Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.4. Geistlichkeit, Stifte, Klöster
Kloster Gravenhorst
Kloster Gravenhorst / Urkunden
B 210u, Kloster Gravenhorst - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 210u

Name : Kloster Gravenhorst

Beschreibung :

Einleitung :

Geschichte des Klosters Gravenhorst

Im Jahre 1256 gestattete Bischof Bruno von Osnabrück dem Ritter Konrad von Brochterbeck die Errichtung eines Zisterzienserinnenklosters in Gravenhorst. Grundstock für das Kloster bildete der dortige Oberhof der erst aus der Lehnsabhängigkeit vom Grafen Friedrich von Rietberg gelöst werden mußte. An diesen war die Lehnsherrschaft durch die Heirat mit Beatrix von Horstmar gefallen. In der Gründungsphase bedachten zahlreiche Grafen- und Edelherrengeschlechter Westfalens das Kloster mit Schenkungen, was möglicherweise Rückschlüsse auf die standesmäßige Einordnung des Konrad von Brochterbeck erlaubt. Es gelang jedoch nicht, das Kloster in den Zisterzienserorden zu inkorporieren. Es stand ihm lediglich frei, nach der Zisterzienserregel zu leben. Beichtväter in Gravenhorst waren daher zunächst Weltgeistliche, u. a. Domvikare zu Osnabrück.

Durch die allgemeine Unsicherheit im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts wurde auch Gravenhorst betroffen. Im Jahre 1317 wurden Teile des Klosters niedergebrannt, was erste Umbauten zur Folge hatte. Die Inkorporation der Pfarrkirchen von Riesenbeck und Westerkappeln diente in diesem Zusammenhang der Verbesserung der Einkommensverhältnisse.

Im 15. Jahrhundert entwickelte sich Gravenhorst immer mehr zum Stift. Die Nonnen hatten z. B. getrennte Haushaltungen. Im Jahre 1484 führte daher das Zisterzienserkloster Marienfeld eine Reform durch, die u. a. in der Wiedereinführung der vita communis bestand und von entsprechenden Baumaßnahmen begleitet war. Von nun an übernahmen Mönche aus Marienfeld im Kloster die seelsorgliche Betreuung. Die strikte Beachtung der Ordensregel konnten sie allerdings langfristig nicht gewährleisten. Unter Hinweis auf die feuchte Lage des Klosters und das dadurch hervorgerufene schlechte Klima erreichten die Nonnen z. B. eine weitgehende Lockerung der Klausur. Bemerkenswerte Auswirkungen der Reformation lassen sich in Gravenhorst nicht beobachten.

Das Kloster wurde im Jahre 1808 säkularisiert. Im Jahre 1811 verließen die letzten Mitglieder des Konvents Gravenhorst (vergl. Franz Joseph Graf von Strachwitz, Kloster Gravenhorst 1256-1808, Ibbenbüren 1981 sowie Westfälisches Klosterbuch, hg. von Karl Hengst, Bd. 1, Münster 1992, S. 370-375).

Bestandsgeschichte

Als der großherzoglich-bergische Beamte Beckering nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1809 eine Inventarisation der Klostergüter vornahm, äußerte er sich auch über das Archiv des ehemaligen Klosters. Nach seinen Angaben befanden sich auf dem Chor zwei Kästen, die die wichtigsten Akten und Urkunden enthielten. Außerdem gab es aber auch auf der "Unter-Abtei" einen Schrank mit "alten Papieren", eine Kiste mit Archivalien und eine weitere Kiste mit "Briefschaften von keinem wichtigen Inhalt". Insgesamt fand Beckering 13 Pakete mit Archivalien vor, die nach einer Systematik gegliedert waren. So gehörten z. B. zum Paket A 1 Urkunden und Akten nach den Stichworten "Privilegien" und "Gründung des Klosters". Beckering lehnte sich bei dem von ihm erstellten Verzeichnis nach seinen Aussagen an die Gliederung des im Jahre 1672 verfertigten Kopienbuchs an. Tatsächlich enthält das Kopiar (Mscr. I 97) Teile aus verschiedenen Zeitabschnitten, wobei der Hauptteil aus dem 15. Jahrhundert stammt. Auch dieses führte die Urkunden nicht chronologisch auf, sondern nach einer Systematik geordnet.

Dieses vorgefundene Schema änderte auch der Archivassissent Friedrich August Eikermann, der von 1822 bis 1839 im Archivdepot Münster bzw. entstehenden Provinzialarchiv wirkte, bei der Neuverzeichnung nicht. Bei ihm blieben Urkunden und Akten ungetrennt. Bei seinen Angaben zur Datierung beschränkte er sich auf die reine Jahreszahl. Ein Kennzeichen seiner Verzeichnungstechnik bestand darin, daß er jedes Kurzregest mit der Formel "Hierin" (z.B. verkauft) begann, wobei er nur gelegentlich mit "Darin" variierte.

Der Tatsache, daß es inzwischen üblich geworden war, Urkundenfonds in einer chronologischen Reihung zu ordnen, trug der Archivar Peter von Hatzfeldt (1839-1841 und 1851-1854 in Münster) insofern Rechnung, als er zum vorhandenen Verzeichnis eine chronologische Liste anfertigte. Die chronologische Reihung der Urkunden war schließlich das Grundprinzip, nach dem Friedrich Philippi im Jahre 1883 bei einer Neuverzeichnung das bis 1993 gültige Findbuch anlegte. Die Hauptverbesserung in diesem bestand jedoch darin, daß in ihm auch die nur im Kopiar überlieferten Urkunden aufgenommen sind.

Im vorliegenden, 1993 von Manfred Wolf erstellten Findbuch A 136 I Kloster Gravenhorst - Urkunden werden die Urkunden bis zum Jahre 1350 im vollen Wortlaut wiedergegeben, wie es der Festlegung der Historischen Kommission für Westfalen, in deren Reihe "Westfälische Urkunden (Texte und Regesten)" es 1994 als Band 5 erschienen ist, entspricht. Die Sprache der Urkunden wird in den Regesten nach 1350 nur angegeben, wenn sie abweichend von der Regel nicht deutsch ist. Im gedruckten Findbuch wird auch die kopiale Überlieferung berücksichtigt, welche nicht in das elektronische Findbuch aufgenommen wurde. Dieses elektronische Findbuch basiert auf einem OCR-Scan der Firma Editura, den Ute Aschwer 2009 in das Verzeichnungsprogramm VERA überführt hat. Eine leichte Überarbeitung erfuhr das Findbuch 2012 und 2014 durch Thomas Reich im Zuge einer inhaltlichen Bereinigung samt Urkundenautopsie.

Literatur

··Abel, Wilhelm, Agrarkrisen und Agrarkonjunktur. Eine Geschichte der Land- und Ernährungswirtschaft Mitteleuropas seit dem hohen Mittelalter, 3 Aufl. Hamburg / Berlin 1978.

·Abel, Wilhelm, Geschichte der deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert (Deutsche Agrargeschichte 2), 3. Aufl. Stuttgart 1978.

··Bömken, Elisabeth (Red.), ”Der Ort: 750 Jahre Kloster Gravenhorst“ und ”Memoria! - 7 Positionen“. Zwei Ausstellungen zum 750. Gründungsjubiläum des Klosters Gravenhorst, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, Gravenhorst 2006. [WG 2711]

··Die westfälischen Siegel des Mittelalters. Bearb. v. Friedrich Philippi, Georg Tumbült, Theodor Ilgen. Bd. 1-4. Münster 1882-1900 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen V).

··Fischer, Wolfgang, Gravenhorst. Baugeschichte eines Zisterzienserinnenklosters (Schriften des Institutes für Bau- und Kunstgeschichte der Universität Hannover 16), zgl. Diss. Univ. Hannover 2002, Hannover 2004. [WG 2690]

··Hunsche, Friedrich Ernst, Westerkappeln. Chronik einer alten Gemeinde im nördlichen Westfalen, Westerkappeln 1975.

·Lindner, Theodor, Die Veme. Unveränd. Nachdr. d. Aufl. v. 1896, Paderborn 1989.

··Münz-Vierboom, Birgit, Von Klostermauern und frommen Frauen. Die Ergebnisse der Ausgrabungen im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst, Münster 2007. [WG 2735]

··Osnabrücker Urkundenbuch. Bearb. u. hrsg. v. Friedrich Philippi. Bd. 3.4. Unveränd. Nachdr. d. Aufl. v. 1899-1902, Osnabrück 1969 / 1977.

·Prinz, Joseph, Aus dem Anschreibebuch des Osnabrücker Offizials Reiner Eissinck (1488-1509). Eine verlorene Quelle zur Kirchen- und Kulturgeschichte des Bistums Osnabrück. In: Osnabrücker Mitteilungen 67 (1956), 81-115.

·Ravensberger Regesten 1 (Sonderveröffentlichungen des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg 7), bearb. v. Gustav Engel, Bielefeld 1985.

·Rothert, Hermann, Geschichte der Stadt Osnabrück im Mittelalter, in: Osnabrücker Mitteilungen 57 (1937), 1-325.

·Schmitz-Kallenberg, Ludwig, Der ältere Name für Neuenkirchen bei Rheine, in: Westfälische Zeitschrift 67,1 (1909), 235f.

·Schütte, Leopold, Enlope lude und Verwandte - Bezeichnungen für eine soziale Randgruppe in Westfalen im Mittelalter, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 77 (1990), 29-74.

·Scotti, Johann Joseph, Sammlung der Gesetze und Verordnungen, welche in dem Königlich Preußischen Erbfürstenthume Münster und in den standesherrlichen Gebieten Horstmar, Rheina-Wolbeck, Dülmen und Ahaus-Bocholt-Werth ... vom Jahre 1359 bis ... 1811 ergangen sind. Bd. 1-3. Münster 1842.

·Stolte, Bernhard: Das Archiv des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Paderborn. T. 2. Paderborn 1905.

·Westfälisches Urkundenbuch. Bd. 3. 5,1. 6. 8. Nachdr. d. Aufl. v. 1871. 1888. 1898. 1913. Osnabrück 1973-1980.

·Wolf, Manfred (Bearb.), Urkunden des Klosters Gravenhorst (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen 37; Westfälische Urkunden (Texte und Regesten) 5), Münster 1994.

Umfang : 340 Urkunden, Findbuch B 210u (=gedrucktes Urkundenbuch von Wolf).



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