Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
4. NICHTSTAATLICHES SCHRIFTGUT
4.4. NACHLÄSSE UND SAMMLUNGEN
4.4.2. Sammlungen von Vereinen, Institutionen und Firmen
Forschungsstelle "Westfälischer Frieden"
V 601, Forschungsstelle Westfälischer Frieden
Permalink des Findbuchs


Signatur : V 601

Name : Forschungsstelle "Westfälischer Frieden"

Beschreibung :

Einleitung :

Auf Anregung des damaligen Stadtarchivars Dr. Eduard Schulte und unter seiner Leitung wurde 1937 in Münster mit den Vorbereitungen für Veranstaltungen zur 300-Jahrfeier des Westfälischen Friedens begonnen.

Zu diesem Anlass sollte, wie es in einer Denkschrift Schultes heißt, "die gesamte Auswertung" des Dreißigjährigen Krieges "neu gerichtet" und das Ergebnis durch Buch, Zeitung, Vortrag, Film und Rundfunk, vor allem aber durch eine große "Reichsausstellung" der Allgemeinheit bekannt gemacht werden. Das Schwergewicht der Forschung und Propaganda sollte bei den konfessionellen Kriegsursachen, den Leiden des einfachen Volkes und den "Auswirkungen für Nation und Reich" liegen, wobei natürlich insbesondere die "geopolitische Schwierigkeit des deutschen Volksraumes und die daraus sich ergebende Bedrohung der deutschen Grenzen" hervorzuheben waren.

Nachdem sich Goebbels¿Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda der Sache angenommen hatte und die Ausstellung durch Ministerialrat Dr. Wilhelm Ziegler, Leiter des Referats II,2 Durchführung einer einheitlichen Propaganda des Reiches auf dem Gebiet der Außenpolitik, Wehrpolitik, Judenpolitik, förderte, wurde am 16. Januar 1940 in Münster eine "Forschungsstelle Westfälischer Frieden" eingerichtet. Schulte als ihr Leiter war fortan von allen rein städtischen Aufgaben abkommandiert, um sich entsprechenden Publikationen und der Reichsausstellung zu widmen, welche die gegen Deutschland gerichtete Politik Frankreichs in ihrer Kontinuität seit dem Mittelalter deutlich machen sollte. Die mit erheblichen Sondermitteln, unter Mitwirkung von 50 Künstlern und Kunsthandwerkern in der Stadthalle an der Apostelstraße zusammengestellte Reichsausstellung war als Wanderausstellung gedacht. Für die Dauer der Vorbereitung hatte das Ministerium Goebbels jede Erwähnung in der Presse untersagt. Die Ausstellung wurde niemals eröffnet. Sie war fertig, als sie am 3. Dezember wegen Veränderung der außenpolitischen Lage wieder abgebaut wurde. Nach der Niederlage Frankreichs wollte man die Franzosen für eine Front gegen England gewinnen, und die Tendenz der Ausstellung war der Förderung eines besseren Einvernehmens nicht zuträglich.

Die "Forschungsstelle" beschäftigte sich weiterhin mit historisch begründeter Propagierung nationalsozialistischen Gedankenguts. Im Herbst 1940 erschien als Gemeinschaftsarbeit Schultes mit Friedrich Kopp, wissenschaftlichem Referenten beim Amt Rosenberg, ein Buch "Der Westfälische Friede". Zum Geburtstag Hitlers am 20.4.1941 stellte die Forschungsstelle als Geschenk der NSDAP-Gau Westfalen-Nord einen Faksimilia-Band mit "Dokumenten zur Geschichte des Spanisch-Niederländischen Friedens Münster 1648" zusammen (vgl. Nr. IV,38).

Im Frühjahr 1942 wurden Stadtarchiv und "Forschungsstelle" nach Schloß Wöbbel verlegt, wo Schulte weitere Dokumentenwerke vorbereitete. Noch im August 1944 wurde bei einem Besuch des Reichsorganisationsleiters Ley die "Schloßbibliothek Wöbbel" als kriegswichtiger Betrieb eingestuft.

Die Registratur der Forschungsstelle ist von E. Schulte im Mai 1945 vollständig vernichtet worden. Erhalten sind einige wenige Korrespondenzabschriften und Fotografien der Reichsausstellung im Nachlaß Eduard Schulte im Stadtarchiv Münster und die "Sammlung Westfälischer Frieden". Sie enthält im wesentlichen Entwürfe für Schaubilder der Reichsausstellung, Originalstiche, die für die Ausstellung und Dokumentenmappen erworben wurden, sowie Faksimilia für solche Mappen.

Der Bestand wurde Ende 1981 vom NW Staatsarchiv Detmold an das zuständige NW Staatsarchiv Münster abgegeben und verzeichnet von Dr. M. Sagebiel, Dr. H. Müller, Dr. L. Schütte, Dr. P. Veddeler, Dr. W. Knackstedt, Dr. J. Kloosterhuis, Dr. H. Franz, E. Heese, U. Schnorbus, G. Kießling, C. Booms, G. Schaa.

Die römische Zahl der Signatur entspricht der jeweiligen Hauptgruppe in der Gliederung. Innerhalb der einzelnen Hauptgruppen wurden arabische Nummern vergeben. Buchstaben von A-Z ergänzen die arabischen Nummern in der Hauptgruppe I.; Portraits bei Darstellung der selben Person.

Beim vorgefundenen Sammelgut handelt es sich hauptsächlich um Originale mit alten Blattbezeichnungen, die Rückschlüsse auf Erscheinungsort und -datum zuließen oder um Nachdrucke, auch aus Publikationen. Die Archivalien tragen oft mehrere Nummern aus unterschiedlichen Verzeichnungsschichten. Sie wurden als Doubletten getauscht oder käuflich erworben. Vereinzelt findet sich noch eine Kaufpreisangabe, öfter dagegen kommen auf der Rückseite Anweisungen für Ausstellungszwecke vor. Die folgende Aufzählung der noch nachweisbaren über ganz Deutschland verstreuten Herkunftsstellen für das Sammelgut der "Forschungsstelle" gibt Aufschluß über die intensive Sucharbeit der Mitarbeiter. Zu nennen sind neben der Forschungsstelle Westfälischer Friede Münster (Stempel), Archiv der Stadt Münster (Stempel) und Schloß Wöbbel das Königlich Sächsische Kupferstich-Cabinett (Stempel), Portraitlager E.H. Schroeder Berlin (Stempel), Germanisches Museum Nürnberg, Kupferstichsammlung Strassburg (Stempel), Portraitsammlung Wien, Reichsdruckerei Berlin (Stempel), Staatliche graphische Sammlung München (Stempel), Kupferstichkabinett Berlin (Stempel), Stadtbibliothek Hamburg, Kunsthistorisches Museum Wien, Historische Kommission Münster (Stempel), Sammlung Curt Benedict (Stempel) und Alfred Misch (Stempel), Sammlung Vatikan und Reich oder Sammlung Reich und Kurie, Merian, Theatrum Europaeum und schließlich auch die Zigaretten-Bildbeilage "Waldorf-Astoria" (Reihe: Ruhmesblätter Deutscher Geschichte, Grp.4: Der 30jährige Krieg), die Margarine-Beilage der Firma Homann in Dissen (Reihe: 1000 Jahre Deutscher Geschichte) und kolorierte Albumbilder des Sammelwerkes Nr. 7: Gestalten der Weltgeschichte. Außerdem lieferten die Firmen Schünemann Bremen, Rudolf Lichtenberg Osnabrück (Stempel), Theissing Münster, Stenderhoff [Münster] und Schöningh Osnabrück Exemplare für die Sammlung. Geheimnisvoll bleibt ein roter Stempel in Form eine gleichseitigen Dreiecks, gefüllt mit zwei CC als Großbuchstaben.

Die Nummern I 60, I 73a, I 117a, II 61 und IV 15 erhielt das Stadtarchiv Münster zurück (Stempelprovenienz).

Die Abkürzungen bedeuten:

FWF = Forschungsstelle Westfälischer Friede Münster

SWF = Sammlung Westfälischer Frieden

Die Bezeichnung SWF wurde für die Stücke gewählt, die keinen Stempel FWF auf der Rückseite trugen aber mit Nummern versehen waren.

Münster, 1982

gez. Dr. Franz

Umfang : 505 Ausstellungsobjekte (Schaubild-Entwürfe, Stiche, Faksimiles), Findbuch V 601.

Verweise :

H.J. Behr, "Reichsausstellung" und "Forschungsstelle Westfälischer Frieden". Zwei nationalsozialistische Kulturvorhaben in Münster. In: Zeitschrift Westfalen 1983, Bd. 61/II, S. 9-23



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