Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
3. BEHÖRDEN UND EINRICHTUNGEN DES STAATES UND DER SELBSTVERWALTUNG NACH 1816
3.1. INNERE VERWALTUNG
3.1.1. Oberpräsidium
3.1.1.2. Besondere Kommissionen und Dienststellen
Provinzialpreisprüfungsstelle Westfalen
K 057, Provinzialpreisprüfungsstelle Westfalen
Permalink des Findbuchs


Signatur : K 057

Name : Provinzialpreisprüfungsstelle Westfalen

Beschreibung :

Einleitung :

Aufgrund einer Bundesratsverordnung vom 25.9.1915 (RGBl. S. 607) über die Preisprüfungsstellen wurde im Jahre 1916 die Provinzialpreisprüfungsstelle Westfalen in Angliederung an das statistische Amt der Stadt Dortmund errichtet. diese neue Dienststelle war, wie ihre Bezeichnung es ausdrückt, für die gesamte Provinz Westfalen zuständig. in einer Denkschrift des Reichsministers für Handel und Gewerbe war die Schaffung von Preisprüfungsstellen auf provinzieller Ebene oder einem ähnlichen großen zusammenhängenden Gebiet vorgeschlagen worden. Ursprünglich sah die oben angegebene Verordnung des Bundesrates nur zwei Instanzen für Preisprüfungsstellen vor: die örtlichen Preisprüfungsstellen und die Reichspreisprüfungsstelle in Berlin, wobei diese die Arbeit der örtlichen Stellen koordinieren und die einzelnen Ministerien in Preis- und Versorgungsfragen beraten sollte. Die Errichtung von Zwischeninstanzen blieb den jeweiligen Landeszentralbehörden vorbehalten, die je nach Bedarf und Notwendigkeit die zuständigkeit, ohne Rücksicht auf politische Grenzen absteckten sollten. Dem Vorbild anderer deutscher Länder folgend wurde die neue Dienststelle für die Provinz Westfalen in Angliederung an das statistische Amt einer größeren Stadt, in diesem Falle Dortmund, errichtet. Ihre Aufgabe sollte es sein, wie einem ihrer ersten Schreiben an die beteiligten Handelskammern in Dortmund, Bochum, Arnsberg, Münster und Bielefeld hervorgeht, die Bekämpfung des Kriegswuchers und des Kettenhandels. Außerdem hatte die Provinzialpreisprüfungsstelle Gutachten über "die Angemessenheit von Preisen" auf Ersuchen von Gerichts- und Verwaltungsbehörden zu erstellen. Die eigentliche Abfassung dieser Gutachten übertrug man Sachkennern aus den einzelnen Handelskammerbezirken. Diese Sachverständigen wurden von den Handelskammern auf Bitte der Provinzialstelle vorgeschlagen. Die Preisprüfungsstelle selbst achtet nur auf die Einhaltung "einheitlicher Grundzüge" in den Gutachten und wachte darüber, daß keine vermeidbaren Streitigkeiten entstanden. Auf örtlicher Ebene waren ursprünglich ca. 65 Preisprüfungsstellen von unterschiedlicher Größe und Bedeutung in der gesamten Provinz tätig. Ihr gemeinsames Ziel war es, das Netz der örtlichen Preisprüfungsstellen möglichst dicht zu halten, um so möglichst weitgehend die Preisbildung bei Produzenten und Händlern beachten zu können. 1922 konnte der Oberpräsident berichten, daß diese örtlichen Stellen einen wesentlichen Beitrag zur "Angemessenheit der Preise, besonders der in der Provinz erzeugten und zum Absatz gebrachten Produkte ausgübt" hat. "Wenn die Wirkung nicht größer ist, so dürfte das einmal daran liegen, daß auch das Gebiet einer Provinz für eine durchgreifende Preisbeeinflußung noch zu klein ist, zum anderen Teil daran, daß in der Kette der örtlichen Preisprüfungsstellen, besonders in den Erzeugergebieten, Lücken vorhanden sind... Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Preisüberwachung möglichst in den Ursprungsgebieten der Ware einsetzen muß, wenn der Kampf gegen die in den Kreisen der Erzeuger und des Handels vorhandenen unreellen Elemente wirksam sein soll" (Akten Nr. 2). Kriegs- und Nachkriegswirtschaftslage waren nicht mit denselben Mitteln zu bewältigen, zumal die Zwangswirtschaft Schritt für Schritt abgebaut wurde, und so nahm die Provinzialpreisprüfungsstelle nach dem Kriege einen eigenständigen Amtscharakter an und verlegte ihren Sitz nach Münster. Die örtlichen Stellen schlossen sich zu größeren Einheiten zusammen, um wirksamere Arbeit leisten zu können. Die Aufgaben der Preisüberwachung wurden immer umfassender und mehr wirtschaftspolitischer Art. Die Provinzialstelle benötigte Berater, die die nötigen speziellen Fachkenntnisse besaßen. Beide Ebenen, die Provinzialstelle und die örtliche Preisüberwachungsämter, arbeiteten darum seit 1920 verstärkt zusammen: die örtlichen Preisprüfungsstellen schlossen sich 1920 unter Leitung der Provinzialstelle in einer Arbeitsgemeinschaft der westfälischen Preisprüfungsstellen zusammen. Als Gremium dieser Gemeinschaft wurde aus den verantwortlichen Leitern der örtlichen Preisprüfungsstellen unter Rücksicht aus die Verschiedenartigkeit der Wirtschaftsgebiete Westfalens eine Kommission, die sogenannte Arbeitskammer gebildet. In den Mitgliedern dieses Ausschusses besaß die Provinzialstelle jene mit wirtschaftspolitischer und verwaltungsmäßiger Erfahrung ausgerüsteten Berater, die über Stimmung und Bedürfnis der ihrem Bezirk angehörenden Bevölkerung unterrichtet und aus der fachlichen Bearbeitung der im Preisprüfungswesen auftauchenden Fragen vertraut waren. Der Ausschuß stand mit allen in Betracht kommenden Wirtschaftsorganisationen in enger Fühlung und zog jeweils spezielle Berufs- und Fachvertreter zu den Sitzungen hinzu. Die Zusammensetzung der Ausschüsse wechselte somit zwar häufig, entsprach aber weitgehend den jeweiligen Anforderungen. So war einerseits die Verbindung von Provinzial- und Ortsstelle gesichert, andererseits eine Beteiligung der Wirtschaft an den zu behandelnden Fragen gegeben. Die Beratungen dieser Fachausschüsse unterstanden hinsichtlich letzter Beschlußfassung der Arbeitskammer und soweit auch hier in Ausnahmefällen eine Einstimmigkeit nicht zu erzielen war, der Entscheidung der amtlichen Organe der Provinzialstelle, d. h. deren alleiniger Entscheidungsgewalt. Neben diesen Kommissionen und Ausschüssen bediente sich die Provinzialstelle, insbesondere für die büromäßig zu erledigende Gutachtertätigkeit, in umfassender Weise der von den Wirtschaftsorganisationen zahlreich bekannten Sachverständigen und Vertrauensleuten. Je mehr sich Wirtschaft und Preisgefüge stabilisierten, desto mehr verlor die Provinzialstelle an Aufgabenverwaltung. Zwar existierte sie noch bis 1926 und dürfte auch bis dahin kaum an prinzipieller Bedeutung verloren haben, doch bestand ihr Personal nur noch aus dem Geschäftsführer, einem Bürobeamten und einer Schreibkraft. Ende 1926 wurde sie aufgelöst.

Die hier vorliegenden Akten stammen aus den beiden Zugängen 17 und 30 vom Jahre 1926 und einer später erfolgten Abgabe.

Münster, im März 1970

(Buchholz)

Umfang : 56 Akten (9 Kartons), Findbuch K 057.



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