Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
3. BEHÖRDEN UND EINRICHTUNGEN DES STAATES UND DER SELBSTVERWALTUNG NACH 1816
3.3. WIRTSCHAFTSVERWALTUNG
3.3.2. Land- und Forstwirtschaft
3.3.2.7. Domänenrentämter (Renteien)
Domänenrentamt Siegen
M 212, Rentamt Siegen
Permalink des Findbuchs


Signatur : M 212

Name : Domänenrentamt Siegen

Beschreibung :

Einleitung :

Das Rentamt Siegen war zuständig für die Verwaltung der in dem größten Teil der heutigen Kreise Olpe und Siegen (Reg.-Bez. Arnsberg) liegenden Domänen, sowie einzelner, dem Fiskus unterstehender Gebäude, Grundstücke und Berechtigungen. Eine Übersichtskarte der Rentämter im Reg.-Bez. Arnsberg befindet sich u. a. im Rep. B 481 VI (Rentamt Soest).

In den Vorprovenienzen des Aktenbestandes schlägt sich die unterschiedliche historische Entwicklung der zwei Kreise nieder.

Die Gebiete des heutigen Kreises Olpe gehörten vor 1803 zum kölnischen Herzogtum Westfalen, kamen durch den Reichsdeputationshauptschluß (25. Febr. 1803) an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt (seit 13. Aug. 1806 Großherzog von Hessen) und nach dem Wiener Kongreß an Preußen (Besitzergreifung 15. Juli 1816). Die Staatsgüter in den als Entschädigungslande an das Großherzogtum Hessen gefallenen Gebieten wurden ab 12. Okt. 1803 von einer Rentkammer (ab 12. Jan. 1809 Hofkammer) verwaltet.

Die zum heutigen Kreis Siegen gehörenden Gebiete waren im 18. Jahrhundert Teil des zu Nassau-Oranien gehörenden Fürstentums Siegen. Durch die Mediatisierung aufgrund der Rheinbundakte 1806 kam Siegen an das Großherzogtum Berg (Dep. Sieg). Es wurde 1817 Preußen eingegliedert. Zu den Vorprovenienzen vgl. Großherzogtum Hessen V (Rentämter), Rep. B 63, Bl. 678 ff., Fürstentum Oranien-Nassau (Dillenburg) D (Rentkammern), Rep. A 412,1 S. 64 ff. u. Großherzogtum Berg E 16 (Rentei Netphen) u. 17 (Rentei Siegen), Rep. B 70, S. 269-273, vgl. auch Kohl/Richtering, Behörden der Übergangszeit 1802-1816, S. 210.

Die bei der Übernahme der heutigen Kreise Olpe und Siegen durch Preußen vorhandenen Staatsgüter entstammten zum einen aus alten, ins 18. Jahrhundert zurückgehenden Besitz- bzw. Abhängigkeitsverhältnissen, zum anderen beruhten sie auf dem dem Staat durch die Säkularisation 1803 zugewachsenen, Klosterbesitz. Die preußische Behördenübersicht von 1818 kennt noch keine Rentämter, sondern nur Domänen-Verwaltungsbehörden, die sich auf jeder der großen Domänen befanden. Wohl um die hohen Verwaltungs- und Unterhaltskosten zu sparen, verkaufte der preußische Staat in den 20er Jahren die meisten Domänen, so daß die Zahl der Domänenverwaltungen abnahm. So wurde z.B. die aus dem Besitz des Augustinerchorherrenstiftes Ewig bei Attendorn gebildete Domäne schon 1819 veräußert und die Domäne (Kloster) Grafschaft wurde 1827 an den Freiherrn v. Fürstenberg verkauft. Vgl. H. Klueting, Die Säkularisation im Herzogtum Westfalen 1802-1834, Köln/Wien 1980.

Nach dem Ablösungsgesetz von 1821 konnten die Besitzer von Gütern, auf denen Pachte und herrschaftliche Lasten lagen, diese gegen eine bestimmte Entschädigung ablösen und die vollen Eigentumsrechte erwerben. Da davon in der Regel Gebrauch gemacht wurde, verringerten sich in den 30er und 40er Jahren mit dem Fiskalgut die Verwaltungsaufgaben und Einnahmen der Rentämter, so daß mehrere zusammengelegt wurden bzw. nur noch als Rezepturen erhalten blieben.

Nach dem Handbuch des preußischen Staates von 1828 gab es im Regierungsbezirk Arnsberg an Rentämtern: Arnsberg, Bilstein, Dortmund, Hagen, Hamm, Lippstadt, Meschede, Mülheim, Siegen (Netphen) und Soest. Während es noch 1818 je eine Domänen-Verwaltungsbehörde in Siegen und Netphen gab, scheint die Behörde in Siegen nicht weiter besetzt worden zu sein. Schon vor 1820 scheinen die Rentämter zusammengelegt und von Netphen aus verwaltet worden zu sein, trugen aber den Namen des Kreissitzes. So erklärt sich die Adresse: Rentamt Siegen zu Netphen. Ca. 1830 wurde der Sitz des Rentamtes von Netphen nach Siegen verlegt.

Bilstein, das bis zum 01.01.1819 Kreissitz war (danach Olpe), blieb bis Ende der 20er Jahre Rentamtssitz für den Kreis Olpe. Im Handbuch von 1831 erscheint es nicht mehr, die RentamtsVerwaltung des Kreises Olpe wurde nun auch vom Rentamt Siegen durchgeführt.

Nach dem Stand vom 09. Jan. 1839 zog das Rentamt Siegen aus 101 Ortschaften in den Kreisen Olpe und Siegen Einnahmen und Gefälle aller Art ein (Nr. 39).

1868 bestand die Domänenverwaltung im Reg.-Bezirk Arnsberg nur noch in dem Rentamt Arnsberg und den Rezepturen Dortmund, Gevelsberg, Lippstadt, Meschede, Soest und Siegen, wobei Siegen für die Kreise Olpe und Siegen zuständig blieb. In den 70er Jahren verminderte sich die Zahl der Rezepturen weiter. Im Handbuch des preußischen Staates von 1878/1879 ist die Rezeptur Siegen nicht mehr aufgeführt. Über die Rentämter im Regierungsbezirk Arnsberg heißt es bei Senfftleben (Ortschafts- und Entfernungs-Tabelle des Regierungs-Bezirks Arnsberg) 1880: "Staats-Domänen sind im Bezirk nicht mehr vorhanden. Der Domänen-Fiskus besitzt noch einzelne Gebäude, Grundstücke und Berechtigungen, zu deren Verwaltung das Domänen-Rentamt zu Arnsberg und die Rezeptur Lippstadt bestehen. Die wenigen in den übrigen Kreisen vorhandenen Domänen-Angelegenheiten sind den einzelnen Steuerkassen, in deren Bezirk sie vorkommen, übertragen".

Nach dem Übergang der Großherzogtümer Hessen und Berg an Preußen blieben die Verwaltungsbeamten der Rentämter, Rezepturen und Domänenverwaltungen zunächst im Amt. Im Jahre 1824 wurde die Domänen-Verwaltungsbehörde in Bilstein (für den Kreis Olpe) von Hellinger und die in Netphen (für den Kreis Siegen) von Diez verwaltet.

Johann Gregor Diez stand seit dem 21. Juni 1809 der Rentei in Netphen (Großherzogtum Berg, Dep. Sieg) vor. Er erscheint in dieser Funktion bis 1821 und ist dann Rentmeister des Rentamtes Siegen zu Netphen. 1828/1829 wird eine Untersuchung wegen Veruntreuung gegen ihn durchgeführt (vgl. Nrn 137, 159, 167). Die Handakten des Rentmeisters Diez zu Netphen als Kommissar für die Aufteilung der Nassau-Siegenschen Archivalien 1819-1842 befinden sich unter: Staatsarchiv Münster, Abgelegte Dienstregistratur A 7.

Hellinger tritt uns 1818 als Leiter der Domänen-Verwaltungsbehörde Glindfeld entgegen, 1820 und 1821 ist er Domänen-Rentmeister der Domäne Grafschaft, 1824 und 1828 Rentmeister der Domänen-Verwaltungsbehörde Bilstein (für den Kreis Olpe). 1831 erscheint er als Rentmeister der zusammengelegten Rentämter der Kreise Olpe und Siegen in Siegen, wohl als Nachfolger von J.G. Diez.

Am 01. Juli 1837 übernimmt Domänen-Empfänger (1854 Domänen-Rat) Menne das Rentamt Siegen, 1873 wird die Rezeptur Siegen von dem Rechnungsrat Manger verwaltet, der 1878 als Rentmeister des Stifts Geseke-Keppel genannt ist, seinen Wohnsitz aber weiterhin in Siegen hatte.

Der Bestand Rentamt Siegen ist ohne Rücksicht auf ältere Behördenordnungen durchnumeriert und danach durchkassiert worden, so daß zahlreiche Fehlnummern entstanden sind. Ein Registraturplan von ca. 1839 befindet sich in Nr. 82. Der Bestand wurde in den Monaten Mai - September 1980 von den Staatsarchivreferendaren C. v. Looz-Corswarem, R. Nolden und H. Walberg neu verzeichnet, wobei sie auf Vorarbeiten von Staatsarchivamtmann Frau Kießling zurückgreifen konnten.

Münster, im Oktober 1980

Anhang:Vorläufiges Verzeichnis von Archivalien des-. ,Rentamtes Siegen im Stadtarchiv Siegen ;

1) Verzeichnis über die bei dem Rentamt Siegen in Verweigerung

stehenden jährlichen Abgaben von Privat-Mühlen1819

2) Die dem Steuer-Kontrolleur Bodse mitgeteilten Domänen- und Forst-Grundsteuer-Etats(E dann S N. 26 dann N. 33)1827

3) Spezielle Nachweisung von allen in jedem Monate eingegangenen undabgelieferten Domänen-Veräußerungs-Geldern, sowie der am Schlussedes Monats verfallen gewesenen aber nicht eingegangenen Rückstände1828, 1829, 1830, 1831, 1832. . :(N Nr. 11, Vol 1 ) 1828 - 1831

4) Anstellung der Ausländer bei den Verwaltungs-Bureaus 1834(nur Umschlag)(A N. 24)1834

5) Die Subhastations-Ordnung vom 15. März 1869

(Cap. II Fach V No. 9)1869

6) Acta des Königlichen Rentamts SIEGEN

betreffend

die von JOH. ENGEL HORN zu ALTENSEELBACH früher erbzinsweise bel-inenutzten, dem Fiskus zur freien Disposition wieder anheimgefallenenGrundstücke,1817 bis 1825 *(V. Nr. 101 1817-1830

7) Verkauf der zur Königlichen Domäne CHARLOTTENTAL gehörigen Wiese,"Blaues Wunder" genannt, welche bisher an Einwohner zu BUSCHGOTT-HARDTSHÜTTEN verpachtet gewesen, an den Handelsmann ADOLPH HEINRICHAX zu SIEGEN 1827-1828

8) Acta (des Königlichen Rentamts zu SIEGEN)

betreffend

den Verkauf der großen Domanial-Weiherwiese in DEUZER Mark (undderen bisherige Pachtverhältnisse)(V. Nr. 115) Vorakten: Oranien-Nassauische Landrentei SIEGEN1787 - 1823

9) Acta (des Königlichen Rentamts zu SIEGEN)-betreffend ; ;.die Herrschaftlichen Güter zu GRISSENBACH 1820, 1821 (und deren .Verkauf) intus: Inventarium (Verzeichnis) derjenigen Güter,

welche zu der Herrschaftlichen Hube zu GRISSENBACH

gehören 1785

(V. Nr. abgerissen) Vorakten: Oranien-Nassauische Landrentei SIEGEN 1785 - 1821

10) Verkauf der Domanial-Güter zu GRISSENBACH1821 - 1822

11) Verkauf eines Bauplatzes von der Domanial-Hofwiese in GRUND an

JOHANN JACOB KIEL in GRUND1816 - 1819

12) Acta (des Königlichen Rentamts zu SIEGEN)

betreffend

das HERLINGER Hofgut zu FREUDENBERG

intus: Inventarium des Herrschaftlichen HERLINGER Hofguts

zu FREUDENBERG 1804(V. Nr. 11) Vorakten: Oranien-Nassauische Landrentei SIEGEN 1774 -1819

13) Acta (des Königlichen Rentamts zu SIEGEN)' •;betr.

den Verkauf der HERLINGER Hof- und Amtsgüter zu FREUDENBERG1819, 1820, 1821, 1822(V. Nr. 126) : 1819-1828

14) Gesuch des J0HANNES LEHNHOF, ehemaliger Sergeant im 1. RegimentOranien-Nassau, um Erlaubnis zur Erbauung eines Wohnhauses aufKöniglichem Domänengrund zu HOFGINSBERG 1823 - 1824

15) Acta (des Königlichen Rentamts zu SIEGEN) betr.

den Verkauf der KÜCHTHALER (Domanial-) Wiesen bei KAAN und

MARIENBORN*'(V. Nr. 122) 1819 - 1826

16) Die von den Käufern der veräusserten Parzellen der KöniglichenDomäne LOHE getragene Grundsteuer und Kommunallasten pro 1819 1821

17) Verkauf des sogenannten SEELBACH Weihers und des daran befindlichen

Wiesenstücks bei FREUDENBERG auf Königlichem Domänengrund 1820 - 1824

18)Verkauf des(Herrschaftlichen) Laboratoriums(in dem Löhrtor zu SIEGEN)

1(V Nr. 138) 1815 - 1816

19) Acta des Königlichen Rentamts SIEGEN betr.

die Königlichen Domanial-Mühlen zu SIEGEN von 1777 bis 1815 intus: Inventarium über die Herrschaftlichen Mühlen untig und

vor der Stadt SIEGEN 1781

(M. Nr. 16, Registratur S. Fach -) Vorakten: Oranien-Nassauische.Landrentei SIEGEN1776-1815

20) Ausschlammung des oberen Teiles des Herrschaftlichen Stadt-Mühlen-Weihers zu SIEGEN, auch Reparatur des Mühlenweiherdamms und Ab-steinung des Stadt-Mühlen-Weihers

intus: Schreiben des Domänenrentmeisters DIEZ und Aufteilungskommissars des Oranien-Nassau-Dillenburg-Siegenschen Landesarchivs zur Überlassung der Aktenstücke an das Königliche Rentamt SIEGEN, Netphen 1834 Februar 71778-1801, 1834(N.76) Vorakten: Oranien-Nassauische Landrentei

21) Pacht-Übergabe der Domanial-Mühle zu SIEGEN (vor dem Kölner Tor gelegen, bestehend aus: 1. Schrotmühle, 2. Beutelmühle, 3. Schneidmühle), verhandelt vor dem Königlich Preussischen Stadtgericht SIEGEN 1828

22) Erlaubnis zum Betrieb einer Stampfe in der unterhalb der vormaligen landesherrschaftlichen Mühle zu SIEGEN gelegenen Walkmühle zur Beziehung von Wasser aus dem Mühlenweiher1865

23) Acta des Königlichen Rentamts SIEGEN

betreffend;das obere Orangerie-Gebäude im Herrengarten bei SIEGEN und den Verkauf der Sandstein-Figuren, 1823, 1824, 1825, 1826, 1827(V Nr. 186, Registratur S. Fach U. vol. l) 1823 - 1834

24) Spezial-Etat der Domänen-Rentei WAHLBACH pro 1820/22(E Nr. 17) 1819

25) Verhandlungen über den Spezial-Domänen-Etat des aufgelösten Rentamts WAHLBACH pro 1820/221820 - 1823

26) Gesuch des JOHANNES OECHELHAEUSER zu SIEGEN um Konzession zur Anlage einer Mahl- oder Papiermühle und käufliche oder, erbpachtweise Überlassung der zu einem Weiher notwendigen Wiesen vom Herrschaftlichen Hofgut WINCHENBACH1818

Umfang : 613 Akten (104 Kartons), Findbuch M 212.



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