Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.1. Grafschaft Mark mit Soest und Lippstadt
1.4.1.1. Verwaltungs- und Justizbehörden, Landstände
Märkisches Wegeamt
D 012, Märkisches Wegeamt
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 012

Name : Märkisches Wegeamt

Beschreibung :

Einleitung :

Der schlechte Zustand der Wege in der Grafschaft Mark wurde von privater und amtlicher Seite in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts häufig beklagt. Vom Ausbau eines befestigten Straßennetzes versprach man sich eine Steigerung des Binnen- und Transithandels, eine Verbesserung der Kohle- und Salztransportmöglichkeiten sowie überhaupt "neues Leben und Munterkeit" in bislang abgelegenen Landesteilen. file://fn@01

Friedrich der Große legte aber offensichtlich keinen besonderen Wert darauf, auf diese Weise die "Infrastruktur" des Territoriums zu verbessern. Die in der Provinz für den Wegebau zuständige Behörde, die Kriegs- und Domänenkammer (KDK) zu Kleve, seit 1767 die Märkische Kammerdeputation zu Hamm (1788 zur KDK ausgebaut) entwickelte daher auf diesem Gebiet keine besondere Initativen. Man ließ es bei der Publizierung von "Wegeordnungen für die Grafschaft Mark" bewenden (z.B. 1763, 1765 und 1769). Sie schrieben die Instandhaltung der Wege zwar in vielen wortreichen Artikeln en détail vor, machten für die Ausführung der Arbeiten aber nur Land- und Steuerräte, Magistrate, Kreiseinnehmer und Jurisdiktionsrichter verantwortlich - und bewirkten damit, daß keine durchgreifenden Verbesserungen im Wegebau erzielt wurden. file://fn@02

Minister Friedrich Anton v. Heinitz und der Kammerdirektor Reichsfreiherr Karl vom und zum Stein sorgten ab 1786 für einen Wandel im märkischen Wegebau. Gegen die (finanziell begründeten) Bedenken des Generaldirektoriums in Berlin und am Ort erhobene Einwände setzte Stein den Bau zweier Chausseen durch, die 1788-1792 fertiggestellt wurden. file://fn@03

Die erste Chaussee führte von Soest über Unna, Aplerbeck, Herdecke, Hagen, Gevelsberg und Schwelm bis an die Grenze bei Langerfeld, um den Durchgangsverkehr und den Garnhandel zwischen den Börden und dem, Bergischen zu fördern. Die andere Chaussee lief von Meinerzhagen über Helver, Breckerfelder, Hagen, Herdecke, Krengeldanz und Bochum bis an die Grenze bei Königssteele. Durch Verhandlungen mit Fürstäbtissin Maria Kunegunde vom Reichsstift Essen konnte erreicht werden, daß die Strecke (auf Kosten der Regentin; ihre Landstände bewilligten keine Baugelder) über Steele, Essen, Borbeck und Oberhausen weitergeführt wurde. file://fn@04 Dort gelangte sie im Herzogtum Kleve wieder auf preußisches Territorium und führte bis zum Rhein-Lippe-Hafen Wesel weiter.

Beide Chausseen gehörten zu den ersten Fernstraßen in Preußen. Die Linie Meinerzhagen-Steele-Wesel wurde zum Teilstück einer der wichtigsten deutschen Nord-Süd-Verbindung, über die der Nürnberger und Frankfurter Handel nach Holland gelangte. Nach dem Urteil des Ministers Heinitz hatten beide Chausseen

"eine außerordentliche Erleichterung in der Anfuhr der rohen Materialien und der Abfuhr der Fabrikenprodukte, sowie einen glücklichen Transitohandel, besonders bei der lang gesperrten Rheinfahrt bewirkt und Gelegenheit gegeben, an den Straßen mehr denn 80 Häuser zu bauen und die daran stoßenden Ländereien durch bessere Benutzung in höheren Wert zu setzen, auch sind viele Fabriken aus dem Bergischen dahingezogen, sodaß das Ganze einer wahren Umschaffung gegen das Jahr 1787 gleich ist". file://fn@05

Für den Bau der beiden Chausseen waren 1788 zwei Wegebau-Kommissionen eingesetzt worden, die der KDK Hamm direkt unterstanden. An ihre Stelle trat am 1.8.1793 das Märkische Wegeamt (ab 1805: Ober-Wegeamt) mit Sitz in Hagen. file://fn@06 Zur neuen Behörde zählten ein Direktor (Geh. Kriegsrat Joh. Heinrich Liebrecht), ein Oberwege-Inspektor (Steinmeister), ein Assessor (Liebrechts Sohn), der zugleich als Sekretär und Registrator dienten, sowie einige Subalternbeamte. Nachgeordnet waren Wege-Inspektoren und Wegerendanten bzw. Barriere-Empfänger. Zum Aufgabenbereich des Amtes gehörte sowohl der Bau und die Unterhaltung der Chausseen und Wege wie die Führung der Wegegeldkasse. file://fn@07

Die Grafschaft Mark wurde dafür in folgende Wege-Inspektionen bzw. Kassenbezirke eingeteilt:

- Bochum'sche Wegeinspektion,

- Hörde-Unna'sche Wegeinspektion,

- Hagen'sche Wegeinspektion,

- Meinerzhagen'sche Wegeinspektion,

- Wegegelder-Kasse nordwärts der Ruhr,

- Wegegelder-Kasse zu Hagen,

- Wegegelder-Kasse zu Meinerzhagen.

Das Wegeamt bemühte sich in der Folge, die Zubringer zu den beiden Hauptstraßen auszubauen, da sich abseits der großen Chaussee allerwegen "die trübe Aussicht zum Halsbrechen" bot. file://fn@08 Besonderes Gewicht wurde auf die Befestigung der Kohlewege gelegt, um den Export ins Ausland zu fördern. file://fn@09

Die ständig wachsenden Aufgaben schienen 1806 die Neuorganisation ihrer Bearbeitung zu erfordern. Das Wegeamt wurde wieder aufgehoben. Sein Geschäftsbereich fiel an die KDK zurück, wo er von zwei KDK-Räten (Vater und Sohn Liebrecht) wahrgenommen wurde. Ihnen unterstanden nun zwei Oberwege-Inspektoren für die Inspektion nordwärts und südwärts der Ruhr bzw. jeweils fünf Wege-Inspektoren. Dieser Beamtenapparat wurde nach 1806 vom Generaldirektor des Straßenbaus im Großherzogtum Berg übernommen. file://fn@10

Bei der Errichtung des Wegeamtes 1793 waren die bislang bei der KDK geführten Akten der Wegebau-Kommission herausgenommen und "zur Wegeamts-Registratur" gelegt worden. 1806 dürften sie wieder zu den KDK-Akten gekommmen und mit diesen weitgehend vernichtet worden sein. So gelangte von den Vorakten und Akten des Wegeamtes nur ein kleiner Splitter ins Staatsarchiv Münster (hauptsächlich mit Zgg. 17/1950). Dort wurden sie zunächst durchnumeriert und (mit Übernahme der einmal vergebenen Signaturen) im Nov. 1982 verzeichnet.

gez. Dr. Jürgen Kloosterhuis

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Die Eingabe in V.E.R.A. erfolgte im Jan. 2006 durch den Praktikanten Michael Weiß.

Umfang : 10 Akten (2 Kartons), Findbuch D 012.



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