Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
4. NICHTSTAATLICHES SCHRIFTGUT
4.3. GEWERBEBETRIEBE, ADELIGE HÄUSER, FAMILIEN, HÖFE
4.3.2. Adelige Häuser, Familien, Höfe
Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.)
Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.) / Vermischte Urkunden
U 158, Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Schimmelpfennigsche Studienstiftung
Permalink des Findbuchs


Signatur : U 158

Name : Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Schimmelpfennincksche Studienstiftung

Beschreibung :

Einleitung :

Die Schimmelpfennigsche Studienstiftung (oder "Schimmelpfennigianum") wurde durch den Königsberger Ober-Appellationsgerichtsrat und Ratsherr Johann Schimmelpfennig (1604-1669) und dessen Ehefrau Sophie, geb. Schwartz durch gemeinsames Testament vom 5 Juli 1652 fundiert, wenngleich die Stiftungsurkunde erst 1673 nach ihrem Tod durch die Erben errichtet wurde. Danach sollten vier Stipendien jeweils über vier Jahre und zu 100 Reichstaler pro Jahr an Studenten ausgegeben werden, unter denen eigene Familienangehörige zu bevorzugen waren. Die Stiftung wurde zunächst durch den ältesten Miterben, dann von dessen Söhnen und nachfolgend von den Nachkommen der Familie verwaltet. Die Auswahl der Stipendiaten oblag dem Kurator bzw. Inspektor der Stiftung, der sich allerdings mit dem Rektor der Universität Königsberg und dem Dekan der dortigen Philosophischen Fakultät abstimmen sollte. Die beiden letzteren wiederum mussten jedes Semester Bericht über das Verhalten der Stipendiaten erstatten und erhielten dafür je 120 Gulden im Jahr. Die Studenten selbst hatten dem Kurator zwei wissenschaftliche Übungen aus ihrem Fachbereich einzureichen, von denen einige auch in diesem Bestand erhalten sind (vgl. Abschnitt 2). Dass über weitere Details der Stiftungsverwaltung, etwa über die Frage, ob der Besuch der Königsberger Universität Bedingung für die Vergabe eines Stipendiums war, nicht immer Einigkeit zwischen Kurator und Vertretern der Universität herrschte, belegen v.a. die Handakten und die Korrespondenz der Kuratoren (vgl. insbesondere Nr. 32 in Abschnitt 3).

Die Stipendien wurden aus den Einkünften aus einem Kapital von 10.000 Reichstalern finanziert, das auf dem seit 1663 an Schimmelpfennig verpfändeten Dorf Allenau bei Friedland im gleichnamigen Kreis (später Kreis Bartenstein) in Ostpreußen haftete (vgl. die Beschwerde der Einwohner von Allenau über Ludwig Schimmelpfennig von 1690 in Nr. 81). Allenau (heute Poretschje/Russland), in den Akten teilweise auch als "Adeliges Stipendiengut" bezeichnet (u.a. Nr. 65), hatte zwar eine eigene Pfarrkirche, über die Schimmelpfennig Patronatsrechte ausübte, teilte sich aber den Pfarrer mit dem benachbarten Böttchersdorf. Mit diesem Patronatsverhältnis der Familie Schimmelpfennig hängt offenbar auch die Überlieferung von Akten aus der Patrimonialgerichtsbarkeit in Allenau zusammen, die keinen direkten Bezug zur Stiftung aufweisen (vgl. Abschnitt 4).

Die Unterlagen reichen von der Gründungszeit der Stiftung bis zu Beginn der 1870er Jahre und lassen als letzten Besitzer bzw. Bearbeiter den Preußischen Kammerherrn und Legationsrat Wilhelm Stach von Goltzheim auf Haus Efing bei Bocholt erkennen, der von den 1850er Jahren bis etwa 1870 als Kurator bzw. "Inspektor" der Stiftung fungierte, nachdem er (vermutlich als entfernter Verwandter der Familie Schimmelpfennig) von 1822 bis 1826 selbst Stipendiat gewesen war. Georg Stach von Goltzheim, vermutlich dessen Sohn, gelangte 1875 auf dem Erbwege in den Besitz des Hauses Pröbsting bei Borken, das er wiederum 1895 an Graf Friedrich von Landsberg-Velen verkaufte (vgl. Vorwort zum Findbuch A 450 Pr), so dass der Bestand offensichtlich auf diesem Wege in den Überlieferungszusammenhang des Gesamtarchivs von Landsberg-Velen geraten ist.

Der Bestand wurde im Juni 2016 auf Grundlage einer 2002 begonnenen, aber nicht fertiggestellten Erschließung neu verzeichnet und ist nach den Bestimmungen des Archivgesetzes benutzbar.

Dr. A. Koppetsch

Umfang : 81 Akten (11 Kartons), unverzeichnet.

Verweise :

Johann Friedrich Koch: Die Preußischen Universitäten. Eine Sammlung der Verordnungen, welche die Verfassung und Verwaltung dieser Anstalten betreffen, Band 1, Berlin 1839, Seite 558f.



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