Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
3. BEHÖRDEN UND EINRICHTUNGEN DES STAATES UND DER SELBSTVERWALTUNG NACH 1816
3.3. WIRTSCHAFTSVERWALTUNG
3.3.5. Bergbau
3.3.5.2. Alte Bergämter (bis 1861) und Berginspektionen
Tecklenburg-Lingensches Bergamt Ibbenbüren und Berginspektion Ibbenbüren
M 514, Tecklenburg-Lingensches Bergamt Ibbenbüren und Berginspektion Ibbenbüren
Permalink des Findbuchs


Signatur : M 514

Name : Tecklenburg-Lingensches Bergamt Ibbenbüren und Berginspektion Ibbenbüren

Beschreibung :

Einleitung :

Mit Verfügung vom 15.09.1770 wurde die Tecklenburg-Lingensche Kammerdeputation, die bisher die Bergwerke in den Grafschaften Tecklenburg und Lingen verwaltet hatte, von der Errichtung des Tecklenburg-Lingenschen Bergamtes in Ibbenbüren unterrichtet. Zu der Gründung dieser neuen Behörde kam es nach Bereisung des Tecklenburg-Lingenschen Bergdistriktes durch eine Kommission, die "sowohl in Absicht des Baues selbst, als auch der dazu nötigen Oeconomie nicht auszusetzen fand..., damit auch der Steinkohlendebit mehr befördert werde, so hat das Bergamt dahin zu sehen, daß die Brandwein-Brennereien durchgehend mit Steinkohlen betrieben werden". file://fn@01

Das neugegründete Bergamt wurde mit einem Bergrat und einem Berggeschworenen besetzt.

Längere Auseinandersetzungen um die Herausgabe der Bergakten zwischen ihnen und der Kammerdeputation zeugen davon, dass die Deputation mit der Einrichtung der neuen Behörde und ihrer Unterstellung unter das Bergwerks- und Hüttendepartement des Generaldirektoriums nicht einverstanden war, zumal der Kammerdeputation bereits im Jahr 1753 die Bezeichnung "Königlich Preußisches Bergamt" in Bergwerksangelegenheiten verliehen worden war. file://fn@02

Auf Vorschlag des Freiherrn vom Stein wurde das Tecklenburg-Lingensche Bergamt zu Ibbenbüren am 26.06.1792 dem zum Westfälischen Oberbergamt erhobenen Märkischen Bergamt zu Wetter unterstellt. Zur Begründung führt vom Stein die einfache Besetzung des Bergamtes an. Er verspricht sich von der Umorganisation die Vergrößerung der sehr "eigenwilligen" Knappschaft, die Erziehung von Nachwuchskräften in vermehrtem Umfang, eine Verbesserung des Tecklenburg-Lingenschen Bergbaus und damit des Haushalts, da das Märkische Bergamt über größere Erfahrung und mehr Ideen verfüge. file://fn@03

Nach der preußischen Niederlage 1806/07 wurden die Grafschaften Tecklenburg und Lingen zunächst von den Franzosen verwaltet, bis sie am 21.01.1808 zum Großherzogtum Berg geschlagen wurden. Das nunmehrige "Großherzoglich bergische Tecklenburg-Lingensche Bergamt" zu Ibbenbüren blieb bestehen und wurde nach der Auslösung des Westfälischen Oberbergamtes im September 1810 der Generaladministration der Bergwerke, Salinen, Hüttenwerke und Steinbrüche in Düsseldorf unterstellt.

Nach der erneuten Besitznahme durch Preußen im Jahre 1813 wird die alte Behördenverfassung wieder hergestellt und somit "ressortiert das Tecklenburg-Lingensche Bergamt künftig in allen Stücken von der technischen Behörde zu Dortmund". file://fn@04

1837 erfährt der Bezirk des Tecklenburg-Lingenschen Bergamtes seine erste Vergrößerung. Wegen des steigenden Kohleabbaus im ehemaligen Fürstentum Minden und vieler Mutungen auf Eisenstein wird die Aufsicht über den Bergbau im Regierungsbezirk Minden, mit Ausnahme der ehemaligen Fürstentümer Paderborn und Corvey und des Kreises Wiedenbrück dem Tecklenburg-Lingenschen Bergamt übertragen.

Nachdem die Verwaltung des Berg- und Hüttenwesens über die ehemalige Herrschaft Rheda bereits 1840 dem Tecklenburg-Lingenschen Bergamt überlassen wurde, folgen 1842 auch die restlichen Teile des Kreises Wiedenbrück, das Amt Reckenberg und die Grafschaft Rietberg. Durch Erlass vom 23.10.1852 wird dem Tecklenburg-Lingenschen Bergamt schließlich auch die Verwaltung des Bergregals in den Fürstentümern Paderborn und Corvey übertragen. file://fn@05

Bereits bei der Aufstellung des Normalbesoldungsetats für die Unterbehörden der Bergwerks-, Hütten- und Salinenverwaltung für das Jahr 1853 ging man von der Ansicht aus, dass das Tecklenburg-Lingensche Bergamt zu Ibbenbüren entbehrlich und dessen Verwaltungsbezirk mit dem Bezirk des Märkischen Bergamtes zu Bochum zu vereinigen, dabei aber Rücksicht auf die Stellung des Bergamtsdirektors Buff zu nehmen sei. Da sich keine befriedigende Lösung anbot, die märkischen Bergbeamten mit Arbeit überhäuft waren, man hohe Verwaltungskosten scheute und die in Folge des Baues der Eisenbahn Minden-Ibbenbüren-Rheine die Kohleförderung anstieg, wurde durch Erlass vom 20.08.1853 die Beibehaltung der bisherigen Verhältnisse genehmigt. file://fn@06

Nach der Pensionierung des Direktors Buff zum 01.10.1856 wurden dann die Vorbereitungen zur Zusammenlegung des Tecklenburg-Lingenschen Bergdistrikts mit dem märkischen Bergbezirk getroffen. Durch Erlass vom 02.02.1857 genehmigte König Friedrich Wilhelm die Vereinigung der beiden Bergämter zum 01.04.1857. Dem Bergamt in Bochum wurden die bergpolizeiliche Aufsicht und die Kontrolle der Knappschaft übertragen. Die staatlichen Bergwerke wurden unter die Aufsicht einer Berginspektion gestellt.

In Folge des Gesetzes über die Zuständigkeit der Oberbergämter vom 10.06.1861 wurde das Märkische Bergamt Bochum aufgelöst und seine Aufgaben dem Oberbergamt in Dortmund übertragen. file://fn@07

Das Oberbergamt nahm die bergpolizeiliche Aufsicht über die staatlichen Kohlenbergwerke bis zum 01.01.1893 wahr. Dann wurden sie dem Bergrevier Osnabrück bzw. Hamm (Verlegung am 01.01.1903) übertragen. file://fn@08

1923 wurde die Berginspektion Ibbenbüren aufgelöst und die Verwaltung des staatlichen Steinkohlenwerkes unmittelbar der Bergabteilung des Handelsministeriums unterstellt, um im Laufe des Jahres 1924 in die Preußag (= Preußische Bergwerks- und Hütten-AG) eingebracht zu werden. file://fn@09

Die nachstehend verzeichneten Akten umfassen den Zeitraum von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Jahre 1924. Sie enthalten damit neben den Akten des Tecklenburg-Lingenschen Bergamtes auch die schriftliche Überlieferung der an seiner Stelle 1857 eingerichteten Berginspektion Ibbenbüren. Eine Trennung dieser beiden Provenienzen erschien unzweckmäßig, da die Bergamtsregistratur in den der Berginspektion verbliebenen Aufgabenbereichen von dieser nahtlos fortgeführt wurde. Die Akten wurden im Sommer 1938 (Zgg.32/1938) von der Preußag/Steinkohlenbergwerke Ibbenbüren abgegeben. Das Ordnungsschema des mit den Akten übergebenen Repertoriums (jetzt RB 183c) wurde beibehalten.

Weitere Akten betr. Bergbau und Bergverwaltung in Tecklenburg und Lingen befinden sich in folgenden Beständen: Kriegs- und Domänenkammer Minden, Tecklenburg-Lingensche Kammerdeputation, Westfälisches Oberbergamt, Märkisches Bergamt Bochum und Oberbergamt Dortmund. Im Archiv der Westfälischen Berggewerkschaftskasse lassen sich Akten betr. Einrichtung, Eröffnung und Fortgang der Bergschule nachweisen.

Münster, November 1972

Schnorbus

Umfang : 618 Akten (188 Archivkartons), Findbuch M 514 mit Konkordanz.



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