gem. Hagestein früher Niederquartier der Prov. Utrecht, jetzt Prov. Südholland) hat Friedrich Jacob 1712 von seinem Bruder Dirk geerbt und zeitweise bewohnt [S. Friedrich Jacobs Pachtbuch (N II 10, Bd. 1) unter "Hagestein"]. Neben mehreren Höfen gehörte dazu auch die Herrschaft über das Dorf Hagestein mit den Gerechtsamen der Ernennung der Beamten des Dorfes und des Patronatsrechtes. Wilhelm van Duivenvoorde Herr von Oesterhout, der die Herrlichkeit wohl durch Kauf erworben hatte, trug sie den Grafen von Holland zu Lehen auf, die sie 1331 an Hubert Schenck und Zweder van Viamen verliehen. Später war sie zwischen den Schenck Herren von Culenborg und Otto von Arkel Herrn van Asperen geteilt. Ein längerer Streit um die Lehnsherrlichkeit zwischen dem Grafen von Holland und dem Bischof von Utrecht endete mit dem Siege des Letzteren, der 1485 den Statthalter von Holland Johan Herrn von Egmond und Baar als Enkelsohn Jans van Arkel damit belehnte. Dieser überließ die Herrlichkeit 1510 dem Domkapitel und dem Kapitel des Alten Münsters zu Utrecht, worauf der Bischof das Lehen in Allod umwandelte. Um 1650 verkauften die beiden Kapitel den gesamten Besitz an den niederländischen Feldmarschall Georg Friedrich von Waldeck Herrn von Culenborg. Wann und wie es wieder utrechtisches Lehen geworden und wie es in den Besitz Dirk Heeremans gelangt ist (durch Erbschaft von de Wael-Scherpenseel?), ließ sich nicht feststellen. Dirks Erbe, sein Bruder Friedrich Jacob, vererbte es testamentarisch an seinen Sohn aus erster Ehe SilvesterAndreas, der es jedoch schon 1755 an Louis Trip de Merez Herrn von Niekoop verkaufte, von dem der ganze Besitz später an die Stadt Dordrecht gelangt ist [Nach van der Aa, Bd. 5, S. 90, der jedoch irrtümlich annimmt, Friedrich Jacob habe die Herrlichkeit käuflich erworben]. Ein Teil des zugehörigen Landbesitzes blieb bei der Familie Heereman und kam an Carl Heinrich, dessen Sohn Matthias Alexander ihn am 13.08.1849 an Boeckel und Malie und am 29.04.1852 an Frau van Nes geb. van Nanta verkaufte.

Schließlich erwarb Friedrich Jacob 1725 noch das Gut de Spieck (auch Zuydtwyck-Spieck genannt) bei Roermond, das 1818 mit den anderen Grundbesitzungen aus dem gemeinsamen Familienbesitz versteigert worden ist.

Von größeren Erbteilungen, durch die der stetig wachsende Besitz auf eine größere Zahl von Nachkommen veteilt wurde, lassen sich nur zwei im Einzelnen urkundlich verfolgen: die von 1689 und die von 1746. Die Erste, zwischen Dirks Kindern, führte zu keiner Besitzzersplitterung, da Friedrich Jacob und Maria Volquina als einzige ihre übrigen, kinderlosen Geschwister überlebten und fast gleichzeitig starben, sodass der gesamte, wieder in ihren Händen vereinigte Nachlass 1746 als einheitliche Masse neu verteilt werden konnte. Aus dieser zweiten Erbteilung dagegen erwuchsen erhebliche Verwicklungen und Zersplitterungen einzelner Höfe, Häuser und Grundstücke inn kleinste Anteile, zumal als die Anteile der unvermählt verstorbenen KInder Friedrich Jacobs später unter deren Geschwister, Neffen und Nichten weiterverteilt wurden. Friedrich Jacob hatte durch Testament vom 16.09.1718 und durch spätere Kodizille (von 1733) vor allem über die großen Güter verfügt; danach erhielten: Silvester Andreas Hagestein, Dirk Johan Schloss Dever mit der Amtsherrlichkeit Lisse sowie den Hof in der Herrlichkeit Koortwijk (wozu er 1746 unmittelbar aus der Scherpenseelschen Erbschaft noch Rumpt und Vronestein bekam), Friedrich Wilhelm Oudegein mit der Herrlichkeit Gein sowie den Hof Bullewijk vor Woerden und Franz Ernst Zuydtwyck; von den Töchtern erhielten: Theodora Johanna die Höfe Kwintsheul und Nieuw-Beyerlant, Anna Esther die Höfe in Abcoude und im Bullewijk von Ouderkerk (nicht mit dem noch jetzt Heeremanschen Hofe Bullewijk vor Woerden zu verwechseln!) und Agatha Barbara den Hof in de Ketel bei Overschie und den halben Hpf Bontekoe bei Schooten. Außer dieser testamentarisch festgelegten Scheidung wurde 1746 nur der Nachlass von Maria Volquina verteilt, dagegen blieb der Intestatnachlass Friedrich Jacobs unter gemeinsamer Verwaltung der Erben, die nach 1780 auch auf den Nachlass des ohne Testament verstorbenen Dirk Johan und weiterer Nachlassteile der übrigen Geschwister ausgedehnt wurde. Die Verwaltung dieses Gemeinbesitzes lag 1781/82 bei Anna Maria Schelling und von 1782-1817 bei Johan van Schorrenberg. Erst 1817/1818 wurde diese Erbgemeinschaft zwischen den beiden Familienzweigen, den Erben Theodors als Vertretern der Kölner und Matthias Alexander als Vertretern der münsterischen Linie, gelöst, indem ein Teil der Güter, dazu auch durch die Kölner Linie der alte Familienbesitz Zuydtwyck bei Boskop und die Besitzungen in und bei Roermond, zwecks Teilung der Kaufsumme verkauft wurden, während auf einen anderen Teil, darunter Dever und Nieuw-Beyerlant, die Kölner Linie zugunsten von Matthias Alexander gegen Erstattung des halben Kaufpreises verzichtete. Da somit die Kölner Linie auf sämtliche niederländischen Besitzungen verzichtet hatte - ein Prozess, den die Erben von Franz Ernst gegen Matthias Alexander wegen Herausgabe der allodialen Hofstätte bei Schloss Dever 1848 angestrebt hatten, endete 1855 in dritter Instanz zugunsten der Erben von Matthias Alexander - blieb nur der münsterischen Linie Grundbesitz in den Niederlanden.

Nachdem Matthias Alexander durch den Kauf der münsterischen Güter (zwischen 1826 und 1844) in Westfalen festen Fuß gefasst hatte, stieß er in mehreren großen Verkäufen den größten Teil der holländischen Güter ab

··1847 an den Kaufmann Jan Fr. v. Boeckel zu ¿s Hertogenbosch: Rumpt

·am 13.09.1849 an die Kaufleute Jan Francis v. Boeckel und Jan Hendrik Malie zu ¿s Hertogenbosch: Vronestein, einige Ländereien in der 1755 veräußerten Herrschaft Hagestein und die Höfe in Lexmond, Abcoude, Ouder, Amstel, Nieuwer Amstel und Sloten;

·am 20.04.1852 an Malie: die Höfe im Rondenhoeperpolder Gem. Ouder, Amstel und im Winkelpolder Gem. Abcoude;

·am 20.04.1852 an Boeckel: die Höfe Enkeldloon Gem. Nieuwer Amstel und Boschzigt Gem. Sloten;

·am 29.04.1852 an Frau Gertrud geb. van Nanta, die Gattin des Jacob Gerard van Nes: weitere Ländereien bei Hagestein;

Jetzt befinden sich im Familienbesitz noch:

1.) der 1675 von Ramp ererbte Hof Nieuw-Beyerlant (jetzt "Hof Zuydtwyck" genannt)

2.)/ 3.) die beiden seit Dirk nachweisbaren Höfe: Bullewijk vor Woerden und Hof zu Bodegraven (jetzt "Altydwat" genannt),

4.) das unter Friedrich Jacob 1723 und 1742 ererbte jetzt zu einem Hof gewordene Land zu Blokland Gem. Willeskop bei Montfoort und

5.) das 1713 erworbene, jetzt verfallene Schloss Dever mit der zugehörigen Hofstätte und den Ländereien in der Gem. Lisse, die jetzt in eine Blumenzüchterei und einen Bauernhof aufgeteilt sind.

Außerdem wird von der Stadt Edam immer noch die alte Erbpacht aus der dortigen Schleuse gezahlt.

Verwalter der holländischen Güter hatte schon Friedrich Jacob bei seiner Übersiedlung nach Roermond in Pieter Tiljou und Advokat Georg Christian Qualenbrinck zu Utrecht eingesetzt. 1781 hatte Carl Heinrich für seine sämtlichen niederländischen Besitzungen als Verwalter den Amsterdamer Makler Jan van Schorenberg bestimmt (bis 1821) der bis 1817 auch den gemeinschaftlichen Besitz verwaltete und dem vermutlich die übrigen, die zwischen 1808 und 1818 als Verwalter einzelner Güter auftreten: Voorsteegh zu Utrecht, Schiefbaan im Haag und Pagenstecher zu Lisse, nachgeordnet waren. Auf Schorrenberg folgt 1821 van der Horst im Haag und von 1851-1883 Gisbert Peter van Roermond im Haag. Seit 1883 wird die Verwaltung durch den Oberrentmeister zu Münster durchgeführt.

Hinsichtlich der archivalischen Überlieferung wird von Lisse berichtet, dass sich ein Teil der Guts- zusammen mit den Verwaltungsakten der Amtsherrlichkeit im Gemeindearchiv Lisse befindet, da die Schouten von Lisse meistens zugleich Rentmeister der Besitzer der Amtsherrlichkeit und als solche Verwalter von deren Gütern waren. Bei den übrigen großen Gütern, die auch mit Herrlichkeiten verbunden waren, mögen die Verhältnisse ähnlich liegen. Von den Gütern Dever-Lisse, Vronestein und Rumpt, die bis ins 19. Jh. im Besitze der Familie geblieben sind, haben sich Lehn- und Pachturkunden in größerer Zahl (seit 14. Jh.), Rechnungen (aus dem Ende 16. Jh.) und Pachtverträge (16.-18. Jh.) sowie Akten betr. Fischerei, Forsten, Patronat, Stiftungen usw. (16.-18. Jh.) erhalten, von dem bereits 1764 wieder verkauften Oudegein nur Pachtverträge des 17. Jh. und vereinzelte Akten über Patronatsangelegenheiten des 17. Jh., jedoch keine Urkunden (s. o. S. ), von dem Gute Gellicum, das längere Zeit mit Rumpt zusammen der Familie von Scherpenseel gehört hat, nur eine vereinzelte Akte betr. Fischerei; weiterhin befindet sich im Archiv Material über einzelne Grundstücke und Häuser in Amsterdam vom 15.-18. Jh.. Die Akten der Herrlichkeit Zuydtwyck und Hagestein, mit denen keine ritterliche Gutsverwaltung verbunden war, mögen in die Gemeindearchive gelangt sein.

C. Der münsterische Zweig der Familie Heereman und die westfälischen Güter

Mit Friedrich Wilhelm beginnt ein neuer Abschnitt in dem steten Aufstieg der Familie: der Patrizier aus Amsterdam heiratet in den westfälischen Uradel hinein und siedelt - wahrscheinlich im Gefolge dieser Heirat - nach Münster über, wo er nach 1750 auftaucht. Von 1759-1782 lässt er sich als Mieter des Kleinen Schmiesingschen Hofes auf der Neubrückenstraße nachweisen [Nach E. Müller S. 96, 177 und 183 bewohnte er von 1748-1768 den Westerholtschen Hof in der Voßgasse und erst von 1774-1782 den Kleinen Schmiesinger Hof (S. 137: "Herr von Audigen" ist Friedrich Wilhelm Herr von Oudegein). - S. dagegen M VI 20.]. Später geht er dazu über, sich im Stile des westfälischen Adels einen Hof zu Münster zu schaffen: er kauft 1778 den Drolshagen- oder Lütkenbeckschen Hof auf der Neubrückenstraße, der seit Mitte des 14. Jh. der Erbmännerfamilie von Drolshagen gehört hatte und um 1700 nach deren Aussterben an die Drosten zu Vischering gekommen war, sowie mehrere umliegende Bürgerhäuser an der Hörsterstraße; er lässt die Häuser abreißen und an ihrer Stelle von Lipper von 1779-1782 einen großen Hof bauen, der jedoch schon 1798 - nachdem inzwischen die Güter Nevinghof und Surenburg erworben waren - an den Freiherrn von Romberg verkauft wird und daher jetzt "Romberger Hof" heißt.

Erst 1834 erwarb die Familie einen neuen Hof in Münster, den jetzt sogenannten "Alte Heeremanschen Hof" (Königsstr. 47, Ecke Krumme Straße), der 1889 durch den Anbau des "Neuen Heeremanschen Hofes" (Königsstraße 46a) erweitert wurde. Der "Alte Heeremansche Hof" war im 16. Jh. durch Hermann Kock erbaut worden und gelangte in der ersten Hälfte des 18. Jh. an die Freiherren von Schorlemer; vor 1730 ist er bereits im Besitze der Grafen Plettenberg-Lenhausen und gelangt nach 1771 an die Freiherrn von Nagel zu Vornholz. Die kinderlose Schwester Carl Heinrichs, Anna Clementina, die Witwe des münsterischen Generalmajors Clemens August Freiherr von Nagel-Vornholz, vererbte ihm bei ihrem Tode 1834 an ihren Neffen Matthias Alexander, nachdem ein Teil des Hofes von 1801-1830 an den "Klub der adligen Damen" vermietet gewesen war.

Noch vor Fertigstellung des Hofes in Münster kaufte Friedrich Wilhelm 1781 von seiner Schwägerin Isabella Maria Pröbsting verwitwete Amelunxen geb. von Kückelsheim zu Rorup für 38.000 Rtlr. das landtagsfähige Gut Nevinghof (nördlich von Münster), das somit den ältesten Familienbesitz in Westfalen darstellt. Er scheint noch als Mieter des kleinen Schmiesingschen Hofes 1782 gestorben zu sein und erst seine Witwe scheint Nevinghof als Witwensitz bezogen zu haben, während sich sein einziger Sohn Karl als adligen Landsitz das Haus Surenburg Ksp. Riesenbeck auswählte, das er 1786 von Ludwig Freiherr von Münster erwarb.

Carl Heinrichs Sohn Matthias Alexander, der tatkräftig und unternehmend gewesen zu sein scheint, bewirkte dann die völlige Verwurzelung der Familie in Westfalen und die Abkehr von der niederländischen Heimat, indem er in den fast 50 Jahren seiner Gutsherrschaft die Besitzverhältnisse schuf, wie sie fast unverändert bis heute fortbestehen: er kaufte zwischen 1826 und 1844 die jetzigen münsterischen Güter und verkaufte anschließend in den Jahren 1847 bis 1852 den größten Teil des niederländischen Besitze. Am 16. 05. 1826 erwarb er von Reichs-Oberpostdirektor Herman Ignatz von Hamm für 26.100 Rtlr. das Gut Wienburg (gegenüber Nevinghof), am 16.10.1838 von Max Josef Frhr. von Herding zu Mannheim für 75.500 Rtlr. das landtagsfähige Gut Maser Ksp. Hiltrup (später Haus Herding genannt), am 12.03.1843 von der verwitweten Freifrau Therese von Droste gnt. Kerckerinck geb. Fr. von Kerckerinck zu Stapel für 17.000 Taler das Haus Soest im Ksp. Hiltrup und am 05.10.1844 von der gleichen Besitzerin für 70.000 Taler preuß. Cour. meistbietend das Gut Grevinghof im Ksp. Albersloh mit dem Wiesmannserbe Ksp. Saerbeck. An kleineren Besitzungen erwarb er 1838 zusammen mit Maser und Hiltrup den Herdingschen Schulzenhof Mieling Gem. Amelsbüren und am 22.05.1839 für 4.500 Rtlr. preuß. Cour. vom Land- und Stadtgerichtsrat Overhage den Schulzenhof Delsing Bauerschaft Raestrup Ksp. Telgte, der vorher auch der Familie Herding gehört hatte. Als einzige nennenswerte Besitzveränderung ist seit Matthias Alexander lediglich die Erwerbung des kleinen Gutes Eichenhof Gem. Amelsbüren zu nennen, das am 05.08.1896 vom Freiherrn Clemens von Nagel-Ittlingen meistbietend gekauft wurde.

Carl Heinrich hatte drei Töchter, die sämtliche Stiftsdamen an freiweltlichen adligen Stiften wurden und als solche für die Familiengeschichte von Bedeutung sind: Theresia Maria hatte seit 1792 eine Pfründe in dem im Ravensbergischen gelegenen Stift Schildesche (Kr. Bielefeld) und später eine zweite in dem münsterischen Stift Asbeck (Kr. Ahaus), Anna Wilhelmina seit 1799 eine in dem münsterschen Stift Langenhorst (Kr. Steinfurt) und Antoinette Aloysia seit 1813 eine in dem Stifte Clarenberg (bei Dortmund). Dass Carl Heinrich sich die erste Pfründe für eine seiner Töchter außerhalb des Bistums Münster suchte, hängt wohl damit zusammen, dass diese Pfründe mit dem Besitz der Güter Bruchmühlen (Ksp. Bünde) und Rolinghof (Ksp. Wallenbrück Kr. Herford) verknüpft war, die zu einem Teil - Miteigentümer war der Freiherr Carl Ernst von Ledebur als Schwiegersohn des letzten Nehem - einem Verwandten von Carl Heinrichs Gattin, dem Freiherrn Otto Matthias von Merode zu Merfeld, gehörten. Carl Heinrich erwarb diese Güter nun mit der ausdrücklichen Bedingung eines bloßen Scheinkaufes zum Zwecke der Erwerbung der Pfründe. Doch damit war die Pfründe noch nicht gesichert, da das Stift anhand der eingereichten Aufschwörung die Ritterbürtigkeit der Probantin nicht anerkennen wollte. Die Klage, die Carl Heinrich daraufhin gegen das Stift einreichte und die von der Regierung zu Minden in erster Instanz am 27.01.1795 abgewiesen, in zweiter Instanz aber am 08.07.1796 anerkannt wurde, bedeutet den erfolgreichen Kampf Carl Heinrichs um seine Aufnahme in den exklusiven westfälischen Adel, und das Gerichtsverfahren wirft manch bezeichnendes Licht auf die ältere Familiengeschichte: Das Stift hatte, wozu ihm das Recht bestritten wurde, 16 Ahnen zur Ahnenprobe gefordert und dabei aus der 16er Reihe die Ritterbürtigkeit des Ehepaares Dirk Heereman von Zuydtwyck und Anna Ramp van Rollandt, deren Geschlechter ja, (wie oben S. 12 f. gezeigt) die gleiche Entwicklung genommen hatten, angezweifelt. Die erste Instanz hatte Dirks Ritterbürtigkeit anerkannt, weil das Diplom von 1658 auf eine ältere kaiserliche Adelsverleihung von 1534 verweise, aber die der Anna Ramp verneint, weil deren Adel erst von 1630 stammte; doch die zweite Instanz erkannte auch ihre Ritterbürtigkeit an, da das Diplom von 1630 ausdrücklich von einer Adelserneuerung für die Brüder Ramp spreche. Zudem wurde noch darauf hingewiesen, dass die erste Adelsverleihung an Dirk von 1534 noch in die Zeit der Zugehörigkeit der Niederlande zum deutschen Reiche falle und somit die deutsche Abkunft Dirks und seines Adels unbezweifelbar sei.

Carl Heinrich, der sich so erfolgreich den Weg in den westfälischen Adel erkämpft hat, begann auch als erster den Freiherrntitel zu führen, der zunächst nur in internen Familiendokumenten, zuerst in seinen Ehepakten von 1783 auftaucht und in den Unterschriften noch vermieden wird; schon 1777 als Student wird er übrigens in einem überschwänglichen Fleißzeugnis als liber baro bezeichnet. Als erster amtlicher Gebrauch des Freiherrntitels erscheint eine von der Königl. preuß. Regierung ausgestellte Lehnsurkunde von 1805 (Urk. Nr. 39) über den Burghof zu Bevergern. Die Bezeichnung "vrijheer van Zuydtwyck" in der Bestätigungsurkunde Carls II. von Spanien über das Wachtendoncksche Pfandgeschäft von 1683 bezieht sich vermutlich nur auf die freie Herrlichkeit von Zuydtwyck und ist wohl nicht als Adelstitel im Sinne des niederländischen baron aufzufassen. Schließlich bringt auch in diesem Punkte, wie in dem des Güterbesitzes, Matthias Alexander die aufsteigende Entwicklung zum Abschlusse, indem er 1845 die Verleihung des Freiherrntitels für die gesamte Familie, also auch für die Kölner Linie erwirkt (preuß. K.O. vom 05.11.1845).

Von der folgenden Generation hat es Matthias Alexanders jüngerer Sohn, der Regierungsrat Clemens, zu großer Berühmtheit als preußischer Landtagsabgeordneter und langjähriger Führer der dortigen Zentrumsfraktion gebracht. Seine Bemühungen um den Posten des Landrats im Kreise Münster und später im Kreise Tecklenburg blieben erfolglos; da damals (und noch bis zum Ende des 19. Jh.) von jedem preußischen Landrat der Besitz eines Gutes in seinem Kreise gefordert wurde, hatte Clemens für seine Kandidaturen zwei Scheinkäufe getätigt: Am 27.05.1864 kaufte er von seinem Bruder das Gut Maser mit der Bedingung des sofortigen Rückfalls, wenn er nicht zum Landrat des Kreises Münster gewählt werden sollte, andernfalls des Rückfalles mit seinem Tode; und am 17.06.1870 kaufte er für seine Tecklenburger Kandidatur den Hof Brachtesende, um ihn im Testament von 1872 wieder dem Fideikommiss zuzusagen.

Friedrich Wilhelm Heereman hatte durch seine Ehepakten vom 03.02.1748 (Art. 6-10) einen Fideikommiss der niederländischen Güter und Mobilkapitalien und der noch zu erwerbenden Güter gestiftet und zur Bedingung stiftsmäßige Ehe des Anwärters gemacht; bei Fehlen eines männlichen Trägers des Namens Heereman sollte der Besitz unter den Töchtern aufgeteilt werden. Da sich aber mit der Zeit die Besitzverhältnisse der liegenden Güter wie auch infolge der französischen Revolution die der Rentenpapiere vollkommen verschoben hatte, erwies sich eine Neubegründung des Fideikommisses als notwendig, wie sie dann durch den Familienschluss vom 15.04.1887 zustande kamen. Hiernach wurde in Erweiterung der Stiftung von 1748 als Bedingung der Fideikommissfolge außer stiftsmäßiger auch katholische Ehe gefordert und im Gegensatz zu 1748 nur ein Teil der Güter in den Fideikommissverband aufgenommen; auch eine Veränderung in der Zusammensetzung des Fideikommissbestandes wurde zugelassen, sofern nur der Gesamtwert erhalten bliebe. Aufgenommen wurden in den Fideikommissverband die Güter Nevinghof, Surenburg und Wienburg als älteste Erwerbungen sowie der Schulzenhof Delsen und der Alte und Neue Heeremansche Hof zu Münster; dazu noch die Sammlung alter Familienbilder.

Im Laufe der Zeit sind von der Familie Heereman drei Familienstiftungen gegründet worden:

Aus der "Freiherrlich Heeremanschen Familienstiftung", die Anna Wilhelmina von Nagel geb. Heereman in ihrem Testament vom 16.12.1829 begründete und die nach ihrem Tode 1834 in Wirksamjeit trat, sollten unverheiratete Töchter der Familie von ihrem 14. Lebensjahre an eine jährlich Leibrente erhalten; die Stifterin hatte zwei solche Pfründe vorgesehen, die nach ihrem Willen zunächst Wilhelmine ( + 1858) und Antoinette (+ 1866) anstelle von Therese innehatten; beim Fehlen von Anwärtern sollte das Zinskapital zur Begründung einer dritten und vierten Pfründe angelegt werden.

Eine entsprechende Stiftung für nachgeborene Söhne begründete Clemens August, der Fideikommissherr, anlässlich seiner silbernen Hochzeit am 15.10.1917, nachdem bereits sein Vater Maximilian Friedrich 1878 eine derartige Stiftung geplant hatte. Die Stiftungsurkunde und sämtliche Unterlagen sind durch Fliegerbombeneinwirkung verloren gegangen. Die Stiftung soll bisher noch niemals wirksam geworden sein.

Eine dritte Stiftung, die St. Antoniusstiftung, dient milden, insbesondere katholisch-kirchlichen Zwecken nach freiem Ermessen des verwaltenden Fideikommissherrn, ohne Festlegung des Kapitals; nur ein vom Fideikommissbesitzer zu bestimmender Teil sollte für die Verehrung der hl. Maria und des hl. Antonius verwendet werden. Sie wurde durch den Abgeordneten Clemens Heereman mit Testament vom 11.05.1901 (Abschn. 7) begründet auf der Grundlage von 30.000 Mark und am 21.04.1903 verkündet. Nach der Inflation ist sie aufgewertet worden.

An milden Stiftungen der Familie Heereman ist noch die 1918 durch den Fideikommissbesitzer Clemens Heereman geschaffene freie Krankenstelle im Krankenhause zu Riesenbeck zu erwähnen, sowie Seelenmessen und Gebete zu Elte und Riesenbeck. In diesem Zusammenhang sei auch darauf verwiesen, dass das St. Georgsstift zu Thuine bei Freren, ein Rettungshaus für verwahrloste katholische Kinder und Krankenhaus, sowie das Nikolausstift zu Norddeurningen bei Denekamp (Provinz Overijssel Niederlande), für dessen Fundation 1875 das Gut Norddeurningen gekauft wurde, der Familie Heereman gehören. Während des Kulturkampfes unterstützte Max Friedrich die Franziskanerinnen; indem er 1872 das von diesem 1855 erworbene ehemalige Kloster Carthaus Kr. Trier und deren Stadtgrundstück in Trier kaufte, weil dieser Besitz durch die preußische Kulturkampfgesetzgebung gefährdet war, und diese 1885 an den Franziskanerinnenorden zu Geldern verkaufte.

Das landtagsfähige Haus Surenburg ist seit der zweiten Hälfte des 15. Jh. nachweisbar als Besitz der zuerst 1274 als grundgesessen im Kreise genannten Familie von Langen aus dem vermutlich aus Westbevern stammenden Geschlechte mit den fünf Rauten im Wappen. 1274 bis 1297 erscheint Alexander von Langen als Besitzer des Hofes Westergo (Grotemeier zu Bergeshövede), 1358 Herbert von Langen als Pfandherr des Kottens Bornholte; vor 1402 kaufte Hermann von Langen, Lamberts Bruder, vom Kloster Iburg einen Anteil am Wellinghof, 1436 Egbert von Langen den ganzen Hof. Seit 1411 sind sie als Träger des Iburgischen Lehens, des Kottens Richterdinck zu Bergeshövede, nachweisbar. Seit dem Ende des 15. Jh. endlich erscheinen sie als Besitzer der Surenborch, deren Anfänge dunkel sind [Erste Erwähnung in unseren Urkunden 1474 (Nr. 51); die Behauptung Brenneckes (Bau- und Kunstdenkmäler Kr. Tecklenburg, S. 89), die Surenburg gehöre seit 1436 den Langen, ist unbewiesen]. Darpe vermutet (Westf. Zeitschrift, Bd. 38, S. 105), dass unter den Bauernhöfen, aus denen der Surenburgische Landbesitz zusammengewachsen sei, sich ein Suermanserbe befunden habe, nach dem der Name Surenburg gebildet sei [Eine andere, ebensowenig beweisbare Vermutung ist, dass der Name irgendwie mit dem in unseren Urkunden um 1447 mehrfach genannten (Pfarrarchiv Bevergern Nr. 7, Archiv Surenburg Nr. 44) Hermann (van Borchorst gnt.) de Zuere zusammenhängt. Eine dritte Vermutung ist, dass die etwa zur gleichen Zeit wie Haus Surenburg Ende 15. Jh. auftauchende Surenwiese, die wohl auf suern Erdboden verweisen soll, dem Hause den Namen gegeben hat]. In der Erbteilung der Söhne Lamberts des Jüngeren, Diderich und Ludwig von Langen, vom 04.06.1504 erhält Diderich die Häuser zu Rheine und Münster sowie Kotten und Ländereien in den Ksp. Rheine, Salzbergen, Mesum, Saerbeck und Greven, Ludwig dagegen die Surenburg mit der Surenwiese usw., die Häuser in Riesenbeck und Bevergern und Kotten und Ländereien im Ksp. Riesenbeck und in den gräflich-tecklenburgischen Ksp. Lengerich auf der Wallage und Schapen. Als die Surenburgische Linie mit Ludwig von Langen 1612 im Mannesstamme ausstirbt, erbt der Gatte der Erbtochter Judith, Georg Freiherr von Münster zu Meinhövel, den Besitz. In den letzten Jahren Ludwigs, etwa seit 1604, war Michael von Langen, Vikar an St. Johann zu Osnabrück, Kurator des Gutes gewesen. Als sich das Geschlecht Münster 1773 in die drei Linien Münster-Langelage Freiherrn von Oer, Münster-Meinhövel Freiherrn von Schade und Münster Ledebur Freiherrn von Grotthaus teilt, gelangt Surenburg an Ludwig Grafen zu Münster-Langelage, der es aber 1786 an Carl Heinrich Heereman verkauft.

Eine ausführliche Besitzgeschichte des Hauses Surenburg hätte die Geschichte der Erwerbung und den Umfang der einzelnen Gerechtsame, der abhängigen Höfe und der Acker-, Wiesen- und Waldstücke, der Anteile an der gemeinen Mark und die Beziehungen zu den umliegenden Grundbesitzern und Eigentümern von Gerechtsamen darzulegen und den Schicksalen der einzelnen Pertinenzien nachzugehen. Im Rahmen dieser Einführung kann es sich nur darum handeln, einen statistischen Überblick über die Besitzverhältnisse an den abhängigen Höfen, Kotten und Heuerhäusern zu den durch die Quellen gegebenen Zeitpunkten zu bieten und diese zeitlichen Querschnitte durch historische Verbindungslinien in Beziehung zueinander zu setzen.[Die wichtigsten Quellen aus dem Surenburger Archiv sind:

1) Urkunde vom 4. Juni 1504 betr. Teilung des Langenschen Besitzes zwischen den Brüdern Ludwig auf Surenburg und Dietrich (Surenburger Kopiar S. 19)

2) Lagerbuch des Georg Heinrich von Münster zur Surenburg, angelegt 1692 (S. VII 1)

3) Prästations- und Rentenhebebuch 1724 ff., 2 Bde. (S. IV 339)

4) Prästationsverzeichnis um 1775 (in S VII 7)

5) Hofsprachprotokollbuch, angelegt 1786 anlässlich der Übernahme des Gutes durch Carl Heinrich Heereman (S VII 3)

6) Kopie einer zum Hypothekenbuche beim Gerichte Bevergern eingereichten Aufstellung der Pertinenzien des Gutes Surenburg 1805 ( S I 1)

7) Grundstücksverzeichnis des Hauses Surenburg 2. H. 19. Jh. (S I 1)

8) Heberegister der Rentei Surenburg 1803-1883 (S IV 340-346), insbesondere Bd. 3 1840-1858 betr. Ablösungen (S IV 342)

9) Die Heuerleute zu Surenburg 1786-1892 ( S VII 15)

10) Eigenbehörige und Pächter des Hauses Surenburg, 4 Bde., 16.-19. Jh. (S. VII 5)].

Unter den abhängigen Höfen sind zwei Gruppen zu unterscheiden, die verschiedenen rechtlichen Stand hatten und auch eine verschiedene Entwicklung genommen haben: die Eigenbehörigen, die im Anfang des 19. Jh. zu freien Vollpächtern wurden, gegen Mitte des 19. Jh. ihr Abhängigkeitsverhältnis und ihre Lasten durch Geld ablösten und jetzt zumeist als freie Bauern ihre Höfe bewirtschaften, und die Hovesäter oder Hovesaatskötter, die auf dem das Schloss umgebenden und in Eigenwirtschaft stehenden Lande in kleinen Häusern angesetzt waren und noch heute als Heuerleute (Heuerlinge) in Abhängigkeit vom Gute stehen. Während die Eigenbehörigen mit wenigen besonders bedingten Ausnahmen leibeigen waren, woraus ihre Abgaben bei Sterbfällen, Hofbesitzerwechsel (Gewinngeld usw.) herrührten, aber ihren Hof erblich und in eigener Wirtschaft besaßen, wofür sie Natural- und Geldpächte sowie Hand- und Spanndienste zu leisten hatten, waren die Hovesäter freie Leute, die aber nur in Zeitpacht in die Hovesaathäuser, zu denen meist ein kleines Gärtchen und ein kleines Stück Land gehörte, gesetzt waren und dafür in Geld ihre "Heuer" zahlten[S. a. Cl. Klessing, Beiträge zur Geschichte der Eigenbehörigen im Hochstift Münster 1907, der aber in seinen Beispielgütern Harkotten und Lüdinghausen keine Sonderstellung der Hovesäter feststellen kann]. Bei den Eigenbehörigenhöfen unterschied man - ohne dass damit rechtliche Unterschiede verbunden gewesen wären - verschiedene Größen, die in Surenburg bezeichnet wurden als: volle Erbe (Besitzer: "Zeller", im 19, Jh. "Kolonen" genannt), halbe Erbe, Pferdekotten, Kotten (Besitzer: "Kötter"), Brinksitzer und Dörfer (diese letzteren besaßen nur Haus mit oder ohne Garten im Dorfe, waren aber ebenfalls leibeigen, erblich und pachtpflichtig). Die Erblichkeit der Eigenbehörigenhöfe brachte es mit sich, dass sich die Hofname, vielfach seit dem Hochmittelalter, unverändert bis heute erhalten und auch sehr häufig die Familiennamen der Inhaber verdrängt haben, während die auf Zeit verheuerten Hovesaatkotten mit jedem neuen Inhaber ihren Namen änderten, was für die Rekonstruktion ihrer Geschichte eine große Erschwerung bedeutet. Da die Hovesaatkotten erst gegen Ende des 18. Jh. auftauchen, sei zunächst nur die Geschichte der Eigenbehörigenhöfe betrachtet.

Den ältesten Besitzstand des Gutes Surenburg gibt die nur abschriftlich erhaltene Urkunde über die Erbteilung der Söhne Lamberts (+1502) von 1504, wonach Dietrich, wohl der ältere Bruder, die Höfe in den Ksp. Rheine, Salzbergen, Mesum, Saerbeck und Greven erhielt, von denen augenscheinlich keiner mit den später dort befindlichen Höfen Haus Surenburg zu identifizieren ist, während Ludwig mit der Surenburg außer einigen im Auslande, nämlich im gräflich-tecklenburgischen Amte Lingen (Ksp. Lengerich i. H. und Schapen), gelegenen Höfen folgende Höfe im Ksp. Riesenbeck zugesprochen bekam:

1.) Wellinghof Bsch. Bergeshövede (später auch Wellingmeier, jetzt verpachtet an Westermann), ein volles Erbe; zwischen 1074 und 1088 übertrug ihn der Edle Wal zu Riesenbeck an das Kloster Iburg, von dem ihn Lambert von Langen abkaufen ließ (Urk. Nr. 42/43). Seit dieser Zeit hat er ununterbrochen zum Gute Surenburg gehört und ist mithin das älteste nachweisbare unter den heutigen Pertinenzien des Gutes. 1504 wird noch eine auf der Mark gelegene Hausstätte, also wohl ein Heuerhaus des Hofes erwähnt. 1692 wird der Hof als wüst, d. h. unbesetzt bezeichnet; einen Teil des Landes hatte der Gutsherr in Bewirtschaftung übernommen. Land des Wellinghofes, ebenso wie des Kleimeyers- und des Möllers-Erbes, war Ende des 17. Jh. an verschiedene "Dörfer" zu Riesenbeck als Anpächter verpachtet. Den Besitzstand des Hofes um 1772 gibt eine im Archiv befindliche Flurkarte von E. Brockmann. 1786 wird der Inhaber, der Zeller Bernd Wellingmeier, als "nicht leibeigen" bezeichnet.

2.) Alte Bornholt Bsch. Lage, Kotten, wurde 1358 durch Herbert von Langen und seine Schwester Agnes Vincke von Johann von Lage (aus dem aus der dortigen Bauerschaft Lage stammenden Geschlechte) erworben (Urk. Nr. 40); Ablösung 1850.

3.) Richter zu Bergeshövede, ein volles Erbe, war Lehen des Klosters Iburg und spätestens seit 1411 im Lehnbesitze derer von Langen als Lehnsträger. 1790 erwarb es der damalige Surenburger Gutsherr vom Kloster Iburg zu vollem Eigentum. Ablösung 1851.

4.) Der Düvelskotten Bsch. Lage (später auch Kamphaus genannt, heute Grieskamp genannt), ein Kotten, wurde 1447 durch Lambert von Langen von Hermann von Borchorst genannt de Zuer erworben (Urk. Nr. 44). Die Ablösung wurde 1851 vereinbart.

5.) Der Achterarendskotten Bsch. Lage (später Achterhaus, Achtermerten, heute Achtermann), ein halbes Erbe, war 1475 durch Lambert von Langen von der Riesenbecker Kirche erworben worden (Urk. Nr. 52), die ihm 1461 Hinz von Werde gekauft hatte (Urk. Nr. 47). Ablösung 1851 - Das Erbe ist also, ebenso wie die vier vorangehenden schon vor der ersten Erwähnung der Surenburg im Besitze der Familie von Langen.

6.) Kemmerinck (Kemmersjohann, Kemmerjürgen, heute Kemmermann) Bsch. Bergeshövede, ein Kotten, soll nach Angabe des Lagerbuches von 1692 früher zur Hovesaat gehört haben, eine Behauptung, die allerdings dem Zustande von 1504, wie er in der Urkunde festgehalten ist, widerspricht. Ablösung 1851.

7.) Molner Bsch. Bergeshövede (Möller, Mollering, heute Möller), ein volles Erbe, war Ende des 17 Jh. und Anfang des 18. Jh. wüst und wurde 1723 wieder ausgegeben (an Heinrich Hagemann). Ablösung 1851.

8.) Stertkotten Bsch. Bergeshövede (auch Sterthaus, Stertemeier), ein Kotten. Ablösung 1851.

9.) Remmekenerbe Bsch. Birgte (Remsmann, jetzt Remmesmann), volles Erbe; Ablösung 1851.

10.) (Junge) Bornholt Bsch. Lage, ein halbes Erbe; Ablösung 1852. Um 1786 war Heuersmann von Junge Bornholt Johann Henrich Rudschilling, der 1788 das Erbe als Zeller erhält, ohne seinen freien Stand zu verlieren.

11.) Middendorf Bsch. Lage, volles Erbe. Der Inhaber war Ende des 17. Jh. in Konkurs geraten. Ablösung 1851.

12.) Averbeck oder Kleymeyer (Kleyhof) Bsch. Lage, Kotten, ein gräflich-bronckhorstisches, dann bischöflich-münsterisches Lehen ist vermutlich identisch mit dem in der Urk. von 1504 genannten Overberges Erbe. Seit 1579 ist die Belehnung der Langen jedoch erst urkundlich nachweisbar, sodass die Identität dadurch nicht gestützt wird. Der Hof Kleymeyer befindet sich noch heute im Besitze des Gutes Surenburg (jetziger Pächter Lemmers).

Als weitere Höfe im Ksp. Riesenbeck nennt die Urkunde von 1504 noch folgende, die jedoch mit keinem der 1692 aufgezählten gleichzusetzen, daher vermutlich bereits vorher wieder veräußert worden sind: Erbe ter Oven, Smeringes Erbe, Wechus, Beverhus, Wennemerinck (das Erbe Werninck, das 1504 erworben wurde, liegt in der Bsch. Rodde) und Niehoff.

Nicht in der Urkunde genannt, aber bald nach der Erbteilung erworben sind folgende Höfe:

13.) Richter Bsch. Elte (heute Richter), volles Erbe, kam 1451 zusammen mit Walterdinck zu Elte von Everd von Merveldt durch Kauf an seinen Schwager Lambert von Langen (Urk. Nr. 45), der es augenscheinlich seiner Ehefrau Hilleberg vermacht hat; von dieser kaufte es kurz nach der Erbteilung 1504 Ludwig von Langen (Urk. Nr. 64). Ablösung 1851.

14.) Walter (Walterdinck) Bsch. Elte (heute Walter), volles Erbe, war mit Richter zu Elte zusammen an Lambert von Langen 1451 gelangt, der es eine Zeit lang (1472/73) seinem Bruder Bernd überließ (Urk. Nr. 49/50). Ablösung 1851.

15.) Post Bsch. Eschendorf (heute Post), volles Erbe, hatte Hilleberg, Lamberts von Langen Witwe, 1504 zusammen mit Werninck zu Rodde und Richter zu Elte ihrem Sohne Ludwig verkauft (Urk. Nr. 64). Ablösung 1851.

16.) Werninck Bsch. Rodde, volles Erbe, 1504 zusammen mit Post zu Eschendorf von Ludwig von Langen gekauft. Ablösung 1850.

17. Hilbert (Hilberdink) Bsch. Veltrup (heute Hilbert), volles Erbe, hatte 1545 Ludwigs von Langen Witwe Catharina aus dem Nachlass des Osnabrücker Domherrn Claus Cappel geerbt, dem der Hof nach seines Bruders Johann Cappel Tode zugefallen war (Urk. Nr. 69). Ablösung 1852.

18. Ein altes Zubehör zum Gute Surenburg war der sog. Craßhof oder Crachthof (auch Burglehen zu Bevergern genannt), wohl ehemals ein zur Burg Bevergern gehöriger Burgmannenhof, der hinter der Pfarrkirche lag und bei dem großen Brande von 1562 eingeäschert worden sein soll; er war bischöflich-münsterisches Burglehen, das nachweislich seit 1510 (Surenburger Kopiar S. 5) die von Langen zur Surenburg zu Lehen trugen. Nach dem genannten Stadtbrande gestattete Ludwig von Langen den obdachlosen Bürgern von Bevergern, auf dem seit 1562 freien Platze sich Häuser zu zimmern - 1692 werden 11 Häuser, darunter das des Trompeters aufgezählt -, wofür sie an Surenburg Stättegeld zu geben hatten, das erst in der zweiten Hälfte des 19 Jh. allmählich abgelöst wurde. 1805 erfolgte die letzte Verlehnung an den Surenburger Gutsherrn. Aus dem Vergleich zwischen Rolf Schlade gnt. Lüttickhaus und Langen von Münster vom 07.02.1665 in dem Rolf auf seine Ansprüche auf das Burglehen verzichtet, erfahren wir, dass der Burghof einst von Lubbert von Wischell an Johann Cracht d. J. vererbt worden sei (S. VII 5 Crasshof). Zum Crasshof gingen wohl auch die Pächte, die die Eigenbehörigen der bischöflich-münsterischen Hofkammer, Schulte zu Hörstel und Schulte-Laver (Leugers) Bsch. Hörstel, zu zahlen hatten und die Ludwig von Langen um 1515 von Johann Cracht d. J. zu Lingen gekauft hatte (Urk. Nr. 94). Diese Pächte wurden 1813 abgelöst.

Das Lagerbuch von 1692 führt neben den obigen Höfen (mit Ausnahme des Crasshofes) noch die folgenden an:

Die Erben:

19.) Vosshake Ksp. Hopsten wird 1775 noch genannt, scheint also zwischen 1775 und 1786 veräußert worden zu sein. Besitz zu Hopsten soll bereits unter der Langen verkauft worden sein.

20.) Funke Bsch. Lage (heute Funke), halbes Erbe. Ablösung 1827.

21.) Ebbeler Bsch. Birgte (heute Ebbeler), halbes Erbe. Ablösung 1851.

Die Kotten:

22.) Kloth, Bsch. Lage (heute Kloth, jetziger Besitzer von Lay-Gaarmann). Ablösung 1852. Der Kotten war wie Averbeck bronckhorstisches, dann münsterisches Lehen (S. VII 5 Crasshof).

23.) Layer Schmid (Lagerschmidt, Schmied auf der Lagerheide, später Wielage) Bsch. Lage. Ablösung 1857.

24.) Bergkotten (Bergjohan, Bergmeier zu Brummelei), Bsch. Birgte (heute Bergmeier).

25.) Schreuenbernt Bsch. Lage (heute Schreue-Wernsmann). Ablösung 1854.

26.)Winkelmann (Winckeljohan), Bsch. Veltrup (heute Winkelmann). Ablösung 1852.

Die Brinksitzer zu Elte:

27.)Hahr Albert (1692), der wohl mit Albert Bsch. Elte (1786) identisch ist; bis 1825 hatte der Brinksitzer Albert zusammen mit den anderen Brinksitzern Brinck, Rohlmann und Kerckering den Botendienst nach Burgsteinfurt zu besorgen. Ablösung 1854.

28.)Brinck; Botendienst wie Albert bis 1825. Bis 1851 nachweisbar.

29.)Rohlmann oder Rolf (Roloff Bernd), später und noch heute: Hesping Bsch. Elte; Botendienst wie Albert bis 1825. Ablösung 1851.

30.)Johannes Schulte.

31.)Westermann im Boekeler Berg (auch Bergotto, Bergmann, Bergmeyer).

Die "Dörfer" ("Dörpers") in den Häusern im Dorfe Riesenbeck:

32.) Hillebrand (Anfang 19. Jh. Hillebrand oder Brüggemeier gnt. Westmöller); seit 1867 besaß das Haus die Witwe Brinkmann, die bis 1881 nachweisbar ist.

33.) Schraer oder Schröer. Ablösung 1858.

34.) Bücker (identisch mit Bödcker 1692 ?); noch 1861 nachweisbar.

35.) Bohne. Ablösung 1862.

36.) Vossbernt (später Rötger); nachweisbar noch 1861.

37.) Beckehinrich; 1775 nicht mehr nachweisbar.

38.) Hesping (später Rötger); nachweisbar bis 1861.

39.) Berghaus Johann (1692), wohl identisch mit Brinkhues Bernd (1724; später Vogtjohan, dann Grewe) der 1857 ablöst.

40.) Nelken Bernd.

41.) Konerman Heinrich.

42.) Kostersliese.

43.) Heinrich Koster jun.

Gegen Ende des 18. Jh. kamen dazu noch folgende Höfe:

44.) Das Erbe Wiesmann Dorfbsch. Saerbeck (heute Segbert), das 1800 neu besetzt wurde mit Otto Hermeler aus Veltrup. Ablösung 1843.

45.) Der Kotten Bergmann (Bergmeyer) Bsch. Elte, zuerst gen. 1786, Ablösung 1850.

46.) Der Brinksitzer Kerckering Bsch. Elte (heute Kerkering), der bis 1825 zusammen mit den Brinksitzern Albert, Brinck und Rohlmann den Botendienst nach Burgsteinfurt versah; zuerst genannt 1775. Ablösung 1839.

Die "Dörfer" in Riesenbeck:

47.) Schmidt Winninghof, seit 1775 nachweisbar; er besaß 1786 ein Haus ohne Garten in Riesenbeck und war nicht leibeigen.

48.) Hünemeyer (seit 1803 Brüning), der 1786 nicht leibeigen war und unter dem Namen Brüning bis 1861 nachweisbar ist; er hatte eines der drei Häuser am Kirchhof zu Riesenbeck in Erbpacht.

49.) Stegeman, der 1786 nicht leibeigen war und 1852 ablöste; er hatte das zweite Haus am Kirchhof zu Riesenbeck.

50.) Heilers, der seit 1801 als Erbpächter des dritten Hauses am Kirchhof erscheint.

51.) Huesmann gnt. Auleke, zuerst vezeichnet 1775; bis 1801 saß darauf der Kolon Schulte, nach dessen heimlichem Wegzug nach Hopsten - er war leibeigen - kam das Haus an Joseph Keller, unter dessen Namen es bis 1858 nachweisbar ist.

52.) Verlage wird zuerst 1786 als leibeigener Dörfer genannt. Ablösung 1856.

Das 19. Jh. brachte noch folgende Erwerbungen durch die Familie Heereman:

53.) Domanialwindmühle auf dem Klei zu Bevergern (Kleimühle) Bsch. Bergeshövede wurde 1820 durch Matthias Heereman ersteigert; sie befindet sich noch heute im Besitze des Gutsherrn von Surenburg.

54.) Der Schulzenhof zu Birgte Brachtesende, ein bedeutender und alter Hof, kam infolge Konkurses des Schulten Brachtesende durch Zwangsversteigerung 1850 in Heeremansche Hände; er gehört noch zum Gut als größter Hof, der sogar einen Heuermann als Unterpächter hat (Lindenschmid, jetzt Sandschulte). Einige ältere Akten des Hofes über Rechtsstreitigkeiten sind in das Surenburger Archiv gelangt (S. VII 22-25, S IX 5-7 und S XI 3).

55.) Den Hagemannskotten Bsch. Hörstel (heute Hof Hagemann) erwarb der Freiherr Heereman 1856 durch Versteigerung, verkaufte ihn aber bereits 1865 an den Zimmermann Hagemann und die Kolonen Löchte und Hebrocker.

56.) Das Muckenkolonat Bsch, Middendorf Ksp. Saerbeck erwarb der Frhr. Heereman 1857 durch Versteigerung von den Kolonen Mucke, dem 2/3 , und Greiling, dem 1/3 Anteil gehört hatte.

57.) Den Michelskotten Bsch. Hörstel, den Frhr. Heereman am 9. September 1868 vom Kolonen Michel ersteigert hatte, verkaufte er bereits wieder am 22. September 1868 an Josef Krumpelmann.

58./59.) Das Hölkenkolonat Dorfbsch. Greven, das Frhr. Heereman 1865 vom Ackermann Peter Lücke gnt. Hölke käuflich erworben hatte, - dieser hatte es 1862 vom Kolonen Hölke ersteigert - und das Kolonat Kettrup Bsch. Westladbergen Ksp. Saerbeck, das er 1876 vom Kolonen Joseph Hagemann gnt. Kettrup gekauft hatte, sind Ende des 19. Jh. zu einer Pachtung unter einem gemeinsamen Pächter zusammengefasst worden.

60.) Schließlich wurde am 10.04.1876 von den Erben des Dr. med. Verlage das Haus Verlage in Riesenbeck (jetzt Wohnhaus des Artzes Dr. Hallauer) erworben, das noch zum Besitze gehört. Der Arzt Dr.Verlage hatte es nach 1833 anstelle einer Scheune in dem ehemaligen Theissenschen Garten erbaut, der seit 1733 vom Pastorat von Riesenbeckin Erbpacht ausgegeben wurde und den Verlage 1833 von seinem Schwiegervater geerbt hatte; der Erbpachtkanon blieb darauf nachweislich bis 1883 stehen.

Während im Lagerbuche von 1692 die Hovesaat des Gutes, die aus Säland, Weideland, Garten, Wiesen und Gehölz bestehe, angeführt ist, ohne dass dortiger Kotten Erwähnung geschieht, und auch das Prästationshebebuch von 1724 ff. noch keinen der späteren Hovesaatkötter verzeichnet, treten sie in den Hofsprachprotokollen von 1786 bereits als geschlossene Gruppe von Leuten freien Standes, die gesondert vernommen wird, den Eigenbehörigen gegenüber und ein Verzeichnis der Wohnhäuser auf der Hovesaat von demselben Jahre (in S VII 15) ergänzt die Protokolle durch Beschreibung der Wohnungen. Nach dem Protokoll gab es 1786 folgende Hovesaatkötter:

1.) Johann Hermann Lottmeyer auf dem Porthove (Porthaus), dessen Nachfolger vor 1803 B. H. Rohlmann, wohl ein Sohn aus dem benachbarten Kotten hinter dem Heidhorn, wurde [Nach dem Heuerquittungsbuch des jetzigen Heuerlings Niehoff 1803

ff.]. Um 1870 folgte die jetzige Heuerfamilie Niehoff gnt. Rohlmann. Als "Portkötter", d. h. Kötter am Schlosstor, war er für Öffnen und Schließen des Tores verantwortlich. Als Sonderdienst des Lottmeyer war 1786 das Kneten zum Backen festgelegt.

2.) Bernd Heinrich Rohlmann im Hause hinter dem Heidhorn, ein Freigelassener, dessen Nachfolge nach 1803 der 1820 aufgeführte Terhaer antrat; diesem folgte Eggelmeier gnt. Terhaer, die jetzt Echelmeyer genannte Heuerlingfamilie. Als Sonderdienst des Rohlmann, wie auch Middendorfs, Driemeyers und Christian Wienkers, wird 1786 das Hüten der herrschaftlichen Gänse angegeben.

3.) Christian Wienker in einem der Gänsehäuser; Nachfolger wurde um 1815 die jetzige Heuerfamilie Hülsmann.

4.) Berndhove im Heuerhaus auf der Schäferei; vermutlich ist sein Nachfolger der 1803 ( S IV 340) genannte J. B. Berghaus, dem Schürmann und nach 1858 die Heuerfamilie Bücker folgten, um 1882 heiratet die jetzige Heuerfamilie Ölgemöller ein.

5.) Bernd Albering (Alberding) im Heuerhaus auf der Schäferei, ein aus Greven stammender Freigelassener; 1818 wird der Inhaber Bennemann gnt. Alberding aufgeführt; um 1860 erscheint Funke gnt. Alberding, der jedoch Ende des 19. Jh. den damaligen Bäumerskotten übernimmt; ihm folgt Sprick, der um 1900 durch den jetzigen Kötter Dahlhoff ersetzt wird.

6.) Bernd Walter in einem Heuerhaus auf der Schäferei, ein Freigelassener. Etwa von 1860-1891 erscheint eine Familie Clemens Wienker gnt. Walter, der um 1897 Bäumer folgt. Den Bäumerskotten bezog bald darauf Funke gnt. Alberding, der vor einigen Jahren abzog und durch den jetzigen Beckemeyer ersetzt wurde.

7.) Johann Gerd Geise (Geese) im Hause auf der Lage zum Sande, an dessen Stelle 1803 J. A. Gehling getreten ist; diesem folgt bis etwa 1818 Johann Bernd Forstmann und 1820 Berning. Seit 1871 ist der Inhaber Heilemann. Nach 1882 ist der Heilemannskotten (gegenüber der jetzigen Försterei) eingegangen.

8.) Johann Hermann Middendorff in einem der Gänsehäuser, der noch leibeigen war, während seine Frau frei war. Zusammen mit den Heuerlingen Ebbeler und Osterbrink erscheint diese Familie später auf dem 1834 durch Frhrn. Heereman im Tausch von den Eheleuten Spicker erworbenen Spickerskotten, der jetzt verschwunden ist.

9.) Conrad Driemeyer in einem der Gänsehäuser, dessen Nachfolger um 1803 Jorgen Brunswick ist; bis 1876 lässt sich die Familie Brunswig (später Berghaus gnt. Brunswig) nachweisen, die zusammen mit Knapmeyer in einem Doppelwohnhaus wohnte. Nachfolger im Kotten wurde Schnellenberg, der anstelle des verfallenen Doppelwohnhauses ein Einfamilienhaus baute, und schließlich der jetzige Kötter Hoppe.

10.) Bernd Post in einem der Gänsehäuser, dessen Nachfolger um 1803 A. Knapmeyer ist. Bis 1891 lässt sich diese Familie auf dem jetzt verschwundenen Knapmeyerkotten nachweisen; sie wohnte zusammen mit Brunswig, dann mit Schnellenberg in einem Doppelwohnhaus.

11.) J. Bernd Wienker in einem Heuerhaus auf der Schäferei; nach 1891 ist die jetzige Heuerlingsfamilie Nienkemper gefolgt.

12.) Bernd Funke tritt ebenfalls in dem Hofsprachprotokoll von 1786 als Hovesäter auf. Seit etwa 1817 erscheint an seiner Stelle Christian Wienker, seit 1860 Wienker gnt. Funke oder Funke gnt. Wienker bezeichnet und so bis etwa 1882 nachweisbar.

13.) Die Hovesäter Bücker und Antrup hatten das halbe Brauhaus inne; die Familie Bücker tritt noch bis 1858 auf.

14.) Während die bisher genannten Hovesäterkotten, soweit sie noch bestehen, an zwei Punkten längs der Straße nach Emsdetten (an der "Gauserie", den alten Gänsehäusern, hinter Heidhorn) und am Surenburger Wege (auf der alten Schäferei) zusammenliegen, befindet sich das Heuerhaus Carlsburg etwas außerhalb der eigentlichen Hovesaat und bereits im Gebiet der Gemeinde Elte. Die seit 1818 dort nachweisbaren Heuerlinge Klaustermann (bis 1893) und Grote, der 1844 von Tappe - dieser seit 1893 alleiniger Pächter - abgelöst wird, gehören nicht mehr eigentlich zu den Hovesätern im alten Sinne.

15.-17.) Ebenfalls jüngere Kotten, aber auf dem Gebiete der alten Hovesaat, sind: der Bückerkotten (das frühere Försterhaus), die Rentei (1924 als Kotten für den Rentmeister geschaffen) und die jetzige Försterei (1938 erbaut und als Kotten eingerichtet, die aber ihrem Charakter nach den alten Hovesäterkotten entsprechen).

18.) Aus welcher Zeit der jetzige Schäferskotten stammt, dessen Inhaber in einem Doppelhaus zusammen mit Dahlhoff (Alberding) wohnt und zu Vorgängern Pruß, dann Schipmann hat, ließ sich nicht ermitteln.

19.) Ebenso unklar bleibt die Herkunft des Fischerskottens (am Saerbecker Damm), der Mitte des 19. Jh. schon in Verfall geraten zu sein scheint.

Dass die Surenburger Linie der Familie Münster noch weiteren, nicht zum Hause Surenburg gehörigen Besitz hatte, über den das Lagerbuch von 1692 genaue Auskunft gibt, sei nur kurz erwähnt. Der Besitz in Overijssel, Geldern und in der Twente war z. T. durch die Familie von Coevorden, aus der die Gattin Ludwigs von Langen, Johann von Coevorden, stammte, an die von Langen gelangt. Die gräflich-bentheimischen Lehen, die beiden Erbe Hassing (Ende 17. Jh. abgebrannt) und Brinckmann Ksp. Nordhorn Bsch. Hesepe, waren nach dem Tode Heinrichs von Münster Herrn zu Ruinen an dessen Bruderssohn Langen von Münster zur Surenburg gelangt, der sie in langwierigem Lehnsprozess vor dem bentheimischen Gericht behaupten konnte, aber bis zum Aussterben der Linie Münster-Meinhövel (1693) zugleich für diese zu Lehen trug. Auch in der Stadt Münster besaßen sie ein Haus. Diese Besitzungen sind 1786 nicht in den Verkauf des Gutes Surenburg eingeschlossen worden. Ebenso sind die Familienpapiere der Surenburger Linie Münster und ihrer Vorgänger, der Langen von Surenburg, nicht an die Käufer des Gutes gelangt. Surenburg war für den letzten Besitzer aus dem Hause Münster nur noch ein gleichgültiger Nebenbesitz, wie für die letzten Herding in Mannheim ihre münsterischen Güter.

Die großen münsterischen Güter der Familie Heereman hatten, mit Ausnahme von Wienburg, alle einmal zu verschiedenen Zeiten der reichen münsterischen Erbmännerfamilie Travelmann gehört; da Grevinghof jedoch bereits Mitte des 16. Jh. an die Familie von Bock überging und Nevinghof nur von 1575 bis 1629 der Travelmannschen Linie Ebbeling gehört hat, geht die hiesige archivalische Überlieferung der Familie Travelmann lediglich auf die beiden Güter Maser und Hiltrup zurück und ist uns durch ihre dortigen Nachfolger, die von Herding überkommen. Ob sich weitere Travelmannsche Akten von dem inzwischen verbauerten Gute Bellering Ksp. Laer Kr. Steinfurt, auf dem die Travelmannsche Linie, der Maser und Hiltrup gehörte, ihren Sitz nahm - nachdem sie es 1575 durch die Heirat von Goddert Travelmann zu Maser mit Elisabeth von Hewen (1571) erworben hatte - und das sie erst 1718 an den Grafen Korff-Schmising zu Tatenhausen verkauft hat, noch erhalten haben, ließ sich noch nicht ermitteln [S. a. Benkert, Westf. Zeitschrift Bd. 66, S. 83 und Döhmann, Bau- und Kunstdenkmäler Kr. Steinfurt, S. 54] ; einiges auf Bellering und auch auf die dortigen Vorbesitzer von Hewen bezügliche Material, auch Urkunden, sowie Archivalien über die anderen nicht zu Maser und Hiltrup gehörigen Güter der Travelmann sind in geringem Umfange vorhanden [Danach sind die Bemerkungen Brenneckes (Inventar des Kr. Tecklenburg, S. 56) über die Heeremansche Rentei Münster zu berichtigen] .

Das landtagsfähige Haus Maser ist vermutlich der Stammsitz der dort nachweisbaren Ritterfamilie von Mase. Im 14. und 15. Jh. gehörte es dem Soester Patriziergeschlecht Vogt (Vaget) und gelangte 1523 nach einer Erbauseinandersetzung zwischen den Grevinghofer Travelman und einer anderen Linie, die bereits Mitte des 15. Jh. durch Heirat Ansprüche auf Maser erworben hatte, an die letztere, die 1575 auch Bellering erwarb und dort ihren Sitz nahm. In dem Konkurs Godderts erwarb dessen Schwiegersohn Heinrich Herding, Bürgermeister zu Münster, 1656 das Gut zusammen mit dem Hause Hiltrup. Seit dem 18. Jh. zogen sich die 1720 zu Reichsfreiherrn ernannten Herding auf ihr oberpfälzisches Gut Eschenbach und nach Mannheim zurück, von wo aus sie ihre westfälischen Besitzungen zuletzt durch die Rentmeister Lohkampf Vater und Sohn, verwalten ließen, bis sie Max Joseph 1838 an Matthias Alexander Heereman verkaufte.

Das Haus Hiltrup (später Haus Herding genannt) war ursprünglich fürstbischöfliches Lehen und ist seit 1329 als Besitz der Travelman nachweisbar. Von diesen gelangte es 1656 während des Konkurses zusammen mit Haus Maser an die Herding und teilte weiterhin das Schicksal dieses Gutes.

Die wichtigsten Gerechtigkeiten der beiden Güter waren (1830): Landtagsfähigkeit, privative Jagd und Kirchensitze zu Hiltrup beim Gute Maser sowie Plaggengerechtigkeit in der Grollenheide und Kirchensitze zu Hiltrup beim Gute Hiltrup.

Bei der Betrachtung der Hofgeschichte lässt sich eine Scheidung der Höfe nach ihrer Zugehörigkeit zu einem der beiden Güter und zum sonstigen Familienbesitz nicht durchführen [Die wichtigsten Quellen des Archivs sind:

1.) Spezifikation der Güter Gottfrids von Travelman und Elisabeth von Hewen Anfang 17. Jh. (M I 1)

2.) Pachtheberegister der Herdingschen Güter, angelegt von Elisabeth Lucretia von Herding geb. Travelman 1656 (M IV 9)

3.) Pachtheberegister der Herdingschen Güter, angelegt von Johann Gottfried Herding 1675 ( M IV 8)

4.) (Körperliche) Besitzeinweisung des Ferdinand Casimir von Herding in die Güter Maser und Hiltrup durch Notar Gerhard Heinrich Eichholtz am 9./10. und 13./14. November 1750 (in MXII 1).

5.) Hofsprachprotokolle über sämtliche westfälischen Besitzungen des Ferdinand Casimir von Herding 1787 ( M VII 1)

6.) Lagerbuch der Herdingschen Besitzungen 1813 ( M I 1)

7.) Verzeichnis der im Jahre 1816 zur Eintragung in die Hypothekenbücher angemeldeten Forderungen (Pächte) der Frfr. von Herding zu Mannheim ( in M I 4)

8.) Verzeichnis der dem Frhrn. Maximilian Joseph von Herding zu Mannheim zustehenden im Reg. Bez. Münster gelegenen Güter ..., Anl. zum Kaufvertrag vom 16. 10. 1838 ( in M XII 2, Bd. 1).

9.) Lagerbuch der Güter Maser-Hiltrup, Soest und Grevinghof, angelegt von Rentmeister Herding 1849 ( M I 5)

10.) Pachtheberegister der Rentei Münster 1839 ff., 4 Bde. (M IV 183-186)

11.) Etats (Voranschläge) der Rentei Münster, 4 Bde. 1866-1885 (M IV 187-190)

12.) Eigenbeh. Erbe und Kotten der Fam. Travelman und Herding 16.-19. Jh.] .

Wir können lediglich versuchen, den gesamten westfälischen Besitz der Frhrn. von Herding, wie er am Anfang des 19. Jh. bestand, nach seiner Herkunft aufzuteilen in die Hovesäter der beiden Güter, den alten Travelman-Belleringschen Besitz, soweit er an die Herding gelangt ist (teilweise durch den Konkurs von 1656, teilweise erst im Anfang des 18. Jh.), und den alten und jüngeren Herdingschen Besitz.

Die auf der Hovesaat des Gutes Maser angesetzten Kötter werden bereits bei der Besitzeinweisung von 1750 genannt und bei der Hofsprache 1787 sämtliche als Leute freien Standes bezeichnet:

1.) Holsenbörgerkotten (auch Lütke Holsenerbe), ein Kotten, der später dem größten Teil des Landes des vor 1813 eingegangenen, aber bis 1754 nachweisbaren Erbes Lütke Holthausen Ksp. Hiltrup übernommen hat, das Bernd Droste-Hülshoff 1717 als Allod an Christoffer Travelman verkauft hatte. Der Kotten erscheint zuerst 1750 als Holtzenborg und ist 1838 an Heereman gelangt; er dient jetzt als Forsthaus.

2.) Der Krönerkotten

3.) Der Loddenborgerkotten und

4.) Der Hueskenkotten sind erst seit 1750 nachweisbar und kamen 1838 mit dem Gute Maser, zu dem sie noch gehören, an Heereman.

Die Hovesäter des Gutes Hiltrup werden ebenfalls bereits 1750 genannt; die Kötter waren 1787 freien Standes und schatzfrei:

5.) Kriegskotten (Krienskotten) gehört noch heute zum Gute Herding; er wird bereits 1728 erwähnt.

6.) Der Tepperskotten (Schmied Tepper an der Albertsheide), der 1787 genannt wird, gehörte vermutlich auch zur Hovesaat; er geht wahrscheinlich auf den Schmied Schwertfeger an der Albertswiese zurück, der i. J. 1700 von Johann Gottfried Herding das Recht zum Bau einer Schmiede und eines Kottenhauses erhält. 1750 wird dort ein Schmied Unstedden genannt. 1833 verkauft Frhr. v. Herding die Schmiede an den Schmied Johann Bernhard Lange zu Hiltrup.

Unter den eigenbehörigen Höfen war ehemaliger Besitz der Travelman auf Bellering, die ihn z. T. mit Haus Bellering von der Familie Hewen geerbt hatten:

1.) Stüving Ksp. Borghorst Bsch. Wilmesberge, ein volles Erbe, dessen Zeller 1787 eigenbehörig ist, war Lehen des Stiftes Borghorst und lässt sich als solches seit 1423 bei der Familie Hewen nachweisen (Urk. Nr. 134). Nach dem Tode von Reinhard Matthias Travelman gelangte es 1718 an Wilhelm Johann von Herding; zwischen 1816 und 1838 scheint es durch Herding abgestoßen zu sein.

2.) Minnebusch Ksp. Borghorst Bsch. Ostendorf, ein Kotten mit freiem Pächter (1787), war ein Lehen des Stiftes Metelen (Urk. Nr. 126 ff.) und gelangte 1585 durch Kauf von Christian Burse d. Ä., Bürgermeister zu Steinfurt, an Goddert Travelman zur Maser (Urk. Nr. 247). Um 1675 wird ein Unterpächter erwähnt; Anfang des 18. Jh. gelangte der Kotten von Reinhard Matthias Travelman an Herding, die es zwischen 1813 und 1838 veräußert haben.

3.) Lohman (Lohaus) Ksp. Wolbeck Bsch. Mollenbeck, ein eigenbehöriger Kotten, war Lehen der Grafen zur Lippe (nachweisbar (M VII 9) und der Familie Heereman 19. Jh. ( M VII 11), bei der Familie Travelman seit 1530( s. Urkunde Nr. 158), und gelangte im Anfang des 18. Jh. an die Herding, von denen es 1838 an Heereman gelangte. Ablösung 1851.

4.) Große Speckart und Lütke Speckart (1675 als Colonuns Speckart und Conductor Speckart unterschieden) Ksp. Wetteringen Dorfbsch. waren Lehen des Grafen von Bentheim-Steinfurt und 1677 im Austausch gegen andere Lehen (Weper Bsch. Alst), an die Travelman gelangt (Urk. Nr. 154), von denen es ebenfalls im Anfang des 18. Jh. an die Herding kamen; 1787 wird Große Speckart als eigenbehöriges Erbe und Kleine Speckart als Kotten mit freiem, aber schatzbarem Pächter bezeichnet. 1838 gelangte das Speckartkolonat an Heereman und wurde 1851 abgelöst.

Während die eben genannten ehemaligen Travelmanschen Höfe Lehngüter waren - zu dem Travelmanschen Lehnsbesitz gehörten weiterhin noch der Hohe Garten zu Burgsteinfurt und Zehnten zu Nienborg mit Veltrup usw., Zehnten zu Borghorst und Zehnten zu Drehnsteinfurt - war der folgende Hof Allod:

5.) Lütke Holthausen Ksp. Hiltrup, ein Erbe, das Bernd Droste-Hülshoff 1617 an Christoffer Travelman als Allod verkauft hat; es erscheint in den Akten bis 1754 und ist wahrscheinlich identisch mit dem 1813 bereits eingegangenen Lütke Holsenerbe, dessen Land z. großen Teil der Holsenborger Kötter übernommen hatte.

Herdingscher, nicht von Travelman ererbter Besitz waren:

6.) Das Lehngut Wegman (Weghaus, zuweilen auch Wischhaus) Ksp. Hiltrup Dorfbsch., ein schatzbares eigenbehöriges Erbe, das mit der nahegelegenen Wegmansburg zusammen ein Lehen der münsterischen Domküsterei bildete (Urk. Nr. 182 ff.); 1569 gelangte es durch Kauf von Cord Steveninck an Johann Herding (Urk. Nr. 243), von dessen Familie es 1838 an Heereman kam. Ablösung 1851. Die Wegmansburg selbst wurde um 1675 von freien Leuten bewohnt, der Garten wurde von dem Zeller Wegman bebaut und sollte nach dessen Tode wieder an die Burg zurückfallen. 1787 teilten sich in die Pacht der Burg zwei freie Heuerleute: Freytag gnt. Wissing und Schleus.

7.) Henrichman Ksp. Überwasser Bsch. Sandrup, ein eigenbehöriges Erbe, wurde 1604 von Johan von Mevorden zum Hertzhaus an den Ratsverwandten Johann Herding verkauft, von dessen Nachkommen es 1838 Heereman erwarb. Ablösung 1851.

8.) Hovemanserbe Ksp. Greven Bsch. Schmedehausen, ein schatzbares eigenbehöriges Erbe, das schon 1633 als Herdingscher Besitz (Herdingscher Konsens an den dortigen Eigenbehörigen) erscheint und bei der Besitzeinweisung von 1750 zuletzt erwähnt wird.

9.) Buddenkotten Ksp. Greven Bsch. Hüttrup, ein eigenbehöriger schatzfreier Pferdekotten, der schon 1638 als Herdingscher Besitz (Streit wegen rückständiger Pächte) erscheint und bei der Besitzeinweisung von 1750 zum letzten Male erwähnt wird.

10.) Das halbe Erbe Deidinckhoff im neuen Ksp. Ahlen wird 1651 bis 1727 in den beiden Pachthebebüchern des 17. Jh. aufgeführt; die andere Hälfte gehörte um 1675 dem Schledbruggen (= von Schlebrügge?).

11.) Schulte-Mieling Ksp. Amelsbüren Bsch. Suthoff, ein volles Erbe mit freiem Pächter, kam 1652 durch Kauf an Herding (s. u. S. 51) und gehört noch heute der Familie Heereman.

12.) Schulte-Delsen Ksp. Telgte Bsch. Raestrup, ein eigenbehöriges volles Erbe, das zur Hälfte 1678, zur anderen Hälfte 1739 an die Familie Herding gelangte (s. u. S. 51) und noch heute der Familie Heereman gehört. Zu dem Hof gehörten im 18. Jh. fünf kleine Häuser (Gademe) in der Stadt Telgte mit dahinter liegenden kleinen Gehöften. Im 19. Jh. werden Unterpächter genannt.

13.) Der halbe Lodden- (später Israels-)Kotten Ksp. Hiltrup, ein im Loddenbusch gelegener Kotten. Ein Kotten im Loddenbusch wird zuerst 1656 erwähnt, der zur Hälfte den Bock zu Grevinghof, dann ihren Erben Kerckerinck-Stapel, zur anderen dem Propst Herding gehörte; die Herdingsche Hälfte des Loddenbusches scheint schon in dem Anteil enthalten gewesen zu sein, den 1598 die Geschwister Wesseling an Johann Herding verkauft haben. Im 19. Jh. kam der Kotten an die Familie Israel, nach der er jetzt seinen Namen trägt. Die Herdingsche Hälfte des Kottens und des Loddenbusches erwarb Matthias Heereman 1838, die Kerckerinck-Stapelsche erst 1843 zusammen mit Haus Soest.

14.) Winterkamp Ksp. Amelsbüren Bsch. Lovelingloh (im 17. Jh. auch Roberding gnt.), ein schatzbarer eigenbehöriger Pferdekotten, gelangte durch Kauf 1648 von Johann Grüter zum Uhlenkotten als Erben von Backhaus an den Bürgermeister Heinrich Herding, kam 1838 an Heereman und wurde 1851 abgelöst.

15.) Hirschkotten Ksp. Telgte Bsch. Raestrup, ein freier nicht schatzpflichtiger Kotten, wurde 1740 von Ernst Melchior von Herding aus dem Konkurs des Bernhard Reinhard von Schonebeck ersteigert (Urk. Nr. 266) und 1835 durch Frhrn. von Herding an den Goldarbeiter Hunkenmöller veräußert.

16.) Hauschulte Ksp. Borghorst, ein schatzfreier Kotten; das Kottenhaus wurde 1785 von dem damaligen Kötter selbst erbaut. Der Kotten ist 1834 an den Kolonen Bernhard Natrup zu Altenberge veräußert worden, nachdem Frhr. von Herding zuvor das Haus von dem Kötter als dem bisherigen Eigentümer erworben hatte.

Die folgenden Höfe sind vermutlich ebenfalls von der Familie Herding selbst erworben und nicht über die Travelman ererbt worden; außer Schulte-Hiltrup rechneten sie zum Zubehör des Gutes Hiltrup:

17.) Schulte-Hiltrup Ksp. Hiltrup, ein eigenbehöriges volles Erbe, ist seit 1656 als Herdingscher Besitz nachweisbar, und muss wohl zwischen 1816 und 1838 abgelöst worden sein. Eine Aufstellung seiner Pertinenzien (Curta villici in Hyltorpe) auf einem Pergament des 14. Jh. befindet sich im VII 9 Schulte-Hiltrup.

18.) Albertskotten (bis 1670 Schopmanskotten) beim Hause Hiltrup, ein schatzbarer und eigenbehöriger Kotten, seit 1656 als Herdingscher Besitz nachweisbar. Ablösung 1851.

19.) Schloitmanskotten (Schlautmann) Ksp. Hiltrup; der Kötter wird schon 1615 als Herdingscher Eigenbehöriger genannt. Vor 1787 wurde der Kotten "wegen schlechter Umstände des Kötters" in Heuer (Zeitpacht) gegeben; 1838 gelangte er an Familie Herding und gehört noch heute zum Hause Hiltrup-Herding.

20.) Wischkotten Ksp. Hiltrup, ein schatzfreier Kotten, erscheint seit 1675 und bis 1813 (Pächter Lohmann); er scheint später mit dem Erbe Wegman oder Wischhaus zusammengefasst worden zu sein.

Zwei weitere der Familie Herding gehörige Güter waren der Schulzenhof Mieling Ksp. Amelsbüren Bsch. Suthof und der Schulzenhof Delsen (oder Delsing) Ksp. Telgte Bsch. Raestrup. Der Mielinghof hatte dem ältesten Hospital in Münster, dem Magdalenen-Hospital zwischen den Brücken, gehört und war 1652 von der Stadt Münster an den Bürgermeister Heinrich Herding (gestorben 1656) verkauft worden, der Kaufvertrag jedoch erst 1658 mit der Witwe Herding nach Zahlung des restlichen Kaufpreises abgeschlossen worden (Urk. Nr. 262). 1688 wurde der Kauf durch das Magdalenenhospital vor dem münsterischen Offizialatsgericht und als Appellationssache vor dem Reichshofrat, freilich erfolglos, angefochten, da der Kaufvertrag mangels Bestätigung durch den Bischof, wie dies für kirchliche Anstalten, also auch für das mit einer Kapelle versehene Hospital, erforderlich war, als ungültig anzusehen sei, wogegen die Herdingsche Partei darauf hinwies, dass das Hospital der weltlichen Leitung des städtischen Magistrats und der weltlichen Provisoren unterstand. Der Hof ging 1838 zusammen mit Maser und Hiltrup an Matthias Heereman über.

Das Erbe Schulte-Delsen gelangte zur Hälfte 1678 durch Kauf von Bischopinck zur Getter an Johann Gottfried Herding und Anna Johanna von Nievenheim und zur anderen Hälfte 1739 durch Versteigerung von Bernhard Reinhard von Schönebeck an Ernst Melchior von Herding, Kanoniker zu St. Mauritz in Münster (Urk. Nr. 264). 1750 wird Ferdinand Casimir von Herding allerdings nur in das halbe Erbe eingewiesen; vermutlich ist die andere Hälfte erst nach Ernst Melchiors Tode - + nach 1755 - zum Gesamtbesitz gelangt. 1811 erscheint als Besitzer der Friedensrichter Anton Overhage zu Haltern, der es wohl kurz vorher von der Familie Herding erworben hatte. Matthias Heereman, der beim Kauf der Herdingschen Güter in Westfalen 1838 auch die noch auf dem Hof Schulte-Delsing ruhenden Herdingschen Rechte miterworben hatte, kaufte schließlich am 22.05.1839 der Familie Overhage den ganzen Hof für 4.500 Rtlr. preuß. Cour. ab.

Der älteste Heeremansche Gutsbesitz im Westfälischen ist das landtagsfähige Gut Nevinghof Ksp. St. Mauritz. 1221 zuerst als Evekinchof erwähnt, wurde das Dienstmanngut 1323 von Johannes Edlem Herrn von Ahaus an Eberhard von Evekinchove, Bürger zu Lübeck, verkauft (Urk. Nr. 357). In der zweiten Hälfte des 14. Jh. erscheint der münsterische Erbmann Johann von Warendorp gnt. v. d. Emeshus als Besitzer. Während der Belagerung des wiedertäuferischen Münster wurde Nevinghof aufgrund des Telgter Landtagsbeschlusses zusammen mit sechs weiteren Adelssitzen befestigt. Johanns Nachfahre Heinrich von Warendorp aus der Nevinghofer Linie - neben dieser bestand noch eine zu Prövesting, die zeitweise (um 1480, s. Urk. Nr. 348) Anteil am Nevinghof gehabt zu haben scheint - vererbte 1575 Nevinghof an seinen Schwestersohn Lubbert von Travelman zu Ebbeling, dessen Tochter Godula ihren Großoheim Balduin von Warendorp zu Prövesting heiratete. Als kinderlose Witwe setzte Godula zunächst 1621 ihren Schwager Bernhard von Droste-Hülshoff und nach dessen Tode 1629 dessen Enkel, ihren Großneffen Bernd von Kückelsheim zu Rorup, als Erben unter Vorbehalt der Verfügungsfreiheit der Erblasserin bis zu ihrem Tode ein, der daraufhin den Namen Bernd Warendorp von Kückelsheim annahm. Von den Kückelsheim kam der Besitz durch die Erbtochter Isabella Maria 1763 an Carl Heinrich von Amelunxen auf Wehrden und Bodensee, dessen Witwe, die inzwischen Theodor Anton Pröbsting geheiratet hatte, das Gut zusammen mit dem zugehörigen eigenbehörigen Erbe Wiesman Ksp. Saerbeck 1781 zur Befriedigung ihrer Gläubiger im meistbietenden Verfahren vor dem münsterischen Offizialatsgericht (s. a. Aufgebote im Münsterischen Intelligenzblatt 1781 Nr. 14, 16 und 19) an ihren Schwager Friedrich Wilhelm Heereman, der bereits erhebliche Hypothekenforderungen (17. 000 Rtlr.) darauf stehen hatte, für 38.000 Rtlr. verkaufen musste.

Zu den Gerechtsamen des Hauses gehörten außer Landtagsfähigkeit, Schatzfreiheit, Jagd und Fischerei und Hovesaat die Hude, Plaggenmahd- und Pflanzgerechtigkeit in der Cörheide und das Eigentum an dem Warendorpschen Armenhause in der Kirchherrnstiege zu Münster, sowie das Patronat über die zwei Vikarien in der Servatiikirche zu Münster und Kirchensitze und Grabstätten zu St. Mauritz.

Den Besitzstand zuzeit des Übergangs des Gutes an die Familie von Kückelsheim gibt die Urkunde vom 04.09.1630 (Nr. 355) [Die wichtigsten Quellen aus dem Archiv sind:

1.) Urkunde Nr. 355 vom 04.09.1630 betr. Besitzeinweisung des Bernhard von Kückelsheim für seinen Sohn Bernhard als Warendorpschen Erben.

2.) Gedrucktes "Verzeichnis der Güteren, welche von Seiten der verw. von Amelunxen jetzt verehel. Pröbsting geb. von Kückelsheim zur Befriedigung ihrer Gläubigeren ... zum öffentlichen gerichtlichen Verkauf gestellet worden", im Auftrage des münsterischen Offizials angelegt vom Aktuar C. B. Micheel Oktober 1780 (in M 11).

3.) Lagerbuch des hochadligen landtagsfähigen Rittersitzes Nevinghoff 1781 ( M I 15).

4.) Lagerbuch der Güter Nevinghof und Wienburg, angelegt von C. Rose 1849 (M I 16).

5.) Pachthebebuch von Nevinghof und Wienburg, seit 1839 der münsterischen Güter, 5 Bde. 1827-1883 ( M IV 182-186).

6.) Etats (Voranschläge) der Rentei Münster, 4 Bde. 1866-1885 (M IV 187-190).

7.) Höfe und Kotten der Güter Nevinghof und Wienburg, 2 Bde. 17.-20. Jh. (M VII 24).].

Als das Gut 1780 zum Verkauf gerichtlich ausgeboten wurden, hatten sich die Besitzverhältnisse wenig verändert: nur die beiden eigenbehörigen Höfe zu Billerbeck (Alberting und Lütken Velthaus) waren inzwischen veräußert worden. Ein besonderes Kennzeichen des Nevinghofer Besitzes war, dass die eigenbehörigen Höfe sämtlich sehr weit vom Gute entfernt lagen, insbesondere in Saerbeck und Greven. Dies, vielleicht hervorgerufen durch die Lage des Gutes unmittelbar am Stadtrand, mag der Grund dafür gewesen sein, dass die Höfe beim Verkaufe gesondert behandelt wurden und in die Hände anderer Gläubiger gelangten. Friedrich Wilhelm Heereman erwarb außer dem Gute mit der Hovesaat und den darauf wohnenden Köttern nur das Erbe Wiesman Ksp. Saerbeck und 1791, als der betr. Gläubiger wieder vom Kaufe zurückgetreten war, noch das Erbe Schlichtebrede Ksp. Everswinkel. Da die beiden Höfe im 19. Jh. abgelöst wurden, besteht der heutige Besitz nur aus den Hovesaatköttern, die bereits 1780 vor dem Verkauf genannt werden.

Folgende eigenbehörige Höfe, die bereits 1630 genannt werden, wurden 1780 zum Verkaufe angeboten:

1.) Erbe Rotgerman Ksp. Greven Bsch. Wentrup

2.) Erbe Wieling Ksp. Greven, 1780 als Dryeling bezeichnet

3.) Erbe Bawman Ksp. Greven, 1780: Baumar

4.) Erbe Wischman (Wiesman) Ksp. Saerbeck Dorfbsch.; 1781 zusammen mit Gut Nevinghof erworben und 1843 abgelöst. Das Erbe war 1617 aus dem Nachlass der Familie von Tecklenburg an die Warendorp gelangt (Urk. Nr. 377/378)

5.) Erbe Duischen Ksp. Saerbeck, 1780: Dutz

6.) Erbe Benning, Ksp. Saerbeck, 1780: Bennemann

7.) Erbe Berninck Ksp. Saerbeck

8.) Kotten Wigger Johan Ksp. Saerbeck Bsch. Aldrup, 1780: Winkeljoan

9.) Erbe Schulte-Sendthoff Ksp. Roxel Bsch. Schonebeck; nach der Höhe der Abgaben wohl der größte Hof

10.) Erbe Wicherding Ksp. Billerbeck Bsch. Hamern, 1780: Wichert

11.) Erbe Schlichtebrede Ksp. Everswinkel Bsch. Wielingen; Carl Heinrich Heereman erwarb den Hof am 13.09.1791 von Maria Franziska Pröbsting geb. von Kückelsheim, der früheren Besitzerin von Nevinghof für 2.340 Rtlr., nachdem der gerichtliche Verkauf an den Stadtsyndikus Ferdinand Albert Reine zu Münster wieder rückgängig gemacht worden war. Der Hof wurde 1852 abgelöst.

Die beiden 1630 genannten Höfe:

12.) Alberding Ksp. Havixbeck Bsch. Lasbeck und

13.) Lütken Velthaus Ksp. Havixbeck Bsch. Wahlingen

scheinen schon vor 1780 verkauft worden zu sein.

Von den 1630 als Zubehör genannten Häusern in der Stadt Münster:

14.) Hof in der Kerckerinckstiege (Kirchherrnstiege), später auch als "Roruper oder Kückelsheimer Hof" bekannt (Müller S. 195 f.)

15.) Hof in der Todtstraße (jetzt Bült), der vermutlich mit dem in der Kerckerinckstiege in räumlichem Zusammenhange stand und

16.) Hof in der Salzstraße, wohl dem später (1708) auch Nevinghoffs-Hoff genannten Kückelsheimschen Hof, den am Ende des 17. Jh. die Dominikaner gekauft und abgerissen, am Anfang des 18. Jh. jedoch der neue Besitzer Frhr. von Twickel wieder aufgebaut hatten (heute Twickelscher Hof in der Salzstraße, s. Müller S. 165 ff.),

wurde nur der Hof in der Kirchherrnstiege 1780 zum Kaufe geboten, aber nicht von Heereman erworben.

An Hovesäter-Kotten erscheinen 1780/1781:

1.) Albertkotten, im 19. Jh. Kerckhoffkotten genannt, der 1864 an den Pächter von Nevinghof Kajüter gelangte und damit die Eigenschaft eines in selbstständiger Bewirtschaftung stehenden Kotten verlor.

2.) Beckerskotten, der noch heute zu Nevinghof gehört

3.) Neuer Kotten (später Niekotten, Niekötter), der noch heute zu Nevinghof gehört

4.) Rugelts- oder Ruheggenkotten, der noch heute zu Nevinghof gehört

Das Rittergut Grevinghof Ksp. Albersloh und das Haus Soest Ksp. Hiltrup, die seit dem 16. Jh. gemeinsame Besitzer hatten, gelangten etwa zur gleichen Zeit von der Freifrau Therese von Droste gnt. Kerckerinck geb. Freiin von Kerckerinck a. d. Hause Stapel an Matthias Heereman, Soest am 12.03.1843 und Grevinghof durch Versteigerung am 05.10.1844.

Grevinghof, 1264 zuerst erwähnt, hat wohl den Rietberger Grafen gehört und von daher seinen Namen erhalten: denn 1264 schenkte Graf Conrad dem Aegidiikloster zu Münster ein zum Hofe gehöriges Erbe. Mitte des 14. Jh. erwarben die Söhne des münsterischen Bürgermeisters Heinrich Travelman das Gut. Nach dem Aussterben des auf Grevinghof sitzenden Zweiges der Travelman gelangte es durch die Heirat der Erbtochter Anna mit Lambert von Bock (1546) an die Sentmaringer Linie der Erbmännerfamilie Buck oder Bock, die 1575 auch als Besitzer von Haus Soest erscheinen, wobei allerdings die beiden Güter zwischen den Vettern Heinrich auf Grevinghof und Lambert auf Soest aufgeteilt sind. Seit Anfang des 17. Jh. wurde Grevinghof von den Bock verpachtet. Ob Soest vorher ebenfalls der Familie Travelman gehört hat, ließ sich nicht ermitteln. Der letzte männliche Vertreter der Sentmaringer Bock, Johan Eberhard (+ 1677), vererbte die beiden in seiner Hand vereinigten Güter an seinen Vetter Matthias von Kerckerinck zu Stapel, in dessen Familie sie dann bis 1843/1844 verblieben.

Gerechtsame des Hauses Grevinghof waren im 19. Jh.: Jagd, Kirchensitze in der Kirche zu Albersloh und das Kompatronat (alternierend mit dem Pfarrer zu Albersloh) über das Armenhaus zu Albersloh.

Unter den früher sicherlich in größerer Zahl vom Hause Grevinghof abhängigen Höfe lassen sich im 19. Jh. - für die ältere Zeit versagen die Quellen - nur noch zwei schatzpflichtige Erbe im Ksp. Sendenhorst feststellen, die spätestens seit dem Ende 16. Jh. Besitz der Bock auf Grevinghof sind [Quellen aus dem Archiv sind: 1.) Beschreibung des Gutes Nevinghof nebst zugelegten Ländereien, Anhang zum Kaufvertrag von 1844 (in MXII 31) 2.) Lagerbuch der Güter Maser-Hiltrup, Soest und Grevinghof, angelegt von J. Herding 1849 (M I 5) 3.) Höfe und Kotten des Gutes Grevinghof 17.-19. Jh. (M VII 39)] :

1.) Die Sonntagshove Bsch. Elmenhorst; der älteste vorliegende Pachtbrief stammt von 1666 (Pächter Arnold Kottendiek); von dieser Pächterfamilie gelangte das Erbe durch Erbgang an die Familie Hofeschmidt und schließlich Hoppe gnt. Hofeschmidt. Aus Anlass der bevorstehenden Ablösung (1865) erhob sich 1858 ein Streit darüber, ob das Erbe in Zeit- oder, was wohl das zutreffende gewesen sein mag, in Erbpacht ausgegeben sei.

2.) Die Ruhenhove oder Thieskotten Bsch. Elmenhorst; nach dem Pachtbrief von 1747 war das Erbe an Johan Herman Tyeskötter verpachtet; 1817 folgte die Familie Riermann. 1865 wurde es an den damaligen Kötter Franz Riermann verkauft.

3.) Dagegen scheint die noch heute zum Gute gehörige Venningshove oder Feilingskotten Ksp. Albersloh Bsch. Storp, die 1776 als an den Freien Venning verpachtet gemeldet wird und 1836 von Feiling an Brünemann gelangte, ein Hovesäter Kotten zu sein.

4.) Der Böckenkampkotten Ksp. Albersloh Bsch. Rummler wurde vor 1829 durch Abtretung von Kämpen aus dem Feilingskotten neu gebildet (Pächter Brandhove); er gehört noch heute zum Gute.

5.) Das heutige Moßkolonat Ksp. Albersloh Bsch. Storp gelangte erst 1859 durch Ankauf von dem Kolonen Joseph Moß zum Gute Grevinghof

6.) Das jetzige Forsthaus Grevinghof geht vermutlich auf das schon 1844 genannte Jägerhaus zurück.

Das Gut Wienburg Ksp. Überwasser gehörte der im 16. Jh. ausgestorbenen münsterischen Erbmännerfamilie Cleyhorst, die auf Wilkinghege Ksp. Überwasser saß. Seit dem Ende des 16. Jh. soll es den Kückelsheim zu Rorup, die seit 1629 auch auf dem benachbarten Nevinghof saßen, gehört haben bis es wohl im 18. Jh. an die münsterische Familie von Wintgens kam, die auch Wientgenhof bei Telgte, Ermelinghoff bei Lüdinghausen und Braam bei Hamm besaß und Wienburg verpachtete (1791 Pächter Venschott): 1748-1791 ist Anton Franz von Wintgens, fürstbischöflicher Kammerherr, als Besitzer nachweisbar, der das Gut am 06.12.1791 an Johann Andreas Witte, Wechselherrn zu Münster, verkauft. Der letzte Besitzer war der Reichsoberpostdirektor zu Münster, Hermann Ignatz von Hamm (+ 1832), aus jungem münsterischen Beamtenadel, der das Gut bereits 1810 besaß und es zusammen mit seinem Sohne Franz, Bürgermeister zu Senden, am 16.05.1826 an Matthias Heereman verkaufte.

Zu Wienburg, das nicht landtagsfähig war, mögen wohl auch früher nur wenige eigenbehörige Höfe gehört haben [Quellen s. u. Anm. 23 Nr. 4 ff.; außerdem: Ankauf der Wienburg 2 Bd. 1749 ff. (M XII 12), darin: Pertinenzienverzeichnis von 1791 anlässlich des Verkaufs an Witte und von 1826 anlässlich des Verkaufs an Heereman]. Beim Verkauf von 1791 werden außer den Hovesätern nur zwei Erbe, in der Zeit des Verkaufes von 1826 nur noch Hovesaatkötter genannt; die beiden schatzpflichtigen Erbe:

1.) Kathof Ksp. St. Mauritz und

2.) Beerman Ksp. Handorf

scheinen also zwischen 1791 und 1826 veräußert worden zu sein. Eine Eigentümlichkeit der Wienburger (schatzfreien) Hovesäter war es, dass das Wohnhaus im Gegensatz zum gesamten Grunde Eigentum des Kötters war, der es selbst auf dem angeheuerten Kamp erbaut hatte, so bei Drieling, der sein Haus 1829 an den neuen Gutsherrn verkaufte, Bäumer, Berkemeier und Wallmeier, deren Häuser später auch in den Besitz des Gutsherrn übergegangen zu sein scheinen, sowie bei Raters, der stets Eigentümer seines Hauses geblieben ist.

Seit der Erwerbung der Wienburg sind nachweisbar die Kotten:

1.) Bäumer, dessen Vorgänger der 1791 genannte Trendelkamp (vorher Beckmann) war

2.) Berckemeier gnt. Westbrock; 1756 verpachtet Herr von Wintgens an die Eheleute Berkemeier den zur Wienburg gehörigen Kunningskampf mit der Erlaubnis, aus diesem Kamp auf eigene Kosten ein Haus zu bauen, das sie im Falle, dass der Heuervertrag nach 40 Jahren nicht erneuert werden sollte, wieder wegnehmen dürfen. Der Kotten wird 1791 genannt.

3.) Drieling; 1763 verpachtet Anton Franz von Wintgens an die Eheleute Drieling auf 30 Jahre den Apothekerkampf mit dem Recht zum Bau eines Hauses auf eigene Kosten. 1791 wird der Kotten als jüngerer Drielingskotten erwähnt.

4.) Wallmeyer, 1791 genannt.

5.) Sickmann; den Kotten hatte die Witwe Sickmann in der 2. Hälfte des 18. Jh. auf dem von ihr seit 1768 gepachteten Scheerskamp, der dem Dr. Franz Giese gehörte, erbaut; 1798 verkaufte Dr. Giese den Kamp mit dem Kotten an den Hofkammerrat und Bürgermeister Clemens August Detten, der bereits die benachbarten Kämpe, den Diek- und den Ossen- oder Oxenfortkamp besaß. 1831 gelangten dann diese drei Kämpe mit dem Kotten durch Kauf von der Witwe Detten an Matthias Heereman.

6.) Raters; 1791 als älterer Drielingskotten aufgeführt, jetzt Raterskotten genannt. Das zum Kotten gehörige Land wurde um 1900 in Einzelpacht vergeben, während der Kötter mit seinem Hauseigentum aus dem Gutsverbande ausschied.

7.) Der heutige Böckmannskotten entstand 1898 durch Ankauf der Besitzung des Gärtners Anton Böckmann an der Wermelingstraße.

Bei den im Landkreis Münster gelegenen Heeremanschen Gütern handelt es sich um Landbesitz münsterischer Erbmännerfamilien, d. h. städtischer Patriziergeschlechter, die zwischen 1350 und 1450 ausschließlich den Rat der Stadt Münster beherrschten und auch nach der Umwälzung durch Johann von Hoya während der münsterischen Stiftsfehde im Jahre 1454, als die übrige Bürgerschaft die Mehrheit des Rates erhielt und nur drei Erbmänner zugelassen wurden, weiterhin die entscheidende Rolle in der Stadtverwaltung spielten. Dazu kam, dass die Bischöfe seit dem Anfang des 14. Jh. das Stadtgericht, das vorher von bischöflichen Ministerialen geleitet wurde, fast ununterbrochen an Erbmänner verpfändet hatten. Mehrere Geschlechter starben bereits im 16. Jh. aus, sodass die Zahl der Familien rasch zusammenschrumpfte (im münsterischen Bürgerbuche von 1667 nur noch 10). Grundlage ihres Reichtums bildeten von früh an die gleicher Weise Handel und Besitz von Landgütern, auf die sie im Anfang des 17. Jh. zumeist ihren Wohnsitz verlegten, um dort zu adligem Rentnertum überzugehen, ähnlich wie es bei einem Teil des Amsterdamer Patriziats zu verfolgen war. Der wesentliche Unterschied zur Amsterdamer Entwicklung liegt freilich darin, dass die münsterischen Patrizier niemals eine rechtliche Verankerung ihrer Herrschaft im Rate erlangt haben, wie die Amsterdamer 1400 und 1477, diese vielmehr schon früh mit den übrigen bürgerlichen Schichten teilen mussten, und dass sie bereits bei ihrem ersten Auftreten im 14. und 15. Jh. als Besitzer großer Landgüter erscheinen, mithin schon in ihren frühesten Zeiten in enger Beziehung zum Landadel stehen, wie sich z. B. in der Lehnsfähigkeit und in der ministerialen Stellung verschiedener Familien ausdrückt. In dem berühmten Erbmännerprozess von 1575 bis 1708 erzwangen sie schließlich vor dem Reichskammergericht gegen das münsterische Domkapitel die grundsätzliche Anerkennung ihrer Ritterbürtigkeit und der Gleichberechtigung mit dem Landadel, nachdem Adelsverleihungen an einzelne Familien seit dem 16. Jh. häufig geworden waren.

Die frühe Beziehung der Erbmännerfamilie zum ländlichen Großgrundbesitz hat zu der Auffassung geführt, es handle sich um freie Grundbesitzer, die erst später in der befestigten Stadt Zuflucht gesucht hättenund zum bürgerlichen Handelsberuf übergegangen seien (Tophoff). Die entgegengesetzte Ansicht sieht den Handel als Ausgangspunkt und den Grundbesitz als Anlage des im Handel erworbenen Kapitals und glaubt den Ursprung in einer angeblichen alten münsterischen Kaufmannsgilde zu finden (Hansen, Westfalen und Rheinland im 15. Jh.). Wilmans (Westf. Urkundenbuch II 790 Anm., 1176 Anm. und 1469 Anm.) und Sauer (Westf. Zeitschr. 32°I S. 175 ff.) glaubten daraus, dass vereinzelt Erbmänner Lehen des Stiftes innehatten, insbesondere Burglehen auf dem bischöflichen Bispinghofe, und dass unter den Domherren des 13. und 14. Jh. auch Erbmänner auftauchten - was vor dem Kapitularstreit von 1350, das adlige Geburt zur Voraussetzung der Aufnahme machte, nicht überraschen kann - schließen zu können, dass die Erbmänner aus dem bischöflichen Ministerialenstande hervorgegangen seien, während Henkel ihren Ursprung aus dem Stande der Schöffenbarfreien annimmt. Am wahrscheinlichsten und der mittelalterlichen Rechtsentwicklung entsprechend ist wohl, wenn wir für jede Familie gesondert, wie es z. T. Henkel tut, die Herkunft zu ermitteln versuchen, ohne von vornherein einheitlichen Ursprung vorauszusetzen. So sind tatsächlich einzelne Geschlechter aus dem Ministerialen hervorgegangen (Emsbruch), andere tragen ihre Namen von Landgütern, von denen aus sie in die Stadt übergesiedelt sind (Deckenbrock) und andere wieder lassen sich vom ersten Auftreten an als Altfreie in der Stadt nachweisen. Strittig bliebe da nur, ob bei der Abgrenzung dieser aus mannigfachen Quellen erwachsenen Schicht gegenüber der übrigen Bürgerschaft lediglich der größere Reichtum und Einfluss gewirkt hat, wie Gottfried Schulte annimmt, oder ob, wie Philippi meint, eine höhere Form städtischen Grundbesitzes, erbzinsfreier ehemals bäuerlicher Eigenbesitz, der sich aus dem die Voraussetzung des Bürgerrechts bildenden erbzinspflichtigen Grunde und den an Ministerialen gegebenen Lehngütern des Bischofs, des Domkapitels und der Stifter heraushob, die Voraussetzung für die Aufnahme in den Kreis der Erbmänner gebildet hat. Zur Begründung seiner Ansicht, für die manches spricht, geht Philippi von der Deutung des Namens, der allerdings erst 1447 (Rotes Buch Art. 15) in der Gegenüberstellung ervedeman - unerveden erscheint, und von der in Münster festzustellenden Unterscheidung des Grundbesitzes in erve, das er für Eigengut, und Wicbolde, das er für erbzinspflichtigen Grundbesitz hält, aus; danach scheint ihm Erbe vollfreies Eigentum als Voraussetzung des ursprünglichen Vollbürgerrechts, entsprechend der Bezeichnung Erbe für die vollberechtigten Bauernhöfe der Bauerschaften im Fürstentum Osnabrück, und Erbmann Besitzer eines solchen städtischen Erbes zu bedeuten.

Die älteste und bedeutendste unter den uns hier beschäftigenden Erbmännerfamilien sind die Travelmann, die bereits im 13. Jh. bedeutsam hervortreten und zu den letzten 1667 im Bürgerbuch als Mitkläger des Erbmännerprozesses verzeichneten Familien gehören. Ein Travelmann wird 1313 als Mitglied des Domkapitels genannt. Ihr erster Grundbesitz scheint das Gut Hiltrup (nachweisbar seit 1329) gewesen zu sein; Grevinghof erwarben sie Mitte des 14. Jh., Ebbelinghof, das spätere Haus Tinnen Ksp. Amelsbüren, 1473 von der Familie de Gotte. Ende des 15. Jh. ererbten sie von der Erbmännerfamilie Vogt (oderm Vaget) Maser, 1571 von den Hewen Bellering Ksp. Laer und 1575 von den Warendorp Nevinghof. Sie teilten sich Anfang des 16. Jh. in die Linien:

1.) Bellering mit Maser, die im 17. Jh. Konkurs machte und zunächst 1656 Maser, dann 1718 Bellering vekaufen musste,

2.) Grevinghof, die im 16. Jh. ausstarb, und

3.) Ebeling mit Nevinghof, die Mitte des 17. Jh. ausstarb und Ebeling an die Familie von Tinnen, Nevinghof an die Warendorp vererbte.

Die Linien auf Bellering, deren Archivalien über die Herding auf Maser im Surenburger Archiv erhalten sind, besaß Mitte des 17. Jh.:

Den Hof zu Münster; die Güter Bellering und Maser; die Lehen Burghof zu Steinfurt, Minnebuschkotten Ksp. Borghorst, Stüving Ksp. Borghorst, Lohaus (Lohmann) Ksp. Wolbeck, Weper Bsch. Alst Ksp. Laer (das Gut Specken), nämlich Große und Kleine Speckart, Ksp. Wetteringen, dafür später im Tausch erworben); die Kotten Schulte zum Nienhove, Brüggeman zu Bösensell, Gosselinck zu Senden, Große Erdmann zu Everswinkel, Averkamp zu Delstrup, Mersman zu Laer, Lohaus zu Schöpping; Hemmeker zu Ledden, Veltkamp zu Steinfurt, Averhagen und Bloeminck zu Coesfeld, Große Sperckerskotte und Kleine Speckerskotte zu Wetteringen, Hillemannskotten zu Alverskirchen, Einlinck Ksp. Laer sowie zahlreiche Kämpe und Zehnten.

Ebenso alte Erbmännergeschlechter sind die Cleyhorst, die sehr häufig das münsterische Stadtgericht in Händen hatten, und die sehr einflussreichen Buck (Bock); diese hatten sich Ende des 15. Jh. in die Linie Sentmaring (südlich Münster), die auch Grevinghof und Soest im 16. Jh. erwarb, und die Linie Heimesburg (Ksp. Albersloh) geteilt. Die Beschwerde der Erbmänner an den Kaiser von 1575 haben 5 Angehörige der Familie unterzeichnet, von denen jeder eines der 5 Güter Sentmaring, Grevinghof, Soest, Heimesburg und Westkirchen (Ksp. Westkirchen Kr. Warendorf) besaß. Auch die Kerckerinck gehörten zu den älteren Erbmännerfamilien.

Jünger sind die Geschlechter Warendorp, das erst seit dem Ende des 14. Jh., und Herding, das erst im 15. Jh. auftritt. Insbesondere über das Letztere enthält das Surenburger Archiv umfangreiches, von Josef Ketteler für seine Herdingsche Familiengeschichte noch nicht ausgewertetes Material. Darin tritt besonders der Kanoniker zu St. Mauritz Ernst Melchior (+ nach 1755) hervor: an der Auseinandersetzung über die Erbschaft des Reinhard Matthias Travelman (+ 1718) war er als dessen Nachlassverwalter hervorragend beteiligt, nachdem er vorher bereits Herdingsche Forderungen auf das Gut Bellering gegen die Travelman verfochten hatte; weiterhin nahm er an dem Erbstreit der von Schencking um das Gut Wieck Ksp. Albachten als Vormund des Dietrich Gottfried von Schencking teil, und hatte langwierige Auseinandersetzungen mit seinen Geschwistern und seinem Neffen Ferdinand Casimir auf Maser über das väterliche Erbe und den Travelmanschen Nachlass.

Abschließend sei noch auf die wichtigeren, mit den münsterischen Gütern in Zusammenhang stehenden milden Stiftungen hingewiesen:

1.) Die Familie Herding war beteiligt ab der Vendtschen und Sandischen Stiftung. Die erste wurde von dem münsterischen Bürgermeister Dr. Heinrich Vendt (+ 1609) testamentarisch begründet; aus den zu 6% festgelegten Zinsen eines bei der münsterischen Pfennigkammer hinterlegten Kapitals von 700 Gldgulden sollte jeweils der älteste Nachkomme, der außerhalb des Landes an einer katholischen Universität studiere, unterstützt werden. Da die Gattin des Bürgermeisters Johann Herding d. Ä., Clara Volbert, von Mutterseite her der Familie Vendt angehörte, fielen ihre Nachkommen auch unter die von der Stiftung bedachten Vendtschen Erben. Jedoch scheint nur Heinrich Herding, der spätere Bürgermeister, während seines Studiums in Köln um 1626 aus der Stiftung unterstützt worden zu sein, da seine Schwester Christine, die mit dem münsterischen Bürgermeister Ernst Höfflinger verheiratet war, nach des Vaters Tode den Herdingschen Anteil an der Stiftung (250 Rtlr.) erbte. Daher gingen die später studierenden Herding, die uns in einer Liste aufgezählt werden, leer aus: Johann Gottfried und sein Bruder Wilhelm Heinrich, die 1669-1671 in Heidelberg, Wilhelm Johann der 1693/1694 in Ingolstadt und Prag, dessen Bruder Johann Gottfried, der 1700/1702 in Würzburg und 1705 zu Löwen, Ernst Melchior, der 1705/1709 zu Rom am Collegium Germanicum, und Ferdinand Casimir, der 1732/1734 zu Heidelberg studierte. Die Akten betreffen den Herdingschen Anteil an der Stiftung. Heinrich Vendt hatte 1599 bereits das Vendtsche Armenhaus gegründet.

2.) Die Sandische Fundation war am 21.01.1633 durch die Testamentsvollstrecker des Ratsverwandten zu Münster Lic. Dietrich zum Sande, nämlich Bürgermeister Johann Herding, Bürgermeister Dr. jur. Heinrich Frey-Venth und Ratsweinherr Dr. jur. Johann Heerde aus Nachlasskapital, über das der Erblasser nicht verfügt hatte, gestiftet worden; als Provisoren waren die beiden jeweils regierenden Bürgermeister und als Rezeptor ein geeigneter Bürger vorgesehen. Die Stiftung war zur Unterstützung der Krankenpflege, insbesondere in Pestzeiten, zur Förderung armer Schüler zu Münster und zur Unterhaltung einer Wohnung, die in Pestzeiten dem Seelsorger der Kranken dienen sollte, bestimmt. Bei unseren Akten handelt es sich um die aus der Verwaltungstätgkeit der Bürgermeister Johann und Heinrich Herding als Provisoren (seit 1633) erwachsenen.

An geistlichen Stiftungen der Familie Herding seien genannt:

3.) die zweite Vikarie an der Überwasserkirche zu Münster, die am 30.04.1601 zum Andenken an Johann Herding (+ 1573) und dessen Tante Margarete Grolle geb. Herding von den Erben gestiftet und um 1616 auf den Dreikönigsaltar zu St. Lamberti übertragen wurde ( Urk. Nr. 342).

4./5.) die Stiftung von Seelenmessen in der Lambertikirche zu Münster 1575 durch die genannte Margarete Grolle (Urk. Nr. 341) und in der Clemenskirche zu Hiltrup für Familienangehörige.

6.) Mit der von Bernhard Uhlenbroick 1712 gestifteten Vikarie zum Hl. Kreuz in Albersloh stehen die Herding insofern in Beziehung, als zur Ausübung des Laienpatronats der Freiherrn von der Reck zu Drensteinfurt und im Falle des Aussterbens dieser Familie, ihres Austritts aus der katholischen Kirche oder der Veräußerung ihres Gutes der jeweilige Besitzer des Herdingschen Gutes zu Hiltrup vorgesehen waren.

7.) Mit dem Gute Nevinghof verbunden ist die noch bestehende Privat-Armenstiftung Warendorf zu Münster, deren Verwaltung jetzt in den Händen des Heeremanschen Oberrentmeisters liegt und deren Verwaltungsakten sich daher im Surenburger Archiv befinden. Durch Urkunde vom 20.01.1607, die nur in älterer Abschrift erhalten ist, stifteten Balduin von Warendorp zu Nevinghof (Linie Prövesting) mit seiner Ehefrau Godula geb. Travelman und der älteste Provisor der Lambertikirche Ludolph Borgmester, als Vertreter der Kirchgemeinde ein Armenhaus in der Kirchherrengasse zu Münster für acht Frauen ("wohlverdiente Borgersche"). Die Bestellung des Rechnungsführers (Emonitors) sollte der Vertreter der Gründerfamilie gemeinsam mit dem jeweiligen ältesten Provisor an St. Lamberti vornehmen, die Besetzung der acht Pfründen sollte zwischen beiden abwechseln. 1810 wurde die Verwaltung des Armenhauses durch großherzoglich-bergisches Dekret der städtischen "Verpflegungskommission" übertragen, deren Nachfolger 1815 die städtische Armenkommission wurde. Erst 1825 gelang es Matthias Heereman, als Besitzer von Nevinghof und somit Rechtsnachfolger der Gründerfamilie, ein Gerichtsurteil auf Rückgabe der Verwaltung zu erwirken. Die älteren Archivalien, die bis 1810 in der Lambertikirche aufbewahrt worden waren und 1810 abgegeben werden mussten, gelangten nicht zurück, sodass sich im Surenburger Archiv nur die Verwaltungsakten seit dem Anfang des 19. Jh. befinden. Als Emonitoren ließen sich feststellen:

um 1733 Hermann Pelle, Vikar zu St. Servatii;

bis 1803 Vikar G. F. Althelmig;

1803-1810 und

1825-1853 Domvikar Franz Port;

1853-1877 Rendant Ignatz Ludorf;

um 1880 Rendant J. Herfeld, Domwerkmeister;

und seit 1885 die Heeremanschen Oberrentmeister zu Münster.

8.) Ebenfalls eine Stiftung der Familie Warendorp zu Nevinghof waren die beiden Vikarien zu St. Peter und Paul in der Servatiikirche zu Münster, die am 11.03.1446 durch die Testamentsvollstrecker des Kanonikers am Alten Dom zu Münster Johan Warendorp gegründet wurden; Während das Präsentationsrecht der einen Vikarie festlag, war das der anderen mehrfach zwischen den Familienmitgliedern strittig, wobei man sich schließlich auf abwechselnde Präsentation einigte.

9.) Mit dem Gute Grevinghof verbunden war die Stiftung des Armenhauses zu Albersloh durch die Testamentsvollstrecker des Heinrich Buck zu Grevinghof (+ 1599) am 01.10.1599 ; danach sollten im Buckschen Hause am Kirchhofe zu Albersloh 4 Arme verpflegt und deren Stellen abwechselnd von dem Besitzer von Grevinghof und dem jeweiligen Pastor oder Provisor der Kirche zu Albersloh besetzt werden.

D. Der kölnische Zweig der Familie Heereman und seine Besitzungen

Während sich in der münsterischen Linie der alte Familienbesitz erhalten und der Aufstieg der Familie fortgesetzt hat, sank die Kölner Linie rasch zur Bedeutungslosigkeit herab und steht nun vor dem Aussterben. Franz Hyacinth Ernst, der vom Familienbesitz u. a. die Herrlichkeit Zuydtwyck und das Gut Spick bei Roermond geerbt hatte, stiftete kurz bevor er nach Köln zog, in seinen Ehepakten vom 09.09.1755 mit Maria Anna von Wrede-Melschede aus dem ererbten Familienbesitz und neu anfallendem Besitz ein Familienfideikommiss, das sich auf seinen ältesten Sohn Theodor vererbte und für dessen Folge stiftsmäßige und katholische Ehe Voraussetzung war. Zu den Neuerwerbungen gehörten insbesondere die bei Köln gelegenen Güter Wahn und Merheim mit dem Junker- und dem Fronhof, das von der Witwe Franz Hyacinth Ernst 1782 erworbene Weilerswist bei Euskirchen sowie zwei Häuser in Köln selbst. Von diesen diente das kleinere (jetzt Hohestraße 115), auch Neu- oder Klein-Schallenberg genannt, das 1787 aus der Hand des Freiherrn von Quentel erworben worden war und später an Rentmeister Heimsoeth überging, der Witwe Franz Hyacinth Ernst als Witwensitz, während Theodor den 1729 von dem Kölner Bürgermeister Johann Balthasar Mülheim erbauten Hof (jetzt Gereonstraße 18), der 1775 von seinem Vater erworben worden war und 1824 durch Theodors Töchter verkauft und als erzbischöfliches Palais eingerichtet wurde, bewohnte. Diesen gesamten Besitz vererbte Theodor nach Aufhebung der Fideikommisse durch die französische Gesetzgebung 1792 auf seine Töchter, die ihn veräußerten oder durch Heirat in andere Familien brachten. Theodors Neffe Werner vermochte als einziger männlicher Erbe der Kölner Linie seine Fideikommissansprüche in einem langwierigen Prozesse (Urteile des Landgerichts Köln von 1831, des Appellationsgerichts von 1837 und des 3. Zivilsenats des Appellationsgerichts von 1841) nicht durchzusetzen.

So beschränke sich der Besitz der Kölner Linie bald auf die von Engelberts Witwe Ferdinande geb. von Haxthausen erworbenen Güter im Kreise Höxter und ihre Anteile an den Haxthausenschen Gartenländereien am Bayen zu Köln, dem ehemals von Ghiselschen und dem Gute der Familie zum Pütz. Diese - augenscheinlich eine tatkräftige und kluge Frau, die später in Herstelle Mittelpunkt eines Krieges gepflegter Geselligkeit wurde und durch ihre Brüder Werner und August sowie durch ihre Verwandschaft mit Annette von Droste-Hülshoff in enge Beziehungen zu den romantischen Bestrebungen, insbesondere der Brüder Grimm, trat Bökendorfer Romantikerkreis) - war nach dem frühen Tode ihres Gatten Engelbert (+ 1810), der 1804 Kaiserlicher Kammerherr und 1809 Baron des Kaiserreichs geworden war und 1805/1806 am kaiserlichen Hofe in St. Cloud Dienst getan hatte; in ihrer Heimat, den Kreis Höxter zurückgezogen und hatte dort am 08.09.1820 von dem General Ernst Freiherr Spiegel zu Desenberg-Oberklingenburg das Gut Kemperfeld und am 14.08.1823 die als Erbpacht ausgegebene preußische Domäne Burg Herstelle von August Ferdinand von Ziehlberg zu Würgassen erworben, wozu unter ihrem Sohne Werner noch am 03.06.1844 der Hersteller Burgberg hinzukam.

Die Burg zu Herstelle, auf ehemaligem Königsgut, das im 11. Jh. an den Bischof von Paderborn gelangt war, erbaut, wurde im 13. Jh. im Auftrage des Bischofs durch das Ministerialengeschlecht von Herstelle zugleich mit dem Amt Herstelle, dass die Dörfer Herstelle, Würgassen und Haardrück umfasste, verwaltet. Nachdem der Bischof sie bereits im Anfang des 14. Jh. zeitweise an Frecken von Calenberg und Conrad von Itteren verpfändet hatte, gelangte sie 1385 durch erneute Verpfändung zusammen mit dem Amt Herstelle an die Brüder Ritter Wedekind und Otto, Singmeister am Dom zu Paderborn aus dem hessischen Geschlecht von Falkenberg, die die Burg nach der Einäscherung durch die Hessen (1465) im Jahre 1471 neu aufbauten. Erst 1608 wurde diese Pfandschaft vom Bischof durch Vergleich mit den Brüdern Wedekind und Diederich von Falckenberg (dieser fiel später 1631 in Magdeburg als schwedischer Oberst und Führer der zum Widerstande gegen das kaiserliche Heer Tillys entschlossenen Partei) gelöst: der Bischof nahm Burg und Amt Herstelle wieder an sich und überließ den Brüdern weiterhin als paderbornisches Mannlehen Land auf dem Kemperfeld zum Bau eines Rittersitzes, dem Landtagsfähigkeit und die gutsherrliche niedere Zivilgerichtsbarkeit (in Kemperfeld und Haarbrück) sowie die niedere Jagd im ganzen Amte Herstelle, außer im Gehölz und der Feldmark von Haarbrück, und die hohe Jagd in einem Teile des Amtes zugesprochen und 4 Kotten zugeteilt wurden. Daneben behielten sie ihren dortigen Lehnsbesitz von dem im Hannoverschen gelegenen Kloster Hilwartshausen (dann vom Landgrafen von Hessen als lehnherrlichem Nachfolger) in Haarbrück und vom Stifte Corvey in Würgassen. Das Amt Herstelle kam wieder unter die Verwaltung eines bischöflichen Amtsdrosten, die Burg mit den zugehörigen Ländereien wurde zur bischöflichen Domäne, die Ende des 18. Jh. in Zeitpacht vergeben war, und ging 1803 mit dem Fürstentum an den preußischen Staat über, der sie zunächst ebenfalls in Zeitpacht an den Freiherrn von Spiegel, den Besitzer von Kemperfeld, und 1815 in Erbpacht an den Freiherrn von Wrede zu Würgassen ausgab. Aus dessen Konkurs erwarb sie 1822 August Ferdinand von Ziehlberg und von diesem am 14.03.1823 die Witwe Heerman; der jährliche Erbpachtkanon wurde erst seit den 40er Jahren allmählich abgelöst. Der Burgberg selbst dagegen wurde erst 1844 an Werner Heereman in Erbpach übertragen.

Das adlige Gut Kemperfeld wurde 1733, als die von Falckenberg mit Ludwig Caspar ausstarben auf Antrag von dessen Witwe an Georg Wilhelm Freiherrn Spiegel zum Desenberg aus der Linie Oberklingenburg verliehen und blieb als Mannlehen bei dieser Familie, bis es der kurhessische Major Ernst Freiherr Spiegel in Kassel am 08.09.1820 - durch Vermittlung des Schwagers der Witwe Heereman, des Landrats zu Höxter Philipp Freiherr von Wolf-Metternich- an die Witwe Heereman verkaufte und sich nur den Haarbrücker Wald vorbehielt. Da das Gut als Allod verkauft worden war, kam es 1839, nachdem sich sein Lehnscharakter herausgestellt hatte, anlässlich der Versteigerung des Spiegelschen Haarbrücker Waldes zu erneuter Auseinandersetzung mit der Familie Spiegel. 1847 gehörten zum Gute 12 Meierhöfe in Haarbrück.

Die Bemühungen der Witwe Heereman, als drittes Gut zu Kemperfeld und dem Erbpachtgute Burg Herstelle das adlige Gut Würgassen, das seit 1583 den Freiherrn von Wrede gehört hatte und aus der Wredischen Konkursmasse 1822 an Bernhard von Goddäus gelangt war, zu erwerben, scheiterten an den Forderungen des Goddäus. Doch erwarb sie in Herstelle 1824 vom Schiffer Heinrich Münchhausen das Cornelius Hanekische Haus, dessen Tausch gegen das Kloster von Herstelle, das die 1651 aus Höxter ausgewiesenen Minoriten bewohnt hatten und das nach seiner Aufhebung (1824) der Gemeinde Herstelle als Pfarr- und Schulhaus dienen sollte, sie und später ihr Sohn Werner vergeblich bei der Gemeinde Herstelle betrieben; erst 1899 wurde das Hanekesche Haus Pfarrei.

Dieser aus den beiden Gütern Kemperfeld und Burg Herstelle bestehende Besitz, dessen Mittelpunkt die anstelle der im 30jährigen Kriege zerstörten Falckenbergischen Burg neben dem bischöflichen Amtshause zwischen 1824 und 1833 mithilfe der hand- und spanndienstpflichtigen Bauern von Haarbrück erbaute neue "Burg", ein großes modernes Landhaus, bildete, wurde 1878 von Werner Heereman, der übrigens als Laiendoktor große Verehrung bei der Bevölkerung genoss, in ein Familienfideikommiss umgewandelt [Sein Porträt im Heimatjahrbuch des Kreises Höxter, 2 Bde., 1927, S. 96/97]. Anfang der 20er Jahre wurde das Familienfideikommiss aufgelöst und der gesamte Besitz etwas später (1928) zwangsversteigert. Heute gehört die Burg Herstelle den "Deutschen Röhrenwerken A. G." (Thyssen Mülheim/Ruhr), die sie als Erholungsheim für ihre Belegschaft eingerichtet haben.

Die Archivalien der Pfandschaft Herstelle und des Gutes Kemperfeld aus der Falckenbergischen Zeit sollen nach Wigand (Archiv für Gesch. u. Altertumskunde Westfalens, Bd. 5, 1832, S, 98 ff.) in Trümmern an die Witwe Heereman gelangt sein; in dem jetzigen Hersteller Bestande auf Surenburg ist jedoch nur eine Abschrift des Vertrages von 1608 vorhanden, der Verbleib des eigenen Archivs ist unbekannt [Rathscheck berichtet (Bd. 2, S. 106) von einem Einbruch in die damals (nach 1886) unter gerichtlicher Verwaltung stehende Burg Herstelle, wobei Bibliothek und Archiv verwüstet wurden; vielleicht sind damals die älteren Bestände verloren gegangen]. Das Archiv von Kemperfeld aus der Spiegelschen Zeit soll sich vor kurzem noch im Besitz der Familie Spiegel befunden haben. Auf Surenburg befinden sich seit dem Verkaufe der beiden Güter nur die wenig ergiebigen Akten aus der ersten Zeit des Heeremanschen Besitzes (vor Errichtung des Fideikommisses 1878). Auch der Verbleib der Archivalien des 1657 von den Höxterschen Minoriten gegründeten und 1824 aufgehobenen Klosters Herstelle, die sich nach Schmitz-Kallenberg (Monasticon Westfaliae S. 35) im Gutsarchiv Kemperfeld in Resten befunden haben sollen, ist unbekannt.

Nachtrag zu Anmerkung betr. Nikolaus Kindlinger

Auszug aus Kindlingers Lebenserinnerungen betr. seine Arbeit am Surenburgischen Archiv.

1789 (nach Ostern)... Nebenher, und zwar nur des Nachmittags, beschäftigte ich mich mit Einrichtung des Archives des Freiherrn von Heereman in Münster.

Dieses Bestand:

a) aus den Briefschaften des angekauften Gutes Surenburg bei Bevergern;

b) aus den Briefschaften seiner Güter und Besitzungen im Holländischen, als

1. der Herrschaft Lisse bei Amsterdam

2. der Herrschaft Rumpt und

3. des Gutes Vronestein im Kirchspiel Jutfaes, sowie der Ländereien bei Leyden

Im Surenburgischen Archiv fand ich wenig Ausbeute für die Geschichte, auch fast nichts unter den Briefschaften vom Nevinghofe, dagegen etwas Mehreres unter den

holländischen Papieren. Unter diesen fand ich eine Urkunde mit einer Oblate besiegelt, welche bis jetzt noch die Älteste ist mit einer solchen Besiegelung......

1789 (im Sommer)...In Münster setze ich meine Arbeiten im Heeremanschen Archiv fort, wie auch die zum zweiten Bande der "Münsterischen Beiträge", und verfertigte noch einige Aufsätze für den Freiherrn von Merode.

Eigentümer:

Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck

Benutzung erfolgt nur über das LWL - Archivamt für Westfalen.

Für dieses Archiv ist als Referentin Dr. Antje Diener-Staeckling zuständig:

Tel. 0251 /591-3897

E-Mail: antje.diener-staeckling@lwl.org
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