Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.2. WESTFÄLISCHE FÜRSTBISTÜMER
1.2.1. Fürstbistum Münster
1.2.1.4. Geistlichkeit, Stifte, Klöster
Stift Nottuln
Stift Nottuln / Akten
B 232, Stift Nottuln - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : B 232

Name : Stift Nottuln

Beschreibung :

Einleitung :

Stiftsgeschichte

Die Gründung des Stifts Nottuln erfolgte vor 860/62 durch den Grafen Liutbert, möglicherweise ein Verwandter des münsterischen Bischofs Liutberg (+870). Den Archidiakonatsbezirk Nottuln bildeten Nottuln, Appelhülsen und Schapdetten. 1195 erhielten Äbtissin und Konvent vom Münsteraner Bischof das Recht, nach ihrem Belieben einen Priester als Archidiakon im Dorf bzw. Kirchspiel Nottuln und in den benachbarten Kirchspielen bzw. Eigenkirchen in Appelhülsen und Schapdetten einzusetzen. Der Nottulner Dechant übte die Archidiakonatsrechte bis ins beginnende 18. Jh. aus, dann hatte seit 1731 die jeweilige Äbtissin diese Recht inne. Die Vogtei über das Stift befand sich ursprünglich im Besitz der Ministerialenfamilie von Nutloen und dann der Edelherren von Holte. 1211 ging die Vogtei über das Kloster an die Nottulner Äbtissin über, die sie ab 1215 vom Münsteraner Bischof zu Lehen hatte. 1493 wurde wohl die Umwandlung des Klosters nach der Augustinusregel in ein freiweltlich-adliges Damenstift vollzogen. Die Seelsorge versahen der Dechant, der Hospitalar, der Kaplan der Äbtissin und die Vikare. Ab 1501 durften nur noch ritterbürtige Personen in den Konvent aufgenommen werden. Zwischen 1527 und 1529 wurde die ¿vita communis` aufgegeben und das Stiftseinkommen auf 25 Präbenden (1/3 für die Äbtissin und 2/3 für das Kapitel) aufgeteilt. Der Wirtschaftshof des Stifts war der Viehhof (Schulte Vehoff) im Norden der St. Martini-Pfarrkirche am Kirchhof, während die Stiftsimmunität im Süden der Kirche lag. Der Grund- und Zehntbesitz des Stifts und des Hospitals lagen in der Nähe von Nottuln in einem Umkreis von ca. 50 km. Spanische und generalstaatische Truppen plünderten während des Spanisch-Niederländischen Krieges das Stift mehrfach (1587, 1590/91 und 1607). Die Pest wütete 1609, 1623 und 1636. Die Klosteranlage brannte beim Großbrand von Nottuln am 3. Mai 1748 ab und wurde nicht wiederaufgebaut. Der Reichsdeputationshauptschluß verfügte 1803 die Auflösung des Stifts, welches Preußen zufallen sollte. Die endgültige Aufhebung erfolgte 1811.

Liste der Äbtissinnen:Liste der Dechanten:

+ 17.10. o.J.Heriburg1224Wulvoldus

+ 26.2. o.J.Jutta1236/1249Godefridus

+ 2.4. o.J.Oderadis1263Giselbertus

+ 20.6. o.J.Bertradis1277Thidericus

1184Hildegund1284Gerhardus

1211/1246(?)/1260Jutta von Holte1287-1330Johannes

1263Gertrud1330-1336Macharius de Senden

1277/1302Mechtild von Bentheim1340/1370Johann von Venne

1309Jutta1380-1407Heinrich Edelherr von Solms

1332-1358Lisa von Katzenelnbogen1450Heinrich de Swarte

1360-1419Lisa von Solms1467-1482Herbord Hane

1428Richarde von Merode1484-1512Ludolf Ketteler

1437-1467Agnes von Ahaus1513-1542Hermann Beckhues

1467-1482Stephanie von Wüllen (Priorin)1543-1568Dietrich Maiß d. Ä.

1482-1524Anna von Dorsweiler zu Criechingen1568Johann Schuermann (Schuiring)

1527-1537Elisabeth von Holstein-Schauenburg1568Theodor Maess d. J.

1537-1569Magdalena von Wied zu Runkel (prot.)1604Melchior Stevermann

1572-1585Elisabeth von Sayn1614-1644Heinrich Niters

1588-1613Elisabeth von Droste zu Senden1644-1663Heinrich Steinberg

1613-1614Elisabeth von dem Bergh- ¿s-Heerenberg1663-1666Heinrich Wiechers

1614-1644Maria Clara von Spaur1666-1712Johann Hülsmann

1645-1676Anna Sophia von Torck1712-1726Hermann Fischer

1676-1699Elisabeth Wilhelmina von Büren zu Mengede1726-1771J. Anton Wennemar Leuchtermann

1699-1728Helena Elisabeth von Wrede zu Amecke1772-1791Theodor Fredermann

1728-1750Anna Margarete Theodora von Velen1792-1841Johann Bernhard Vehoff

1750-1780Maria Anna von der Recke zu Steinfurt

1780-1811Ursula Sophia von Ascheberg zu Venne

Bestandsgeschichte

Es sind nur wenige Aufzeichnungen über die Geschichte des Kloster- bzw. Stiftsarchivs und seine Aufbewahrung überliefert. Nach dem Tod einer Äbtissin wurde das Archiv versiegelt und beim Amtsantritt ihrer Nachfolgerin neu verzeichnet. Ebenso verfuhr man hinsichtlich der Archive der Dechantinnen und der Amtmänner. Die hierbei entstandenen, relativ oberflächlichen Bestandsaufnahmen liegen aus den Jahren 1580, 1617, 1645, 1766, 1779, 1780 und 1782 vor (StAMS Msc. VII 1310). Während des verheerenden Brandes von 1748 brachte der Stiftsamtmann Hinrici zuerst das Archiv des Küsterinnenamtes, dann die Unterlagen des Dechantinnenamtes in Sicherheit und legte sie auf Schulte Hanhoffs Wiese nieder. Das Abteiarchiv und die Archive der Vikarien füllte er in Säcke und ließ sie von zwei Knechten in Sicherheit bringen.

Akten sind erhalten betreffend den Tod der Äbtissin von Ascheberg 1811 und die Übergabe des Abteiarchivs an den Stiftsadministrator von Wrede. Einzelne Aktenstücke wurden Anfang des 19. Jh. nach Aufhebung des Stiftes entnommen und der Dechanei Nottuln übergeben, da sie für den Gottesdienst noch Bedeutung besaßen (jetzt BA Münster, Dep. Pfarrarchiv Nottuln). Da das Stiftsarchiv weitgehend ungeordnet in das nachmalige Staatsarchiv Münster gelangte, wurden alle Urkunden im Zuge der Arbeiten zum Westfälischen Urkundenbuch von Albert de Boor verzeichnet. Die Akten blieben davon jedoch unberührt. Für sie gab es mit dem Findbuch A 160 von Roger Wilmans nur einen sehr groben und z. T. fehlerhaften Überblick mit rund 100 Nummern. Im Jahre 2003 wurden die Akten im Zusammenhang mit der Bearbeitung des Germania-Sacra-Bandes Nottuln von Herrn Ltd. Staatsarchivdirektor a.D. Prof. Dr. Wilhelm Kohl zu vorliegendem Findbuch neu verzeichnet, das 420 Aktentitel umfaßt.

Mittelalterliche Aufzeichnungen über das innere Stiftsleben fehlen weitgehend. Lediglich die Verwaltung der Stiftsgüter und Einkünfte erforderte für die Rechnungslegung durch den Amtmann oder ein Amtsfräulein Übersichten und Listen. Die älteren Bestandteile des Stiftsarchivs beziehen sich daher fast ausschließlich auf die Besitzverwaltung und auf Fundationen. Protokolle über Vergabe und Heimfall von Präbenden setzen dagegen erst im Jahre 1615 ein und sind unsystematisch geführt. Auch die Memorialverzeichnisse setzen erst um diese Zeit ein. Die ältesten erhaltenen Rechnungen (1500-1509) weist das verhältnismäßig selbständig wirtschaftende Hospital auf. Alle anderen Rechnungsbücher setzen erst gegen Ende des 16. Jh. (Rechnungen des Amtmanns) oder im 17. Jh. (Kapitel 1634, Dechantinnenamt 1644) oder gar erst im 18. Jh. ein und sind ausnahmslos lückenhaft überliefert. Älter sind die Heberegister (Kleideramt 1252; Heberegister des Klosters vom Anfang des 14. Jh.; weitere Register für Pächte, Zehnten, Geldeinkünfte und Wortgelder 1419-1445). Die wichtigsten Verzeichnisse und Register sind von Franz Darpe veröffentlicht worden (Darpe, Güter- und Einkünfte-Verzeichnisse,1907). Der Nachlaß des Nottulner Pfarrkooperators Albert Wilkens (1790-1828), der hauptsächlich aus Urkunden- und Aktenabschriften besteht, wird im Staatsarchiv Münster aufbewahrt (StAMS Msc. IV); zu seinen Fälschungen vgl. Prinz, Die Urkunde Bischof Gerfrieds.

Ergänzende Überlieferung

··Liturgische Handschriften: 2 Graduale (um 1500), 2 Missale (um 1350), u.a. (vgl. Krämer, Siegrid, Handschriftenerbe des Deutschen Mittelalters (= Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband I, hg. von Bernhard Bischoff), Teil 2, München 1990, 609)

·Reliquienverzeichnis (1681) (StAMS Msc. IV 1; vgl. Ilisch, Peter, Die Reliquien und Patrozinien des Stifts Nottuln, in: Haas, Raimund (Hg.), Ecclesia Monasteriensis. Beiträge zur Kirchengeschichte und religiösen Volkskunde Westfalens. Festgabe für Alois Schröer (= Geschichte und Kultur 7), Münster 1992, 59-69)

·Memorienverzeichnisse (StAMS Msc. VII 1306,1 und 1307; dasselbe im BA Münster, Dep. PfA Nottuln)

·Visitationsakten 1572 und 1616. Über das kirchliche Leben in Kirche und Stift siehe die Gottesdienstordnungen von 1771 ff. (BA Münster, Dep. PfA Nottuln)

·54 Aufschwörungstafeln (StAMS Aufschwörungen)

·Säkularisationsakten (StAMS Großherzogtum Berg D I, 114, 115, 118, 255; StAMS Kaiserreich Frankreich, Gruppe C 1 Nr. 102 und C 6 Nr. 1396-1578, C 8 Nr. 5; StAMS Regierungskommission Münster, Akten 66, 100 und 196; StAMS KDK Münster, Fach 19 Nr. 67-70)

·Protokollbücher (in vorliegendem Findbuch: StAMS Stift Nottuln, Akten 34, 48-51, 78, 102, 104, 199, 211-215, 233-234)

Bestell- und Zitierweise

Stift Nottuln - Akten Nr. xxx

Literaturauswahl

Die Stiftsgeschichte und die Bestandsgeschichte stützen sich im wesentlichen auf Warnecke, Nottuln - Damenstift, und das Manuskript von Kohl, Das (freiweltliche) Damenstift Nottuln.

Boer, Hans-Peter, Zu den Kontrollrechten der Nottulner Äbtissinnen, in: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld 2 (1977) Heft 2, 28-33.

Darpe, Franz (Bearb.), Güter- und Einkünfte-Verzeichnisse der Klöster Marienborn und Marienbrink in Coesfeld, des Klosters Varlar sowie der Stifter Asbeck und Nottuln (= Codex traditionum Westfalicarum VI), Münster 1907.

Donner, Heinrich, Beiträge zur Geschichte des adligen Damenstiftes zu Nottuln, besonders im Mittelalter. Diss. phil., Münster 1936.

Ilisch, Peter, Zum Grund- und Gründungsbesitz des Klosters Nottuln, in: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld 3 (1978) Heft 2, 29-36.

Kohl, Wilhelm (Bearb.), Das (freiweltliche) Damenstift Nottuln (= Germania Sacra NF 44: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 8), Berlin 2005.

Prinz, Joseph, Die Urkunde Bischof Gerfrieds von Münster für Nottuln von 834, eine Fälschung des Albert Wilkens, in: WZ 1112 (1962), 1-51.

Warnecke, Hans Jürgen, Nottuln - Damenstift, in: Westfälisches Klosterbuch (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen 44, Quellen und Forschungen zur Kirchen und Religionsgeschichte 2), Teil 2, Münster 1994, 150-158.

Wilkens, Albert, Kurze Lebensgeschichte der hl. Gerburgis, Schwester des hl. Ludgerus, Coesfeld 1825.

Wilmans, Roger, Die deutsche Gottheit Thegathon und die ältesten Dokumente des Stiftes Nottuln, in: WZ 18 (1857), 131-169.

Juni 2005Thomas Reich

Einarbeitung von Korrekturen und Bestandsabgleich im Februar 2010 (Reich).

Umfang : 420 Akten (69 Kartons), Findbuch B 232 mit Index.



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