Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.1. Grafschaft Mark mit Soest und Lippstadt
1.4.1.2. Stifte, Klöster, geistliche Einrichtungen
Kloster Marienborn, Lütgendortmund
Kloster Marienborn, Lütgendortmund / Urkunden
D 114u, Kloster Marienborn, Lütgendortmund - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 114u

Name : Kloster Marienborn, Lütgendortmund

Beschreibung :

Einleitung :

Geschichte des Klosters Marienborn

Das Kloster wurde 1295 auf dem von Hermann Goldacker angekauften Gut als Beginenhaus gegründet file://fn@01 . Es steht damit in der Gründungswelle von frommen Frauengemeinschaften des 12. und 13. Jahrhunderts, die zunächst der Prämonstratenserregel, später der Franziskusregel folgten oder - wie im Fall Marienborns - sich als freie Beginen zunächst eigenen Regeln gegeben hatten file://fn@02 .

Die Geschichte des Beginenhauses in Lütgendortmund ist mit der ortsansässigen Familie Puttmann verbunden: Die Ehefrau des Johann von Blankenstein (genannt Puttmann), Stine, hatte ihren Mann file://fn@03 und zwei ihrer Kinder (Wennemar und Katharina) früh verloren und musste rund 25 Jahre allein um für die drei verbliebenen Töchter sorgen. Die nun älteste Tochter, Hille, konnte mit Bernd van der Leyen und die nächstjüngere, Else, mit Johann van Dorsten verheiratet werden. Stine selbst, wie auch die jüngste Tochter Gertrud und eine ehemalige Pächterin namens Karde Darboven sind bereits 1467 als Vorsteherinnen eines Beginenhauses in Lütgendortmund belegt file://fn@04 . Sowohl das Familienarchiv der Puttmanns als auch die Urkunden der Darbovens sind bei dieser Gelegenheit in den Besitz des Konvents gekommen. Nachdem der Bruder von Stines Mann, Gert Puttmann, zunächst anscheinend mit der Entwicklung einverstanden war und als Zeuge bei einem Rechtsgeschäft des Klosters auftrat (StAMS, Kloster Marienborn, U.14), ergaben sich im Laufe der frühen 1480er Jahre Streitigkeiten um das Familiengut. Sicher spielte dabei der 1486 belegte Hermann Puttmann, der erbberechtigte Sohn Gerts, eine wichtige Rolle. In zwei Vergleichen von 1484 und 1486 einigte man sich darauf, dass noch zu Stines Lebzeiten an Hermann eine Rente gezahlt werden sollte. Nach Stines Tod sollte das Gut aber vollständig an den Konvent fallen. Da Stine schon 1491 nicht mehr als Vorsteherin zu belegen ist (StAMS, Kloster Marienborn, U.23), konnte Hermann nicht lange von diesen Einkünften profitieren.

Auch die Mitglieder der nächsten Generation der Puttmanns blieben dem Konvent verbunden und traten sowohl selbst als Rechtshandelnde (z.B. StAMS, Kloster Marienborn, U.26), als auch als Zeugen bei Rechtsgeschäften des Konvents auf (z.B. StAMS, Kloster Marienborn, U.28). Auch die angeheirateten Familien van den Kaldenhoven, van der Leyen und van Dorsten urkundeten für den Konvent (StAMS, Kloster Marienborn, U.29/U.30). Vermutlich arrangierte Friedrich van den Kaldenhoven die Belehnung mit der Willekenshufe, die seit dem 17. Jahrhundert auch als Püttmannsgut bezeichnet wird, und mit dem Gut Mersche in Marten, was eine rechtliche Anbindung an die Reichsabtei Werden bedeutete. Als Lehnsnehmer gegenüber den Äbten von Werden traten von nun an die jeweiligen Konventsgeistlichen im Namen des Konvents auf file://fn@05 . Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erhielt der Konvent (StAMS, Kloster Marienborn, U.44) das ursprünglich den Kaldenhoves gehörende Obergut zu Oespel (StAMS, Kloster Marienborn, U.19), das lehnsrechtlich mit dem Hof Marten verbunden war. Aus dieser Verbindung entstanden zahlreiche Behändigungsbriefe, die die Erbschulten des Martener Hofes (die Familie von Bodelschwingh) den Vorsteherinnen bzw. einer Schwester in Stellvertretung aushändigten file://fn@06 .

Eine weitere Familie, die Paschendals, traten um 1500 als Gönner des Klosters Marienborn in Erscheinung. Heinrich Hugenpoet, der seit 1492 als Konventsgeistlicher belegt ist (StAMS, Kloster Marienborn, UU.24, 34, 35, 37, 38, 39, 45, 52), hatte wohl bei der Familie seiner Schwester Klara, die mit Wennemar Paschendal verheiratet war, für die Anliegen der ihm anvertrauten geistlichen Einrichtung geworben. Hinzu kam, dass die ausschließlich weiblichen Nachkommen der Familie als Schwestern in den Konvent eintraten und Klara und ihre Tochter Margarete 1519 (StAMS, Kloster Marienborn, U.47) den Zehnten zu Westrich - wohl zusammen mit allen Vorurkunden - an den Konvent übertrugen. Diese seit 1489 je zur Hälfte von Rutger Ovelacker und Wennemar Paschendal erkauften Zehnteinnahmen (vgl. StAMS, Kloster Marienborn, U.20/21) verbanden von nun an das Kloster Marienborn mit dem Dechant und dem Stiftskapitel von St. Andreas in Köln, denen ein jährlicher Anteil von drei beziehungsweise später vier Goldgulden zustand file://fn@07 .

Bereits Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Konvent dem Schutz des Grafen Adolf IV. von der Mark (1398-1444) unterstellt (StAMS, Kloster Marienborn, U.31) und die Schutzherrschaft von seinen Nachfolgern fortgeführt file://fn@08 . Unter seinem Enkel Herzog Johann I. von Kleve nehmen die Konventsfrauen die Dritte Franziskanerregel an file://fn@09 . Wie viele andere Beginengemeinschaften hatten sich wohl auch die Schwestern von Marienborn als Terzianerinnen den Bettelorden angenähert, um so dem dauernden Häresieverdacht, dem die Beginen ausgesetzt waren, zu entgehen file://fn@10 . Gleichzeitig kann man in dieser Entwicklung eine Regulierung des Ordenslebens sehen. Seit etwa 1400 ging mit den Observanzbewegungen ausgehend von Subiaco eine Welle von Reformen quer durch alle Ordensgemeinschaften im deutschsprachigen Raum. Die Bewegung der Devotio Moderna, in deren Folge zahlreiche Augustinerchorherrenstifte und Benediktinerklöster sich den Kongregationen von Windesheim bzw. Bursfelde anschlossen, sind hierfür nur ein Beispiel. In der Regel stärkten diese Reformen das Vertrauen der Landesherren und der anhängenden Familien in die Klöster und führten so zu verstärkten Stiftungen. Im Fall von Marienborn lässt sich jedoch, trotz reger Aktivitäten dieser religiösen Bewegungen auch in Westfalen file://fn@11 , kein großer Reformeifer feststellen. Abgesehen von der zeitlichen Nähe der Bezeichnung Marienborns als Franziskanerterziarinnenhaus zu den Reformbewegungen läßt sich kein Kontakt zu einer spätmittelalterlichen Reformbewegung nachweisen.

Nach der Reformation übernahm das Kloster im überwiegend evangelischen Lütgendortmund eine Zentralfunktion für die verbliebenen Katholiken. Die Erhebung zur Pfarrkirche lehnten die Nonnen zwar ab, doch sowohl die seelsorgerische Arbeit wie der Schulunterricht wurde vom Konventsgeistlichen versehen file://fn@12 . Das Kloster überlebte auf diese Weise die ersten Jahre der Säkularisation, und erst 1809 wurde seine Auflösung beschlossen file://fn@13 . Bis zu diesem Zeitpunkt belegen die erhaltenen Urkunden die gut-nachbarschaftlichen Beziehungen des Klosters Marienborn zur Stadt und zum Gericht in Bochum file://fn@14 sowie zu anderen geistlichen Institutionen der Region, wie dem Damenstift in Essen file://fn@15 .

Bestand

Der Urkundenbestand des Klosters Marienborn umfasst 103 Stücke, die zwischen 1362 und 1805 datiert sind. Neben der urkundlichen Überlieferung befinden sich der thematisch und formell sehr ähnliche Teilbestand mit 20 Akten des Konvents, die aus dem Zeitraum zwischen 1503 und 1810 stammen und die lediglich hinsichtlich der Sachbetreffe (fast ausschließlich bestimmter Besitzungen) systematisch zusammengefasst wurden.

Die frühen Urkunden liegen wohl zeitlich vor der Gründung des Konvents von Marienborn und würden damit eine Überlieferungsschicht bilden, die die Besitzgeschichte einiger späterer Klosterbesitzungen erfasste und die mit den jeweiligen Schenkungen an das Klosterarchiv fielen file://fn@16 . Der weit überwiegende Teil der Stücke ist in (nieder-)deutscher Sprache abgefasst; lediglich zwei lateinische Notariatsinstrumente befinden sich im Bestand (StAMS, Kloster Mareinborn, UU. 24 und 47). Der größte Teil der spätmittelalterlichen Urkunden ist querformatig; Papier als Beschreibstoff taucht zuerst im 15. Jahrhundert auf und setzt sich vollständig erst um 1700 durch.

Zu einem unbestimmten Zeitpunkt nach 1657 wurden die Urkunden bereits einmal im Klosterarchiv erfasst, nach Betreffen in Serien geordnet (Willekenshufe, Zehntrechte in Westrich, Schelengut) und in Rückvermerken mit einer Nummerierung, Datierung und kurzen Inhaltsangabe versehen file://fn@17 . Dabei verweisen die Nummerierungen auf den Rückvermerken auf einen deutlichen Überlieferungsverlust file://fn@18 . Auch einige Urkundentexte rekurrieren auf nicht im Bestand befindliche Vorurkunden file://fn@19 .

Nach der Auflösung des Konvents 1809 durch die Autoritäten des Großherzogtums Berg kam dann in preußischer Zeit ein Teil des Klosterarchivs als Bestand Kloster Marienborn, Lütgendortmund, an das damalige Provinzialarchiv Münster. Schon 1804 allerdings, fünf Jahre vor der offiziellen Auflösung des Konvents, hatte sich der von der preussischen Regierung zum Kommissar für das Kloster ernannte Bochumer Landrichter Bölling die beiden verschlossene[n] und versiegelte[n] Kisten mit Urkunden und Nachrichten des Klosters zur Durchsicht und Ordnung kommen lassen file://fn@20 . Möglicherweise wurde im Umfeld dieser Sichtung der die arenbergischen Besitzungen im früheren Vest Recklinghausen betreffende Teil der Archivalien ausgesondert und an die neuen Landesherren übergeben file://fn@21 .

Die ältesten Nachrichten zum Kloster Marienborn - eine mögliche Erwähnung einer Vorläu-ferinstitution des späten 13. Jahrhunderts - haben sich möglicherweise im Pfarrarchiv Lütgendortmund erhalten file://fn@22 . Aber auch weitere Archive besitzen Archivalien, die die Geschichte des Klosters Marienborn betreffen file://fn@23 :

-Stadtarchiv Dortmund, Bestand 25 file://fn@24

-Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Großherzogtum Berg, 5252 file://fn@25

-Erzbistumsarchiv Paderborn, Bd. 232 blau file://fn@26

-Stadt- und Vestisches Archiv Recklinghausen, Herzoglich-Arenbergisches Archiv, Reihe I

-Stadt- und Vestisches Archiv Recklinghausen, Herzoglich-Arenbergisches Archiv, Reihe III file://fn@27

-Stadt- und Vestisches Archiv Recklinghausen, Herzoglich-Arenbergisches Archiv, Bestand VIII file://fn@28

-Stadtarchiv Witten, Herrschaft Witten, Akten 10 und 40

Außerdem liegt in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in Paderborn ein Gebetbuch des Klosters Marienborn mit Memorienverzeichnis und annalistischen Einträgen vor. file://fn@29

Eine erste archivische Verzeichnung des Bestandes leistete 1840 der damalige Leiter des Provinzialarchivs, Dr. Heinrich August Erhard (StAMS, Findbuch A383). Diese Verzeichnung entsprach hinsichtlich ihrer Vollständigkeit, ihrer Erschließungstiefe und der mangelhaften Suchmöglichkeiten nicht mehr den Ansprüchen, so dass eine vollständige Neuverzeichnung unumgänglich war. Sie wurde im Sommer 2003 unter der Leitung von Staatsarchivrat Dr. Marcus Stumpf im Rahmen ihrer Ausbildung am Staatsarchiv Münster von den Archivreferendaren Andreas Berger, Ulrich Fischer, Dr. Mathias Jehn, Arnold Otto, Karin Schwarz und Peter Worm besorgt. Diese Verzeichnung zielt nicht zuletzt auf die geplante Erstellung eines Online-Findbuches mit ebenfalls online abrufbaren Abbildungen der Archivalien ab.

Erschließungsstrategie

Für alle Urkunden wurden Vollregesten angefertigt, die Stücke bis 1500 zusätzlich im Volltext transkribiert. Die Zeichensetzung der Urkundentexte wurde den heutigen Regeln angepasst; die Eigennamen wurden groß geschrieben, während sonst durchgängig Kleinschreibung verwendet wurde. Die Sachakten wurden hinsichtlich der Erschließungstiefe an die Regestierung der thematisch und formell ähnlichen frühneuzeitlichen Urkunden angepasst. Für Regesten und Index wurden die Namensformen von Personen vorsichtig normalisiert, dabei aber abweichende Schreibweisen in den Texten aufgeführt; die Identifikation von Ortsnamen in den Anmerkungen wurde soweit mit vertretbarem Aufwand zu leisten durchgeführt.

Umfang : 100 Urkunden 1362-1805, Findbuch D 114u.

Verweise :

Bergerhoff, Friedrich: Geschichte des Kirchspiels Lütgendortmund. Dortmund 1935.

Bergerhoff, Friedrich: Das Lütgendortmunder Kloster Marienborn und seine Bedeutung für die Heimat- und Familienforschung. In: Dortmunder Zeitung vom 22. Nov. 1938.

Bergerhoff, Friedrich: Lütgendortmund in alter Zeit. In: Westfälische Landeszeitung - Rote Erde vom 7. Feb. 1935.

Brink-Kloke, Henriette/ Vogel, Heike: Das Kloster Marienborn in Dortmund-Lütgendortmund. Historische Quellen und archäologische Ausgrabung. In: Ausgrabungen u. Funde in Westfalen-Lippe, Bd. 8/B. Mainz 1993, S. 81-112.

Dißelbeck-Tewes, Elke: Mittelalterliche Frauenklöster zwischen Lippe und Ruhr. In: Seibt, Ferdinand u.a. (Hgg.): Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, Bd. 2. Essen 1990, S. 153-156.

Doelle, Ferdinand: Stand der Sächsischen Franziskanerprovinz vom heiligen Kreuze. In: Beiträge zur Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz vom heiligen Kreuze 4/5 (1911/12), S. 177-205, hier S. 203.

Dösseler, Emil: Geistliche Sachen aus den Registern der Grafschaft Mark II. In: Jahrbuch des Vereins für Westf. Kirchengeschichte 45/46 (1952/53), S. 17.

Elm, Kaspar: Mendikantenstudium, Laienbildung und Klerikerschulung im spätmittelalterlichen Westfalen. In: Möller, B./Patze, H./Stackmann, K. (Hgg.): Studien zum städtischen Bildungswesen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phil.-hist. Kl. III, 137). Göttingen 1983, S. 586-617.

Gläsker, Friedrich: Lütgendortmund. Ein Beitrag zur Heimatkunde des Groß-Dortmunder Raumes (Msc. von 1956 im StadtA Dortmund, Bestand 204/01-77).

Honselmann, Wilhelm: Paderborner Nekrologien und Personenverzeichnisse. In: Scheele, Paul-Werner (Hg.): Paderbornensis ecclesia. Beiträge zur Geschichte des Erzbistums Paderborn. Festschrift für Lorenz Kardinal Jaeger. München / Paderborn / Wien 1972, S. 135-149, hier S. 145-147.

[Klotzbach, Kurt]: Blickpunkte. Lütgendortmund gestern und heute. Dortmund 1985.

Kohl, Wilhelm: ”Der Anteil der münsterischen Domherren an der Devotio Moderna“. In: Serta Devota. In memoriam Guillelmi Lourdaux. Pars Prior: Devotio Windeshemensis. Leuven 1992, S. 155-167.

Reimann, Norbert: Artikel ”Lütgendortmund - Terziarinnen, gen. Marienborn“. In: Hengst, Karl (Hg.), Westfälisches Klosterbuch, Bd. 2., Münster 1994, S. 555-558.

Schultheis, Norbert: Fromme Frauen, die Beginen genannt werden. In: Seibt, Ferdinand u.a. (Hgg.), Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, Bd. 2. Essen 1990, S. 157-162.

Steinen, Johann Dietrich: Westphälische Geschichte, Bd. 3. Lemgo 1757, S. 322.

Wiethoff: Materialien zur Geschichte Lütgendortmunds (Msc. o.J., Teil 1-3 mit Karten im StadtA Dortmund, Best. 204/02-88/1-3).

Zumbusch, Ferdinand: Geschichte des Katharinenklosters zu Dortmund und des Dorfes Kirchlinde bei Dortmund. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 11(1902), S. 17-42, hier S. 32-34.



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