Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.3. Studienfonds und Missionen
Studienfonds Münster
Studienfonds Münster / Akten
B 151 JC, Studienfonds Münster, Jesuitenkolleg Coesfeld - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 151

Name : Studienfonds Münster

Beschreibung :

Einleitung :

Eines der Hauptanliegen des münsterischen Bischofs Ferdinand von Bayern war die Rekatholisierung seiner Länder.1621schickte er den ehemaligen Jesuiten Johann Steill als Missionar nach Coesfeld, das man nach Aussagen eines Zeitgenossen "ebenso gut für nichtkatholisch als für katholisch halten konnte". Steill übernahm die Verwaltung der Pfarreien St. Lamberti und St. Jakobi. 1626 schlug er dem Fürstbischof die Berufung der Jesuiten nach Coesfeld vor. Ferdinand befürwortete diesen Vorschlag, forderte aber die Zustimmung von Bürgermeistern und Rat. Ihnen machte Steill seinen Plan schmackhaft, indem er ihnen die Verbesserung des Schulwesens, das gesteigerte Ansehen einer Stadt mit gutem Gymnasium und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile aufzeigte. Seine Hauptsorge galt jedoch der Sicherung der katholischen Religion in Coesfeld.

Am 14. Mai 1627 erging ein formelles Gesuch der Stadtverwaltung an den Jesuitenprovinzial in Köln, mit der Bitte um Übersendung von Jesuiten. Bereits am 28. Mai kamen die ersten Jesuiten, Pater Bernhard Bucholtz, ein gebürtiger Coesfelder, und Pater Albert Holzapfel nach Coesfeld und wurden von der Bevölkerung freudig begrüßt. Sie veranstalteten in den Pfarrkirchen Predigten und hielten Katechismusunterricht. Sie wohnten zunächst bei Steill. Im Laufe des Sommers kauften sie zwei Häuser an der Kronenstraße. Eines wurde als Wohnung, das andere als Kapelle eingerichtet. Im Rathaus wurden Räumlichkeiten für die Schule hergerichtet. Sie wurde am 9. November mit zunächst drei Klassen eröffnet. Die Schülerzahl stieg von 100 im Jahr 1627 auf 373 im Jahr 1632.

1628 sagte die Stadt die jährliche Zahlung von 480 Talern an die Jesuiten zu. Ein Vertrag über diese Abmachung läßt sich allerdings nicht ermitteln. Zur selben Zeit ließ Bischof Ferdinand eine Kirchspielschatzung zugunsten der Coesfelder Jesuitenresidenz ausschreiben.

Die Zahl der Jesuiten erhöhte sich über 11 (3 Patres, 6 Magistri und 2 Laienbrüdern) im Jahr 1629 auf 16 (7 Patres, 6 Magistri und 3 Laienbrüder) im Jahr 1632.

Ende 1632 fiel Landgraf Wilhelm von Hessen mit seinen Truppen im Stift Münster ein. Am 14. Febr. 1633 mußte sich die Stadt Coesfeld ergeben. Am 30. Okt. erließ der hessische Stadtkommandant Karl von Uffeln den Ausweisungsbefehl für die Jesuiten, die am 11. Nov. die Stadt verließen.

Erst nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges forderte Bischof Ferdinand die Jesuiten auf, ihre Tätigkeit in Coesfeld wieder aufzunehmen. Am 22. Mai 1649 traf der erste Jesuit, der Superior Heinrich Rexing, in der stark zerstörten Stadt Coesfeld ein. Von den sieben Häusern, die der Orden vor der Vertreibung besessen hatte, waren sechs zertrümmert. Das siebte wurde von einem Bürger bewohnt, der es nicht verlassen wollte. Der Stadtrat verweigerte die Zahlung der zugesagten Renten und versuchte, auch in Zukunft, den Ankauf von Häusern und Grundstücken zu verhindern. Allen Widerständen zum Trotz begannen die Jesuiten (3 Priester, 2 Magister und 2 Laienbrüder) am 31. Juli in der Heiliggeistkapelle, die der Magistrat widerwillig zur Verfügung gestellt hatte, wieder Gottesdienste, Predigten und Katechese zu halten. Anfang November wurde die Schule wieder eröffnet. 1650 fanden sich bereits wieder 139 Gymnasiasten ein.

1652 befürchteten die Ordensoberen, die Schule wieder schließen und das Personal vermindern zu müssen, da die Niederlassung immer noch nicht finanziell abgesichert war.

Erst durch die Förderung des neuen münsterischen Bischofs, Christoph Bernhard von Galen, der seine Residenz wegen eines Streites mit der Stadt Münster nach Coesfeld verlegte, und dieses gleichzeitig zu einer stark befestigten Zitadelle ausbauen ließ, änderte sich die Situation. Er soll die Gründung eines Jesuitenkollegs in Coesfeld gelobt haben, als er am Fest des hl. Ignatius die Nachricht von einem für ihn vorteilhaften Urteil des Reichshofrats erhielt. Er ernannte eine Kommission, die die Forderungen (ca. 4.000 Taler) der Jesuiten an die Stadt Coesfeld untersuchte. 1663 beglich die Stadt ihre Schulden durch Barzahlung und Überschreibung von Schuldverschreibungen und Grundbesitz aus dem Armenvermögen. Christoph Bernhard überwies der zum Kolleg erhobenen Residenz 12.000 Taler aus dem Vermächtnis der Moritz von Büren, belehnte es mit zwei größeren Gütern im Kirchspiel Dingden und förderte den Neubau von Kolleg (1664-1670) und Kirche (1673-1694).

Der Personalstand des Kollegs stieg von 9-12 im Jahr 1658 auf 18-24 Personen im Jahr 1690.

1682 brachen die Streitigkeiten zwischen Stadt und Jesuitenkolleg Coesfeld über die Zahlungen aus dem Armenvermögen wieder aus. Die stark verschuldete Stadt wollte zudem die Jesuiten, deren Kolleg und Kirche an der Stelle von 32 abgerissenen Häusern und Nebengebäuden standen, zu den bürgerlichen Lasten heranziehen. Erst 1713 wurde der Prozeß durch einen Vergleich beendigt: Das Kolleg versprach, keine Häuser mehr in seine Klausur einzubeziehen, um sie dadurch schatzfrei zu machen und verzichtete auf Kapital- und Zinsforderungen von 1525 Talern. Die Stadt ihrerseits unterließ die Besteuerung des jesuitischen Grundbesitzes.

1721 wurde der Neubau des Gymnasiums begonnen, der 1725 bezogen wurde.

Bedingt durch die Auswirkungen des österreichischen Erbfolge- und des Siebenjährigen Krieges verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Kollegs. 1741/ 42 überwinterten französische Truppen im Kolleg, 1761 diente das Gymnasialgebäude als Lazarett. Wechselnde Einquartierungen und hohe Kontributionen 1756/ 63 hatten zur Folge, daß 1764 die fälligen Zinsen nicht mehr gezahlt werden konnten, und der Unterhalt der Jesuiten nicht mehr gesichert war. 1770 war das Kolleg mit 2.200 Reichstalern verschuldet.

Bei der Aufhebung der Jesuitenniederlassung im Fürstbistum Münster am 21. Juli 1773 durch Papst Clemens XIV. lebten noch 14 Ordensmitglieder im Kolleg. Sofern sie keine Anstellung in der Seelsorge fanden, hielten sie den Unterricht am Gymnasium aufrecht, das nur noch 70 Schüler zählte. Verstärkt wurde das Lehrerkollegium durch Weltgeistliche, bis die Schule schließlich 1782 der Obhut des Franziskanerordens anvertraut wurde.

Das Vermögen des aufgehobenen Jesuitenkollegs Coesfeld fiel an das Fürstbistum Münster. Zusammen mit dem sonstigen Besitz des Jesuitenordens im Münsterland wurde es im "Gymnasialfonds" zusammengefasst und von der "Exjesuitenkommission" verwaltet. Neben dem Unterhalt des Gymnasiums Paulinum in Münster diente es zur Versorgung der Exjesuiten und wurde für die Ausgaben der Theologischen und der Philosophischen Fakultät der neugegründeten Universität Münster verwandt.

Am 1. April 1803 wurde die "Exjesuitenkommission" mit der "Universitätskommission", die das Vermögen des ebenfalls 1773 aufgehobenen adligen Damenstifts Liebfrauen / Überwasser verwaltete, zur "Studienkommission" zusammengelegt. Ihre Fonds blieben streng getrennt. Erst 1819 wurden die Vermögensmassen vereinigt, und ein gemeinsamer Etat aufgestellt. Die Aufsicht über den "Studienfonds Münster" wurde 1819 dem Konsistorium, 1825 dem Provinzialschulkollegium übertragen. Seit 1951 nimmt sie der Regierungspräsident Münster wahr.

1892 gelangte das Archiv des Studienfonds in das Staatsarchiv. Der Teilbestand "Jesuiten Coesfeld" wurde erstmals Mitte des 17. Jahrhunderts von den Jesuiten geordnet. Das bis in die sechziger Jahre dieses Jahrhunderts gültige Findbuch dürfte um 1800 angefertigt worden sein (siehe Sammlung der alten Repertorien Nr. 77). Der Bestand enthält außer den Archivalien des Jesuitenkollegs auch zahlreiche Dokumente zur Stadtgeschichte Coesfelds. Einige Archivalien des Kollegs sind in das Archiv des Fürsten Salm-Horstmar, Coesfeld, gelangt (siehe Inventare der nichtstaatlichen Archive des Kreises Coesfeld. Münster 1904), dessen Vorfahren 1803/ 06 Landesherren der neugeschaffenen Grafschaft Salm-Horstmar waren und das Kollegiengebäude als Residenz nutzen.

Die Akten des Kollegs wurden nach dessen Aufhebung zum Teil von Exjesuiten- und Studienkommission weiter geführt. Da eine Trennung der Provenienz "Jesuitenkolleg Coesfeld" und "Studienfonds Münster" mit dem Stichjahr 1773 (= Aufhebung des Jesuitenordens) zur Aushöhlung des Bestandes geführt hätte, wurde stattdessen in der Regel das Jahr 1819 (= Zusammenlegung von Universitäts- und Exjesuiten- / Gymnasialfonds) gewählt. Die Akten wurden fortlaufend durchgezählt und sind zu bestellen:

"Studienfonds Münster Nr. ... "

Münster, im Nov. 1989

Ursula Schnorbus

Rektoren der Jesuitenniederlassung Coesfeld (nach Duhr, Geschichte der Jesuiten ...)

Bernhard Bucholtz1627-1633

Heinrich Rexing8. Juni 1649

Johannes GronäusJuni 1652

Peter Adami10. Dez. 1655

Alexander Velthauß17. Dez. 1658

Hubert Arburg9. Jan. 1661

Johannes Thorhoven29. März 1667

Bernhard Eichrodt21. Mai 1670

Hubert Arburg16. Aug. 1673

Johannes Westhaus1. April 1678

Hubert Arburg28. Okt. 1679

Johannes Dirckinck11. Febr. 1683

Hubert Arburg30. April 1686

Johannes Mense15. Nov. 1689

Caspar Hülsmann9. April 1693

Caspar Kettleler16. Juli 1696

Johannes Doro18. Nov. 1699

Heinrich Grüter26. Dez. 1702

Peter Schmittman16. Juni 1706

Georg Schedelich21. Ju ... 1709

Gottfried Droste22. Nov. 1711

Franz Ingen25. Febr. 1715

Franz Riese22. Sept. 1717

Theodor Huybrechts28. Okt. 1720

Johannes Libler23. Nov. 1723

Heinrich Schwerbroich24. Nov. 1726

Franz Riese30. Nov. 1728

Franz Kemper27. April 1733

Friederich Kuhlmann3. Mai 1736

Otto Willemin28. Juni 1739

Ernst Oistendorff22. Juni 1741

Ferdinand Rissen16. Nov. 1745

Ernst Oistendorff13. Dez. 1748

Philipp Zurmühlen25. Jan. 1752

Ernst Oistendorff22. April 1755

Philipp Zurmühlen24. Okt. 1758

Franz Rinaldi15. Juli 1762

Wilhelm Krengel22. Aug. 1764

Anton Meyer23. Dez. 1767

Bernhard Helmering24. April 1771

Literatur

··Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Nordrhein-Westfalen. 2 Bände.: Westfalen. Bearbeitet von Dorothea Kluge und Wilfried Hansmann, München / Berlin 1969.

·Bernhard Duhr SJ, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im 16., 17. bzw. 18. Jahrhundert. 4 Bände, Freiburg i. Br. bzw. München 1907-1928.

·Alfred Hartlieb von Wallthor, Der Münstersche Studienfonds. Entstehung und Entwicklung des Vermögens der alten Universität Münster, in: Die Universität Münster 1780-1980. Herausgegeben von Heinz Dollinger, Münster 1980.

·Dr. Hans Hüer, Geschichte der Stadt Coesfeld. Nach Darstellung von Bernhard Sökeland neu bearb. und bis zur Gegenwart fortgeführt, Münster 1947.

·Christoph Marx. Geschichte des Gymnasiums in Coesfeld, Coesfeld 1829.

·300 Jahre Coesfelder Gymnasium. Herausgegeben von Otto Neumüllers, Coesfeld 1928.

Vorliegendes Findbuch A 174 II Studienfonds Münster, Jesuitenkolleg Coesfeld - Akten wurde im Sommer 2010 von Marc Schwen unter der Betreuung von Thomas Reich mit dem Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben.

Umfang : 11268 Akten, Findbücher B 151.



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