Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.5. WEITERE WELTLICHE TERRITORIEN
1.5.4. Grafschaft Rietberg
Grafschaft Rietberg
Grafschaft Rietberg / Akten
E 301, Grafschaft Rietberg - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : E 301

Name : Grafschaft Rietberg

Beschreibung :

Einleitung :

Grafschaft Rietberg - Akten

Die Grafschaft Rietberg

Die Grafen von Rietberg waren seit 1237 nach Abspaltung von den Grafen von Arnsberg selbständig, als Konrad I. von Cuyk-Arnsberg die nördlich der Lippe gelegenen Teile der Grafschaft Arnsberg erhielt (Haus Cuijk-Arnsberg). Die Benennung erfolgte nach der um 1100 gegründeten Burg Rietberg an der Ems.

Die Grafen von Rietberg bekleideten in den nachfolgenden Generationen einflußreiche Positionen und Ämter in Westfalen, so waren sie u.a. Deutschordensritter, Bischöfe von Osnabrück, von Paderborn und von Münster, an verschiedenen Orten Domherren und Dompröpste und eine Tochter auch Äbtissin des Ägidiiklosters in Münster.

Konrad III. (1347-1365) trug seine ”Freiheiten“ dem Reich zu Lehen auf und erhielt sie mit dem Recht zur Setzung von Freistühlen vom Kaiser zurück. Rietberg war nun freie Grafschaft.

Graf Konrad V. von Rietberg (1428-1472) mußte 1456 die bisher reichsunmittelbare Grafschaft dem hessischen Landgrafen Ludwig I. für 600 rheinische Gulden zu Lehen auftragen; 1814 erfolgte die letzte Belehnung mit der Grafschaft Rietberg durch die hessischen Landgrafen.

Zwar wurde 1535 in der Grafschaft Rietberg die Reformation eingeführt, doch setzte sich später die Gegenreformation durch.

Als Graf Otto IV. von Rietberg 1552 kinderlos starb, fiel die Herrschaft Rietberg an Ottos Sohn Johann II. zu Rietberg, der aus Ottos zweiter Ehe mit Onna, Tochter des ostfriesischen Häuptlings Hero Omken, hervorging (Haus Cirksena). Das Harlingerland, ein Landstrich an der Nordseeküste Ostfrieslands, blieb bis 1600 in Personalunion mit Rietberg verbunden.

Mit dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen von Rietberg 1562 wurde das Lehen von der Landgrafschaft Hessen eingezogen, doch nach Protest 1565 den weiblichen Nachkommen verlehnt. Durch Heirat kamen 1581 die Grafschaft Rietberg und das Harlingerland an Ostfriesland. Doch verzichtete Graf Enno III. 1600 im Berumer Vergleich zugunsten seiner Töchter auf die Grafschaft Rietberg. Seine Tochter Sabina Catharina erbte die Grafschaft Rietberg und heiratete ihren Onkel Johann, mit dem sie das Haus Ostfriesland in Rietberg begründete, das 1690 in männlicher Linie ausstarb. 1699 kam Rietberg durch Heirat der Erbtochter Maria Ernestine Franziska an die Grafen von Kaunitz.

Die Grafschaft Rietberg gehörte bis zum Jahre 1806 zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis, gelangte 1807 zum Königreich Westphalen, 1815 an das Königreich Preußen. 1820/21 erwarb Friedrich Ludwig Tenge in Niederbarkhausen die Standesherrschaft Rietberg. 1946 wurde Rietberg Teil von Nordrhein-Westfalen.

Der Bestand

Der Bestand Grafschaft Rietberg vereinigt Akten aus Abgaben der Regierung Minden von 1852, 1903 und 1906 und der Amtsgerichte Rietberg und Wiedenbrück von 1879, 1938 und 1939 mit dem 1960 vom Land Nordrhein-Westfalen angekauften früheren Depositum Tenge.

Dem geringen Umfang der Grafschaft entsprechend war die Behördenorganisation nur unvollkommen ausgebildet. Noch im 18. Jahrhundert bildeten Regierung und Kammer ein vereintes Kollegium. Daneben bestand die Kanzlei als Justizbehörde, versah jedoch auch Aufgaben der Regierung. Die Neuordnung des Bestandes geht von den Behörden um die Mitte des 18. Jahrhunderts aus, versucht aber die Kompetenzen zu trennen.

Die Regierungssachen (1.1) schließen mit Ausnahme der Lehnssachen (1.1.4) mit dem Ende der staatlichen Selbständigkeit der Grafschaft 1807. Schriftwechsel mit den westphälischen un den preußischen Behörden, spätere Prozesse und ähnliche Vorgänge der Oberamtsverwaltung, der Domänenverwaltung und des Generalmandatars Tenge sind an anderer Stelle zusammengefaßt (4). Die Akten zur Domänenverwaltung von 1807 bis zum Verkauf der Grafschaftsdomänen durch den Grafen an seinen Bevollmächtigten Friedrich Ludwig Tenge 1820-1822 wurden nicht ausgesondert, sondern sind bei den Kammersachen (1.2) verblieben.

Es fehlen die Akten der (irrtümlich?) doppelt vergebenen Nummern 1232 und 2385. Die Nummern 3465 bis 3468 sind nicht belegt. Die letzte vergebene Nummer ist 3497.

Das vorliegende Findbuch wurde von Prof. Dr. Hans-Joachim Behr verfaßt. Im Jahre 2010 wurde das maschinenschriftliche Findbuch von Marc Schwen mit dem Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben und vom Unterzeichneten überarbeitet, autopsiert und geordnet.

Ergänzungsüberlieferung

··Die Rietberger Karten befinden sich in der Kartensammlung.

·Ein Verzeichnis der Rietberger Landesarchivalien mit der Abschrift des Verkaufskontrakts zwischen dem Fürsten Kaunitz und Tenge befindet sich im Bestand Kreis Wiedenbrück, Landratsamt Nr. 515 (1822-1846).

··

·Akten über Lehnsangelegenheiten der Herrlichkeit Mellrich von 1618-1692 befinden sich in den Beständen

··Kurfürstentum Köln, Hofrat, Westfälische Lehen Nr. 1343-1347.

·Kurfürstentum Köln, Geheime Konferenz, Westfälische Lehen Nr. 56 und 57.

·Kurfürstentum Köln, Hofkammer, Westfälische Lehen Nr. 50 und 51.

··

··Das Manuskript 390 im Niedersächsischen Staatsarchiv Osnabrück enthält das Rietberger Landrecht von 1679, die Kameralordnung von 1729 und den Ökonomischen Zustand von 1739.

·Rietberger Akten aus der Zeit der lippischen Vormundschaft 1578-1584 unter Graf Simon zur Lippe befinden sich im Landesarchiv NRW Abt. OWL Bestand L 46, aus der Zeit der Verwaltung durch den Niederrheinisch-Westfälischen Kreis 1557-1566 im Bestand Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis im Landesarchiv NRW Abt. R.

·Schriftstücke zur Bestandsaufnahme landesherrlicher Höfe in der Grafschaft Rietberg von 1668 befinden sich vereinzelt in den Grundakten des Amtsgerichts Wiedenbrück im Landesarchiv NRW Abt. OWL.

·Weitere Absplisse befinden sich im Familienarchiv Tenge zu Rietberg.

Literatur

··Ester, Mathias M., Der gräflich-rietbergische Kammerrat und Rentmeister Ludwig Reinking (1744-1811), in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung 45 (1987), S. 193-225.

·Hanschmidt, Alvin (Hrsg.), 700 Jahre Stadt Rietberg 1289-1989. Beiträge zu ihrer Geschichte, Rietberg 1989.

·Hanschmidt, Alvin, Die Grafschaft Rietberg (Köln-Westfalen 1180/1980), hrsg. von P. Berghaus und S. Kessemeier, 1980, S. 190-193.

··Hanusa, Margarethe, Langenberg - Geschichte einer westfälischen Gemeinde 800-1913 (Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh / Reihe 1; 12), Bielefeld 2009. [WJ 187]

··Kohl, Wilhelm, Rietberger Beamte 1807, in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung 9 (1950), S. 62-64.

··Krüggeler, Wilhelm, Hof- und Ahnenforschung in der ehemaligen Grafschaft Rietberg (Heimatkundliche Reihe / Heimatverein Rietberg 4), Rietberg 1999. [WJ 188]

·Krüggeler, Wilhelm: ”Biographie“ eines eigenbehörigen Bauern aus der Grafschaft Rietberg, in: Joergens, Bettina (Hg.), Biographie, Genealogie und Archive gemeinsam im digitalen Zeitalter: Detmolder Sommergespräche 2006 und 2007, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Insingen 2009, 99-120. [3 B 102]

··Leesch, Wolfgang, Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland, in: Westfälische Zeitschrift 113 (1963), S. 283-376.

·Leidinger, Paul, Zur Frühgeschichte der Grafschaft Rietberg. Beiträge zur Heimatkunde des Kreises Wiedenbrück 3 (1966), S. 43-49.

··Rosenkranz, Georg Joseph, Beiträge zur Geschichte des Landes Rietberg und seiner Grafen. Nebst einigen Urkunden aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde Westphalens NF Bd. 4 (1853) und NF Bd. 5 (1854).

··Sagebiel, Martin / Schütte, Leopold (Bearbb.), Territorialarchive von Paderborn, Corvey, Reckenberg, Rheda und Rietberg, Münster 1983.

·Scherl, Hermann, Die Grafschaft Rietberg unter dem Geschlecht der Kaunitz, Innsbruck 1962 (Diss.).

··Schwede, Arnold, Das Münzwesen in der Reichsgrafschaft Rietberg (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte 70; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen N.F. 6), Paderborn 2012.

··Schwennicke, Detlev, Europäische Stammtafeln, Band XXVII: Zwischen Maas und Rhein 3, 2010, darin: Die Grafen von Rietberg a.d.H. Arnsberg-Kuyc.

·Schwertener, Karl Philipp, Beiträge zur Verfassungs-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte der Grafschaft Rietberg. Hrsg. Franz Flaskamp. (Quellen und Forschungen zur Natur und Geschichte des Kreises Wiedenbrück 17 (1935)).

Bestell- und Zitierweise:

Grafschaft Rietberg - Akten Nr. ...

Münster, den 10. Juni 2010

Dr. Thomas Reich

Umfang : 3479 Akten (781 Kartons), Findbuch E 301, Bde. 1-3 (Akten).



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