Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
3. BEHÖRDEN UND EINRICHTUNGEN DES STAATES UND DER SELBSTVERWALTUNG NACH 1816
3.3. WIRTSCHAFTSVERWALTUNG
3.3.5. Bergbau
3.3.5.2. Alte Bergämter (bis 1861) und Berginspektionen
Märkisches Bergamt Bochum
M 511, Märkisches Bergamt Bochum
Permalink des Findbuchs


Signatur : M 511

Name : Märkisches Bergamt Bochum

Beschreibung :

Einleitung :

Durch Erlass der Generalverwaltung des Salz-, Berg- und Hüttenwesens vom 20.07.1815 wurde die Organisation der unteren Bergbehörden in Westfalen geregelt: file://fn@01 Das auch während der französischen Zeit tätige Bergamt für die Grafschaft Mark in Wetter wurde nach Bochum verlegt (01.-14.12.1815) und nahm dort am 01.01.1816 im Renteihaus am Markt seine Arbeit auf.

Seinen Zuständigkeitsbereich regelt das Reskript der Oberberghauptmannschaft vom 05.06.1820 file://fn@02. Es erhielt die Aufsicht über Zechen, Hütten, Steinbrüche usw. in der Grafschaft Mark, den Enklaven Dortmund und Limburg, im Vest Recklinghausen im Bezirk des Landgerichts Recklinghausen und im Fürstentum Münster in dem Teil, der zwischen der Grafschaft Mark, Ravensberg und Paderborn und dem Weg von Rheda über Warendorf, Telgte, Münster und Dülmen bis zur Lippe zwischen Bossendorf und Flaesheim liegt.

Die Beamten des Bergamts versahen die unmittelbare Leitung und Kontrolle des Bergbaubetriebes und das Rechnungswesen der Zechen. Sie regelten die Arbeiterangelegenheiten, beaufsichtigten den Einkauf der benötigten Materialien, überwachten den Absatz der Kohle, setzten Ausbeute oder Zubuße fest und versahen das Markscheidewesen.

Zur Durchführung dieser Arbeiten wurde der Bezirk des Märkischen Bergamtes in die Geschworenenreviere Sprockhövel, Schlebusch-Hardenstein, Witten, Bochum, Hörde und ab 1838 Stalleicken eingeteilt.

Die Geschworenen entwarfen für die Gruben ihres Reviers die Betriebspläne und bereiteten die Generalbefahrung vor. Sie leiteten den Grubenbetrieb, bestimmten die Belegschaftsstärke und überwachten die Haushaltsführung und das Knappschaftswesen file://fn@03.

Den speziellen Grubenbetrieb führten die ihnen unterstellten Obersteiger (gewöhnlich zwei in einem Geschworenenrevier). Sie gaben die für den Abbau nötigen Arbeitsanleitungen, bestimmten die Gedinge- und Schichtlohnarbeiten und schlossen mit den Bergleute die Gedinge ab. In monatlichen Fahrberichten gaben sie über den Stand der Arbeit Auskunft.

Aufgrund eines Erlasses des Finanzministeriums vom 15.08.1839 wurden 1938/40 die Geschworenenreviere neu organisiert. Sie wurden um die Hälfte verkleinert und die technische Leitung in jedem der 12 neuen Reviere in der Grafschaft Mark einem Geschworenen oder Obersteiger als selbstständigen Revierbeamten übertragen.

Die Rechtssprechung durch das Bergamt, wie sie vor der Übergangszeit bestanden hatte, wurde nicht mehr ausgeübt. Am Sitz des Bergamtes wurde ein besonderes Berggericht gebildet, das in Verbindung mit dem Bergamt stand und bei dem der Bergamtsjustitiar als Richter fungierte.

Die Führung der Berggegenbücher und die Berechtigung, Akte der freiwilligen Gerichtsbarkeit in Bergsachen aufzunehmen, verblieb dem Bergamt.

Durch Erlass des Ministers für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten vom 02.02.1857 wurde die Aufhebung des Tecklenburg-Lingenschen Bergamts zu Ibbenbüren zum 01.04.1857 verfügt file://fn@04. Die Aufsicht über seinen Verwaltungsbezirk wurde dem Märkischen Bergamt übertragen.

Durch das Gesetz über die Verhältnisse der Miteigentümer vom 12.05.1851 und das Gesetz über die Beaufsichtigung des Bergbaus durch die Bergbehörde und die Verhältnisse der Berg-, Hütten- und Salinenarbeiter vom 21.05.1860 (sog. Freizügigkeitsgesetz) wurde das Direktionsprinzip, die wirtschaftliche Lenkung des Privatbergbaus durch den Staat, aufgehoben und die Tätigkeit der Bergbehörden auf ihre heutigen Aufgaben, im Wesentlichen bergpolizeiliche Maßnahmen, beschränkt.

Das Gesetz vom 10.06.1861 stellte die Zuständigkeit der Oberbergämter klar. Sie übernahmen die noch bei den Bergämtern verbliebenen Aufgaben, womit die Bergämter überflüssig wurden.

Durch Erlass vom 29.06.1861 wurde das Märkische Bergamt aufgehoben. Nach fast 125-jähriger Tätigkeit stellte es am 30.09.1861 seine Tätigkeit ein file://fn@05.

Der Bestand Märkisches Bergamt Bochum gelangte mit den Abgaben des Oberbergamtes Dortmund in den Besitz des Staatsarchivs (Zugänge 15/1910, 24/1949 und 50/1966).

Anlässlich einer vom Staatsarchivdirektor Dr. Richtering vorgenommenen Neuordnung des Oberbergamtes wurden dei Vorprovenienzen, die Märkischen Bergämter Wetter und Bochum und das 1792 eingerichtete Westfälische Oberbergamt herausgetrennt und gesondert aufgestellt.

Der vorliegende Bestand wurde neu verzeichnet. Da kein brauchbares Registraturschema vorlag, wurden die einzelnen Aktenbände nach Sachbetreffen geordnet und laufend durchgezählt.

Münster, im Dezember 1971

Schnorbus

Direktoren des Märkischen Bergamts Bochum

··von Kloeber (15.03.1815 - 1820)

·Friedrich Wilhelm Ferdinand Bernhard Hermann Karl von Derschau (07.06.1821 - 12.05.1838)

·Johann Ehrenfried Honigmann (1838 - 01.10.1846)

·Karl Theodor Jacob (1846 - 1851)

·Heinrich von Hövel (1851 - 1857)

·Karl Küper (1857 - 1861)

Umfang : 739 Akten (200 Kartons), Findbuch M 511 mit Index und Konkordanz.

Verweise :

Gebhardt, Gerhard, Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisation, Essen 1957.

Krampe, Hans-Dieter, Der Staatseinfluss auf den Ruhrkohlenbergbau in der Zeit von 1800 bis 1865, Köln 1961.

Reuss, M., Mitteilungen aus der Geschichte des Königlichen Oberbergamtes zu Dortmund und des Niederrheinisch-Westfälischen Bergbaues, Berlin 1892



Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken