Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.4. Stadt Herford und Johanniterkommende Herford
Johanniterkommende Herford
Johanniterkommende Herford / Akten
D 501, Johanniterkommende Herford - Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 501

Name : Johanniterkommende Herford

Beschreibung :

Einleitung :

Geschichte der Johanniterkommende Herford

Das Jahr der Kommendengründung ist nicht belegt, dürfte jedoch im Rahmen der geplanten Stadterweiterung Herford im Jahre 1220 anzusiedeln sein. Die Niederlassung eines nicht eindeutig benannten geistlichen Rittenordens in Herford 1231 wird den Johannitern zugerechnet. Die erstmals eindeutige urkundliche Erwähnung der Johanniter in Herford datiert auf dem 16. Juni 1285. Fortan kamen die Johanniter in den Genuß zahlreicher Schenkungen und Zuwendungen durch Adel und Bürgerschaft. Neben Streubesitz besaßen die Johanniter vor allem in der näheren Umgebung Herfords Ländereien. Im 14. Jahrhundert gerieten die Herforder Johanniter in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Die kleine Privatkapelle des Johanniterordens verblieb den wenigen Katholiken aus Herford und seiner Umgebung während der Reformation als einziger Gottesdienstraum. Nach dem Tod des Kommendators Jacob van der Slart dürfte die Kommende Herford von den Kommendatoren in Lage mitverwaltet worden sein. Häufig setzten sie nun protestantischen ”Administratoren“ zur Beaufsichtigung ein. Während des 30-jährigen Krieges wäre die Kommende Herford dem Johanniterorden 1634 beinahe durch den schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstjerna entfremdet worden, konnte jedoch 1640, endgültig 1645, abgelöst werden. Erst mit dem Religionsrezeß von 1672 wurde in der Herforder Kommendenkapelle wieder ein öffentlicher katholischer Gottesdienst erlaubt.

Die Aufhebung der Kommende erfolgte am 17. Februar 1810. Seitdem dient die Kirche als katholische Pfarrkirche, das Komturhaus als katholisches Pfarrhaus.

Bestandsgeschichte

Der Aktenbestand der Johanniterkommende Herford umfaßt 247 Verzeichnungseinheiten, die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in 27 Kartons untergebracht sind. Bei den Ausnahmefällen handelt es sich vor allem um Dokumente, die nach der Auflösung der Kommende im Februar 1810 erstellt wurden und in den Bestand des Königreich Westfalens gekommen waren. Den zeitlichen Rahmen bilden das Jahr 1321- hierbei handelt es sich um die Abschrift und das Original einer Akte mit Bestimmungen über den Blutzehnten - einerseits und das Jahr 1813 auf der anderen Seite.

Die vorliegende Aktenneuverzeichnung der Kommende Herford wurde 2004/05 von Herrn Roland Lesniak vorgenommen und ersetzt die Verzeichnung von Haarlander im Findbuch A 236 II aus dem Jahre 1822, die 1874 revidiert wurde; die Urkunden sind im Findbuch A 236 I Bd. 1 und 2 in den Jahren 1822 und 1829 verzeichnet worden; das früheste Findmittel, im Staatarchiv Münster unter der Signatur ”Alte Findbücher 178“, enthält nur Urkunden. Betreut, überarbeitet, klassifiziert und indiziert wurde das neue Findbuch von Thomas Reich im elektronischen Verzeichnungsprogramm V.E.R.A.

Die Inventaraufnahme des Jahres 1639 wies Briefe und Rechnungen in einer ”Tischladen uffm Saal“ auf. Daneben sollen in der Schreibkammer in einem großen ”Schapp“ zahlreiche Briefe und ein Schreibbuch gelagert haben, über der Schreibkammer sechs Bücher deponiert worden sein. Die Inventarisierung des darauf folgenden Jahres wies sowohl die Dokumente als auch die Bücher nicht mehr auf. Die übrigen noch vorhandenen Kommendenunterlagen befanden sich auf zwei Böden des Hauses.

Neben den Prozeßakten geben die Eigenbehörigenregister und -protokollbücher einen klaren Einblick in das Rechtsverhältnis zwischen dem Eigenbehörigen (in den Akten auch Leibeigener genannt) und dem Herrn. Anders nämlich als bei Pächtern oder Meiern (im Bestand befinden sich zwar zahlreiche Pachtnottuln, aber keine Meierbriefe) war der Eigenbehörige selbst, nicht nur seine Ländereien, ein Wertgegenstand für den Herrn, der sorgfältig ”bewirtschaftet“ werden mußte, weshalb Bücher über Anzahl, Stand, Alter, Rechte und Besitz jedes einzelnen Mitglieds einer abhängigen Bauernfamilie geführt wurden. Ein weiterer Gegensatz zu den Pächter und Meiern bestand aber auch darin, dass die Eigenbehörigen ein gesichertes Erbrecht an der ihnen vom Herrn überlassenen Stätte besaßen. Ein Recht, das auch vor Gericht einklagbar war.

Ein weiteres wichtiges Privileg der Eigenbehörigen war des Recht des Freikaufes und des Wechselns zu anderen Herrn. Dies dokumentieren die zahlreichen von der Kommende ausgestellten Freibriefe, Frei- und Wechselscheine, die zugleich bei der Kommende für außerordentliche Einnahmen sorgten.

In erster Linie dokumentieren diese Akten die weltlichen Aktivitäten der Kommende, während die geistlichen sich nur selten darin widerspiegeln. Die Beaufsichtigung und Leitung der weltlichen Geschäfte lag in erster Linie in den Händen der Kommendatoren, die hauptsächlich dem westfälischen (Ministerial-)Adel entstammten. Ihnen zur Seite standen die Kommendenverwalter, die nach der Reformation sogar evangelischer Konfession sein konnten. Anhand der Akten lassen sich die Aktivitäten und die Dienstjahre sowohl der Kommendatoren als auch der Verwalter der Kommende nachvollziehen. Die auf der Grundlage der Pachtnottuln erstellte Reihenfolge der Kommendenverwalter stellt sich folgendermaßen dar:

·Antonius Polchmann (um 1542)

·Albert Lange (seit ca. 1596)

·Christoffer Kemner (ca. 1605-1620)

·Hermann von Bippen (seit ca. 1620)

·Jacob Peter Schlitzweg (seit ca. 1654)

·Vitus Reiser (ca. 1676-1695)

·Jacob Philip Schlitzweg (ca. 1695-1702)

·J. H. von Wendt (ca. 1702-1707)

·Gotfried Kracht (ca. 1707-1718)

·Friedrich Christoph Kracht (ca. 1718-1749)

·Franz Arnold Isfording (ca. 1749-1767)

·Johann Ignatz Handrup (ca. 1768-1813)

Die wenigen Akten, die sich mit geistlichen Themen befassen, behandeln das Recht der freien Religionsausübung, das Recht Eheschließungen vorzunehmen sowie die Versuche, den katholischen Gottesdienst zu verhindern. Für die Verrichtung der gottesdienstlichen Aufgaben waren die Ordenspriester zuständig, denen ein Prior vorstand.

Die Themen-Schwerpunkte stellen dar:

·die Einnahmen und Einkünfte der Kommende - regelmäßige und außerordentliche

·Ausgaben der Kommende - z. B. für Ausbesserungs- und Reparaturarbeiten, Gerichtskosten, Bücher, Dienstboten, Wegezölle, Kontributionen, Steuern

·Verwaltung des Kommendenbesitzes - hier vor allem der Ländereien (Wiesen, Felder, Gehölze), der Gebäude und der Eigenbehörigen

·Prozesse und Streitigkeiten um die Ableistung der regelmäßigen und der außergewöhnlichen Abgaben und Verpflichtungen seitens der Eigenbehörigen wie z. B. der Zahlungen des Zehnten sowie Dienstleistungen

·andere Prozesse und Streitigkeiten z. B. wegen Grenzstreitigkeiten und der Gemeinheitsteilungen.

Ergänzungsüberlieferung im StAMS

·Königreich Westfalen - Akten A 2.116: Besitzergreifung der Kommende Herford, 1810-1811

Ergänzungsüberlieferung in weiteren Archiven

Neben den Urkunden und Akten des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen Staatsarchiv Münster befinden sich weitere Dokumente der Herforder Johanniterkommende in folgenden Archiven:

·Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Hauptstaatsarchiv Düsseldorf

·Niedersächsisches Landesarchiv Staatsarchiv Osnabrück- Kirchliche Angelegenheit, Kommende Lage: Urbar der Kommende Herford, 1661

·Pfarrarchiv der katholischen Kirchengemeinde Herford- Cabraeum, 1776

·Kommunalarchiv Herford- Akten 2.036: Säkularisationsakten

·Ordensarchiv in der Nationalbibliothek von Malta in Valetta / Malta- AOM 45, fol. 239v-240v: Visitation 1495 (unvollständig)- AOM 6340, fol. 146r-v: Visitation 1540

Literatur

Schirmeister, Olaf, Herford - Johanniter, in: Hengst, Karl (Hg.), Westfälisches Klosterbuch, Bd. 1 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen 44), Münster 1992, S. 417-421.Literaturangaben siehe dort.

Zitierweise

StAMS Johanniterkommende Herford, Akten Nr. xy

Münster, im Dezember 2005Dr. Thomas Reich

Umfang : 247 Akten (27 Kartons), Findbuch D 501 mit Index.



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