Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
4. NICHTSTAATLICHES SCHRIFTGUT
4.4. NACHLÄSSE UND SAMMLUNGEN
4.4.1. Nachlässe und Sammlungen von einzelnen Personen
Sammlung Wilhelm Zuhorn
V 120, Nachlass August von Wydenbrück
Permalink des Findbuchs


Signatur : V 120

Name : Nachlass August von Wydenbrück

Beschreibung :

Einleitung :

August von Wydenbrück wurde um 1795 als drittes Kind des Christoph Joseph Johann Wilhelm von Wydenbrück zu Schwickering (gest. 1846) und der Antonette von Schorlemer geboren. Er studierte die Rechte zu Heidelberg. Vom Referendariat beim Kgl. Oberlandesgericht zu Münster wechselte er 1823 in das Auditoriat der 13. Division des VII. Armeekorps über. Dieses Amt bekleidete Wydenbrück mindestens 10 Jahre lang. Danach lebte er als Justizrat zu Berlin. file://fn@01

Wydenbrucks Dienstjahre als Divisionsauditeur fielen in eine Reformphase der preußischen Militärjustiz file://fn@02 . Nachdem diese im Lauf des 18. Jahrhunderts von einem einst angesehenen Rand auf die Stufe des Unterstabs angesunken war, wurde die Stellung der Militärauditeure im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wieder angehoben. Sie mußten seit 1800 Universitätsstudium und Referendariat bei einem Landesjustizkollegium, seit 1829 auch Assessorexamen und seit 1838 eine abgeleistete Wehrpflicht nachweisen können. Je nach Verwendungsstelle gab es bei der mobilen Feldarmee in Umsetzung der Heeresneugliederung von 1812 Korpsauditeure (bei einem Generalkommando) und (seit 1818) Divisionsauditeure; daneben auch Gouvernements- und Garnisonsauditeure.

Die Division war ein aus Regimentern verschiedener Waffengattungen zusammengesetzter Bestandteil eines Armeekorps. Zu Wydenbrücks 13. Division des VII. AK gehörten ab 1818 die 13. Infanteriebrigade (aus dem 13. und 15. Infanterieregiment) und die 13. Kavalleriebrigade (aus dem 4. Kürassier- und dem 11. Husarenregiment), dazu (ab 1819) die 13. Landwehrbrigade und (ab 1821) die 13. Divisionsgarnisonskompanie file://fn@03 .

Die dienstliche Aufsicht über den Divisionsauditeur lag beim Divisionskommandeur als Gerichtsherrn der Division; die fachliche Aufsicht beim Generalauditoriat zu Berlin file://fn@04 . Dort bemühte man sich in den 1820er Jahren um eine straffere Dienstleistung der Militärjuristen, besonders auch in Formfragen.

Den gesteigerten Anforderungen an die Fachausbildung der Divisionsauditeure entsprach eine Spezialisierung ihres Aufgabenbereichs auf Angelegenheiten der militärischen Rechtspflege. Sie arbeiteten dabei als juristische Gehilfen ihrer Gerichtsherrn, als militärische Justitiare und Urkundsbeamten, als Syndici der Kommandantur in Fiskalsachen rechtlicher Natur (etwa Kapitulationsverträge, Remontekäufe, Grundstücksübertragungen usw.), als gewählte bzw. bestellte Ankläger oder Verteidiger von Militärpersonen oder als Rechtsberater von Offizieren und Soldaten bei Zivilgerichtssachen. Über die Tätigkeit der Gerichtsoffiziere auf Regiments- und Bataillonsebene übten sie Fachaufsicht aus; bei Verfahren vor Ehrengerichten stand ihnen nur beratende oder materialzuliefernde Funktion zu file://fn@05 .

Die Divisionsauditeure standen im Rang von Stadtgerichtsräten oder von (den rangniedersten) Räten 5. Klasse. Ihr Gehalt war knapp bemessen file://fn@6 . In der Regel diente das Amt als Sprungbrett für eine weitere Verwendung als Volljurist im höheren Dienst der preußischen Gerichte und Verwaltungsbehörden.

Bei Wahrnehmung seiner Aufgaben und in Blick auf die Aktenführung war ein Divisionsauditeur sein eigener Kanzlist und Aktuar. Allenfalls konnte er auf die Hilfe von Militärbüro-Schreibern des Divisionskommandos zurückgreifen. Gleichwohl durfte die Auditoriat-Registratur nicht in der Wohnung des Auditeurs untergebracht sein, sondern hatte sich bei der 3. Sektion der Allgemeinen Stabsregistratur zu befinden file://fn@7 .

Der Divisionsauditeur August von Wydenbrück scheint diese Vorschrift zumindest teilweise vernachlässigt zu haben, denn die im folgenden verzeichneten Schriftstücke und Aktenbruchstücke gelangten, wenn auch auf nicht mehr zu klärenden Wegen, so doch offensichtlich nach Art eines Privatnachlasses in das Staatsarchiv Münster. Sie kamen bei einer Revision des Magazins 1982 in einem Konvolut von Schriftstücken des 18. Jahrhunderts zum Vorschein, aus dem sie herausgenommen und verzeichnet wurden.

Münster, im Dezember 1982

gez. J. Kloosterhuis

Nach VERA übertragen im März 2008.

Kießling

Umfang : 31 Akten (1 Karton), Findbuch V 120.



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