Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.1. KÖLNISCHES WESTFALEN
1.1.1. Herzogtum Westfalen
1.1.1.2. Stifte und Klöster
Stift Meschede
Stift Meschede / Urkunden
A 114u, Stift Meschede - Urkunden
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1585 Februar 23
Permalink der Verzeichnungseinheit

Am 23. Feb. 1585 neuen Stils erscheinen um 9 Uhr vor dem Notar Herman Winckel von Attendorn, Dr. jur., Priesterkanoniker der Domkirche in Köln und Dechant zu Meschede, und Johan Cochem, Scholaster von Mariengraden zu Köln, als Testamentsvollstrecker des Georg vom Houe von Meschede, Dechant von St. Aposteln zu Köln. Sie bringen neun papierne Blätter vor, die vom Dechant eigenhändig geschrieben sind und die sein Testament darstellen. Da verschiedene Klauseln des Testaments sich auf Orte außerhalb Kölns beziehen, es aber bei den jetzigen Kriegsgefahren nicht angebracht ist, das Original über Land zu führen, bitten die Testamentsvollstrecker um eine Abschrift betreffs der in der Kirche St. Walburgis zu Meschede für den Testator zu feiernden Memorie. Der Notar fertigt darauf einen Auszug aus dem Testament und vergleicht diesen am Samstag, den 2. März mit dem Original in Anwesenheit des Scholasters von St. Margreten, des Notars Wilhelm Cornelii aus Essen und des Hermann Hochbergius. Die Klausel lautet: Georg uffm Houe, Scholaster und jetzt Dekan von St. Aposteln in Köln, setzt fest: Meine Exequien sollen in der Kollegiatkirche St. Walburgis zu Meschede gehalten werden mit Vigilien, Messen und Fürbitten, aber ohne Schlemmerei und Zechen. Für die Memorie soll durch den Baumeister aus der Rente von drei Goldgulden, die der Testator bei dem Schulten Johan von Immenhausen (Imchaußenn) angelegt hat, ein Gulden an die zelebrierenden Kanoniker und Vicare zu gleichen Anteilen und an den Lehrer und den Küster, wenn er feierlich läutet, zu einem halben Anteil verteilt werden. Der Leutpriester oder, wie man ihn dort nennt, der Frühmeßner (Primissarius), soll einen doppelten Anteil erhalten, wenn er am Sontag vorher die Memorie ankündigt und einen jeden, besonders aber die Armen auffordert, für den Testator und seine Eltern und Wohltäter zu beten. Nach dem Gottesdienst sollen zwei Gulden an 20 Hausarme verteilt werden, die in Meschede geboren sind und dort wohnen, einen ehrbaren Lebenswandel führen und der katholischen und apostolischen wahren Religion zugetan sind. Wenn einer der Verwandten des Testators sich darunter befindet, soll er bevorzugt werden. Die Benennung der Armen soll durch den Bruder des Georg, Vollmar vom Houe, erfolgen, nach dessem Tod durch den Scholaster und den ältesten Provisor von hl. Kreuz. Damit die Verteilung durch den Baumeister ordentlich durchgeführt wird, sollen als Richter und Beaufsichtiger dabei sein Dechant und Scholaster, wenn sie Priester sind und am Ort residieren, sonst der Senior der Kanoniker, der Priester ist, ferner der Bürgermeister der Freiheit Meschede, der jeweilig älteste Provisor von hl. Kreuz, der Schulte auf dem Houe, - obwohl der Testator nicht mit dem jetzigen verwandt ist, sondern weil er auf dem Hofe geboren wurde -, und schließlich der Schulte zu Immenhausen, solange er die Rente nicht abgelöst hat. Nach dem Gebet für den Testator soll jeder Beaufsichtiger und jeder Arme, wenn er beim Gebet anwesend, sonst nur wenn er nicht durch eine offensichtliche Krankheit verhindert war, jeweils 1 1/2 Räderalbus erhalten. Die Obligation soll beim Kapitel zu Meschede verwahrt werden, wofür der Baumeister seine Presenz wie die übrigen erhalten soll. Was von den zwei Gulden bei der Verteilung übrig bleibt, soll in die Baukasse des Stifts fließen. Das Kapitel soll durch ein Reversal kund tun, daß es seinen letzten Willen durchführen will. Dieses soll in der Kiste der Provisoren von hl. Kreuz bzw. in der gemeinen Kiste verwahrt werden.
Die andere Clausel des Testaments betrifft die 100 Goldgulden oder 100 Taler bei dem Schulten zu Stockhausen. Der entsprechende Passus lautet: So verbleiben noch zwei Goldgulden. Davon soll einer für sein Jahresgedächtnis in St. Walburgis zu Meschede verwandt werden zur Vermehrung der Presenzgelder der Armen. Angelegt ist der Gulden bei Contz zu Immenhausen. Georg, der Sohn seines Bruders Volmer, hat darüber die Aufsicht zu führen. Dafür erhält er den 5. Gulden.
Beglaubigung durch Gerhard Hoichstein, Notar und Gerichtsschreiber des Kölnischen Geistlichen Hofgerichts und Sekretär des Stifts St. Aposteln. (Regest)


Allgemeine Formalbeschreibung : Vermerke: Notariatsinstrument, Perg., deutsch.
Rückverm.: Georg vom Hoffe + [15]83 Okt. 13



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