Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.3. Studienfonds und Missionen
Studienfonds Münster
Studienfonds Münster / Akten
B 151 JM, Studienfonds Münster, Jesuitenkolleg Münster - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 151

Name : Studienfonds Münster

Beschreibung :

Einleitung :

Im Jahr 1540 bestätigte Papst Paul III. den Jesuitenorden. Als besondere Aufgaben übertrug er ihm die Ausbreitung bzw. Festigung des Glaubens in Predigt und sogenannten Exerzitien durch Tätigkeit im Beichstuhl und Unterweisung der Jugend.

Um die Durchsetzung der Reformation im Bistum Münster zu verhindern, unternahm der Domdechant Gottfried von Raesfeld (1522-1586) verschiedene Versuche, die Jesuiten nach Münster zu berufen. Auf dem Totenbett - er starb am 23. Oktober 1586 - stiftete er einen Teil seines Vermögens (ungefähr 30.000 Reichstaler) zugunsten eines zu errichtenden Jesuitenkollegs. Das Domkapitel und der am 10. Mai 1585 zum münsterischen Bischof gewählte Kölner Kurfürst Ernst von Bayern nahmen sich der Ausführung des Vermächtnisses des verstorbenen Domdechanten an. Es begannen langwierige Verhandlungen mit Beauftragten des Jesuitenordens, bis die Stiftungsurkunde am 13. September 1588 ausgefertigt werden konnte: Den Jesuiten wurden jährliche Einkünfte in Höhe von 1.000 Reichstalern zugesagt, die der Domlemosinar in vier Raten auszahlen sollte. Außerdem erhielten die Jesuiten die Kirche St. Nikolaus auf dem Horsteberg und das sogenannte Paulinische Gymnasium (797 als Domschule gegründet).

Die Jesuiten wurden zunächst im Haus des bischöflichen Kaplans und in den angrenzenden Häusern auf der Domfreiheit untergebracht. Das Domkapitel übertrug das neugegründete Kolleg gänzlich der Verfügbarkeit des Jesuitenordens. Dafür erbat es sich außer den erforderlichen Lehrern für das Gymnasium Paulinum auch noch einige Priester, unter denen ein Theologe sein sollte, der dreimal wöchentlich für die Geistlichen und die älteren Schüler, die sich auf die Seelsorge vorbereiteten, eine theologische Vorlesung halten, der Prüfung der Ordinanden und Kanoniker beiwohnen und zweimal im Jahr die Synodalrede halten sollte.

Nachdem im August 1588 Pater Michael(is) genannt Brillmacher zum ersten Rektor des neuen Kollegs berufenworden war, wurde das Schuljahr für ca. 700 Schüler am 19. Oktober 1588 feierlich eröffnet. Die Schülerzahl stieg trotz der herrschenden Pest rasch auf ungefähr 1.000 Jungen an, darunter auch Elementarschüler der alten Schule.

Für die Entwicklung des Gymnasiums war es von großer Bedeutung, daß man schon bald mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes an der Cappenberger Stiege, unweit der Aa begann. Es konnte bereits 1593 benutzt werden. Der Grundstein für eine neue Kirche wurde am 3. Juli 1590 gelegt. Wegen finanzieller Schwierigkeiten verzögerte sich die Fertigstellung, so daß sie erst am 6. September 1598 zu Ehren des hl. Petrus geweiht und in den folgenden Jahren kostbar ausgestattet werden konnte. 1608/ 11 schließlich wurde ein Kolleggebäude errichtet.

1629 schien die Errichtung einer Jesuitenuniversität an der vor allem junge Kleriker im Geist des Konzils von Trient ausgebildet werden sollten, in greifbare Nähe gerückt zu sein. Finanzierungsprobleme und die unterschiedlichen Vorstellungen von Fürstbischöf, Landständen und Gesellschaft Jesu vereitelten trotz bereits erteilter päpstlicher und kaiserlicher Privilegien (1631) die Hochschulgründung.

Sie wurden erst 1773, also 140 Jahre später, unter völlig anderen Umständen realisiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Papst den Jesuitenorden bereits aufgehoben (21. Juli 1773). Das Vermögen des Ordens in Westfalen wurde im "Gymnasialfonds" zusammengefasst und von der "Exjesuitenkommission" verwaltet. Neben dem Unterhalt des Gymnasiums Paulinum diente es zur Versorgung der Exjesuiten und wurde zur Deckung von Ausgaben der Theologischen und der Philosophischen Fakultät der Universität Münster verwandt.

Am 1. April 1803 wurde die "Exjesuitenkommission" mir der "Universitätskommission", die das Vermögen des ebenfalls 1773 aufgehobenen Damenstifts Liebfrauen/ Überwasser verwaltete, zur "Studienkommission" zusammengelegt. Die beiden Fonds blieben jedoch streng getrennt. Erst 1819 wurden die Vermögensmassen vereinigt und ein gemeinsamer Etat vorgelegt. Die Aufsicht über den "Studienfonds Münster" wurde 1825 dem Provinzialschulkollegium übertragen. Seit 1951 nimmt sie der Regierungspräsident Münster wahr.

1892 gelangte das Archiv des ehemaligen Jesuitenkollegs Münster in das Staatsarchiv. Es war bereits zwischen 1798 und 1804 von dm Emonitor Deiters geordnet worden (Verzeichnisse siehe Sammlung der abgelegten Findbücher) und enthält außer den Archivalien des Kollegs auch zahlreiche Dokumente aus dem Besitz von Förderern - überwiegend Bürgern der Stadt Münster -, die weit in die Zeit vor seiner Gründung zurückreichen.

Die Akten des Jesuitenkollegs wurden zum Teil von der Exjesuiten- bzw. Studienkommission weitergeführt. Da eine Trennung der Provenienzen "Jesuitenkolleg Münster" und "Studienfonds" mit dem Stichjahr 1773 (= Aufhebung) zur Aushöhlung des Kollegbestandes geführt hätte, wurde stattdessen in der Regel das Jahr 1819 ("Zusammenlegung von Universitäts- und Exjesuiten- oder Gymnasialfonds") gewählt.

Anstelle der alten und komplizierten Signaturen (z.B.: K(asten) III Loc(atur) 10 A Nr. 74) wurden die Archivalien fortlaufend durchgezählt. Die Akten sind zu bestellen:

Studienfonds Münster Nr...

Münster im Mai 1986

Ursula Schnorbus

Rektoren des Jesuitenkollegs Münster

(nach Duhr, Geschichte der Jesuiten ... )

Peter Michael(is) genannt Brillmacher August 1588

Gisbert Nirbach 1595

Johann Copper 1601

Hermann Bösendorf Juni 1605

Heinrich Meschede 1617

Peter Ruidius (Ruidt) 1624

Heinrich Cratz 1629

Christian Lennep 1636

Kornelius Hewer 1643

Gottfried Cörler 10. August 1646

Johann Schücking 1650

Hermann Busenbaum 1653

Heinrich Rexing 1656

Johann Wisse 1660

Hermann Busenbaum 1663

Theodor Körler 1667

Konrad Holtgreve 1671

Johann Blanckenfort 1674

Ignaz Wassenhoven 1678

Win. Weidenfeld 1681

Johann Klerff 1684

Hunold von Plettenberg 1687

Reiner Haverloo 1691

Johann Westhaus 1694

Johann Klerff 10. November 1697

Joachim Blumenberg 10. Mai. 1701

Engelbert Schmitt 19. Oktober 1704

Johann Dircknick 7. Oktober 1708

Georg Schedelich 25. November 1711

Nikolaus Mocking 7. November 1713

Peter Schmittman 8. Januar 1716

Hermann Wesseling 6./ 29. Dezember 1719

Heinrich Eggert 22. Juni 1723

Peter Schmittman 22./ 27. August 1726

Ferdinand Limpens 2. Oktober 1729

Peter Schmittman 4. Mai 1733

Dominikus Weichman 10. Mai 1736

Sixtus Hesselmeier 2. Juni 1739

Dominikus Weichman 27. Juni. 1742

Sixtus Hesselmeier 3. Oktober 1745

Johann Dirckes 27. November 1748

Johann Dreyer 6. Februar 1752

Sixtus Hesselmeier 14. April 1755

Jakob Zurmühlen 23. November 1758

Ignatz Cordes 13. Juni/ Juli 1762

Ferdinand Rissen 24. Oktober 1765

Jakob Zurmühlen 16. April 1769

Bernhard Clute 13. Mai 1772

Literatur

Aloys Bömer, Gottfried von Raesfeld. In: Westfälische Lebensbilder. Band 3. Münster 1934.

H. Degering, Gottfried von Raesfeld. Sein Geschlecht, sein Leben und sein Testament. In: Aus dem geistigen Leben und Schaffen in Westfalen. Münster 1906.

Bernahrd Duhr S.J., Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im 16., 17. bzw. 18. Jahrhundert. 4 Bände. Freiburg/ Br. bzw. München 1907-1928.

Alwin Hansschmidt, Die erste münsterische Universtität 1773/80- 1818. Vorgeschichte, Gründung und Grundzüge ihrer Struktur und Entwicklung. In: Die Universität Münster 1780-1980. Münster 1980.

Alfred Hartlieb von Wallthor, Der Münstersche Studienfonds. Entstehung und Entwicklung des Vermögens der alten Universität Münster. In: Die Universität Münster 1780-1980. Münster 1980.

Karl Hengst, Jesuiten in Westfalen - Geschichte, Wirken und Bedeutung. In: Monastisches Westfalen. Westfälische Klöster und Stifte 800-1800. Münster 1982.

Rudolf Schulze, Das Gymnasium Paulinum zu Münster 797-1947. Münster 1948.

Umfang : 11268 Akten, Findbücher B 151.



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