Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.1. KÖLNISCHES WESTFALEN
1.1.1. Herzogtum Westfalen
1.1.1.2. Stifte und Klöster
Stift Meschede
Stift Meschede / Urkunden
A 114u, Stift Meschede - Urkunden
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1564 August 10
Permalink der Verzeichnungseinheit

Georg uf dem Houe von Meschede, Scholaster, und Wessel Auckum, beide Kanoniker von St. Aposteln zu Köln, sowie Anthonius Bichter bekunden als Testamentsvollstrecker ihres Freundes bzw. Bruders, daß Johann Bichter, Kanoniker von St. Aposteln, am 30. Juni dieses Jahres verstorben sei. Nach seinem letzten Willen soll er in der Kirche St. Aposteln neben dem St. Antoniusaltar bestattet werden, an dem auch seine Memorie an seinem Sterbetag oder einem anderen Tag gehalten werden soll. Dafür stiftet er eine Rente von drei Talern. Außerdem setzt er einen Taler aus für drei Stundengebete am Feste von Katharina, die Dechant, Kanoniker und Vikare von St. Aposteln verdienen können. Die Kirche St. Aposteln soll den Rentbrief von zwölf Talern aufbewahren, den er für ein Kapital von 300 Talern vom Domkapitel gekauft hat. Dechant und Kapitel von St. Aposteln sollen die Rente einziehen. Der Presenzienmeister hat die vier gen. Taler für die angegebenen Zwecke zu verwenden. Ferner soll; er Älteste aus dem Geschlecht der Bichter oder sonst der älteste Blutsverwandte vier Taler erhalten, die er an neun Arme zu verteilen hat, und zwar an jedem Quatemberfreitag drei Kölnische Albus. Von den Armen sollen 3 zu St. Aposteln in Köln, drei in Meschede und drei in Eslohe wohnen. Diese Armen haben dann ebenfalls für den Stifter und seine Familie zu beten. Der Prädikant zu St. Aposteln soll jährlich einen halben Gulden erhalten, damit er jeden Sonntag auf dem Predigtstuhl für den Stifter und seine Familie bittet. Der älteste Bichter hat eine Wachskerze von einem Pfund jährlich auf dessen Grab zu stellen. Diese soll auf Allerheiligen während der Vesper und Vigil und zu Allerseelen von der Mette bis zum Hochamt brennen. Was dann von den vier Talern übrig bleibt, soll der älteste Bichter für sich behalten. Von dem Rest der Rente bestimmt er 1 1/2 Taler für sein Offizium am St. Katharinenaltar zu Meschede, wozu er noch seinen Speicher oben auf dem Kirchhofe bei der Rüster (roster) vermacht. Die letzten 3 1/2 Taler soll für den Bedürftigsten aus seinem Geschlecht sein, bzw. für zwei oder drei nach dem Gutdünken der Testamentsvollstrecker.
Da das Kapitel von St. Aposteln es ablehnt, die Last der Verwaltung der Rente zu übernehmen, beschließen die Testamentsvollstrecker, das Kapital zu verteilen. Somit übergibt Anthonius Bichter aus Liebe zu seinem Bruder mit seiner Frau Christinen von Mulheim aus seinem eigenen Gelde dem Dechant und Kapitel von St. Aposteln 130 Taler. Außerdem verschreiben die Eheleute aus ihrem Hof zu Menzel (Mensell) im Gogericht Rüthen, gen. der Bichterhof, dem Rektor des Katharinenaltars in Meschede eine Rente von 2 1/2 Talern und zehn Räderalbus, außerdem dem Ältesten aus dem Geschlecht der Bichter, der Anthonius zur Zeit selbst ist, eine Rente von 3 1/2 Talern und zwölf Räderalbus, die zu Lichtmeß 1566 zum ersten Male fällig sind. Von der Zahlung der Renten dispensiert nicht Hagelschlag, Krieg, Raub, Brand, Mißwachs, Herrennot oder Gottesgewalt. Nachdem der + Johann Bichter früher bereits aus dem Hofe neun Gulden Kölnisch verschrieben und diese Rente den Eheleuten in seinem Testament vermacht hatte, so erklären diese, daß der Hof sonst nur zugunsten des Offizianten des Katharinenaltars zu Meschede mit einer Rente von acht Müdde Gersten belastet ist. Die Eheleute behalten sich vor, die Renten abzulösen, und zwar die Rente von 2 1/2 Talern und zehn Räderalbus mit 68 1/2 Talern und die Rente von 3 1/2 Talern und zwölf Räderalbus mit 101 1/2 Talern. Die Einlösung ist dem Offizianten bzw. dem Ältesten des Geschlechts der Bichter ein halbes Jahr vorher schriftlich anzukündigen. Die Summe ist dann in das Gewahrsam von Dekan und Kapitel zu Meschede zu liefern. Darauf übergeben die beiden anderen Testamentsvollstrecker den beiden Eheleuten den Rentenbrief des Domkapitels, Dechant und Kapitel von St. Aposteln quittieren den Empfang der 130 Taler und versprechen die Abhaltung der Memorie und Einhaltung der gen. Bestimmungen. Desgleichen verpflichtet sich der Rektor des Offiziums am St. Katharinenaltar zur Befolgung, an jedem Quatemberfreitag an drei in Meschede seßhafte Arme jeweils 1 1/2 Räderalbus, also insgesamt jährlich 18 Räderalbus auszuteilen und jährlich zu Lichtmeß den Kirchmeistern zu Eslohe diese für die dortigen Armen zu übergeben. Wenn die Kirchmeister zu Eslohe das Geld nicht austeilen oder darin säumig sind, will der Offiziant die Summe an drei weitere Arme in Meschede verteilen. Wenn der Offiziant seine Aufgabe nicht erfüllt, geht diese an Dechant und Kapitel zu Meschede über. Wenn diese nachlässig sind, fällt die Aufgabe wieder an den Offizianten zurück. Da der Scholaster zu Meschede der Archidiacon des erwähnten Offiziums ist, soll er bei der Investitur eines neuen Offizianten diesen an seine Verpflichtungen ermahnen. Er hat darüber zu wachen, daß der Speicher in gutem Zustand gehalten wird. Er hat die Macht, die drei Armen zu bestimmen, an die die Spende fällt. Anthon Bichter verspricht in seiner Eigenschaft als Ältester der Familie Bichter, den entsprechenden Auftrag durchzuführen. Von dem ihm verbleibenden Taler und den zwölf Räderalbus hat er am Sonntag Invocavit dem Pastor zu Eslohe vier Räderalbus zu geben. Dafür hat dieser an jedem Sonntag vor den Quatembern auf dem Predigtstuhl für seine Eltern und Wohltäter zu beten und die drei Armen zu dem entsprechenden Gebet anzuhalten. Von den vier erstellten Urkunden wird eine dem Stift St. Aposteln, eine dem Stift Meschede, eine dem Anthon Bichter und eine dem Offizianten zugestellt, wobei die Urkunden durch den Lic. jur. Johan Kempis, Offizial und Domherr zu Köln, bestätigt werden. Siegelankündigung des Offizials, des Dechants und Kapitels von St. Aposteln und zu Meschede sowie des Niclas Rammen, Richter zu Rüthen, vor dem die Rentverschreibung aus dem Hof zu Menzel erfolgte, und der drei Testamentsvollstrecker. (Regest)


Allgemeine Formalbeschreibung : Vermerke: Ausf., Perg., deutsch.
die 7 Siegel anhängend.
daran Transfix: Bestätigung des Kölner Offizials



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