Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.4. PREUSSISCHES WESTFALEN
1.4.6. Grafschaften Tecklenburg und Lingen
1.4.6.1. Verwaltungsbehörden und Landstände
Grafschaft Tecklenburg, Landstände (Ritterschaft)
Grafschaft Tecklenburg, Landstände (Ritterschaft) / Urkunden
D 704u, Grafschaft Tecklenburg, Landstände (Ritterschaft) - Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 704u

Name : Grafschaft Tecklenburg, Landstände (Ritterschaft)

Beschreibung :

Einleitung :

Der Bestand wurde am 20. April 1884 von Frau von Diepenbrock-Grüter auf Haus Marck erworben. Er umfasst die Restüberlieferung zum Archiv der Ritterschaft der Grafschaft Tecklenburg, den sog. "Ritterkasten". Die Ritterschaft war faktisch der einzige Stand in der Grafschaft, da mit dem adligen Fräuleinstift Leeden es nur ein Kloster und keine Städte gab.

Landtagsfähig waren durchgängig die Besitzer der adligen Häuser Cappeln, Cronenburg, Hülshoff, Ladbergen, Langenbrück, Marck, Meesenburg, Velpe und Vortlage. Abweichend davon beurkunden vor allem vor 1600 Besitzer anderer landtagsfähiger Güter.

Die Ritterschaft ging aus Ministerialen und Burgmannen hervor, deren hochmittelalterlichen Ursprünge gut erforscht sind, die in diesem Bestand aber nicht belegt sind. Der Bestand setzt im späteren 16. Jahrhundert ein und spiegelt nachreformatorische Zustände. Ältere Urkunden sind nur durch Abschriften des 17. und 18. Jahrhunderts erhalten. Zwei 1756 abschriftlich noch im Ritterkasten vorhandene Reversale von 1355, die laut damaligen Inventar landständische Funktionen der Burgmannen belegen, fehlen heute im Urkundenbestand, der mit einer Abschrift des Jahres 1451 (Urkunde Nr. 1) einsetzt. Sie ist als Abschrift im Anhang veröffentlicht.

Die Bedeutung der Landstände ist wegen des mehrfachen Wechsels der Landesherrn im 16. bis 18. Jahrhundert nicht hoch genug einzuschätzen. Der Bestand enthält deshalb zentrale Quellen für die Geschichte der Grafschaft Tecklenburg, ihrer adligen Häuser und deren Eigenhörige. Der Bestand hätte deswegen eine stärkere Berücksichtigung in der wissenschaftlichen Literatur verdient. In der neu anlaufenden Forschung zu den Landständen der Frühneuzeit hat die Grafschaft Tecklenburg keine Rolle gespielt; Kuhna (1963) beschränkt sich auf Kleve-Mark trotz des weitergefaßten Titels.

Für statistische und familienkundliche Zwecke sind die Schatzungsregister und sonstigen fiskalischen Unterlagen zu benutzen (vgl. Leesch, Personenlisten). Eine besonders dichte Überlieferung fällt zum Dreißigjährigen Krieg an, die leider bei den jüngsten Publikationen zur 350. Wiederkehr des Westfälischen Friedens unberücksichtigt blieb.

Lücken im Bestand gegenüber der Überlieferung im mittleren 18. Jahrhundert lassen sich leicht feststellen anhand des Inventars, das 1756 nach dem Tod von Landrat Grote angelegt wurde (Nr. 24). Ein älteres Inventar des Ritterkastens von 1685 ist unter der gleichen Signatur erhalten. Beide Inventare des Ritterkastens mit Nachweis der heutigen Signaturen sind im Anhang veröffentlicht.

Eine ausführliche Geschichte der tecklenburgischen Ritterschaft aus deren eigener Feder ist beim Übergang an das Großherzogtum Berg 1807/08 verfasst worden und in den Akten Nr. 60 zu finden. Der Bestand wurde im Mai 1884 durch Friedrich Philippi summarisch aufgenommen. Seine Verzeichnung wurde seitdem nur durch Änderung der Signaturfolge korrigiert.

Die teilanalytische Erschließung 1999 erfolgte während der Revision der Bestände durch den Unterzeichnenden.

Münster, den 18.07.1999 Wilfried Reininghaus

Die Übernahme der Daten in das Verzeichnungsprogramm VERA erfolgte 2006 durch Nadine Förster und Thomas Reich. Nicht übernommen wurden hierbei 2 Anhänge. Es wird diesbezüglich auf das Findbuch von 1999 im Bestand AR (Alte Repertorien) verwiesen.

1.) Transkription der Urkunde Nr. 1 (1453 XII 13)

2.) Verzeichnisse der Urkunden und Akten im Ritterkasten 1685, 1756/66

2a.) Verzeichnis des Ritterkastens auf Haus Meesenburg 1685 durch Adolph Arnold Weidbusch [StAMS, Grafschaft Tecklenburg, Landstände (Ritterschaft) - Akten Nr. 24]

2b.) Inventar des Ritterkastens, aufgestellt nach dem Tod von Landrat Grote durch Christoph Eggeding, 22. August 1756, fortgeführt durch Syndikus Hüllesheim bis 1766

Vorliegendes Findbuch wurde im Oktober 2006 von Nadine Förster unter der Betreuung von Thomas Reich mit dem Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben.

Dr. Thomas Reich

Umfang : 25 Urkunden, Findbuch D 704u.

Verweise :

Holsche, August Karl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg ..., Berlin/Frankfurt 1788

Merten, Friedrich Wilhelm: Entstehungs- und Rechtsgeschichte der Burgmannschaften in Westfalen, Diss. Bonn 1911

Hunsche, Friedrich Ernst: 250 Jahre Landkreis Tecklenburg 1707-1957, Lengerich 1957

Hunsche, Friedrich Ernst: Rittersitze, adelige Häuser, Familien und Vasallen der ehemaligen Obergrafschaft Lingen, Amt Bevergern und weitere Tecklenburger Lehensträger, Bd. 2, Tecklenburg 1989

Leesch, Wolfgang: Personenlisten der Grafschaften Tecklenburg und Lingen bis 1815, in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung 19 (1961), S. 12-82

Berger, Eva: 1648-1998. Dem Frieden die Zukunft. Sozialgeschichtliche Beiträge aus dem Kreis Steinfurt: Der Dreißigjährige Krieg und die Hoffnung auf Frieden, Steinfurt 1998

Vierhaus, Rudolf: Die Landstände in Nordwestdeutschland im späteren 18. Jahrhundert, in: Dietrich Gerhard (Hrsg.), Ständische Vertretung in Europa im 17. und 18. Jahrhundert, 2. Aufl. Göttingen 1974, S. 72-93

Kuhna, Rainer: Die ständische Verfassung in den westfälischen Landesteilen Preußens und im Fürstbistum Münster 1780-1806, Diss. Münster 1963



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