Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
4. NICHTSTAATLICHES SCHRIFTGUT
4.4. NACHLÄSSE UND SAMMLUNGEN
4.4.2. Sammlungen von Vereinen, Institutionen und Firmen
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Dep.)
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Dep.), Nachlass Franz Caspar Bucholtz
V 504, Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Dep.), Nachlass Franz Caspar Bucholtz
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Signatur : V 504

Name : Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Dep.), Nachlass Franz Caspar Bucholtz

Beschreibung :

Einleitung :

Vorbemerkung

Der dem Altertumsverein Münster gehörende Bestand "Nachlaß Bucholtz" ist um 1950 von Studienrat Dr. Ewald Reinhard vorläufig verzeichnet worden. Diese etwas summarische, wenig sinnvoll gegliederte Verzeichnung ließ nicht erkennen, daß der Nachlaß aus zwei Teilen besteht, die sich unschwer trennen lassen. Bei der Neuverzeichnung ist eine solche Scheidung in den "Nachlaß Franz Caspar Bucholtz" und "Nachlaß Franz Bernhard Bucholtz" vorgenommen worden.

Franz Caspar Johann Nepomuk Bucholtz, Gutsherr auf Welbergen, gehörte dem literarisch-philosophisch tätigen "Kreis von Münster" an. Er wurde als einziges Kind des münsterschen Rates Bernard Heinrich Bucholtz und seiner Frau Anna Katharina Gertrud 1759 in Welbergen geboren (Taufe: 09.11.1759) und verstarb dort am 26.03.1812. Aus der am 17.06.1785 geschlossenen Ehe mit Maria Anna Pauline von Detten (Vater: Jodocus Maurus von Detten, +1775) sind drei Kinder hervorgegangen. Johann Joseph, geb. 1786, verstarb wenige Tage nach der Geburt; Gertrud, geb. 24.08.1787, heiratete den münsterschen Medizinalrat Franz Ferdinand von Druffel; Franz Bernhard Joseph, geb. 10.06.1790 in Münster, gest. 04.02.1838 in Wien, war der bekannteste Sproß dieser alten Gografenfamilie. Aus der Feder des Franz Caspar ist ein nur kleiner literarischer Nachlaß überliefert, der allerdings viel Fragmentarisches enthält: Gedankengut über Volk und Staat, Religion, Freidenkerei. Die spärlich erhaltenen Dichtungen sind ohne Belang. Dagegen sind die Korrespondenzen mit Amalie von Gallitzin, Johann Georg Hamann, Friedrich Heinrich und Georg Arnold Jacobi, Clemens August von Schücking, Johann Heinrich Jung-Stilling, Ferdinand Adrian von Lamezan, Johann Caspar Lavater, Bernard Overberg, Franz Hemsterhuis, Franz Friedrich Wilhelm von Fürstenberg von außerordentlicher Bedeutung

Wesentlich umfangreicher ist der Nachlaß seines Sohnes Franz Bernhard, dessen Patenonkel der münstersche Minister Franz Friedrich Wilhelm von Fürstenverg gewesen ist. Franz Bernhard ließ sich am 07.02.1807 an der Universität Münster als stud. jur., in Göttingen am 01.11.1811 immatrikulieren. In der Zeit von 1800-1812 lebte er immer wieder im Hause des Grafen Friedrich Leopold von Stolberg. In Weimar machte er Goethes Bekanntschaft, in Frankfurt die des Freiherrn von Stein. 1813 zog er von Göttingen nach Hamburg. Die Flucht vor den Franzosen trieb ihn nach Wien, wo er mit Graf Stadion und Wilhelm von Humboldt zusammentraf. Graf Stadion vermittelte eine Verbindung zu dem österreichischen Gesandten in Frankfurt, Baron von Hügel. In Frankfurt wirkte Franz Bernhard von November 1813 bis 1818 als Legationssekretär der österreichischen Gesandtschaft am Frankfurter Bundestag. Darauf trat er in Dienste der Haus-, Hof- und Staatskanzlei in Wien. 1817 wurde er aufgrund seiner Verdienste in den Ritterstand erhoben. 1820 unternahm er, wie in den Jahren 1779-80 sein Vater, eine große Bildungsreise durch Italien, 1824 nach Paris. Von dieser Reise und aus der Wiener Zeit berichtet er ausführlich und anschaulich in unzähligen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen. In Wien begegnet er Brentano, Schlegel, Adam Müller, Schlosser und dem großen Metternich. Seit 1813 erschienen mehrere seiner Schriften im Druck. Von 1821-1825 hatte er die Redaktion der Wiener Jahrbücher der Literatur unter sich. Trotz mannigfacher Anläufe gelang es ihm nicht, eine seinen Fähigkeiten angemessene höhere staatliche Stellung zu erreichen. Er verstarb 1838 in Wien als Staatskanzleirat. Seine am 22.08.1832 in Ilbesheim/Pfalz geschlossene Ehe mit Elisabeth von Hundheim, Tochter des Großherzogl.-Badischen Kammerherrn Joseph von Hundheim und der Rebecka Uberbruck von Rodenstein, blieb kinderlos.

Den Wert des Nachlasses machen die politischen und geschichtswissenschaftlichen Arbeiten sowie die umfangreichen Korrespondenzen mit berühmten Zeitgenossen aus.

Weitere Archivalien lagern noch auf Haus Welbergen, Korrespondenzen in der Universitätsbibliothek Münster. Verwiesen sei noch auf die Akten Landesregierung Münster Nr. 178 und 179 und Landsberg-Velen (Dep.) Nr. 4648

Literatur:

H. Bremer, Haus Welbergen, Gronau (um 1932)

Paul Franken, Franz Bernhard von Bucholtz bis zu seiner Übersiedlung nach Wien (1790-1818), Diss. Bonn 1932.

Dietrich von Merveldt, Franz Bernhard Ritter von Bucholtz Leben und Wirken im Mannesalter. Diss. Münster 1955.

Ludwig Schmitz-Kallenberg (Hg.), Aus dem Briefwechsel des Magus im Norden Johann Georg Hamann an Franz Kaspar Bucholtz 1784-1788. Münster 1917.

Georg Wacha, Franz Bernhard Ritter von Bucholtz im Salzkammergut. In: Oberösterr. Heimatblätter 21 (1967), S. 58-61.

Ewald Reinhard, Franz Kaspar Bucholtz, der Gönner Hamanns. In: Auf Roter Erde 13 (1954).

S. 70-71, 79-80.

Bildnisse:

1. Franz Bernhard B. von Rincklake, Landesmuseum Münster.

2. Franz Bernhard B. und Frau von H. Lips, Sammlung Lavater, Österr. Nationalbibliothek Wien.

Münster im Frühjahr 1975, gez. Müller

Das Findbuch wurde im Januar 2006 von der Auszubildenden Frau Schilling-Frenk nach VERA übertragen.

Kießling, 17.2.2006

Umfang : 349 Akten (11 Kartons), Findbuch V 504 mit Index.



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