Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.2. Fürstentum Minden
1.4.2.2. Stifte und Klöster
Stift Lübbecke
Stift Lübbecke / Urkunden
D 352u, Stift Lübbecke - Urkunde
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 352u

Name : Stift Lübbecke

Beschreibung :

Einleitung :

1. Geschichtlicher Abriss

Das Kollegiatstift St. Andreas in Lübbecke weist eine bewegte Gründungsgeschichte auf, die nichts bis ins letzte Detail zu erforschen ist. Es ist nicht bekannt, aus welcher Familie Arnold, rector ecclesiae parochialis in Ahlden (Kr. Soltau-Fallingbostel), stammte, der im Jahre 1274 aus seinen Einkünften das Kollegiatstift stiftete und dabei von Arnold von Schinna, bischöflich mindenschen Thesaurar und Archidiakon zu Ahlden gefördert wurde. Das Interesse des Bischofs von Minden an dieser vom Bischofssitz entfernten Ortschaft beim Ausbau seiner territorialen Herrschaft wird durch die baldige Bestätigung der Gründung und Erhebung der Pfarrkirche zu Ahlden am 29. März 1274 zur Konventualkirche durch Bischof Otto von Minden deutlich. Der Gründer Reinoldus wurde erster Dechant (Dekan) des Johanneskapitels zu Ahlden. Ihm zur Seite standen sechs Kanoniker, davon waren vier Priester, einer Diakon und einer Subdiakon. Das Kapitel erhielt das Wahlrecht für den Dechanten, der aber vom örtlichen Diakon zu bestätigen war. Die Regelung des Wohnsitzes wie der Pflichten waren eingeschlossen, sie umfassten die Abhaltung der gewöhnlichen Gottesdienste, der Vigilien und Memorienmessen, der kanonischen Stundengebete, der Wochendienste und der Sakramentenspendung. Zusätzlich sollte täglich eine Messe am Altar der Jungfrau Maria gelesen werden. Die Kanoniker, deren Unterhalt aus dem Stiftungsvermögen bezogen wurde, wurden durch den Archidiakon bestellt und ernannt und erhielten dann nach dem Gehorsamsversprechen Sitz im Chor und Stimmrecht im Kapitel. Auch das Testamentierrecht und ein Gnadenjahr wurde den Kanonikern zugestanden.

Nur wenig später, im Jahre 1278, bestätigte Papst Nikolaus III. die Stiftung. Die Verlegung des noch so jungen Kollegiatstiftes von Ahlden nach Neustadt am Rübenberg erfolgte 1280 auf Wunsch des Grafen Burchard von Wölpe und dessen Brüdern Bernhard und Otto, die Pröpste in Bremen und Minden waren.Auch hier wird man neben religiös-kirchlichen Ursachen auch wesentliche territoriale Interessen im Hintergrund sehen müssen. Bischof Volquin von Minden bestätigte diese Verlegung, legte dabei auch besonderen Wert auf die Regelung der Archidiakonatsverhältnisse in Ahlden. Der dortige Archidiakon erhielt als Entschädigung die Kirche in Kirchboitzen, während nun dem für Neustadt zuständigen Archidiakon das Recht der Bestätigung der Kanoniker im Kollegiatstift in Neustadt zugewiesen wurde. Ein Großteil der Einkünfte in Ahlden verblieb aber dem verlegten Kapitel. Aus der Zeit in Neustadt am Rübenberg ist nur einmal der dortige Dechant Heinricus im Jahre 1294 erwähnt, wohl derselbe Dechant, der in den Folgejahren als erster Dechant des Kapitels an der St. Andreaskirche in Lübbecke genannt wurde. Aus Sicherheitsgründen, aber auch zur Festigung der landesherrlichen Macht in der 1279 zur Stadt erhobenen Gemeinde Lübbecke verlegt. Bischof Ludolf wandelte die Pfarrkirche zu Lübbecke zur Konventualkirche um und übertrug alle bisherigen Rechte der Gründung aus Ahlden und Neustadt auf dieses neu- oder wiederbegründete Kollegiatstift. Wenn auch die Dechantenwahl wie bisher dem Kapitel verblieb, so behielt sich der Bischof die Bestätigung des kanonisch Gewählten wie die Verleihung der Präbenden vor. Der Besitz des Stiftes wurde zum Teil durch Gütertausch mit bischöflichen Gütern geregelt und erhielt kirchliche Immunität. Auch die Bestimmungen für das Archidiakonat in Ahlden sowie das Kollationsrecht der Kirche zu Kirchboitzen wurden durch Zahlungen an das Stift in Lübbecke verändert. Auswärtiger Besitz etwa in Neustadt wurde verkauft; zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde der Dom- oder Stenhof in Lübbecke vom Bischof zurückgenommen und gegen zwei Höfe getauscht.

Das Vermögen der nichtadligen Präbenden - wenngleich ein Großteil der Kapitelsherren des späten Mittelalters von Mitgliedern der regionalen Adelsfamilien, aber eben auch des Bürgertums in Lübbecke gestellt wurden, bestand aus den auf die Präbenden aufgeteilten Besitzungen und Kurien, die von den Präbendaren selber verwaltet wurden, sowie dem größeren Besitzanteile der Dechanten und gemeinsamen Einkünften. Die Geistlichkeit des Stifts wurde 1349 durch die Errichtung von zwei Expektanzpräbenden mit Nachfolgeanrecht und Subdiakonatsrecht vermehrt. Durch die Statuten von 1402 und 1464 legten Dechant und Kapitel die Modalitäten für die Einführung der neuen Stiftsherren fest. Es handelte sich dabei um die Einschränkungen bei den bisher zu aufwendigen Emanzipationsfeiern sowie der genauen Festlegung der Abgaben an kirchlichem Gerät und an Schenkungen für die übrigen Geistlichen sowie die Scholaren. Wichtig war auch die Regelung des Gnadenjahres nach dem Tode eines Kapitularen mit oder ohne testamentarische Verfügung. Diese Statuten wurden 1404 durch Bischof Otto von Rietberg bestätigt. 1464 wurde diese Bestimmungen nochmals präzisiert, genaue Angaben über die Geldzahlungen verfügt und die Einladung der Kanoniker, Kirchenmitglieder sowie des Bürgermeisters und Rats zu Lübbecke beim Festmahl zugelassen. Diese Verfassung blieb bis zu den Reformen während der Reformation bestehen. Als Vertreter des Dechanten wurde 1429 erstmals ein Senior genannt, der später auch als Verwalter des Archivs bezeugt ist. Ein Subsenior tritt erst im 16. Jahrhundert in Erscheinung, die Kellner und der 1464 genannte Thesaurar waren mit der Wirtschaftsführung betraut, Aufgaben, die in späterer Zeit von Beamten des Stifts, etwa dem Kämmerer, ausgeführt wurden. Die Erträge der Präbenden, die bis Ende des 17. Jahrhunderts von den Kapitularen selbst eingezogen und verwaltet wurden, machten neben den wechselnden Geldern wie den Präsenzien-, Statuten- und Vinaliengeldern die wichtigsten Einkünfte aus

Über die weiteren Erwerbungen des Stifts ist nur indirekt etwas zu erfahren, einmal durch die erhaltenen Schenkungen und Besitzveränderungen, welche die Urkunden bezeugen, dann aber auch durch die im 17. und 18. Jahrhundert immer wieder zusammengestellten Verzeichnisse des Stiftsbesitzes und dann durch die Ausstattung und Stiftung der verschiedenen Altäre und Vikarien in der Stiftskirche. Sehr frühzeitig sind neben den Kanonikern zwei Kapläne nachzuweisen, die weitestgehend die Seelsorge in der Pfarrkirche übernahmen, denn der Pfarrbezirk von St. Andreas umfasste nicht nur die eigentliche Stadt Lübbecke, sondern auch die Bauerschaften und Dörfer Oberbauerschaft, Halen, Livenstede (heute wüst), Hüllhorst, zeitweise Blasheim mit Obermehnen, Eickel und Stockhausen, Gehlenbeck, Alswede, auch bis in die Neuzeit hinein Büttendorf. Über die Stiftung und Ausstattung der Kapläne und Vikarien berichten die erhaltenen Urkunden ausführlich. Es ist nicht leicht, die Geschichte der einzelnen Vikarien zu verfolgen, da ihre Bezeichnungen immer wieder schwanken. Neben und mit den Vikarien sind die drei Bruderschaften an der Stiftskirche sowohl seelsorgerisch tätig als auch ausgezeichnet durch zahlreiche Dotationen.

Bis zur Reformation gab es neun Vikarien an der Stiftskirche in Lübbecke, die zumeist im 15. Jahrhundert entstanden waren. Sie waren häufig mit bereits bestehenden oder gleichzeitg ausgestatteten Ältären verbunden. Bereits 1343 werden der Altar und die Vikarie Maria Magdalena und Eustachius genannt, die später mit der Reinekingschen Vikarie Unserer Lieben Frau Conceptionis gleichgesetzt und 1501 bestätigt wird. Ferner werden Altar, Vikarie und Bruderschaft Unserer Lieben Frau seit der Mitte des 14. Jahrhunderts genannt. 1469 ist sie wohl identisch mit der Vikarie zu Ehren der Jungfrau Maria und der Heiligen Martin und Antonius. Die Jodokus- und Bartholemäusvikarie sowie die Allerheiligenvikarie - gestiftet von Gerd von Westorp - sind im 15. Jahrhundert aufgeführt. Einige Vikarien und Altäre sind von anderen bedeutenden adligen und ritterschaftlichen Familien der Stadt und der näheren Umgebung dotiert und begründet worden, so von den von Münch die Vikarie St. Trinitatis et Nativitatis Beatae Mariae Virginis, die Hadewigsche Vikarie St. Andreae, Nicolai et Luciae, die Angehörigen dieser Familie sowie der Klenckes und Mentzingen vorbehalten war, wie auch die Vikarie St. Thomae et Catharinae der Familie Tribbe. Die Vikarie trium regum ist erst sehr spät im 16. Jahrhundert nachweisbar. Die Bruderschaften an der Stiftskirche sind bereits im 14. Jahrhundert nachzuweisen und wurden zum Teil reichlich ausgestattet, um für ihre Mitglieder Messen lesen zu lassen. 1354/56 wird die Fronleichnamsbruderschaft genannt, die aber in der Reformationszeit verschwindet. Die 1359 erstmals genannte Bruderschaft Unserer Lieben Frau war vor allem im Armenwesen tätig. Sie unterstützten das Hl. Geist Hospital vor dem Osttor Lübbeckes, ihre Alterleute waren zugleich Alterleute des Hospitals, das aber sonst nicht unmittelbar mit dem Stift verbunden war. Die Andreasbruderschaft umfaßte alle Kanoniker und Benefiziaten des Stifts und war vornehmlich eine Gebetsbruderschaft. Die Stiftskirche St. Andreas besaß eigene Alterleute, denen die Verwaltung der Kirchenfabrik, aber auch der Armenkasse und des Schulvermögens oblag.

Eine Stiftsschule ist seit dem14. bis weit in das 16. Jahrhundert hinein bezeugt, deren Lehrer seit dieser Zeit eigene Stiftungen erhalten. Es ist nicht klar, ob die Schule schon vor der Reformation für Bürgerkinder zugänglich war. Erst danach regeln Schulordnungen zwischen Stift, Prediger, Bürgermeister und Rat die Schulverhältnisse, was dazu führte, daß das Stift trotz seiner Unterhaltspflicht für das Schulgebäude immer mehr aus dem Schulwesen in der Stadt verdrängt wurde, so dass 1700 Stadt- und Kapitelschule vereinigt werden konnten und 1704 die Schulordnung allein vom Rat der Stadt erlassen wurde.

Das Zeitalter der Reformation brachte auch für das Kollegiatstift St. Andreas wesentliche Veränderungen. Wenn auch die eigentliche Verfassung des Stifts unverändert fortbestand, die Kapitularversammlungen, wenn auch weniger häufig, fortgesetzt wurden, und die Rechte des Stifts durch die Bischöfe von Minden und die dortigen Administratoren, später dann auch durch die brandenburg-preußischen Landesherren bestätigt wurden, so darf doch die Zeit zwischen der Reformation und dem Westfälischen Frieden als Zeit der weitgehenden Säkularisation des Stifts angesehen werden, wenn es auch nicht zu einer eigentlichen Auflösung kam. Die Stadt Lübbecke übernahm zahlreiche Rechte an Pfarre, Kirche und Schule, denn die zumeist evangelischen Kanoniker waren vornehmlich an den Einkünften der Präbenden interessiert. An die Stelle der Stiftskapläne traten die evangelischen Prediger, deren erster aus den Einkünften der Vikarie Unserer Lieben Frau bezahlt wurde, der 2. Pfarrer aus denen der Kaplanei. Die Predigerwahl ging an das Konsistorium in Minden über. Nachdem sich um 1550 in Lübbecke die Reformation durchgesetzt hatte - daran hatte auch die Durchführung des Interims mit einer eigenen Synode in Lübbecke 1548 nichts geändert - , waren alle Kanoniker bis auf ein Mitglied des Kapitels evangelisch. Auch die zeitweiligen gegenreformatorischen Bemühungen von Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg nach 1632 brachten keine dauernde Änderung. Nur eine katholische Präbende blieb bis zur Aufhebung des Stifts erhalten. Die Residenzpflicht der Kanoniker blieb zwar zunächst noch bestehen, wurde aber durch die neuen Statuten von 1620 aufgehoben, selbst die lateinischen Lesungen durch die Kanoniker im Gottesdienst wurden 1632 untersagt.

Als durch den Westfälischen Frieden das Fürstbistum Minden 1648 an den Kurfürsten von Brandenburg gefallen war, hatte dieser das Recht erhalten, den vierten Teil aller Kanonikate der mensa episcopalis zu inkorporieren. In Lübbecke wurde bei dieser Aufhebung der Kanonikate berücksichtigt, dass im Normaljahr von 1624 noch ein katholischer Kanoniker anwesend gewesen war. Somit bestanden nach den Regelungen der frühen brandenburgischen Zeit am Stift in Lübbecke nur noch vier volle Kanonikate und eine Minorpräbende. Bei den Neubesetzungen gab es bis zum Ende des Stifts immer wieder Misshelligkeiten vor allem wegen der verbliebenen katholischen Präbende. In preußischer Zeit wurden die evangelischen Präbenden zunehmend an Beamte aus Minden und Pfarrer verliehen, im 18. Jahrhundert auch an höhere Beamte und Offiziere. 1658 wurde nach der Untersuchung des Stiftsbesitzes ein Viertel als sogenannte Quarta an Brandenburg abgetreten. Die Einziehung dieser Einkünfte wurde zeitweise gemeinsam mit den andern Einkünften des Stifts vorgenommen, zumal nach der Aufhebung der Residenzpflicht der Kanoniker diese die Güterverwaltung an den neu angestellten Kämmerer übertrugen.

Die neun Vikarien des Stifts, die zu Beginn der Reformation bestanden hatten, wurden nach dem Fortfall der religiösen Aufgaben in erster Linie als Versorgungsquelle angesehen. Bei der Auflösung des Stifts 1810 bestanden nur noch drei Vikarien, die übrigen sechs waren umgewidmet worden. Die Einkünfte gingen an Lehrer und Konrektor der Stiftsschule, an die Prediger, an den Stadtsekretär oder standen der Stifterfamilie (v. Münch, v. Hadewig, von Klencke) zur Verfügung, eine Vikarie war mit der Präbende des Dechanten verbunden.

Das St. Andreasstift in Lübbecke hatte zu Ende des 18. Jahrhunderts immerhin noch 12 Mitglieder, davon vier Kanoniker, einschließlich der Stiftsbeamten. Der König von Preußen hatte noch 1792 dem Zeitgeschmack entsprechend einen eigenen Stiftsorden verliehen. Das nur sehr selten erhaltene Siegel des Stifts zeigt, dass es in Ahlden als Johannes-Baptist-Stift gegründet worden war, in Umschrift Secretum Capituli bzw. Sigillum Collegii Lubbecensis das Haupt des heiligen Johannes. Es ist aber erst aus dem 16. Jahrhundert überliefert.

Schon Preußen hatte nach dem Reichsdeputationshauptschluß die Aufhebung des Stifts vorgesehen, wenn auch die Präbenden weiterhin noch als Belohnung für Verdienste vergeben wurden. Erst durch das königlich westfälische Gesetz vom 1. Dez. 1810 kam es zur Aufhebung des Stifts, dessen Vermögen vorwiegend in Landbesitz bestand. Die Kirche fiel an die evangelische Gemeinde.

2. Zur Überlieferung des Lübbecker Stiftsarchivs

Über die ältere Geschichte des sowohl des Urkunden- wie des Aktenarchivs des Kollegiatstiftes sind Nachrichten überliefert. Es ist bekannt, daß im Reformationszeitalter, im Dreißigjährigen Krieg und während der Säkularisation große Bestandsverluste eingetreten sind. Die Urkunden wurden in den Verzeichnissen des 18. und 19. Jahrhunderts oft nur recht kursorisch erfasst. Alte Signaturen dieser frühen Archivierungen ließen sich auf den Urkunden sehr wohl nachweisen, aber eine eindeutige Zuordnung war kaum möglich. Der Urkundenbestand befindet sich seit der Einlagerung des westfälischen staatlichen Archivguts im Staatsarchiv Münster (heute Landesarchiv Nordrein-Westfalen Abteilung Westfalen) und ist dort in einem vorläufigen Urkundenfindbuch (Rep. A 212) verzeichnet. Einige Urkunden sind nur abschriftlich in den Akten des Stifts, die sich ebenfalls im Landesarchiv befinden, erhalten. Es wurde aber darauf verzichtet, die Pachtbriefe des Stifts, die sich außerhalb des Urkundenbestandes vor allem in den Akten erhalten haben, in diese Publikation einzubeziehen. Ergänzende kopiale Überlieferung ist nur für die Statuten und die Verfassung des Stiftes gegeben. Ähnlich wie die Siegelabbildungen, die sich im Archiv der Familie von der Recke zu Obernfelde, deponiert im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, befinden, konnte auch zur Bestandsergänzung urkundliche Überlieferung aus den benachbarten Adels- und Ortsrachiven herangezogen werden. Nur für die früheste Überlieferung konnten auch die gedruckten Bestände des Landesarchivs in Hannover herangezogen werden.

Maria Spahn hatte hat für ihre Dissertation über das Kollegiatstift St. Andreas in Lübbecke den Urkundenbestand weitgehend abgeschrieben, so daß sich für diese Veröffentlichung in vielen Fällen eine Kollationierung und Regestierung geradezu anbot. Wie bei allen Abschriften ergaben sich gelegentlich abweichende Lesungen, die entweder in den Anmerkungen oder im Index berücksichtigt wurden. Es werden nur die wichtigsten Urkunden in Abschrift vorgelegt, denn zumeist genügte ein detailliertes Regest.

Martin und Hertha Sagebiel

Bezug zu anderen Beständen:

1274 März 29 Minden

Bischof Otto von Minden bekundet die Erhebung der Kirche in Ahlden zur Konventualkirche, nachdem sie Reinold, Priester an der Taufkirche in Ahlden, dotiert hat. Zustimmung des Thesaurars Arnold von Schinna, Archidiakon in Ahlden, und des Domkapitels. Es sollen sechs Kanoniker, davon vier Priester, ein Diakon und ein Subdiakon mit gleichem Anteil an den Einkünften bestellt werden. Der Dechant soll aus dem Kreis der Kanoniker gewählt und vom Archidiakon bestätigt werden. Die Kanoniker schulden dem Dechanten den Gehorsam. Der Dechant erhält das Haus des Plebans mit den dazu gehörenden Ländereien bei Ahlden und den sonstigen Nutzungsrechten (ligna eac temiascum aliis et huiusmodi victualibus) sowie den Zehnten in Lengete sowohl wegen seines geistlichen Vorrangs als auch für die Versorgung der Gäste. Alle sonstigen Einkünfte und Vermächtsnisse sollen zwischen den sechs Kanonikern aufgeteilt werden. In der Kirche sollen neben den Messen, Horen, Totenmessen und Vigilien auch die Sakramente ausgeteilt werden. Außerdem soll am Marienaltar täglich Messe gelesen werden. Der Archidiakon zu Ahlden erhält das Kollationsrecht für die vakanten Pfründen, vom Dechanten Sitz und Stimme im Kapitel. Die Horen sollen nach der in der Mindener Kirche geübten Weise gehalten werden. Reynoldus wird zum ersten Dechanten in Ahlden bestimmt. Den Kanonikern wird das Testierrecht sowie nach ihrem Tode ein Gnadenjahr zugestanden.

Siegelankündigung des Bischofs, der Mindener Kirche und des Archidiakons Arnold.

LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2814 (A). Sehr fehlerhafte Abschrift des späten 18. Jahrhunderts von einer 1596 vom Domdechanten Bernhard von Mallinckrodt beglaubigten Abschrift. In WUB VI, Nr. 1033 wurde noch die Abschrift Culemanns in Hannover, Hauptstaatsarchiv Hannover, T 25 vol. I, S. 286ff. hinzugezogen (B), die, weil im Krieg vernichtet, nicht überprüft werden konnte, dennoch nach WUB herangezogen wurde. Die Abschrift B war offensichtlich besser als A.

1279 Januar 30 Minden

Bischof Volquin von Minden erhebt Lübbecke zur Stadt. Unfreie, die in die mit vielen Kosten befestigte Stadt ziehen und dort bleiben, sollen frei sein. Ausgenommen sind des Bischofs eigene Leute und Verwalter (procuratores) der Osnabrücker Kirche sowie Ministeriale der Mindener Kirche.

Siegelankündigung des Bischofs und des Domkapitels.

LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2814 (Abschrift des 17. Jahrhunderts). Druck WUB VI, Nr. 1145. Ältere, dort genannte Drucke bieten keinen besseren Text.

1280 November 25

Bischof Volquin von Minden bestimmt zusammen mit dem Kapitel zu Minden nach Verlegung der Kanoniker von Ahlden nach Neustadt, das Dechant und Kapitel in Neustadt die Kirche in Ahlden weiter als Zubehör des Dekanats besitzen. Sie soll durch den Dechanten oder seinen Stellvertreter verwaltet werden. Die Einkünfte sollen zwischen Dechant und Kapitel gemäß der bevorzugten Stellung des Dechanten aufgeteilt werden. Aus den Einkünften zu Ahlden sollen 2 Mark gegeben werden und zwar eine Mark zum Gedenktag für den Gründer der Kirche, Reinhold, die andere zum Michaelisfest, aufgeteilt zwischen Dechant und den Kanonikern.

Die Priester sollen die Gelder für ihre geistlichen Pflichten in der Kirche zu Neustadt, die sie ohne Mithilfe von Ministranten ausüben, allein haben. Der Archidiakon zu Ahlden, der ehedem das Kollationsrecht der Kirche zu Ahlden hatte, erhält im Tausch das Kollationsrecht der Kirche zu Boitzen. Der Inhaber der Stelle muss aber den Kanonikern zu Neustadt jährlich zwei Bremer Mark zahlen. Der Archidiakon behält die Synodaldenare in Neustadt, die die Kanoniker zu Neustadt vom Archidiakon zu Mandelslo hatten, der dafür eine Hufe in Mandelsloh erhält. Bis auf die Bestimmungen über die Archidiakonate zu Ahlden und Boitzen sollen die der früheren Urkunden mit Zustimmung des DomkapiTels und der Archidiakone zu Ahlden und Mandesloh in Kraft bleiben.

Siegelankündigung des Bischofs, des Domkapitels, des Domdechanten Conrad, des Archidiakons Giso zu Ahlden und des Kapitels zu Neustadt.

LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2814 (A): Fehlerhafte Abschrift des 18. Jahrhunderts von einer 1596 vom Domdechanten Bernhard von Mallinckrodt beglaubigten Abschrift. In WUB VI, Nr. 1195 wurde noch die im Krieg vernichtete, offensichtlich bessere Abschrift Culemanns Hauptstaatsarchiv Hannover, T 25 vol. I, S. 320ff.) benutzt (B), die zur besseren Übersicht hier nach WUB herangezogen wurde. Der obige Text entspricht weitgehend dem von WUB vertretenen.

1295 Oktober 6

LAV NRW W Fürstentum und Domkapitel Minden - Urkunden, Nr. 64.

1306 August 31, Stromberg

Die Brüder Hermann und Ludolph, Burggrafen von Stromberg, schenken der Kirche zu Lübbecke (ecclesiae Lütbecensis bzw. Lütbicensis) für ihr Seelenheil eine Hufe (mansus) in Hedem (Hehdem, Hedhem), Diözese Minden, mit allem Zubehör, die Marquard, genannt von Offelten (Ofleten, Offleten) von ihnen als Lehen hatte.

Siegelankündigung der Aussteller.

Zeugen: Johann von Hövel (Hövele), Kastellan in Stromberg, Hermann von Erwitte (Erwete), Everhard von Stenbeke, Conrad von Clodengen (Clotengen), ihr Notar Gerhard.

Datum et actum Stromberg anno domini MCCCVI pridie kalendas Septembris.

Abschriften: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 4, p. 5 (1701), p. 69 (1663); Regesten LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2411, p. 158; Druck: WUB X, Nr. 201 Regest, dort Hinweis auf Abschrift des 18. Jahrhunderts in: Hauptstaatsarchiv Hannover, Kopiar XII 52, Bl. 8, im Krieg vernichtet. Die Abschrift LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 4, p. 69 wurde zugleich mit einer der Urkunde 1307 Januar 22 genommen und darunter vermerkt: Daß Herr Heinrich Gogreve, Dechant zu Lübbeke, zwey Original uff Pergamein geschriebene und versiegelte Briefte, wovon obgesetzte Copeyen genommen, mihr heut dato in behueft meins Schwagern H. Captain Gehlen zu getrewen Henden gelieffert und außgeandtwohrtet hatt, solches bescheinige krafft eigenhendiger Unterschrifft. Lübbeke den 3ten D(ec)embris 1663. Hieronymus Adrian von Schlon genandt Tribbe.

1419 Dezember 1

LAV NRW W, Familie von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 22.

1430 Dezember 21

Bischof Wulbrand von Minden bestätigt die Stiftung Gerhardus Stenkamps (Steinkampf) und Henricus Witteloges (Wirklage), Kanoniker zu Lübbecke sowie der Knappen Henricus Monnick (Monnek, Mönnick), Richardus und Hermann, Brüder von dem Gri(e)peshope, für ihre Eltern, Brüder, Schwester und gute Freunde bei dem Altar der heiligen Dreifaltigkeit und der Geburt der Jungfrau Maria in der Kollegiatkirche in Lübbecke, von zwei Mansen oder Höfen auf dem Blasheimer (Balßmer) Feld, die Henneke Hennemen besitzt, sowie eine Manse, genannt Eigerdes Hove zu Nettelstede, im Nettelsteder Feld, die zur Zeit Hermann Lutteman (Luthmann) besitzt, ferner 21 Stück bebautes Land, nämlich elf Stück im Osterfeld und zehn im Westerfeld vor Lübbecke, die zur Zeit Gerke Du(e)ker bebaut, die er von den Gütern Johanns van Oldendorp genannt Beneking, seiner Mutter Bruder, und Alheyd seiner Frau, Mutter des Kanonikers Gerhard Steinkampf, geerbt hat, von dem Kanoniker Henricus Witteloge zwei Mansen oder Hove im Nettelsteder Feld, die Rathart Hucke besitzt und einen Kathen (Kate) im Dorf Nettelstede, die zur Zeit Hermann Bromos besitzt, für den Rektor des Altars, vorbehaltlich der lebenslänglichen Nutzung durch die Kanoniker Henricus und Gerharuds. Falls einer von ihnen stirbt, soll der andere lebenslänglich alles genießen. Nach dem Tode beider Kanoniker sollen diese Güter ein Beneficium bzw. eine Vikarie in der Kollegiatkirche Lübbecke bilden. Nach dem Tode der beiden Kanoniker soll innerhalb Jahresfrist nach der Collation ein geeigneter Priester eingeführt werden, der wöchentlich zwei Messen für die Verstorbenen bzw. nach seinem Gefallen selber oder durch einen anderen lesen lassen soll. Der Vikar soll wie die anderen Vikare zum Chordienst verpflichtet und dem Dechanten Gehorsam sein. Der Vikar soll dem Dechanten und Kaplan alle Opfer (oblationen oder offer) von diesem Altar abgeben. Für freien Gebrauch der Bücher, des Weins, der Oblaten und sonstige Kleinodien sollen aus der Rente dem Dechanten drei Solidi und den Kanoniker, drei Solidi oder Schillinge gegeben werden. Die Stifter haben bestimmt, dass nach ihrem Tode der älteste männlichen Geschlechts der Familien in der Reihenfolge des Henricus, Richard und Hermann präsentiert werden soll, danach aber das Präsentationsrecht an Bürgermeister und Rat der Stadt Lübebcke fallen und die iustitia an den Dechanten.

Siegelankündigung des Ausstellers sowie des Dechanten und Kapitels der Kirche zu Lübbecke.

Datum: anno domini millesimo quadringentesimo tricesimo ipso die beati Thomae Apostoli.

LAV NRW W Haus Benkhausen (Dep.), Akten, Nr. 5695; lateinischer Text in Abschrift des 18. Jahrhunderts mit Übersetzung, auch: LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.), Akten (Dep.), Nr. 1167; übersetzte Kopie nach lateinischem Original vom 2. September 1699

1431 April 2

LAV NRW W, Familie von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 33.

1434 Juni 3

LAV NRW W, Familie von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 36.

1439 April 7

LAV NRW W, Familie von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 95.

1445 Febr. 26

LAV NRW W, Familie von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 46.

1445 April 2

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 46; lückenhafte Abschrift in: LAV NRW W von der Recke-Obernfelde, Akten (Dep.), Nr. 95.

1450 August 8

Henrich Volckers, Propst des Stifts Levern, Kreuzherr (ordens van Creutzstern) und Kanoniker der Kirche St. Andreas zu Lübbecke führt die Schenkung seines verstorbenen Oheims, Henneke Duker, durch, der angesichts der Armut der Kaplanei in der Kirche zu Lübbecke vor dem Notar Everhart Fabri und den Zeugen Johann Osenbrügge, Dechant zu St. Andreas in Lübbecke, Henricus Dodinck und Albert von dem Rede sein erbliches Gut in der Feldmark zu Lübbecke, nämlich 8 Stücke zwischen dem Hancker Weg und dem oberen Wedelage Weg, vier Stücke bei Meyolen Weide (widen), ein Stück bei der Steinbeke, das auf Drees Kamp zuschießt, ein halbes Stück, wo der Grasweg (gresweg) in die Hundelanes Vohr geht, zum eigenen Seelenheil, und dem seiner Eltern und Freunde und der des Ausstellers. Die Olderleute der Kirche sollen die Landstücke versetzen und den Zins daraus ziehen, den die beiden Kapläne zu gleichen Teilen erhalten sollen, um dafür wöchentlich eine Seelenmessen halten für die Genannten vor dem neuen Altar, der unserer lieben Frau Visitation und dem Heiligen Laurentius und dem Erzengel Michael und allen Erzengeln geweiht ist. Derjenige Kaplan, der in der Woche nicht in der Kirche ist, soll zu der Seelenmesse verpflichtet sein. Sollte aber nur ein Kaplan in der Kirche sein, der wegen seiner übrigen kirchlichen Tätigkeiten, die Messe nicht lesen kann, dann sollen die Olderleute die Rente einem anderen geeigneten Priester geben, der die Messe lesen soll, ebenso wenn die Kapläne die Messe unterlassen haben.

Siegelankündigung des Ausstellers.

Datum: anno domini millesimo quadringentesimo quinquagesimo feria tertia infra octavas assumptionis.

Abschrift: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 183, p. 53f.

1470 Juni 4

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 59.

1480 Januar 13

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 66.

1486 Januar 18

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 72a.

1487 Juli 3

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 76.

1491

Bischof Heinrich von Minden trennt die Kapelle zu Blasheim von der Kirche zu Lübbecke und erhebt sie zur selbständigen Pfarre des Bistums mit den Dörfern Blasheim, Obermehnen (Moenden), Eickel (Eckholt) und Stockhausen (Stochusen). Dazu überlassen Dechant und Kapitel zu Lübbecke ihren Hof zu Blasheim, genannt Wedemhof, mit seinen Einkünften drei Molt dreierlei Korns, 9 Schilling, Hühner und Eier für den Priester. Dafür erhalten sie 100 rheinische Gulden als Ersatz. Der Priester zu Blasheim behält die Wiese, die ehedem zum Wedemhof gehörte und verzinst sie mit jährlich 2 Bielefelder Mark an das Kapitel, sonst verfügt das Kapitel weiter über die Wiese. Alle anderen Einkünfte aus Blasheim und den dazugehörenden Dörfern behälte das Kapitel zu Lübbecke. Der Vertrag wurde im Namen des Bischofs ausgehandelt zusammen mit dem Offizial zu Minden, Floreke Durkop, und dem bischöflichen Sekretär Dethard Doringelo. Zustimmung Dompropst, Senior und Domkapitel zu Minden und des Kapitels zu Lübbecke.

Siegelankündigung des Bischofs, Dompropst, Senior und Domkapitel zu Minden sowie des Dechanten und Kapitels zu Lübbecke.

Archiv der Kirchengemeinde Blasheim. Ausfertigung, Pergament, 3 Siegel anhängend. Abschrift LAV NRW W Minden-Ravensberg, Konsistorium, Nr. IV, 62.

1495 Okt. 16

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 90.

1518 Dezember 20

Abschrift: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 344, fol. 66 (beglaubigt durch den Notar Petrus Radeleff).

1523 September 21

Abschrift: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 126, fol. 20f.

1531 November 11

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 151.

1577 November 18

Abschrift: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 259, fol. 7.

1586 Juli 13

Abschrift: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 183. Unterschriften: Casper Thotte; Dirich Bade; Statius Bade.

1588 Juni 24

2 Abschriften: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 112.

1598 April 19

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 192.

1598 April 19

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 193; Kurzregest in: LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2808a.

1599 September 29

LAV NRW W von der Recke-Obernfelde (z. T. Dep.) - Urkunden (Dep.), Nr. 194.

1620 Februar 27 Lübbecke

Dechant, Senior und Kapitularen des Stifts St. Andreas zu Lübbecke bestätigen die neuen Statuten: Inbesitznahme eines neuen Kanonikers nach Übergabe der versiegelten Präsentation durch den Bischof als Kollator, Schenkung von Silber und Gold an den Dechanten und Eidesleistung, dann kleine Geschenke an die Kapitularen, Pastoren, Schulmeister, Küster, Notare und Zeugen. Anschließend ein kleines Essen (Vinale) und die Zahlung von 50 Gulden Statutengeld. 1404 das dreitätige Festmahl abgeschaft und durch die Abgabe von zwölf Gulden an Dechant und Kapitel ersetzt. 22 Jahre Mindestalter eines neuen Kapitulars. Recht jedes Kanonikers, sein Testament zu errichten, das nach seinem Tode innerhalb ”sächsischer Frist“ vom Kapitel anerkannt werden muß. Gewährung von zwei Nachjahren. Beim Todesfall kurz vor Jacobi wird dies Jahr genannt annus deservitus und nicht auf die zwei Nachjahre angerechnet.

Die neuen Vikare werden nach dem Tode und der Vorlage eines Testaments des vorherigen Vikars eingeführt. Ohne Testament entfallen die zwei Nachjahre, die dann an das Kapitel fallen. Vorlage der versiegelten Präsentation für den neuen Vikar, Silber und Goldschenkung an den Dechanten, sechs Gulden für Vinalien und 12 Gulden für den allgemeinen Dienst. Nach der Inbesitznahme ein kleines Gastmahl für die Teilnehmer. Resigantionen von Kanonikern und Vikaren mit Konsens des Kollators, bevor die Nachfolger zugelassen werden können.

Siegelankündigung der Aussteller.

Abschrift: LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2806a.

1625 September 28

Dechant, Senior und Kapitularen zu St. Andreas in Lübbecke bemeiern Reineke Amelungk Tribbe und seine Frau Magdalene geb. de Wendt mit einem Garten der Kellnerei, der nach dem Tode Eggert Ledeburs und dessen Frau heimgefallen ist, und der vor der Niederen Pforte vor Lübbecke liegt, zwischen Junker Tribbes und Polmanns Gärten, gegen den üblichen Umschlag und Weinkauf sowie jährlich einen Reichsort. Wiederbemeierung nach vier Jahren gegen Entrichtung des Weinkaufs von einem Reichstaler möglich.

Ankündigung des Kirchensiegels.

Datum: in vigilia St. Michaelis anno nach Christi gebuhrt eintausend sechshundert funff und zwantzig

Abschrift: LAV NRW W Stift Lübbecke - Akten, Nr. 15a, fol. 111f. Unterschrift des Dechanten Dieterich Barckhausen.

1648 Februar 6 Lübbecke

LAV NRW W Haus Benkhausen (Dep.) - Urkunden, Nr. 49.

1650 Februar 16

Ritterschaft, Bürgermeister und Rat der Stadt Lübbecke sowie das Kapitel der Kirche zu Lübbecke haben aus Fürsorge für das Schulwesen am Ort ein Beneficium, das Ritterschaft, Bürgermeister und Rat sowie die von Schloen gen. Gehlen in der Kirche gestiftet haben und alternative das Übertragungsrecht innehaben, nach dem Tode des letzten Inhabers Jonas Riesens Sohn, der sich mit Cord Plato von Schloen gen. Gehlen, Obrist und lüneburgischer Landdrost der Grafschaft Diepholz als Kollatoren so verglichen hat, dass das Beneficium bzw. die Vikarie der Kirche bzw. dem Kapitel einverleibt bleiben soll, der Präsentatus aber der hiesigen Schule als Konrektor vorstehen und dafür die Einkünfte der Präbende erhalten. Nun ist von den Kollatoren Philipp Meyer aus Osnabrück vorgeschlagen, vom Kapitel angenommen und als Konrektor der Schule vorgestellt. Das Kapitel verzichtet auf Vermittlung des Dechanten Barckhausen auf das beanspruchte Nachjahr, so dass der Konrektor die Einkünfte ab Michaelis beziehen kann. Er muss auch keine Statutengelder zahlen. Auch künftig sollen Lehrpersonen angestellt werden und das Kapitel auf das Nachjahr, Statutengelder und andere Befugnisse verzichten.

Ankündigung der Unterschrift des Dechanten, Siegelankündigung von Ritterschaft, Bürgermeister und Rat.

Datum: den 16. Februar anno 1650.

Abschrift: LAV NRW W Königreich Westfalen, Akten, Nr. A 9, 146, fol. 195f., beglaubigt durch W. Ebelig.

1662 Juni 4 Lübbecke

Dechant, Senior und Kapitularen der Kollegiatkirche St. Andreas in Lübbecke, beschließen, nachdem ein Viertel des Kapitels durch Übertragung von 1 ¿ Präbenden an die Universität zu Frankfurt an der Oder und das Gymnasium zu Jochimsthal durch den Kurfürsten von Brandenburg entfallen sind, über die halbe verbleibende Präbende, dass nach dem Todesfall in einem vollen Kanonikat, der in der halben Präbende aufsteigt. So ist auch jetzt nach dem Tode des Kapitularen Georg David Poelmann eine volle Präbende vakant geworden, die dem Halbpräbendar Daniel Schwartze übertragen werden soll, während der nächste Expektant die halbe Präbende erhalten soll. Auch künftig soll die halbe Präbende so vergeben werden.

Ankündigung des Kirchensiegels und der Unterschriften der Aussteller.

Datum: in pleno Capitulo den 4. Juny des 1662. Jahres.

Unterschriften: Henrich Gogreve, Dechant, Johann Daniel Weddige, Senior, Conradus Bremer, Kanoniker

Insert in 1664 Januar 26 (siehe unten): Abschrift: LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2806a.

1664 Januar 26 Cöln an der Spree

Der Kurfürst von Brandenburg bestätigt als Kollator den inserierten Statutenbeschluss des Kapitels St. Andreas zu Lübbecke vom 4. Juni 1662 (Nr. 223), nachdem gemäß Friedensschluß von Münster ein Viertel, nämlich anderthalb Präbenden, der Universität Frankfurt an der Oder und der Joachimsthaler Schule beigelegt wurde, zur Einhaltung durch die Regierung zu Minden und die Kapitularen.

Ankündigung der Unterschrift des Kurfürsten und des kurfürstlichen Siegels

Datum: den 26. Jan. anno 1664

Abschrift: LAV NRW W Msc. VII, Nr. 2806a.

Umfang : 190 Urkunden, Findbuch D 352u mit Index.

Verweise :

Hüffmann, Helmut: Das Kanonikerstift St. Andreas in Lübbecke und die Grafen von Wölpe. In: Heimatsgeschichtliche Beiträge aus dem Kreis Lübbecke 1 (1969), S. 49-58

Hüffmann, Helmut: 1200 Jahre Lübbecke, Lübbecke 1975

Hemann, Friedrich Wilhelm: Lübbecke, Westfälischer Städteatlas 3. Lfg., Bl. 5, hrsg. von Heinz Stoob † und Wilfried Ehbrecht, Dortmund /Altenbeken 1988

Nordsiek, Hans: Grundherrschaft und bäuerlicher Besitz im Amt Reineberg, Minden 1966

Spahn, Maria: Die Absetzung des Stiftsherrn J. C. Hoyer. Ein Beitrag zur Geschichte des Stifts St. Andreas zu Lübbecke im 17. Jahrhundert, in: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins 51 (1979), S. 101-118

Spahn, Maria: Das Kollegiatstift St. Andreas zu Lübbecke. Ein Beitrag zur Stadtgeschichte (= Mindener Beiträge 17) Minden 1980

Spahn, Maria: Die Siegel des Stifts St. Andreas zu Lübbecke (1295-1810), in: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins 53 (1981), S. 107-111

Spahn, Maria: Lübbecke, Kollegiatstift St. Andreas, in: Westfälisches Klosterbuch, hrsg. Von Karl Hengst, Bd. 1, Münster 1991, S. 546-550



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