Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
1. TERRITORIEN DES ALTEN REICHES BIS 1802/03 EINSCHLIESSLICH KIRCHEN, STIFTER, KLÖSTER, STÄDTE U. Ä.
1.6. AUSSERWESTFÄLISCHE TERRITORIEN UND INSTITUTIONEN
Mittelrheinische Reichsritterschaft
F 003, Mittelrheinische Reichsritterschaft
Permalink des Findbuchs


Signatur : F 003

Name : Mittelrheinische Reichsritterschaft

Beschreibung :

Einleitung :

Seit 1495 als Korporation anerkannt, standen die ursprünglich aus spätmittelalterlichen Ritterbünden hervorgegangenen Reichsritter unter dem besonderen Schutz des Kaisers und waren dem Reich eng verbunden, jedoch vom Reichstag und von der Reichskreisverfassung ausgeschlossen. Die Türkengefahr zog finanzielle Forderungen des Kaisers gegenüber den Reichsrittern nach sich (Römermonatsverwillig-ung-en, später institutionalisiert nach dem Kreis-Usual-Fuß), die sich in Korporationen in Form einer Kantonalstruktur innerhalb der sich herausbildenden Ritterkreise zusammenschlossen. Steuern der Reichsritterschaft handelte der Kaiser direkt mit dieser auf den Tagen der Ritterk-reise in Form der Charitativ-Subsidien (subsidia charitativa) aus, die fortan seine ergiebigste Einnahmequelle sein sollten. Die Ritterkreise wiederum legten diese Steuern proportional auf die Kantone um, diese auf die Untertanen. Mit solchen Geldzahlungen waren häufig Standeserhöhungen verbunden, die im 16. und 17. Jahrhundert meist in den Freiherrenstand führten. Durch die Fortführung der Subsidien in Friedenszeiten sicherten sich die Reichsritter sowohl den Schutz des Kaisers als auch zahlreiche Privilegien.

Seit 1577 bildete die Reichsritterschaft die drei Ritterkreise Schwaben, Franken und am Rhein aus, die wiederum 15 Ritterorte umfaßten. Zum rheinischen Ritterkreis gehörten die Ritterkantone Oberrhein, Mittelrhein (einschließlich der Landschaft Wetterau) und Unterrhein. Eines der wichtigsten Kantonsprivilegien war die Steuererhebung, während die einzelnen Reichsritter im jeweils eigenen Herrschaftsgebiet die Niedere Gerichtsbarkeit ausübten. Da ihre wirtschaftliche Situation häufig nicht austräglich war, standen zahlreiche Ritter in Diensten des Kaisers oder benachbarter Territorialherren, sowohl in Verwaltung als auch im Militär.

Vorliegendes Findbuch ”Mittelrheinische Reichsritterschaft“ mit seinen 88 Verzeichnungseinheiten wurde von Dr. Thomas Reich im März 2009 aus dem Bestand A 411 Fürstentum Siegen, Landesarchiv - Akten (dort bis dahin eigener Klassifikationsast 21.I ”Mittelrheinische Reichsritterschaft [Burg Friedberg], betr. Prozesse von Mitgliedern der Mittelrheinischen Reichsritterschaft in spec. im Fürstentum Siegen“) herausgelöst und als Findbuch A 65 neu gebildet. Im Repertorienverzeichnis von 1977 war es noch als Rep. A 32 geplant, mit dem Hinweis: ”Hauptbestand der Stadt Darmstadt“. Es enthält fast ausschließlich Prozesse betreffend Güter und Familien der Reichsritterschaft im Fürstentum Siegen.

Im alten Repertorium finden sich folgende Hinweise:

··Mittelrheinisches Ritterschafts-Archiv, Rep. XXIII = Acta specialia, nach alphabetischer Ordnung, die auf dem Westerwald, besonders in Nassau-Dillenburg, Nassau-Siegen, Nassau-Dietz und Grafschaften Sayn, Wied und Anh. Schaumburg gelegenen Rittersitze und Güter betreffend

·Die einzelnen Aktenstücke enthalten unter dem Aktendeckel, sehr brauchbare Rotuli.

·Vgl. dazu auch Abt. 2 Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Übersicht S. 2 f.)

·Von Nr. 37 an liegen die Akten chronologisch.

Der Bestand wurde im 2. Quartal Halbjahr 2017 durch Dr. Jens Heckl tiefer erschlossen, wobei Enthält-Vermerke und die Namen der wichtigsten Korrespondenten erfasst sowie die Laufzeitangaben korrigiert wurden.

Literatur:

Johann Georg Kerner, Allgemeines positives Staatsrecht der unmittelbaren freyen Reichsritterschaft in Schwaben und am Rhein, 3 Bde., Lemgo 1786-1789.

Volker Press, Adel im Alten Reich - gesammelte Vorträge und Aufsätze (Frühneuzeit-Forschungen 4), Tübingen 1998.

Volker Press, Kaiser Karl V., König Ferdinand und die Entstehung der Reichsritterschaft (Vortrag am 8. Febr. 1974), Wiesbaden 1976.

Volker Press, Reichsritterschaft, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Berlin 1998.

Karl H. Roth von Schreckenstein, Geschichte der ehemaligen freien Reichsritterschaft in Schwaben, Franken und am Rheinstrome, 2 Bde., Tübingen 1859-1871.

Joachim Schneider, Spätmittelalterlicher deutscher Niederadel - ein landschaftlicher Vergleich (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, Bd. 52), Stuttgart 2003.

Christopher Freiherr von Preuschen-Liebenstein, Reichsunmittelbare Landesherrlichkeit in Osterspai am Rhein, in: Nassauische Annalen 118 (2007), S. 449-456.

Bestell- und Zitierweise: (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen [LAV NRW W]), Mittelrheinische Reichsritterschaft Nr.

Umfang : 84 Akten (17 Kartons), Findbuch F 003.



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