Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.1. KÖLNISCHES WESTFALEN
1.1.1. Herzogtum Westfalen
1.1.1.2. Stifte und Klöster
Stift Meschede
Stift Meschede / Urkunden
A 114u, Stift Meschede - Urkunden
Alle Verzeichnungseinheiten der Klassifikation anzeigen


1559 Juli 18
Permalink der Verzeichnungseinheit

Georg uff dem Houe, Scholaster von St. Aposteln zu Köln, Hermann Borchards, Kanoniker zu Meschede, und Johan Bichter, Kanoniker zu St. Aposteln, bekunden, der + Jost Borchards von Meschede, Lic. der Rechte, Kanoniker zu St. Aposteln und St. Cecilien in Köln, kurfürstl. Kölnischer Rat und Obsiegler usw., der Bruder, Vetter und Freund der Aussteller, habe aus Liebe zu seinen Verwandten und zu seinem Vaterland für einen Studenten oder Portionisten in der St. Laurenz-Burse in seinem Testament folgende Stiftung gemacht: Der Testator vermacht 400 Goldgulden zur Stiftung einer Portion in der St. Laurenz-Burse. Von dieser Summe soll der Regens der Burse von den beim Domkapitel oder anderswo angelegten Renten jährlich 16 Gulden erheben und für die Wohnung und die Portion eines Präsentierten verwenden. Die zwei ältesten Nachkommen, sie seien männlich oder weiblich, seines + Großvaters Borchards Kremers haben das Recht, dem Dechant, Scholaster und Cantor der Kollegiatkirche zu Meschede aus dem Geschlecht des gen. Großvaters und der beiden Brüder Johan und Gereon Rarbeke als der nächsten Blutsfreunde seiner + Mutter drei Studenten zu präsentieren. Diese haben die drei zu examinieren und ohne Bevorzugung den Geeignetsten für das Studium der Philosophie und ihrer Künste auszuwählen. Sie haben ihn dann dem Regens zu präsentieren, der den Betreffenden in die Burse aufnehmen wird. Die Eltern oder Vormünder des Präsentierten haben den Examinatoren für ihre Arbeit ein Viertel Wein zu spendieren. Wenn ein solcher Student aus dem Geschlecht des Testators nicht vorhanden ist, soll einer aus dem Geschlecht seines Blutsfreundes, des Herrn Jürgen uff dem Houe von Meschede, und danach einer aus der Freiheit Meschede ausgewählt werden. Der betreffende Student ist verpflichtet, täglich die Frühmesse in der Predigerherren-Kirche zu Köln zu besuchen, unter den anderen Gebeten den 50. Psalm "Miserere mei Deus" zu verlesen und er Seele des Testators zu gedenken. Wenn er nachlässig wird und einen schlechten Lebenswandel führt, hat der Regens die Macht, ihn nach dreimaliger Mahnung zurückzuschicken. Dieser hat dann den Presentatoren mitzuteilen, daß sie ihm einen anderen Gesellen besserer Art präsentieren. Der Präsentierte darf die Portion 3 oder 3 1/2 Jahre genießen, damit er inzwischen zu einem Meister der freien Künste promovieren kann. Nach Ablauf dieser Zeit hat ihn der Regens zurückzuschicken und sich einen anderen präsentieren zu lassen. Wenn der Student dem Regens zu berechtigten Hoffnungen Anlaß gibt, kann er die Zeit um ein oder zwei Jahre auch gegen den Willen der Patrone verlängern, damit der Student in dieser Zeit das Fundament der hl. Schrift oder des Rechts lernt. In diesem Sinne sollen die Testamentsvollstrecker eine Stiftung errichten. Von dieser sollen vier Ausfertigungen in deutscher Sprache hergestellt werden, von denen die 1. beim Regens, die 2. beim Kapitel, die 3. bei der Gemeinde Meschede und die 4. bei der Gemeinde zu Arnsberg, wo sich viele Freunde und Blutsverwandte des Testators befinden, aufzubewahren sind.
Die Testamentsvollstrecker haben die 400 Gulden zu 16 Gulden Pension beim Kölner Domkapitel mit Urkunde von 1556 Aug. 5 angelegt. Diese Urkunde haben sie dem Heinrich von Tongren, Lehrer der hl. Schrift, Priester, Kanoniker und Pastor zu Groß-St. Martin, zur Zeit Regens der St. Laurentz-Burse, übergeben. Wenn die Rente gekündigt wird, soll der Regens den Losepfennig nicht allein, sondern zusammen mit den beiden Herren Dechanten der Theologie und der Fakultät der Künste in Empfang nehmen und das Geld anstatt des Rentbriefes in der Kiste der Fakultät der Künste deponieren, bis es wieder angelegt ist. Wenn das Geschlecht der Presentatoren ausstirbt, soll das Presentationsrecht auf Bürgermeister und Rat zu Meschede übergehen. Da die Stiftung zur Erhaltung der katholischen Religion geschehen ist, soll für den Fall, daß die Burse verschwindet oder daß keine Lektoren mehr vorhanden sind bzw. daß diese nicht katholisch sind, die Verwaltung der Renten an die Fakultät der Theologie übergehen, die die Portion einem präsentierten katholischen Studenten oder Priester zukommen lassen wird. Siegelankündigung des Regens, des Scholasters, des Hermann Borchardts und des Johann Bichter. Geschehen zu Köln. (Regest)


Allgemeine Formalbeschreibung : Vermerke: Ausf., Perg., deutsch.
die 4 Siegel anhängend



Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken