Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.3. Studienfonds und Missionen
Studienfonds Münster
Studienfonds Münster / Akten
B 151 HG, Studienfonds Münster, Haus Geist, Oelde - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 151

Name : Studienfonds Münster

Beschreibung :

Einleitung :

Geschichte des Hauses Geist

Etwa ab 1400 läßt sich Güterbesitz der Familie von Oer im Bereich des späteren münsterischen Amtes Stromberg nachweisen. In einer nicht datierten Urkundenabschrift teilt Ludolph von Oer, seit 1432 Burgmann zu Stromberg, seinen Besitz unter seinen Söhnen Jaspar und Balthasar auf. Jaspar erhält dabei unter anderem "die wonynge to geyss" mit allem Zubehör. Ludolph trifft außerdem Anordnungen über die Ausstattung seiner Tochter Frederun und regelt seine eigene Altersversorgung. Bei einem am 26. August 1472 geschlossenen Vergleich der beiden Brüder von Oer wird Jaspar in seinem gegenwärtigen Besitz bestätigt, während Balthasar neben verschiedenen Rentverschreibungen Mittel zum Erwerb des Hofes Nottbeck erhält.

Jaspars Tochter und Erbin, Anna von Oer, heiratet 1480 Wilhelm von Nesselrode zu Palsterkamp und Ehrenstein, Erbmarschall des Herzogtums Berg. Ihr Sohn Bertram von Nesselrode heiratet Dorothea von Bodelschwingh.

Unter den Töchtern dieser Ehe, Anna (heiratet 1529 Wilhelm von Rennenberg) und Sophie, wurden die Güter 1532 geteilt. Sophie erbte die Häuser Geist und Palsterkamp. Sie war seit 1530 mit Franz von Loe zu Wissen verheiratet.

Dieser ließ auf Geist zwischen 1560 und 1568 von Laurenz von Brachum ein mehrflügeliges Herrenhaus im Stil der Lipperenaissance erbauen. Die Namen der am Bau beteiligten Handwerker sind in der erhaltenen Baurechnung (Nr. 7887) überliefert. Das repräsentative Gebäude wurde leider 1806/09 bis auf wenige Überreste abgebrochen.

Der Sohn Bertram von Loe heiratete 1575 die Erbtochter Margaretha von und zu der Horst. Das Ehepaar hatte sechs Töchter. Die Zweitälteste, Elisabeth von Loe, wurde Erbin des Hauses Geist. Sie heiratete 1593 in erster Ehe den Edelherren Joachim von Büren (gestorben 1610).

Am 12 Februar 1604 wurde ihr Sohn und Erbe Moritz geboren. Elisabeth von Loe und ihr minderjähriger Sohn traten 1613 vom kalvinistischen zum katholischen Glauben über. Der junge Moritz wurde von Jesuiten in Paderborn und Köln erzogen (1615-1620). Nach rechtswissenschaftlichen Studien in Douai (spanische Niederlande) ging er auf eine ausgedehnte Bildungsreise durch Europa. Während des Aufenthalts in Rom machte er 1625 den vergeblichen Versuch, in den Jesuitenorden einzutreten. 1626 nach Deutschland zurückgekehrt, bemühte man sich um eine seiner Ausbildung entsprechende Stelle. Trotz nicht ausreichenden Adels, und aufgrund einflußreicher Fürsprecher am kaiserlichen Hof wurde Moritz 1629 auf eine der beiden Präsidentenstellen des Reichskammergerichts in Speyer berufen. Diese Stellung behielt er bis zu seinem Eintritt in den Jesuitenorden 1644.

Er empfing die Priesterweihe, begann das Noviziat in Trier, studierte in Köln und beendete 1650 das Tertiat. Von den Ordensoberen wurde ihm die Verwaltung seiner Güter Büren, Ringelstein, Vollbrexen und Geist übertragen, die er dem Orden bereits in seinem Testament aus dem Jahr 1640 vermacht und 1654 zum Teil formell übereignet hatte. Langwierige Prozesse um die Erbfolge in Büren und Geist, besonders mit seinem Stiefvater Wilhelm von Westphalen und von Schenking und dem Bischof und den Domkapitel von Paderborn waren die Folge. Am 7. November 1661 starb Moritz zu Geist. Er wurde in der Petrikirche zu Münster beigesetzt. Die Streitigkeiten um seinen Besitz endeten erst 1698 mit einem Vergleich.

Geschichte der Jesuitenniederlassung auf Haus Geist

Schon zu Lebzeiten des Moritz von Büren wurde auf Haus Geist eine Niederlassung des Jesuitenordens eingerichtet. 1662 lebten dort sechs Jesuiten. Das Tertiat der niederrheinischen Ordensprovinz wurde von Hildesheim nach Geist verlegt. Seit 1665 absolvierten dort 10-15 Patres ("Tertiarier") ihr drittes Probejahr. Zwischen 1690 und 1718 wurden außerdem im Rahmen der wissenschaftlichen Ausbildung der jungen Jesuiten humanistische Wiederholungskurse für 10-16 Scholastiker ("Repetenten") unter Anleitung eines Instruktors veranstaltet. Die Gesamtzahl der Jesuiten auf Haus Geist betrug 1690 36, 1696 42 und 1700 47 Personen. Nach 1720 lebten nur noch 12 ältere Patres, 10-15 Tertiarier und ca. 10 Laienbrüder auf Geist.

1667 weihte Bischof Christoph Bernhard von Galen die Kapelle auf Haus Geist zu Ehren des Ordensheiligen Franz Xaver (aus dem Jahr 1469 stammt der erste Beleg über die Feier der Messe auf "Burg Geist"). 1708 legte Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich den Grundstein für die neue Kirche. Die am 27. September 1711 konsekrierte Franz Xaver-Kirche brannte 1813 ab, wurde aber anschließend wieder hergestellt.

In den Jahren 1750-1755 wurde der Nordflügel des Wohngebäudes abgetragen und unter Leitung des Jesuitenbruders Franz Pfisterer nach Plänen des Paderborner Hofarchitekten Franz Christoph Nagel wieder aufgebaut.

Während des siebenjährigen Krieges wurde Haus Geist mehrfach mit hohen Kontributionen belastet. Dadurch verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation so sehr, daß Haus Geist bei der Aufhebung der Jesuitenniederlassung im Fürstbistum Münster durch den Papst Clemens XIV. am 21 Juli 1773 stark verschuldet war.

Zur Versorgung der Exjesuiten, die aus Altersgründen keine Anstellung in Seelsorge oder Schuldienst finden konnten, wurde eine "Ökonomie" auf Haus Geist eingerichtet. Sie bestand bis etwa 1800. Die Bewirtschaftung des ca. 700 Morgen großen Gutsbetriebes wurde einem Rentmeister übertragen (Pächter Pellengahr 1922. siehe JVA Münster 1699).

Geschichte des Bestandes

Die Vermögensverwaltung der aufgehobenen Jesuitenniederlassungen im Fürstbistum Münster wurde der "Exjesuitenkommission" übertragen. Am 1. April 1803 wurde diese Kommission mit der "Universitätskommission", die das Vermögen des ebenfalls 1773 aufgehobenen Damenstifts Liebfrauen / Überwasser verwaltete, zur "Studienkommission" zusammengelegt. Ihre Fonds blieben jedoch streng getrennt. Erst 1819 wurden die Vermögensmassen vereinigt, und ein gemeinsamer Etat aufgestellt. Die Aufsicht über den "Studienfonds Münster" wurde 1819 dem Konistorium, 1825 dem Provinzialschulkollegium übertragen. Seit 1951 nimmt sie der Regierungspräsident Münster wahr.

1892 gelangte das Archiv des Studienfonds in das Staatsarchiv Münster. Der Teilbestand "Haus Geist" wurde erstmals 1802/03 durch den Vikar Ferdinand Dominikus Niedick verzeichnet und geordnet (Verzeichnis siehe Sammlung der abgelegten Findbücher). Er enthält außer den Archivalien zur Wirtschaftsführung des Hauses Geist auch zahlreiche Dokumente seiner adligen Besitzer, während kaum Unterlagen der Jesuiten auf Haus Geist vorhanden sind.

Die Akten des Hauses Geist wurden zum Teil von Exjesuiten- bzw. Studienkommission weitergeführt. Da eine Trennung der Provenienzien "Haus Geist" und "Studienfonds" mit dem Stichjahr 1773 (= Aufhebung) zur Aushöhlung des Geister Archivs geführt hätte, wurde stattdessen in der Regel das Jahr 1819 (= Zusammenlegung von Universitäts- und Exjesuiten- oder Gymnasialfonds) gewählt. Anstelle der alten und komplizierten Signaturen (z.B. 3. Kasten, 11. Loculament A Nr.8) wurden die Archivalien fortlaufend durchgezählt.

Die Akten sind zu bestellen:

"Studienfonds Münster Nr. ... "

Münster, im Mai 1988

U. Schnorbus

Rektoren der Jesuitenniederlassung auf Haus Geist (nach Duhr, Geschichte der Jesuiten ... )

Heinrich Rexing 27. Nov. 1661

Heinrich Türck (Vizerektor) 17. Nov. 1664

Theodor Cörler 1666

Gerhard Meinertz 1667

Bernahrd Huge 1672

Winand Weidenfeld 1675

Theodor Bote 1678

Johannes Scheffers 1683

Johannes Westhaus 1686

Johannes Scheffers 1690

Johannes Dirckinck 1693

Hildebrand Schulenberg 1696

Herman Samberg 10. Okt. 1700

Johannes Dircknick 8. Mai. 1704

Antonius Höcker 4. Apr. 1705

Friederich Consbruch 11.Okt. 1708

Johannes Dirckinck 30.Nov. 1711

Ambrosius Wyrich 5. Mai. 1716

Peter Rommerings 22.Juli. 1721

Heinrich Schwerbroich 24. Juni. 1723

Ferdinand Limpens 13. Aug. 1726

Theodor Huysbrechts 15. Sept. 1729

Albert Immendorff 8. Mai. 1733

Engelbert Hitzler 5. Juni. 1736

Dominikus Weichmann 8. Juni. 1739

Hubert Weimar 25. Juni 1742

Dominikus Weichmann 7. Okt. 1745

Hubert Weimer 5. Dez. 1748

Ernst Oistendorff 31. Jan. 1752

Engelbert Hitzler 23. Apr. 1755

Ernst Oistendotff 5. Nov. 1758

Jakob Görgen 20. Juli 1762

Jakob Zurmühlen 22. Okt. 1765

Heinrich Kirtzer 24. Apr. 1769

Jakob Zurmühlen 13. Mai 1772

Literatur

··Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Nordrhein-Westfalen. 2 Bände: Westfalen. Bearb. von Dorothea Kluge und Wilfried Hansmann, München / Berlin 1969.

·Bernhard Duhr SJ, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im 16., 17. bzw. 18 Jahrhunderts. 4 Bände, Freiburg / Br. bzw. München 1907-1928.

·Heinrich Pohlmeier, Moritz von Büren und seine Bedeutung für den Bürener Raum. In: Festschrift anläßlich des 300. Todestages des Edel- und Freiherren Moritz von Büren SJ 1661-1961. Herausgegegeben von P. Edmund Mertens SJ, Paderborn (1961).

·Geschichte der Höfe und Familien in Stadt und Kirchspiel Oelde. Nach Forschungen von Dr. Xaver Westhoff. Berabeitetet von Heinrich Lesting (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf. 12/13.), Oelde 1984.

·Albert Hartlieb von Wallthor, Der Münstersche Studienfonds. Enstehung und Entwicklung des Vermögens der alten Universität Münster. In: Die Universtität 1780-1980. Herausgegeben von Heinz Dollinger, Münster 1980.

Vorliegendes Findbuch A 173 II Studienfonds Münster, Haus Geist, Oelde - Akten wurde im Sommer 2010 von Marc Schwen unter der Betreuung von Thomas Reich, der Doppelsignaturen bereinigt und Akten nachverzeichnet hat, mit dem Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben.

Umfang : 11268 Akten, Findbücher B 151.



Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken