Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.3. Studienfonds und Missionen
Studienfonds Münster
Studienfonds Münster, Haus Kaldenhof / Urkunden
B 155u, Studienfonds Münster, Haus Kaldenhof - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 155u

Name : Studienfonds Münster, Haus Kaldenhof

Beschreibung :

Einleitung :

Die Geschichte des Hauses Kaldenhof

Haus Kaldenhof ist ein Rittersitz und märkisches Lehnsgut in der Gemeinde Mark, Amt Hamm (heute Stadt Hamm, Stadtbezirk Rhynern) in unmittelbarer Nähe zur Ahse. Der Name leitet sich vom mittelniederdeutschen Wort ‚kald’ oder ‚kold’ für ‚kalt’ ab und ist insbesondere unter Schultenhöfen weit verbreitet. Diese standen im Besitz eines Eigentümers, wurden aber von einem Schulten oder Meier bewirtschaftet, der selbst nicht im Herrenhaus wohnte. Verwaiste das Herrenhaus - sei es durch Besitzkonzentration in der Hand von Klöstern oder durch Aussterben der adligen Familie - dann erlosch seine Herdstelle, und der Hof konnte als ‚Kalthof’ bezeichnet werden. file://fn@01

Seinen Namen trägt der Kaldenhof bei Hamm bereits im 14. Jahrhundert. 1392 wird er Gert von Varssem, Borgmann zur Marck, (belegt 1388/1411) aufgetragen. Gemäß dem im selben Jahr ausgefertigten Lehnsbuch der Grafen von der Mark ist Gert neben dem ”Caldenhoff in dem kerspele van der Marke“ außerdem mit dem ”Daverberges hoive to Oisterwich in dem kerspele van Lyborgh“ belehnt. 1396 verkauft Gerts Bruder Lambert von Varssem zu Kaldenhof (belegt 1396/1414) der Stadt Hamm eine zuvor nahe dem Haus gegrabene Landwehr. Seine Frau heißt Aleve Münsterman, sein Sohn Henrich. Für 1425 ist ein weiterer Lambert von Varssem zum Kaldenhof belegt, der mit seiner Frau Neyse zwei Söhne Lübbert und Lambert hat. Ab 1435 erscheint außerdem ein Johan von Varssem zum Kaldenhof, der 1461 den Hof aufgetragen bekommt. file://fn@02

Nach Johans Tod kommt es zum Erbstreit zwischen Lubbert von Varssem sowie dessen Schwiegersohn Robert von Steynen einerseits und Johann von Plettenberg zu Merklinghausen, dem Neffen Johanns, andererseits. 1476 erhält Lubbert einen Lehnsbrief, 1490 Robert von Steynen. Zugleich ist Johann von Plettenberg seit 1476 mit dem Kaldenhof belehnt, vorbehaltlich jedoch der Anrechte Lubberts. Erst 1498 wird der Streit zu Gunsten Johanns von Plettenberg entschieden. 1513 belehnt Johann von Jülich-Kleve-Berg Johann von Plettenberg erneut mit dem Kaldenhof, 1520 belehnt er Johann von Plettenbergs gleichnamigen Sohn. Da dieser noch unmündig ist, empfängt an seiner statt zunächst Goddert von Schelck 1523 das Lehen. 1525 lassen die Plettenberger auf Haus Kaldenhof ein zweigeschossiges Herrenhaus mit gewölbtem Keller errichten, das gemäß einer Baubeschreibung von 1654 83 Fuß lang, 38 Fuß breit und 82 Fuß hoch war. 1528 schließt Dietrich von Plettenberg der Jüngere einen Ehevertrag mit Maria von Buren. file://fn@03

Nach Dietrichs Tode fällt Haus Kaldenhof 1540 an dessen Mutter Ermgard von Schelck (Schedelich), Witwe von Plettenberg zum Kaldenhof. Noch im selben Jahr wird ihr Mann, der Hammer Amtmann Evert von der Recke zu Uentrup, mit dem Kaldenhof belehnt. 1549 erfolgt die Belehnung Diederichs von der Recke (1), einem Sohn Ermgards aus früherer Ehe. file://fn@04

Bereits 1548 hat Diederich von der Recke (1) von der Familie Neheim das adelige freie Gut Wilkinghof in Berge, einstmals ein Volmersteinsches Lehn, gekauft, das für zwei Jahrhunderte die Geschicke des Hauses Kaldenhof teilen wird. Mit seiner Gemahlin Anna (belegt 1557-1609), der Tochter des H. von Harmen zu Hunlinghoff und der N. von der Recke, hat Diederich zehn Kinder: file://fn@05

-Diederich (2)

-Johan, Droste zu Bockum, verheiratet mit Anna von Ascheberg, gestorben am 14. November 1600

-Jodoca, Äbtissin zu Fröndenberg, gestorben am 29. November 1626

-Elisabeth, verheiratet mit Goddert von Harmen zu Haren (vor 1583)

-Irmgard, seit 1585 verheiratet mit Diederich Ovelacker zu Antfelde

-Catharina, seit 1586 verheiratet mit Franz Ferdinand Burchardt aus Bonn

-Anna, 1593 Äbtissin zu Kentrop

-Margret, Nonne im Kloster zu Kentrop

-Frau von Voorst zu Lombeck

-Frau von Schorlemer zu Grevelinghausen

Als Diederich von der Recke (1) am 24. Dezember 1596 stirbt, wird im folgenden Jahr sein Sohn Diderich (2), verheiratet mit Gertrud von Krevet zu Vorne, mit dem Kaldenhof belehnt. Bereits 1586/87 hatten Elisabeth, Irmgart und Catharina auf das elterliche Erbe zu Gunsten ihres Bruders Diederich (2) verzichtet. In Diederichs (2) Namen tragen sein Bruder Johan von der Recke (+1600) und ab dem 31. August 1601 Bernhardt Osterman das Lehen. Diederich (2) stirbt am 31. Dezember 1601. file://fn@06

Da Diederichs (2) Sohn Dietrich (3) noch minderjährig ist, wird in dessen Namen 1603 zunächst ein gewisser Johan F. mit dem Kaldenhofschen Erbe belehnt. 1609 leistet Jodoca (Joibst) von der Recke Verzicht auf den Kaldenhof. Dietrich (3), 1635 Obrist unter Hessen, ist spätestens seit 1622 verheiratet mit Clara Elisabeth von Westphalen zum Fürstenberg. Mit ihr hat er zwei Töchter - Anna Margaretha und Dorothea Margaretha, die später Jobst Philipp von Meschede zu Alme ehelichen wird - und einen Sohn Dietrich (4). file://fn@07

Auch Dietrich (4) ist beim Tode seines Vaters noch minderjährig, sodass 1636 stellvertretend sein Pflegevater Gerhard von der Recke das Lehen übertragen bekommt, 1642 schließlich - Dietrich (4) ist noch immer unmündig - Jobst Philipp von Meschede. file://fn@08

Bereits unter Diederich (1) kommt es zur zwischenzeitlichen Verpfändung des Hofes zu Gunsten des Bürgermeisters Johan Nottes. Der Hof gelangt schließlich per Gerichtsentscheid an den Hammer Bürger Georg Fuchs, der es 1577 an seinen Mitbürger Peter Notkens verkauft. Insbesondere aber die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts ist geprägt von einem zunehmenden finanziellen Niedergang. Bereits 1603 wird vor dem Hofgericht Münster ein Streit zwischen Dietrich von der Recke zu Uentrup und Jobst von der Recke (später Goddert von der Recke zu Heesen) geführt. Es geht um Ansprüche aus einer für Matthias von der Recke zu Neuenburg als Pächter des Hauses Kaldenhof geleisteten Bürgschaft. Der Fall wird 1632 vor dem Reichskammergericht fortgesetzt. 1609 kann eine 1598 auf das Haus Kaldenhof aufgenommene Rente nicht mehr bedient werden, sodass ein Prozess oder der Verkauf des Hauses droht. Erst durch die Intervention von Johan und Jobst von der Recke zu Drensteinfurt, Heesen und Wulfsberg wird die Zahlungsfähigkeit wiederhergestellt. Im März desselben Jahres 1609 bestellt der Hammer Richter Arnoldt Langeschede Gertrud Krevet zum Vormund ihrer Kinder und erlaubt ihr zugleich, wegen der vielen Schulden, die zum Teil bereits auf Diederich von der Recke (1) zurückgehen, Kaldenhofsche Güter, insbesondere jene zu Vronebern im Amt Unna als die am weitesten entfernten, zu verkaufen. Tatsächlich hat Gertrud schon etwa zwei Wochen zuvor zur Rettung der übrigen Güter des Hauses Kaldenhof ihre sämtlichen Höfe, Kotten und Güter im Kirchspiel Vronebern an Wynold von Westrum zu Sümmern und seine Frau Elisabeth von Ovelacker verkauft. 1646 strengen Catharina von Eppe und ihre Söhne, die nach dem Tode Dietrichs von der Recke (3) die Vormundschaft über dessen drei unmündige Kinder übernommen haben, eine Klage gegen die Gläubiger Henrich von der Heese, Bürgermeister Hermann von Lemgo und Othmar Rodinghausen zu Hamm an, nachdem diese auf dem Gerichtswege in den Besitz verschuldeter Ländereien des Hauses Kaldenhof gelangt waren. file://fn@09

1653 geht die Familie von der Recke zu Kaldenhof in den Konkurs, und der Hof wird - ungehindert eines Einspruchs gegen die Zwangsversteigerung und einer Klage gegen die Gläubiger vor dem Drosten zu Hamm 1653, dem Hofgericht Kleve 1654 und dem Reichskammergericht 1656 - gepfändet. 1655 wird, nachdem Dietrich von der Recke (4) Verzicht geleistet hat, Alexander von Spaen mit dem Kaldenhof belehnt. Dieser verkauft den Hof 1656 dem Ehemann seiner Schwester Kath. von Spaen, dem Hammer Drosten Elbert von Heiden genannt Rynsch aus dem Hause Holthausen, in dessen Besitz sich fortan auch der Wilkinghof befindet. file://fn@10

Nach dem Tode Elberts geht das Lehen 1678 auf seinen Sohn Bernhard Walter über, der sich 1688 in einer Glockeninschrift bezeichnet als ”Bernhardt Walter von der Heyden genant de Rynsch, Erbherr zvm Kaldenhof vnd Wilkinghof, Drost zvm Ham und Ryneren“. Als ”Droste zum Hamm“ und als in ”Nestors Alter“ nennt ihn außerdem ein 1725 von Wilhelm Neuhaus, Professor am Akademischen Gymnasium zu Hamm, verfasstes ”Loblied auf Haus Caldenhof“, das weiterhin das prachtvoll ausgestattete Wohnhaus erwähnt sowie die dort hängenden Bilder ”sämtlicher Söhne des edlen Stammes“. Das Haus sei von einem Park mit stattlichen Bäumen umgeben, die zugehörigen Gärten, Obstbäume, Weiden und Kornfelder seien äußerst ergiebig, und die nahen Wälder böten vielfältiges Jagdwild für die Küche des Hauses. file://fn@11

Nach dem Tod des Bernhard Walter von Heiden 1726 verschärfte sich die finanzielle Lage erneut. 1731 bittet ein Verwalter des außer Landes weilenden Leutnants von Rynsch um die Aufnahme einer Hypothek zur Auszahlung von dessen Geschwistern. 1753 wird das verschuldete Gut allodifiziert und 1772 und 1785 auf Veranlassung der Gläubiger zwangsversteigert. file://fn@12

1804 erscheint der Kaldenhof im Besitz des Predigers Friedrich Wiedenhoff zu Drechen. Eine tabellarische Übersicht der Grafschaft Mark bewertet das Gut in diesem Jahr mit 6812 Talern. Nachfolgender Besitzer ist der Kriegs- und Domänenrat von Wolframsdorf. Für 18 300 Taler verkaufen dessen Erben den Hof 1820 an den Kaufmann Elias Marks aus Hamm, der im Jahre 1823 für den Hof 54 Taler Grundsteuer entrichten muss. 1824 erwirbt Elias Marks von den Erben von Rynsch auch den Wilkinghof. Danach geht Haus Kaldenhof auf dessen Schwiegersohn Dr. med. Alexander Haindorf (1782-1862) über. Die von ihm in das Haus eingebrachte private Gemäldesammlung wird 1929 in Berlin versteigert. Alexanders Tochter Sophie Haindorf heiratet 1840 den Forstmeister Jacob Loeb. Loeb lässt das ältere Gebäude abreißen und ersetzt es durch einen neogotischen Bau, der 1858 fertig gestellt wird. Nach seinem Tod 1891 übernimmt sein Sohn Richard Loeb (1843-1906) den Kaldenhof. 1913 hat das Fideikommiss der Familie Loeb, zu dem neben Kaldenhof nach wie vor auch der Wilkinghof und seit 1885 Haus Mark sowie das ehemalige Klostergut Kentrop gehörten, einen Umfang von 984 ha. 1961 stiften der Landrat Dr. Ernst Theodor Loeb (+1964) und seine Frau Jeanne das Haus Kaldenhof dem evangelischen Kirchenkreis Hamm, der das Gebäude 1967 abreißen lässt, um auf dem Gelände eine Schulungsstätte für Schwesternschülerinnen zu errichten. Heute befinden sich dort unter anderem eine Tagungsstätte des Kirchenkreises, der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. sowie das Fachseminar für Altenpflege der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. file://fn@13

Der Bestand ”Haus Kaldenhof“ im Landesarchiv

Der Bestand ”Haus Kaldenhof“ befindet sich neben den Beständen des Gutes Schönholthausen, des Hauses Geist, des Stifts Überwasser, der Jesuitenkollegs Münster und Coesfeld, des Studienfonds Münster sowie der Universität Münster innerhalb des Archivs des Studienfonds Münster. Auch die - nicht urkundenspezifische - Altsignatur (XVI 282; XVI 283) auf den Urkundentaschen verweist auf die ursprüngliche Zugehörigkeit zum Studienfonds. Der Bestand umfasst 75 Urkunden mit einer Laufzeit von 1409 bis 1642 und stellt damit nur einen Teil des ursprünglichen Archivs des Hauses Kaldenhof dar.

Die überlieferten Urkunden fanden Verwendung bei der Sicherung von Ansprüchen im Konkurs der Familie von der Recke zu Kaldenhof. Das Lehen über den Kaldenhof trug zu diesem Zeitpunkt (seit 1642) Jobst Philipp von Meschede im Namen des noch minderjährigen Bruders seiner Gattin Dorothea Margaretha von der Recke. Bereits 1665/66 war Jobst Philipp dem Wahnsinn verfallen und stand unter Vormundschaft. Er starb nur kurze Zeit später. 1668 vereinbarten seine Erben mit seiner Witwe die Teilung seines Erbes. Die Urkunden gelangten so in den Besitz der Familie von Meschede. file://fn@14

Jobst Philipp hinterließ bei seinem Tod eine Tochter, Eva Theodora von Meschede zu Alme, die wenig später Johannes Arnold von Hoerde ehelichte. Dessen Vater war Adam Rütger von Hoerde zu Schwarzenraben (1592-1651), der in zweiter Ehe mit Catharina Elisabeth Stael von Holstein verheiratet war. Catharina Elisabeth war die Tochter des Johannes Stael von Holstein und der Elisabeth von Schellenberg zu Schönholthausen und als solche Erbin des Gutes Schönholthausen. Bereits 1666 hatte Catharina Elisabeth - inzwischen Witwe - an Johannes Arnold als ihren ältesten Sohn das Gut Schönholthausen abgetreten, das dieser nach einer Eheberedung 1670 als Heiratsgut in die Ehe mit Eva Theodora von Meschede miteinbrachte. Es war dies Johannes Arnolds zweite Ehe. Nach einer dritten starb er im Jahre 1714. file://fn@15

Das Gut Schönholthausen, gelegen in der Gemeinde Finnentrop und im Kreis Olpe, wurde erstmals 1343 als Rittersitz erwähnt. Vormalige Besitzer waren die Familien von Schellenberg und Stael von Holstein. Nach dem Tode des Johannes Arnold von Hoerde fiel Schönholthausen - und damit auch die Urkunden des Hauses Kaldenhof - an den kurpfälzischen Kammerherrn Philipp Ludwig von Hoerde zu Milse. Inzwischen war es stark verschuldet. Durch Ankauf zahlreicher Schuldverschreibungen übernahm Philipps Großtante Franziska Dorothea von Hoerde ab 1728 schrittweise bis 1734 die Bezahlung der Schuldforderungen und gelangte so in den Besitz des Gutes. 1745 erkannte Philipp Ludwig die Besitzrechte seiner Großtante ausdrücklich an. file://fn@16

Franziska Dorothea war Äbtissin des Damenstifts Überwasser, und so ging nach ihrem Tode 1750 das Gut Schönholthausen testamentarisch auf das Stift über. Eine 1753 von der Familie Hörde darüber angestrengte Klage blieb erfolglos. Das Archiv Schönholthausen, in dem sich auch die Kaldenhofer Urkunden befanden, scheint schon während oder unmittelbar nach der Amtszeit der Äbtissin nach Münster gebracht worden zu sein. Als das Stift das Gut Schönholthausen 1768/76 weiterverkaufte, verblieb dessen Archiv in Überwasser. file://fn@17

Bereits 1703 war Franziska Dorothea zur Äbtissin gewählt worden und stand dem Kloster fast fünfzig Jahre lang vor. Ihre Amtszeit war geprägt von ständigen Rangeleien um ihre Befugnisse. 1713 musste sie sich dem Fürstbischof gegenüber wegen Vorwürfen rechtfertigen, im Kloster werde übermäßig getanzt, gezecht und die Fastnacht gefeiert. Ein Streit mit den Einwohnern des Pfarrbezirks entbrannte Anfang 1718, nachdem Franziska Dorothea innerhalb der Überwasserkirche den Christenlehrstuhl verschieben ließ. Die Pfarreingesessenen versuchten daraufhin, den Stuhl an seinen ursprünglichen Platz zurückzubringen. Am Sonntag, dem 13. Februar, befahl die Äbtissin die erneute Umsetzung. Dabei kam es zu Unruhen unter den herbeieilenden Messbesuchern. Fünf mit Ochsenriemen bewaffnete Klosterknechte schlugen in die Menge. Die folgende Schlägerei, in der auch die Knechte selbst Verletzungen erlitten, verlagerte sich schließlich auf den Kirchhof. In Folge des Zwischenfalls musste die Überwasserkirche am 15. März 1718 neu geweiht werden. Im darauffolgenden Jahr traktierte die Äbtissin einen beliebten Kaplan derart, dass im Kirchspiel ein Aufruhr entstand, in dessen Verlauf die Fenster der Äbtissin zerstört wurden. file://fn@18

Es waren nicht zuletzt diese Streitigkeiten, die die Schließung des Klosters Überwasser nur kurze Zeit später begünstigen sollten. Tatsächlich folgten Franziska Dorothea nur zwei Äbtissinnen nach. 1773 wurde das adlige Frauenstift Überwasser nach längeren Auseinandersetzungen durch Papst Clemens XIII. aufgehoben. Die umfangreichen Besitztümer des Klosters dienten fortan - ebenso wie die der im Fürstbistum Münster aufgelösten Niederlassungen der Jesuiten - der Ausstattung der neugegründeten Universität Münster. Zu diesem Zwecke wurden beide Vermögensmassen der Universitäts- und Exjesuitenkommission unterstellt, die 1803 in die Studienkommission (auch Studienverwaltungskommission) und 1819 in den Münsterischen Studienfonds umgewandelt wurde. Von dieser Stelle aus erfolgte im September 1892 die Übergabe der Archivalien an das damalige Königlich Preußische Staatsarchiv Münster. Die Eingebundenheit der Bestände des Hauses Kaldenhof und des Gutes Schönholthausen in das Archiv des Münsterischen Studienfonds spiegeln sich noch heute in der Tektonik des LAV NRW W wieder. file://fn@19

Der Bestand wurde im Oktober 2011 von Mirko Crabus und Katrin Minner im Rahmen des Referendariats am LAV NRW Abt. Westfalen verzeichnet.

Umfang : 75 Urkunden, Findbuch B 155u.

Verweise :

·Die Bestände des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen. Kurzübersicht (Veröffentlichungen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen 18), Düsseldorf 2009.

·HammWiki.de, Art. Haus Caldenhof, Stand vom 23. August 2011 (<http://www.hammwiki.de/wiki/Haus_Caldenhof>).

·Hömberg, Albert K.: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen und ihre Besitzer, Heft 10. Kirchspiele Elspe, Förde, Kirchhundem, Kirchveischede, Oberhundem, Rahrbach und Schönholthausen (Kreis Olpe II), Münster 1975.

·LAV NRW W, Findbuch Schönholthausen.

·Richtering, Helmut: Adelssitze und Rittergüter im Gebiet der Stadt Hamm, in: Zink, Herbert (Hg.): 750 Jahre Stadt Hamm, Hamm 1976, S. 125-160.

·Schrade, F. X.: Nachrichten über den Osnabrücker Weihbischof Johannes Adolf von Hörde, in: WZ 53 (1895), Abt. 2, S. 109-133.

·Schulze, Rudolf: Das adelige Damenstift und die Pfarre Liebfrauen Überwasser zu Münster i.W. Ihre Verhältnisse und Schicksale 1040-1926, Münster 1926.

·Schütte, Leopold: Wörter und Sachen aus Westfalen 800 bis 1800 (Veröffentlichungen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen 17), Münster 2007.

·Steinen, Johann Diederich: Westphälische Geschichte. Dritter Theil, Lemgo 1757.

·Thümmler, Hans: Kreis Unna. Mit geschichtlichen Einleitungen von Helmut Richtering, Ernst Nolte und Hans Beck (Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen 47), Münster 1959.

·Wallthor, Alfred Hartlieb von: Der Münsterische Studienfonds. Entstehung und Entwicklung des Vermögens der alten Universität Münster, in: Dollinger, Heinz (Hg.): Die Universität Münster 1780-1980, Münster 1980, S. 29-35.

·Westerburg-Frisch, Margret (Hg.): Die ältesten Lehnbücher der Grafen von der Mark (1392 und 1393) (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens XXVIII. Westfälische Lehnbücher), Münster 1967.



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