Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.4. Geistlichkeit, Stifte, Klöster
Stift Hohenholte
Stift Hohenholte / Urkunden
B 211u, Stift Hohenholte - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 211u

Name : Stift Hohenholte

Beschreibung :

Einleitung :

Geschichte des Stifts Hohenholte

Im Jahr 1142 bescheinigte Bischof Werner von Münster die Stiftung eines Priorats (cellula) durch seinen Ministerialen Liudbert von Bevern genannt von Hollenbeck, das dieser auf seinem Gut Hohenholte, 12 Kilometer nordwestlich von Münster, heute zur Gemeinde Havixbeck (Kreis Coesfeld) gehörend, eingerichtet hatte: Der Konvent wurde zunächst der Benediktinerabtei St. Nicaise in Reims unterstellt. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Grundbesitz des Klosters durch Schenkungen der Stifterfamilie beträchtlich. Er erstreckte sich von nördlich von Burgsteinfurt über die Gegend um Billerbeck im Westen und Münster im Osten bis mindestens Lüdinghausen im Süden des Münsterlandes. Demgegenüber scheint die Beaufsichtigung durch den Reimser Abt über die große Entfernung hinweg wenig geeignet gewesen zu sein, so daß dieser 1189 seine Rechte dem Bischof von Münster übertrug. Eine Konsequenz davon war, daß die Benediktinermönche durch Augustiner-Chorfrauen ersetzt wurden. Die erste Priorin, Udela mit Namen, ist allerdings erst 1230 urkundlich bezeugt. Daß auch weiterhin eine enge Verbindung zwischen Bischof und Kloster bestand, zeigt das bischöfliche Privileg aus dem Jahr 1238, das dem Konvent die Wahl eines Vogtes aus dem Kreis der Ministerialen zubilligte, der absetzbar war und dessen Amt nicht vererbt werden durfte. Bischof und Priorin hatten ferner das Gewohnheitsrecht der ersten Bitte bei der Vergabe der Präbenden, wie überhaupt das Nonnenkloster von Anfang an zur Versorgung der Töchter der edelfreien Familien und Ministerialen aus dem Bistum Münster diente

Über die Entwicklung des Klosters im Hohen Mittelalter ist wenig bekannt. 1292 und um 1490 wurde die Anlage durch Brand zerstört. Durch Besitzübertragungen, die der Urkundenbestand vielfältig bezeugt, wuchs der Grundbesitz weiter an. Gegen Ende des Mittelalters gingen die Erwerbungen jedoch aufgrund einer allgemein verschlechterten wirtschaftlichen Lage zurück. Das geistliche Leben, Gottesdienst und Memorien etwa, läßt sich mangels Quellen nur vergleichend erschließen. 1470 erhielt das Kloster eine Vikarie. Seit dem 14. Jahrhundert waren Nonnen aus Hohenholte Mitglieder in den nahegelegenen neugegründeten Kalanden, d.h. freiwilligen frommen Bruderschaften für Geistliche und Laien. Ob der Konvent ein Hospital oder eine Schule unterhielt, ist nicht eindeutig nachweisbar, ebensowenig ob die Nonnen, wie etwa das Augustinerinnenkloster Langenhorst im Nordwesten von Hohenholte, sich den Reformbewegungen der Windsheimer Kongregation anschlossen.

Der regional-adelige Charakter von Hohenholte blieb auch in der Frühen Neuzeit bestehen. Er verstärkte sich sogar noch, da 1557 auf Bitte der Priorin und des Konventes das Kloster in ein freiweltliches adeliges Stift umgewandelt wurde. Die Priorin (Priorissa) nannte sich nun Äbtissin (Abbatissa), und die Stiftsdamen erhielten das Recht, künftig statt des weißen Chorgewandes schwarze Kleider zu tragen, jedoch unter Verzicht auf weltlichen Schmuck.

Dem Einfluß der Reformation konnte sich auch das Stift nicht ganz entziehen. Doch setzten sich die nachtridentinischen katholischen Reformbemühungen durch, und noch im 18. Jahrhundert wurde die Äbtissin bei ihrer Wahl auf die Professio fidei verpflichtet. Die Visitationen des Geistlichen Rates von Münster deckten vor allem moralische Mißstände auf. Die weltliche Verfassung des Stifts bedingte zudem einen Rückgang des religiösen Charakters der Einrichtung. Hinzu kam, daß durch die strengen Nachweisbestimmungen für die adelige Herkunft, die zur Aufnahme in das Stift berechtigten, der Zugang zum Kreis der Stiftsdamen nur wenigen Familien möglich war. Außerdem war der Erwerb einer Präbende mit hohen Gebühren verbunden, während der Ertrag daraus aufgrund mäßiger Einkünfte und hoher Unterhaltskosten eher gering blieb.

Insgesamt gehörte Hohenholte zu den kleineren und ärmeren geistlichen Institutionen im Fürstbistum Münster. Am Ende seines Bestehens 1802, bei der Inventarisierung und Veranlagung des Stifts, lebten etwa 200 Personen im Stiftsbezirk, 17 davon waren sogenannte Stiftspersonen: die Äbtissin, Kanonissen und ihre Geistlichen. Der Grundbesitz (Hovesaat) betrug 706 Morgen Land, die mit 10870 Reichstalern bei ca. 1200 Reichstalern Jahreeinkünften sowie jährliche Zinseinnahmen durch Kapitalverleihungen von 274 Reichstalern und 2270 Reichstalern Schulden, d.h. 74 Reichstaler Zinsen pro Jahr.

Bei der Säkularisierung und Teilung des Fürstbistums Münster im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 wurde Hohenholte dem Königreich Preußen zugeschlagen, das 1805 die Umwandlung in eine Versorgungsanstalt für bedürftige weibliche Adelige aller drei zugelassenen Konfessionen verfügte. Im Zuge weiterer Gebietsumwandlungen fiel der Ort 1808 an das Herzogtum Berg uns 1810 schließlich an Frankreich. Daher traf die Verfügung Napoleons vom 14. November 1811, alle Stifte, Klöster und geistliche Korporationen im Lippe-Département aufzuheben, auch Hohenholte. Im Frühjahr 1813 wurde der Besitz des Klosters verkauft. Die Stiftskirche blieb jedoch dem Dorf schon deshalb erhalten, weil der Weg zur nächstgelegenen Pfarrkirche in Havixbeck für die Einwohner zu weit gewesen wäre, bis 1859 Hohenholte dann selbst den Status einer Pfarrei erhielt.

Bestandsbeschreibung

Das Archiv des Stifts wurde 1802/03 versiegelt und bei der Aufhebung des Stift 1811 nach Münster verbracht; es befindet sich heute im Staatsarchiv Münster. Ein Teil davon ist der vorliegende Urkundenbestand, dem ein Aktenbestand gegenübersteht.

Die vorhandene Ordnung nach Sachbetreffen mit der ältesten Signaturschicht der Litterierung wurde durch die Trennung in Urkunden- und Aktenbestand aufgehoben. Dem hier verzeichneten Urkundenbestand stehen ein Aktenbestand sowie mehrere Kopiarbücher gegenüber, Urkunden bis 1325 sind bereits im Westfälischen Urkundenbuch (WUB) abgedruckt.

Dieser Bestand war durch ein vorläufiges Verzeichnis aus der Zeit nach 1811 und ein handschriftliches Repertorium von 1884 nur unzureichend erschlossen; die vorliegende Neuverzeichnung fand im Rahmen einer Verzeichnungsübung des 30. Wissenschaftlichen Kurses der Archivschule Marburg statt.

Uneinheitlichkeiten in der alten Zählung ließen bei der Gestaltung des Findbuches eine neue Numerierung sinnvoll erscheinen. Die chronologische Reihenfolge wurde beibehalten, die Urkunden jedoch streng numerisch gezählt. Aus der alten Ordnung ausgeschieden wurden Aktenschriftstücke, insbesondere Konzepte zu Wahlkapitulationen und Statuten, sowie die kopiale Überlieferung, die Ende des 18. Jahrhunderts angefertigt wurde. Diese werden dem Aktenbestand zugeschlagen.

Der Bestand besteht jetzt - ohne die kopiale Überlieferung - aus 103 Urkunden aus der Zeit zwischen 1142 und 1786. Bis ins 14. Jahrhundert dominiert die lateinische Sprache, die erste niederdeutsche Urkunde datiert von 1336. Ab dem 15. Jahrhundert finden sich nur vereinzelt lateinische Urkunden; insgesamt enthält der Bestand 58% deutsche und 42% lateinische Urkunden. Diese verteilen sich auf die Jahrhunderte wie folgt: 12. Jahrhundert 5, 13. Jahrhundert 12, 14. Jahrhundert 25, 15. Jahrhundert 18, 16. Jahrhundert 20, 17. Jahrhundert 11 und 18. Jahrhundert 14.

Inhaltlich handelt es sich im wesentlichen um Besitzübertragungen oder Rechtstitelvergaben sowie deren bischöfliche Bestätigung (v.a. im 12.-14. Jahrhundert), um Kapitalverschreibungen (seit dem 14. Jahrhundert), Regelungen von Rechtsstreitigkeiten durch eine der regionalen Gerichtsinstanzen sowie Nutzungsverträge. Außerdem sind eine Reihe von Wahlbestätigungen (Konfirmationen, seit dem 16. Jahrhundert) vorhanden.

Die im folgenden abgedruckten Regesten sollen den Inhalt einer Urkunde möglichst ausführlich, mit allen vorkommenden Personen- und Ortsnamen in normalisierter Form, wiedergeben. Bei Beschreibung der Vorgänge und Sachverhalte wurde nach Möglichkeit die Reihenfolge der Vorlage beibehalten. Für die Urkunden mit umfangreichem komplexen Rechtsinhalt (Nr. 54 und 79) wurde außerdem ein Rubrum als Kurzregest vorangestellt.

In die Formalbeschreibung wurden, im Unterschied zum üblichen Verfahren im Staatsarchiv Münster, die Dorsalvermerke (Registraturvermerke, Empfängerrubrum, alte Archivsignaturen etc.) vollständig aufgenommen. Falls vorhanden, ist die kopiale Überlieferung mit aufgeführt. Für die Kopialüberlieferung wurden folgende Siglen gewählt:

LAV NRW W Fot.: F.A. Ketteler, [Kopiar der Urkunden des Stifts Hohenholte], 1792 [Hs. bzw. Mikrofilm im LAV Münster].

Msc. II 23: LAV Münster, Manuskripte II Nr. 23

Msc. III 44: LAV Münster, Manuskripte III Nr. 44

Urkunden, die ausschließlich in kopialer Überlieferung vorliegen, wurden in der Verzeichnung von 1996 - entgegen der Tradition des Hauses - nicht mit im Regestenteil, sondern in einem gesonderten Anhang aufgeführt, sind jedoch nun in das elektronische Findbuch integriert. Im analogen Findbuch werden ergänzend ein Sachindex und ein Namensindex (Personen und Orte), eine Konkordanz der alten Signaturen sowie ein Literaturverzeichnis gegeben.

Literatur

··Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Wohnplätze (Ortschaften) in Nordrhein-Westfalen. (Beiträge zur Statistik des Landes Nordrhein-Westfalen, Sonderreihe Volkszählung 1950, Heft 2). Düsseldorf 1952, zit. Gemeinden und Wohnplätze

··Bahlow, Hans: Deutsches Namenlexikon. Familien- und Vornamen nach Ursprung und Sinn erklärt. Bindlach 1988, zit. Namenlexikon

··Capelli, Adriano: Lexicon abbreviaturarum. Dizionario di abbreviature latine et italiane. Mailand 1987, zit. Capelli

·Das Bistum Münster, Bd. 4,1-3: Das Domstift St. Paulus zu Münster. Bearb. von Wilhelm Kohl. Berlin, New York 1982ff. (Germania Sacra. NF 17,1: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln), zit. GS Münster + Bd.-Nr.

··Die Westfälischen Siegel des Mittelalters. 4 Bde. Münster 1894-1900, zit. Westfälische Siegel Bd.-Nr.

·Erhard, Heinrich August: Regesta Historiae Westfaliae. Die Quellen der Geschichte Westfalens. Bd. 1 Münster 1847, zit. Erhard

··Eubel, Conradus: Hierarchia Catholica medii aevi, Bd. 2 (1431-1503). Münster 1914, zit. Eubel + Bd.-Nr.

··Feldmann, Bernhard: Die Höfe des Münsterlandes und ihre grundherrlichen Verhältnisse, (Beiträge zur westfälischen Familienforschung, 52). Münster 1994, zit. Feldmann

·Fürstenberg, Maria Luisa Freiin von: Beiträge zum Urkundenwesen der Bischöfe von Münster, in: Westfälische Zeitschrift. Zs für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 90, 1934, S. 193-303, zit. Fürstenberg

·GERMANIA SACRA des Bistums MÜNSTER s. Das Bistum Münster

·Grabkowsky, Anna Therese: Benediktiner, Augustiner-Chorfrauen und adlige Damen in Hohenholte. Die Geschichte des Klosters und Stifts vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, in: Westfälische Zeitschrift 139, 1989, S. 43-81, zit. Grabkowsky, Benediktiner

·Grabkowsky, Anna Therese: Zur Baugeschichte des Stifts Hohenholte, in: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld 14, 1989, S. 95-109, zit. Grabkowsky, Baugeschichte

·Grote, Hermann: Stammtafeln. Mit Anh.: Calendarium medii aevi (Repr. der Ausg. 1877), Leipzig o. J., zit. Grote Stammtafeln

·Grotefend, Hermann: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Hannover 1991, zit. Grotefend

·Grotefend, Hermann: Zeitrechnung des Deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Bd.1. Glossar und Tafeln. Neudr. der Ausg. Hannover 1891. Aalen 1970, zit. Grotefend I.

·Handbuch historischer Stätten Deutschlands. Z. B. Bd. 3 Nordrhein-Westfalen. 2. Aufl. Stuttgart 1970, zit. Handbuch historischer Stätten + Bd.-Nr.

·Jeiler, Josef: Die Siegelkammer der Bischöfe von Münster, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 64, 1906, S. 137-190, zit. Jeiler

·Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Kreiskarte 1: 50 000 Nr. 52, Kreis Coesfeld, Stadt Münster, Regierungsbezirk Münster, 2. Aufl. 1977, zit. Karte

·Lasch, Agathe und Conrad Borchling: Mittelniederdeutsches Handwörterbuch. Fortgeführt von Gerhard Cordes. Neumünster 1956ff., zit. Lasch/Borchling, Handwörterbuch.

·Lexikon der christlichen Ikonographie. Hrsg. v. Wolfgang Braunfels. 8 Bde. Rom, Freiburg, Basel, Wien 1976 (Sonderausg. 1994), zit. Lexikon der Ikonographie + Bd.

·Lorenz, Jörg: Vom Kloster zum Stiftsdorf. 850 Jahre Hohenholte. Hg. v. der Gemeinde Havixbeck. 1992 (Coesfeld), zit. Lorenz

·Lübben, August: Mittelniederdeutsches Handwörterbuch. Darmsradt 1979, zit. Lübben

·Prinz, Joseph: Vom mittelalterlichen Ablaßwesen in Westfalen. Ein Beitrag zur Geschichte der Volksfrömmigkeit, in: Westfälische Forschungen 23, 1971, S. 107-171, zit.Prinz, Ablaßwesen

·Schmitz-Eckert, Hans-Georg: Die hochstift-münsterische Regierung von 1574-1803 (Zuständigkeit und Organisation), in: Westfälische Zeitschrift 116, 1966, S. 85-95, zit. Schmitz-Eckert

·Stapper, R.: Die Feier des Kirchenjahres in der Kathedrale von Münster im Hohen Mittelalter in: Westfälische Zeitschrift 75, 1971 S. 1-181, zit. Stapper, Kirchenjahr.

··Westfälisches Klosterbuch 1, S. 462-466 (mit weiterführender Literatur)

·Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Teil 1. Hrsg. v. Karl Hengst. (Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte 2). Münster 1992, zit. Westfälisches Klosterbuch I.

··Westfälisches Urkundenbuch. Fortsetzung von Erhards Regesta Historiae Westfaliae. 1201-1325. Münster 1871ff., zit. WUB Bd.-Nr.

Das vorliegende Findbuch A 137 I Stift Hohenholte - Urkunden wurde 1996 vom 30. Wissenschaftlichen Kurs an der Archivschule Marburg unter Leitung von Karsten Uhde bearbeitet und 2010 von Marius Schmieda unter der Betreuung von Thomas Reich mit dem Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben.

Münster, den 14.05.2012Dr. Thomas Reich

Umfang : 115 Urkunden, Findbuch B 211u.



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