Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.2. Fürstentum Minden
1.4.2.2. Stifte und Klöster
Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden
Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden / Akten
D 356, Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 356

Name : Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden

Beschreibung :

Einleitung :

Stiftsgeschichte

Das Kloster St. Mauritz (später St. Mauritz und Simeon) wurde 1042 durch den Mindener Bischof Bruno auf dem Werder (einer Weserinsel) vor Minden gegründet. Von dort wurde es 1435 an die Simeonspfarrkirche innerhalb der Mindener Stadtmauern verlegt, deren Pfarrrechte dem Kloster inkorporiert wurden. 1458/61 trat der Konvent der Bursfelder Kongregation bei. Im Rahmen der Reformation verlor das Kloster die Kontrolle über die Simeonskirche sowie größere Teile seines Mindener Besitzes. Die weitere Geschichte des Klosters (und damit auch in besonderer Weise seine Aktenüberlieferung) ist von der übermäßigen Verschuldung des Konvents gekennzeichnet. Aufgrund der hohen Verschuldung war der Zeitraum von 1571 bis 1696 geprägt von zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Gläubigern. Dem Kloster drohte gar mehrfach der Konkurs (Westfälisches Klosterbuch I, S. 615).

1696 entschloß sich der Administrator von St. Mauritz, Nikolaus von Zitzewitz, Abt von Huysburg (bei Oschersleben), das Mindener Kloster seinem eigenen einzugliedern. Trotz einer gewissen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation blieb die Überschuldung des Klosters bis zur Aufhebung per Dekret des Königs Jérôme von Westphalen im Jahr 1810 prägend. Dem zu diesem Zeitpunkt im Kloster eingesetzten Verwalter oblag es, über die weltlichen Angelegenheiten des Klosters zu wachen und nach dessen Auflösung durch Verkauf, Vermietung und Verpachtung des klösterlichen Besitzes einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, um damit u.a. die hohen Schulden des Klosters zu begleichen. Die Kapitalschulden des Klosters beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf 17.700 Reichstaler (Westfälisches Klosterbuch I, S. 614). Ursachen dafür lagen in erster Linien in dem Bau der Kirche und in den Reparatur- und Instandssetzungsarbeiten an Klostergebäuden nach der Rückkehr des Konvents aus einem 23 Jahre andauernden Exil (Westfälisches Klosterbuch I, S. 615). Die Überschuldung des Klosters spiegelt sich in den Akten wider.

Bestandsgeschichte

Eine erste Verzeichnung von Teilen des Beständes erfolgte bereits im Archivdepot Minden durch den dortigen Archivar Haarland. Im Zuge der Überführung des Archivdepots Minden im Jahr 1852 ist der Bestand in das damalige Provinzial- und heutige Staatsarchiv Münster gelangt.

Der Bestand wurde zunächst mit Akten der preußischen Regierung Minden-Ravensberg und des Amtes Schlüsselburg (vor 1806), des Königreichs Westphalen und des Kaiserreichs Frankreich (1806-1813), der Regierungskommission Minden und des preußischen Zivilgouvernements zwischen Weser und Rhein (nach 1813) nach dem Pertinenzprinzip angereichert und in dieser Form vom münsterschen Archivar Hermann Hoogeweg 1891 verzeichnet. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. wurden dem Bestand durch die Archivare Leesch und Richtering provenienzgerecht die Einheiten entnommen, die bei den o.a. Verwaltungsbehörden erwachsen sind. Damit enthält der Bestand jetzt nur die originär beim Kloster St. Mauritz und Simeon erwachsenen Akten. Dabei fanden in dieser Zusammenstellung fehlende Dokumente, die im alten Findbuch verzeichnet waren, ebenfalls Berücksichtigung. Das gleiche gilt für Akten anderer Bestände, die sich eindeutig auf das Mindener Stift beziehen. Sieben Akten (Nr. 43-49) wurden wegen Zerfalls durch Fäulnis 1979 kassiert.

Splitter der Aktenüberlieferung des Klosters befinden sich noch in weiteren Beständen des Staatsarchivs Münster, vgl. dazu die genaue Auflistung bei Schütte, Leopold, in: Germania benedictina VIII, S. 497f. und ders., in: Westfälisches Klosterbuch I, S. 617f. Daneben sind noch Bestände des Kommunalarchivs Minden, des Niedersächsischen Staatsarchivs Bückeburg, des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs Hannover (dort allerdings Kriegsverluste) und der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover hinzuzuziehen. Einige Handschriften aus dem Kloster wurden jedoch im Jahr 1636 in die Mindener Dombibliothek verbracht und befinden sich dort bis heute.

Die Neuverzeichnung des Bestandes wurde um die Jahreswende 2004/2005 im Rahmen der Rückstandsbearbeitung von Herrn Roland Lesniak mit der Archivsoftware V.E.R.A. unternommen. Nach der digitalen Verzeichnung der Akten des Klosters St. Mauritz und Simeon in Minden umfaßt der Bestand nun 168 Einheiten, zusammengefaßt in 17 Kartons. Eine Revision und Indizierung des Gesamtfindbuchs unternahm Herr Ulrich Fischer im Frühsommer 2005, die Klassifizierung und Gesamtrevision unternahm Thomas Reich. Dabei konnten die Ansetzungsformen für Orts- und Personennamen im Findbuchtext nicht durchgehend normalisiert werden; der Index hingegen enthält die normalisierten Formen, so daß eine Recherchemöglichkeit auf jeden Fall besteht. Der Bestand wurde neu signiert, wobei eine Altsignaturenkonkordanz das Auffinden der Aktenstücke auch mit der bisherigen Signatur ermöglicht.

Der zeitliche Rahmen der verzeichneten Klosterakten reicht vom Jahr 1462 bis 1830; die Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1042 liegt in einer Abschrift der späteren Zeit vor. Da das Stift mit zahlreichen Ländereien und Rechten ausgestattet war, nehmen die Verwaltungsakten und Akten, die sich mit den Rechten bzw. deren Verletzung auseinandersetzen, den größten Teil des Bestandes ein. Themenschwerpunkte sind daher:

oOrganisation des Klosters

oRechte des Klosters (z.B. Holznutzungsrechte, Jagdrechte)

oKlosterbesitz

oEinkünfte, Einnahmen und Ausgaben des Klosters

oVerpachtung und Bemeierung der Grundstücke und der Zehnten in Form von Pachtverträgen, Pachtnottuln und Meierbriefen

oRechtsstreitigkeiten wegen Abgaben

Einen weiteren Schwerpunkt stellen, bedingt durch die große Überschuldung, Akten aus der Zeit kurz vor und nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1810 dar.

Zitierweise

StAMS Kloster St. Mauritz und Simeon Minden, Akten Nr. xy

Münster, November 2005Dr. Thomas Reich

Umfang : 168 Akten (20 Kartons), Findbuch D 356.

Verweise :

··Carl L. Grotefend, Chronik des Stiftes SS. Mauritii et Simeonis, in: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen (1873), S. 143-178.

·Leopold Schütte, St. Mauritz und Simeon, in: Die Benediktinerklöster in Nordrhein-Westfalen, bearb. v. Rhaban Haacke (Germania benedictina, VIII; München, St. Ottilien, 1980), S. 476-498.

·Leopold Schütte, Minden - Benediktiner, in: Westfälisches Klosterbuch, hg. v. Karl Hengst (Veröffentlichungen der Hist. Komm. für Westfalen, XLIV = Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte, 2; Münster, 1992), Teil 1, S. 613-619.



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