Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.1. KÖLNISCHES WESTFALEN
1.1.1. Herzogtum Westfalen
1.1.1.2. Stifte und Klöster
Kloster Himmelpforten
Kloster Himmelpforten / Akten
A 112, Kloster Himmelpforten - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : A 112

Name : Kloster Himmelpforten

Beschreibung :

Einleitung :

Geschichte des Klosters Himmelpforten

Das Zisterzienserinnenkloster Himmelpforten an der Möhne wurde 1246 von Gräfin Adelheid von Arnsberg gegründet, im folgenden Jahr erfolgte die päpstliche Bestätigung. Die Kirche des Klosters wurde 1284 geweiht. Anfangs betreute vermutlich das Patroklistift in Soest das Kloster seelsorgerisch, seit dem 14. Jahrhundert hatte das Zisterzienserkloster Bredelar die Paternität. In dieser Zeit erhielt das Kloster den Charakter eines adligen Damenstifts. Ende des 15. Jahrhunderts galten Verfassung und klösterliches Leben in Himmelpforten als so vorbildlich, dass mehrere Konventualinnen zur Reform und zum Neuaufbau des geistlichen Lebens in andere Zisterzienserinnenklöster berufen wurden. Während der Truchseßschen Wirren (1586) und des Dreißigjährigen Krieges (1633) erfuhren die Klostergebäude einige Beschädigungen, die aber wieder behoben werden konnten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entfaltete sich eine rege Bautätigkeit, der das Kloster seine barocke Ausgestaltung verdankte. Insgesamt hatte um die Mitte des 18. Jahrhunderts die klösterliche Strenge stark nachgelassen. Visitationen1 führten letzlich dazu, dass schon vor 1802 ein generelles Aufnahmeverbot ausgesprochen wurde. Damit war dem Kloster bereits vor der Säkularisation die Auflösung bestimmt. 1802 verließen elf Konventualinnen und sechs Laienschwestern die Gebäude, obwohl ihnen der Landgraf von Hessen angeboten hatte, ihr geistliches Leben in Himmelpforten fortzusetzen. Die Domäne Himmelpforten wurde nach der Säkularisation von Adolph Schulte aus Günne - zunächst nur in Zeitpacht - übernommen. 1818 ersteigerte er den Besitz2. Die öffentlichen Gottesdienste in der ehemaligen Klosterkirche wurden unter großen Schwierigkeiten fortgesetzt, erst 1847 erlangte die Kirche den Status einer Filialkirche von Bremen. 1920 schließlich wurde Himmelpforten von der Pfarrkirche Bremen abgelöst und zu einer selbstständigen katholischen Pfarrgemeinde erhoben. Am 16. Mai 1943 griffen englische Bomber die Möhnetalsperre an und zerstörten die Staumauer. Den dadurch freigesetzten Wassermassen, die weite Teile des Möhnetales überfluteten, fielen auch die Gebäude des ehemaligen Klosters Himmelpforten zum Opfer, die bis auf die Grundmauern zerstört wurden. Nach dem Krieg wurde allein die Kirche wiederaufgebaut.

Die Klostergebäude

Im Visitationsprotokoll aus dem 1790 ist eine recht detaillierte Beschreibung des Klosters gegeben, aus der auch der ehemalige Aufbewahrungsort des Klosterarchivs hervorgeht:

§17 Die Lokallage des Klosters

Das Kloster liegt ganz allein zwischen Bergen; die nächsten Dorfschaften sind Ober- und Niederense, Günne, Bilme, Brüningsen und Volbringsen. Erstere sind nur ein halbes Stündchen vom Kloster entfernt. Die Klosterkirche ist schön, und wird in der gehörigen Sauberkeit gehalten. Das Kloster hat im untern Stocke, oder im heiligen Kreuzgange 7 Zimmer; nämlich a) das Sprechzimmer, b) ein Zimmer samt einer Küche für die Äbtisssen, c) die Konventsstube, d) eine Stube für die Laischwester, e) das Kapitelhaus, f) das Refektorium, und g) die Mägden-Kammer. Ferner ist unten die Küche nebst einem Stübchen für die Kellnerin, und das Brennhaus. Der obere Stock besteht a) aus 26 Zellen (lauter abscheidige Nester), b) 8 Zellen für Laischwester[n], c) ein Schlafzimmer für die Äbtissin; hierauf ist zugleich das klösterliche Archiv in einem Koffer, d) die Küsterei, e) ein Oratorium am Chor für die Äbtissin, f) das Kleiderhaus mit 4 Zimmern, dann g) das Krankenhaus mit 3 Zimmern und einer Küche. Ein von diesen Zimmern ist so eingerichtet, daß die Kranken auf den Altar in der Kirche sehen und die Messe hören können. Der ganze obere Stock sieht einem Kamine gleich und hat das Weißen, so wie die Fenster einer Reparatur, höchst nötig.

In der Propstei sind unten zwei, oben drei Zimmer, welche der Propst und Kaplan bwohnen. Das Gebäude ist alt, und der Propst äußerte sich, daß er eine schöne Propstei bauen wolle. Im neuen Gas[t]hause ist unten ein großes Sprechzimmer, und oben sind 2 Zimmer.

§ 18 Äußerliche Gebäude

Im Vorhof ist a) ein altes Gasthaus, worin 2 Stuben und oben 3 Zimmer sind, b) Rinder und Küheställe samt einer Stube und Zimmer für den Pförtner, c) das Ackerhaus bestehend aus einem Schoppen, Pferdeställen, einer Stube und Zimmer für die Knechte, d) der Schafstall, worin auch die Schmiede, e) ein altes baufälliges Häuschen, worin ein blinder Knecht wohnt, f) ein Häuschen für den Leineweber, g) das Waschhaus, h) 3 Schweineställe, k) die Oehlmühle, m) die Mahlmühle. Diese Gebäude sind meistens in gutem Stande."3 Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt ein Grundriss, der die ehemalige Klosterkirche Himmelpforten zeigt.4 1904 entstand ferner nach einer Kirchenbesichtigung eine detaillierte Beschreibung der Innenausstattung: "Es kam dabei die stimmungsvolle Lage des malerisch gelegenen, von bewaldeten Bergen umrahmten ehemaligen Klosters zum Ausdruck, noch mehr aber überrascht der Reichtum des Kircheninnern in einer für die hiesige Gegend wohl seltenen Gediegenheit in Stoff und Arbeit. Die Altäre zeigen schönen Reliefschmuck in Marmor, Kanzel und Orgel ziemlich reiche Schnitzereien, das Ebenmaß der inneren Raumverhältnisses fällt angenehm auf."5

Der Aktenbestand

Das Archiv des Klosters wurde 1803 von Rentmeister Anthée an den Rat und Archivar Dupius in Arnsberg übergeben, bestehend in einem großen Kasten mit einer Fall- und 2 Flügeltüren.6 Über die Regierung Arnsberg schließlich gelangte das Klosterarchiv in 1830-er Jahren in das Staatsarchiv Münster.

Eine erste Verzeichnung des Bestandes erfolgte bereits 1839 durch den Archivar Heinrich August Erhard. Das Findbuch A 331 stellt eine Abschrift dieses Verzeichnisses dar und enthält neben dem Urkundenbestand auch die Aktenüberlieferung des Klosters. Die unzureichende Aufnahme der Akten war der Anlass für die hier vorliegende Neuverzeichnung. Regesten zu in den Akten vorkommenden Urkundenabschriften wurden nicht erstellt, da diese bereits von Erhard aufgenommen worden sind. Darum sei an dieser Stelle nur auf den ersten Teil des Findbuchs A 331 verwiesen. Die nur geringe Zahl der erhaltenen Akten dokumentiert ausschließlich die klösterliche Gutsverwaltung vom 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Weitere Akten betreffend Kloster Himmelpforten in:

Dienstregistratur Nr. 162

Regierung Arnsberg II C Nr. 615

Regierung Arnsberg II G Nr. 263

Regierung Arnsberg II E Nr. 398

Regierung Arnsberg III A Fach 113 Nr. 7

Regierung Arnsberg III A Fach 142 Nr. 27

Herzogtum Westfalen Landesarchiv IX Nr. 108

Zu zitieren: Kloster Himmelpforten Akten Nr. ...

Die Verzeichnung erfolgte durch die Referendare Lorenz Beck, Annette Hennigs, Robert Meier, Monica Sinderhauf und Peter Wiegand.

Münster, im Juli 1997

1 StAMS Herzogtum Westfalen Landesarchiv IX Nr. 108.

2 StAMS Regierung Arnsberg III A Fach 113 Nr. 7, insbes. Bl. 160; Inventar Bl. 161-164.

3 StAMS Herzogtum Westfalen Landesarchiv IX Nr. 108 Bl. 45-46.

4 StAMS Kartensammlung A 20734.

5 StAMS Regierung Arnsberg II C Nr. 615.

6 StAMS Dienstregistratur Nr. 162.

Umfang : 71 Akten (4 Kartons), Findbuch A 112, Bd. 2 mit Index.

Verweise :

··Himmelpforten. Gottes Lob durch sieben Jahrhunderte, Niederense-Himmelpforten 1949.

·Paul Leidinger, Die Abtei Himmelpforten zwischen Reformation und Säkularisation. Zur Verfassungsgeschichte eines westfälischen Zisterzienserinnenklosters, in: WZ 121 (1971), S. 283 - 347.

·Westfälisches Klosterbuch Teil 1, Münster 1992, S. 447 - 451 (mit Angabe weiterer Literatur).



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