Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.1. Grafschaft Mark mit Soest und Lippstadt
1.4.1.1. Verwaltungs- und Justizbehörden, Landstände
Westfälische Salinendirektion
D 010, Westfälische Salinendirektion
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 010

Name : Westfälische Salinendirektion

Beschreibung :

Einleitung :

Das Salzregal gehörte zu den wichtigsten landesherrlichen Rechten in Brandenburg-Preußen. Mit seiner Ausübung wurde eine ergiebige Einkunftsquelle für den Staatshaushalt ausgeschöpft. Das Regal erstreckte sich sowohl auf das Salzgewinnungs- wie auf das Salzhandels-Monopol, wobei dieses im gesamten Königreich, jenes zunächst nur in den nach 1680 erworbenen Provinzen galt. Daher bemühte sich die preußische Handels- und Gewerbepolitik unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen, die privatwirtschatliche Salzgewinnung zu verstaatlichen, um das gesamte Salzwesen in die Hand zu bekommen (1).

In den Provinzen westlich der Weser zählten die Salinenbetriebe zu den ältesten Industrien Westfalens. Schon im 14. Jahrhundert wurde Salz zu Sassendorf in der Soester Börde und zu Brockhausen / Amt Unna, seit 1630 auch zu Werdohl / Amt Neuenrade gewonnen. Die Salinen Sassendorf und Werdohl stellten im 18. Jahrhundert allmählich die Produktion ein; während Brockhausen als Saline Königsborn 1745 in fiskalischen Besitz überging (2). Wenig später, 1753, wurde bei Rehme im Fürstentum Minden eine weitere große staatliche Salzgewinnungsstätte, die Saline Neu-Salzwerk, angelegt und in Betrieb genommen (3).

Beide Salinen standen unter Aufsicht der für ihren Standort zuständigen Kriegs- und Domänenkammern (KDK) zu Minden und Kleve bzw. zu Hamm (ab 1767 als Kammerdeputation, ab 1788 als KDK tätig), die jeweils ein Kammermitglied zum Salzkommissar ernannten. In dieser Eigenschaft war der KDK-Rat sowohl für die technische Betriebsführung der Salinen, als auch für die Rechnungslegung der Provinzialsalzkasse verantwortlich. Ihm unterstanden die bei den Salinen eingerichteten Salzfaktoreien (die den Salinenbetrieb und den Salzverkauf en gros besorgten), die Salzinspektoren (die das für jeden Untertan verbindliche Salzquantum ermittelten, ihm darüber ein Salzbuch ausstellten und das gesamte Salzproberegister führten), sowie die Salzseller (die den Salzdetailverkauf ausübten) (4).

Oberbehörde für den Salzkommissar der KDK war bis 1747 das III. Departement, danach das II. Departement des Generaldirektoriums in Berlin. Dort wurde seit 1765 eine besondere Salzregistratur geführt, aus der das sog. Salzdepartement hervorging. Es wurde 1786 dem Minister Friedrich Anton von Heinitz anvertraut, der in seiner Amtszeit (bis 1796) das preußische Salzwesen tatkräftig modernisierte. Die technischen Neuerungen wurden durch die 1794 vorgenommene Verbindung des Salzdepartements mit dem Bergwerks- und Hüttendepartement besonders begünstigt (5).

Demgegenüber bildete die Auflösung des kombinierten Bergwerks-, Hütten- und Salinendepartements 1796 bzw. die Errichtung einer Generalsalzadministration aus dem ehemaligen Salzdepartement und der Kgl. Preuß. Seehandlung einen Rückschritt, der durch die Hoffnung auf eine Ertragssteigerung beim Salzhandel auf Kosten der eigenen Salzgewinnung ausgelöst worden war (6).

Der ehemalige Oberpräsident der westfälischen KDK's, Reichsfreiherr Karl von und zum Stein, veranlaßte daher nach seiner Ernennung zum Chef des Akzise- und Fabrikendepartements des Generaldirektoriums sowie der Generalsalzadministration 1804 eine Neuorganisation des Salzwesens. Die Administration wurde wieder aufgelöst; ihre technischen Belange (die "Salzfabrikationspartie") an das Bergwerks- und Hüttendepartement, ihre kaufmännischen Aufgaben (die "Salzdebitpartie") an das Akzise-Departement bzw. die Seehandlung übertragen (7).

Gleichzeitig wurde eine Neuordnung der Salzverwaltung in den westfälischen Provinzen durchgeführt. Dort hatte um 1796 der KDK-Rat Meyer mit Sitz in der KDK Hamm und der KDK Minden die Aufsicht über die Salinen Königsborn und Neu-Salzwerk übernommen. Nun wurde (nach dem Vorbild entsprechender Regelungen in den Ostprovinzen seit 1793) im Oktober 1804 das Salzwesen aus dem Geschäftsbereich der KDK's herausgenommen und der "Westfälischen Salinendirektion" zu Hamm übertragen (8). Eine Kabinettsordre vom 29.8.1805 vollzog die Errichtung dieser neuen Behörde. Ihr unterstand der Betrieb aller Salinen sowie der Salzhandel in den westfälischen Provinzen. Zum Behördenleiter wurde KDK-Rat Meyer, als "Chefpräsident" der Minister vom Stein ernannt (9).

Wie die KDK's zu Hamm, Minden und Münster stellte wohl auch die Westfälische Salinendirektion zu Hamm 1809 ihre Tätigkeit ein.

Von den Vorakten und Akten der Behörde gelangte nur ein kleiner Splitter mit Zugängen aus dem Oberbergamt Dortmund in das Staatsarchiv Münster. Dort wurde aus den insgesamt 10 Akten in lockerer Anwendung des Provenienzprinzips ein Bestand mit abgestuftem Signatursystem gebildet. Bei der Neuverzeichnung der Akten, die 1981 nach Verlust des alten Findbuchs notwendig war, wurden diese Signaturen beibehalten.

Münster i.W., im Dezember 1981

Kloosterhuis

Anmerkungen:

(1) Vgl. H. Rachel, Die Handels-, Zoll- und Akzisepolitik Brandenburg-Preußens, 1. Bd., Berlin 1911, S. 655 ff., 2. Bd. 1. H., Berlin 1922, sowie 3. Bd. 1. H. und 2. H., Berlin 1928, S. 765 ff. bzw. S. 422 ff.

(2) Vgl. B. Rollmann, Historisch-Technische Beschreibung der Kgl. Saline Königsborn bei Unna, in: D. G. Schreber (Hg.), Sammlung verschiedener Schriften, welche in die ökonomischen, Policey- und Cameral-, auch andere Wissenschaften einschlagen, 3, 1799, Bd. 1, S. 89-97; 4, 1800, Bd. 2, S. 67-77; 5, 1801, Bd. 1, S. 113-125; dazu A. Meister, Handel, Gewerbe, Industrie und Bergwesen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in: ders. (Hg.), Die Grafschaft Mark, Dortmund 1909, S. 399 ff., bes. S. 407 ff., sowie W. Timm, Von den Brockhausener Salzwerken zur Saline Königsborn. Ein Kapitel märkischer Wirtschaftsgeschichte, Hagen 1978.

(3) Vgl. Beschreibung des Kgl. Salzwerkes bey Rehme, in: P. Fl. Weddigen (Hg.), Westfälisches Magazin, 3, 1787, S. 453-461; dazu H. Tümpel (Hg.), Minden-Ravensberg unter der Herrschaft der Hohenzollern, Bielefeld u.a. 1909, S. 179 ff., bes. 215 ff.

(4) Vgl. A. F. Hase, Handbuch zur Kenntnis des Preußischen Polizei- und Kameralwesens, 3. Bd., Berlin 1797, S. 158 ff.

(5) Vgl. Aug. Schwemann, Fhr. von Heinitz als Chef des Salzdepartements (1786-1796), in: Forsch, Brandenburg-Preußische Geschichte, 7/2, 1894, S. 111-159; dazu W. Weber, Innovationen im frühindustriellen deutschen Bergbau und Hüttenwesen: Friedrich Anton v. Heinitz, Göttingen 1976. Von den technischen Modernisierungsmaßnahmen, die Heinitz veranlaßte, ist besonders die Installierung einer Dampfmaschine bei der Saline Königsborn 1797 zu erwähnen.

(6) Vgl. H. O. Meisner, G. Winter (Bearbb.), Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, 2. Teil, Berlin 1935, S. 38.

(7) Vgl. M. Lehmann, Freiherr vom Stein, 1. Bd., Leipzig 1902, S. 319 ff.

(8) Im Bestand findet sich diese Behördenfirma erstmals erwähnt auf einem Schreiben an den "Westfälischen Salinendirections-Secretair" Schürmann vom 23.10.1804; vgl. Staatsarchiv Münster, Westfälische Salinendirektion Hamm Nr. 6.

(9) Vgl. Fr. Böckeholt, Zur Geschichte der Kgl. Preußischen Provinzialverwaltung der ehemaligen Grafschaft Mark zu Hamm (Westf.), Münster 1912, S. 71. Als Nachweis für die Kabinettsordre wird Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, KDK, Gen. Dom. Gen. Fach 6.5., zitiert.

Umfang : 12 Akten (2 Kartons), Findbuch D 010.



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