Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.1. Grafschaft Mark mit Soest und Lippstadt
1.4.1.2. Stifte, Klöster, geistliche Einrichtungen
Stift Herdecke
Stift Herdecke / Akten
D 107, Stift Herdecke - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 107

Name : Stift Herdecke

Beschreibung :

Einleitung :

Stift Herdecke

Nach den ”Annales circuli Westphalici“ des Hermann Fley gen. Stangefol wurde im Jahre 819 von Frederuna, einer angeblichen Verwandten Karls des Großen, in Nonherdeke an der Ruhr ein Frauenstift errichtet. Dieser Darstellung steht das Fehlen jeglicher zeitgenössischer Überlieferung über das Stift Herdecke gegenüber, die urkundlich erst 1214 einsetzt. Der klösterliche Grundbesitz konzentrierte sich in der südlichen Grafschaft Mark und wuchs durch Schenkungen und Käufe. Hinzu kam Streubesitz.

Eine Zugehörigkeit zum Benediktinerorden ist erstmals 1313 greifbar, wodurch Spekulationen über Herdecke als Tochtergründung von St. Maria im Kapitol in Köln genährt werden. Die Umwandlung dieser Klaustralgemeinschaft in ein freiweltliches Damenstift erfolgte im 15. Jahrhundert und erfuhr 1488 die Bestätigung durch einen päpstlichen Legaten. Nach Einführung der lutherischen Lehre 1538/39 restituierte Herzog Johann von Kleve den alten Glauben, doch bereits Ende des 16. Jahrhunderts war die Reformation wieder gefestigt. Der Religionsnebenrezeß von 1666 führte zu eine Aufteilung des Konvents, so dass ein Viertel der Präbenden an Katholiken vergeben wurden und auf drei evangelische Äbtissinnen eine katholische folgen sollte. De facto bestand Herdecke nun als Simultanstift, das allen drei Konfessionen offenstand.

Gleichwohl ist ein ökonomischer und spiritueller Niedergang zu konstatieren. Am 1.1.1812 erfolgte die Aufhebung des Stifts Herdecke durch die Regierung des Großherzogtums Berg.

Zum Bestand:

Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Verzeichnung der Akten des Klosters Herdecke stammt von Robert Krumbholtz (alte RepNr. 383,8a). Eine Revision des Aktenbestandes aus dem Jahre 1951 ergab nur wenige Fehlstücke. Die Abschrift des vorliegenden Findbuchs unternahm Sabine-Ines Rauch im August 2009 unter der Betreuung von Thomas Reich, der zahlreiche Urkunden und Akten zu Korrekturzwecken in Augenschein genommen und eine Neusignierung des Aktenbestandes vorgenommen hat.

Ergänzungsüberlieferung:

··Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Kleve-Märkische Regierung, Landessachen (Findbuch A 351)

·Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Haus Reck (Dep.) - Akten (Findbuch A 459 II)

·Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Msc. I 212

·Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Msc. II 13

·Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Msc. IV 259

·Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Großherzogtum Berg A 2 Nr. 54 und D 2 Nr. 143 (Säkularisationsakten)

·Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, KDK Hamm 744 (Säkularisationsakten)

·Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Regierung Arnsberg III A, Domänenregistratur Fach 26 Nr. 9 und 10 (Säkularisationsakten)

·Landesarchiv NRW Abt. Rheinland, Kleve-Mark

·Landesarchiv NRW Abt. Rheinland, Großherzogtum Berg Nr. 5193, 7286 und 9501 (Säkularisationsakten)

·Bistumsarchiv Paderborn, Bd. 174 blau

··

·Literatur:

··Derks, Paul, ”Cenobium Herrek“ und die ”Hertha-Eiche“. Eine Nachlese zum Herdecker Stadtjubiläum, in: Der Märker 41 (1992), 207-223. [D 806/41]

·Klueting, Edeltraud, Herdecke, in: Hengst, Karl (Hg.), Westfälisches Klosterbuch, Bd.1, Münster 1992, 400-404. [A VI, 8/1]

·Lammers, Joseph / Spohn, Thomas, Die Bauten des ehemaligen freiweltlichen adeligen Damenstiftes Herdecke, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 88 (2010), 7-51. [D 535/88]

·Mellinghaus, Wolfram, Herdecke um 1800, Herdecke 1999. [WF 2000]

·Schnettler, Otto, Herdecke an der Ruhr im Wandel der Zeiten. Stift, Dorf, Stadt. Zur Zweijahrhundertfeier der Stadterhebung (Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 45, Dortmund 1939. [D 545/45]

·Sollbach, Gerhard E., Das freiweltliche adelige Damenstift in Herdecke an der Ruhr, in: Hermans, Baldur (Hg.), Die Säkularisation im Ruhrgebiet, Mülheim 2004, 95-108.

·Sollbach, Gerhard E., Der Herdecker Stiftshof Schulte im Koen(en), in: Der Märker 45 (1996), 249-254. [D 806/45]

·Sollbach, Gerhard E., Feudale Herrschaft und bäuerlicher Widerstand. Abgabenverweigerung der Pachtbauern des (freiweltlichen adeligen) Damenstifts Herdecke an der Ruhr, in: Der Märker 38 (1989), 99-105. [D 806/38]

·Sollbach, Gerhard E., Leben in märkischen Frauenklöstern und adeligen Damenstiften in Mittelalter und Neuzeit. Herdecke, Clarenberg und Gevelsberg (Dortmunder historische Studien 8), Bochum 1995. [WF 2041]

·Sollbach, Gerhard E., Stift und Dorfgemeinschaft Herdecke in Mittelalter und früher Neuzeit, in: Der Märker 48 (1999), 63-71. [D 806/48]

·Sollbach, Gerhard E., Verfassung und Praxis der Grundherrschaft des Kanonissenstiftes und späteren (freiweltlichen) adeligen Damenstifts Herdecke an der Ruhr in Mittelalter und Frühneuzeit, in: Märkisches Jahrbuch für Geschichte 103 (2003), 63-82. [D 555]

Münster, den 9. Februar 2012

Dr. Thomas Reich

Umfang : 210 Akten (30 Kartons), Findbuch D 107, Bd. 2 mit Index.



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